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Neuer Journalismus zur #WM2014

babb

In den vergangenen Tagen wurde viel über Googles Experiment zur Berichterstattung zur Fußball-WM diskutiert (hier der FAZ-Text). Dabei ist ein wenig in den Hintergrund getreten, dass diese WM tatsächlich auch ein Beispiel dafür ist, wie der Sportjournalismus digitalisiert wird. Dabei meine ich weniger Tortechnik oder 3D-Grafiken, sondern das, was gemeinhin als Internet-Quatsch bezeichnet wird.

Genau diesem Quatsch rund um den Fußball widmet sich seit Mai ein beachtenswertes Projekt des Telegraphs in Großbritannien: das Fußballblog Babb (Football, Fun, Games … then a bit more football) ist der erstaunliche Versuch, klassischen Sportjournalismus mit den Regeln des Social-Web zu verbinden. Es gibt auf der responsiv gestalteten Seite klassische Buzzfeed-Traffictreiber wie das Quiz “Welcher WM-Trainer bist du?”, es gibt Webfundstücke und WM-bezogene Meme, es gibt aber auch solche Beiträge, die erstaunliche Analysen auf digitale Art liefern: Anatomy of a drubbing ist der Beweis, dass man mit sehr einfachen und nicht nur ernst gemeinten Mitteln sehr gut erklären kann, warum Brasilien im Spiel gegen Deutschland unterlag:

Der Beitrag arbeitet mit einfacher Sprache und Screenshots der Fernsehübertragung, die mit schlichter Bildbearbeitung marktiert wurden. Dabei sieht man, dass man keine sich drehenden Kreise oder 3D-Animationen benötigt um zu analysieren, was Passgenauigkeit, Laufwege oder Verschieben bedeutet. Man scrollt lange runter und freut sich über diese (für mich) neue Form der Spielberichterstattung, die durch animierte Gifs aufgelockert ist. Das braucht Platz, das geht nur digital.

Zum Start des Blogs erklärte Alex Watson (“Head of Product for mobile” beim Telegraph) die Beweggründe für dieses Experiment so:

“We’re interested in trying to appeal to a new audience, and social is a really good way to do that because it breaks down lots of barriers and is an inherently fluid way for people to discover content.”


Jason Seiken
, der Ende vergangenen Jahres als Chefredakteur und Chief Content Officer beim Telegraph begonnen hat, zog dieser Tage ein postives Fazit zu dem Blog:

“Babb is a template for the innovation we’re seeing across all of our operations.“

loading: #paulaliebtdich

Ein Auslöser für das Projekt #paulaliebtdich war dieser Facebook-Eintrag und die zahlreichen Reaktionen darauf – das erzählt Paula Lambert auf der Startnext-Seite zu #paulaliebtdich, einer Bewegung, “deren Ziel es ist, Frauen (und Männern) ein gesundes Selbstbild und Selbstliebe beizubringen.”

Paula Lambert hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was machst du?
Ich bin Autorin, Kolumnistin der GQ und TV-Host, wie das heute so heißt. Im Wesentlichen berate ich die Menschen seit fast zehn Jahren in sexuellen Fragen und schreibe darüber. Irgendwann ist mir klar geworden, dass ich noch so viele Tipps geben kann, die nur alle nicht helfen werden, wenn die Menschen sich selbst im Grunde ihres Herzens nicht lieben können. Es hilft ja nichts, sich in allen möglichen Positionen zu winden und dem Orgasmus nachzujagen, wenn das Grundsätzliche nicht stimmt. Dann stieß ich auf das Video der Australierin Taryn Brumfitt, die darin ihren Kampf mit sich selbst beschreibt und ich merkte, dass mich das Thema sehr anfasst. Ich zum Beispiel werde überraschend häufig beschimpft für meine Figur. Ich hatte eine Agentin, die mir gesagt hat: So wie Du aussiehst, bist du nicht vermittelbar. Aber was ist mit den Frauen und Männern, die nicht die Möglichkeit haben, damit umzugehen, weil sie schüchtern sind oder wirklich gebrochen? Diesen Menschen möchte ich eine Stimme geben. Weil das Leben zu kurz ist, um es damit zu verbringen, sich selbst nicht zu mögen.

Warum machst du es (so)?
Ich habe überlegt: Wie kann dieses Umdenken, das so dringend nötig ist, eine nötige Massenwirkung bekommen? Das geht gut über einen Film, in dem ich klären will, wann der Bruch kommt in der Selbstwahrnehmung? Wer beeinflusst unsere Selbstwahrnehmung? Und Wie sieht der Weg aus in eine gesunde Selbstwahrnehmung?

Wer soll das anschauen?
Alle, die das Thema auch nur im entferntesten tangiert. Nichts ist wesentlicher als Selbstliebe.

Wie geht es weiter?
Ich versuche, das Crowdfunding erfolgreich abzuschließen! Dann geht es sofort in die Produktion.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dass es sich am meisten lohnt, in sich selbst zu investieren. Soll ich ein paar weise Sprüche loslassen? Es muss selbstverständlich werden, schon als Kind zu lernen, dass jeder Mensch unterschiedlich ist und nicht normiert werden kann. Und dass der erste Schritt zu einem erfolgreichen Leben der sein muss, mit sich selbst Frieden zu machen.

>>> #paulaliebtdich hier auf Startnext unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

Mein Geld, meine Hoffnung für Krautreporter

Menschen, die sich mit Crowdfunding befassen, nennen die Phase, in der das ambinitionierte Projekt Krautreporter gerade steckt, das Tal: die flache Ebene zwischen dem Start-Hype und der Schlussphase, in der jeweils sehr viele Menschen mitmachen. Mir war vorher klar, dass ich genau in diesem Tal meinen Beitrag zu dem Versuch leisten würde, Journalismus neu zu denken. Was mir vorher nicht klar war: wie wenig begeistert ich das tun würde.

krautreport1

Seit dieser Woche bin ich Mitglied bei den Krautreportern – dass sich dadurch aber nichts in meinem Verhältnis zu dem Projekt geändert hat, zeigt, warum mir Begeisterung fehlt. Ich hatte gedacht, es ginge hier ernsthaft um den Versuch, Journalismus nicht einzig über den Content, sondern über Kontext zu verkaufen. Ich hatte gedacht, hier würde ernst gemacht mit den Möglichkeiten des sozialen Netzes, mit den Dynamiken, die entstehen wenn viele das Gleiche wollen – auch abseits der bekannten Bühnen. Aber Viralität und soziale Dynamik werden von dem Projekt nicht gefördert. Krautreporter funktioniert – trotz gegenteiliger Bekundungen – derzeit noch immer in alter Prägung. Ich schreibe noch, weil ich hoffe, dass es sich zu einem tatsächlichen Experiment des Neuen wandeln könnte:

Hört auf, auf Online-Journalismus zu schimpfen und fangt an, den wirklichen Wert zu erkennen, den Krautreporter gerade hat: seine Leserinnen und Leser. Fast 6000 Leute haben dem Projekt Geld gegeben. Das ist erstaunlich großartig. Das sind fast 6000 Leute, die eine Rolle spielen (wollen). Das tun sie aber nicht. Sie tauchen auf der Seite nicht auf, ihr Interesse wird nicht genutzt. Sie werden lediglich als Multiplikatoren angesprochen, nicht als Teilnehmer.

Hört auf, auf Fernseh-Erwähnungen zu schauen und dämliche Aktivierungsaktionen für einige wenige anzuzetteln. Statt Facebook-Fans zu beschimpfen, die kein Geld geben, sollte ihr euch mit denen freuen, die mitmachen. Bindet sie ein, macht sie zu wirklichen Mitgliedern. Diskutiert mit ihnen, fragt bei ihnen nach und zeigt den Menschen, die noch nicht Mitglied sind, was ihnen entgeht.

Es klingt so blöd, aber fast will ich den Krautreporter zurufen: Macht endlich Crowdfunding und hört auf, einfach nur Geld einzusammeln!

>>> Hier kann man das Projekt unterstützen!

Mehr zur Debatte rund um Krautreporter bei Michalis Pantelouris, Thomas Knüwer, Daniel Fiene, Das Nuf – und natürlich auch hier und hier.

Urheberrecht und Geistesgestörte

Die Debatte um das Urheberrecht ist etwas abgekühlt und hat auch an Humor verloren. Kurz vor der Europawahl kann man nochmal daran erinnern, dass die Acta-Debatte europäische Urheberrechtspolitik erst vor wenigen Monaten in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit brachte.

Nicht ganz so prominent, aber nicht weniger interessant ist ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt, das gerade für urheberrechtliche Aufmerksamkeit sorgt: Im Fall der bereits verstorbenen Psychologin Helen Schucman geht es um die Urheberschaft an Texten, die dieser von Jesus Christus in aktiven Wachträumen diktiert wurden. So jedenfalls stellte Schucman den Schaffensprozess dar. “Das machte sich ein deutscher Verein zunutze”, schreibt Spiegel Online. “Er übernahm Passagen aus dem Buch mit der Begründung, dass Schucman ja selbst angegeben habe, nicht die Urheberin zu sein – sondern eben der Heiland.”

Das Gericht kam zu einem anderen Ergebnis: “Schucman sei gesetzlich als Urheberin anzusehen”, schreibt lto.de, “nicht lediglich als Gehilfin oder Schreibkraft. Es komme nämlich nicht auf den geistigen Zustand des Verfassers an, sondern auf den tatsächlichen Schaffensvorgang, den “schöpferischen Realakt”, führte das Gericht aus. Daher könnten auch Geistesgestörte, Hypnotisierte und in Trance befindliche Personen Urheber sein.”

Mehr zum Thema auch beim Guardian

loading: Crowdspondent

Steffi Fetz und Lisa Altmeier sind Crowdspondent. Mit dem Kofferwort beschreiben sie ihre ungewöhnliche Kombination von Korrespondenten-Tätigkeit und Leser-Kontakt. Im vergangenen Jahr berichteten sie auf diese Art aus Brasilien, für diesen Sommer haben sie sich eine Deutschland-Reise vorgenommen, die sie nun mit Hilfe ihrer Leser finanzieren wollen.

Ich* habe den beiden den loading-Fragebogen zugeschickt.

Was macht Ihr?
Wir sind eure persönlichen Reporter und recherchieren mit euch im Team drei Monate lang alles, was ihr wissen wollt. Auf crowdspondent.de entsteht so eure persönliche Deutschland-Reportage. Wir filmen, machen Radio und schreiben Texte. Und das alles mit euch zusammen. Ihr sagt uns über Facebook, Twitter und unseren Blog wo es hingeht und was wir da machen sollen. Getestet haben wir das letztes Jahr in Brasilien, ein Jahr vor der Fußball-WM. Jetzt soll es in die zweite Runde gehen.

Warum macht Ihr es (so)?
Weil wir einerseits ziemlich begeistert davon sind, wie gut man mit seinen Lesern und Zuschauern im Team zusammen arbeiten kann und wie viel die Crowd einem immer wieder zurückgibt. Aber auch, weil wir andererseits mit der Themenauswahl und -setzung in den so genannten klassischen Medien oft unzufrieden sind. Warum werden manche Geschichten wochenlang hochgeschrieben und verschwinden dann, so als wäre nie darüber gesprochen worden? Wieso hört man aus bestimmten Regionen immer wieder dieselben Sachen? Und wieso arbeiten Journalisten und Leser gerade online häufiger gegeneinander als miteinander? Da geht noch was!

Wer soll sich dafür interessieren?
Jeder, der Ideen hat und der uns seinen eigenen Blick auf Deutschland verraten will. Jeder, der sich in der Themenauswahl klassischer Medien nicht vertreten fühlt und der neugierig auf die Geschichten des Landes ist, die er noch nicht kennt. Auch jeder, der bereit ist, seine Vorurteile über bestimmte Regionen zu überdenken.

Wie geht es weiter?
Unser Crowdfunding ist gerade angelaufen und wir durften unser Projekt auf der re:publica in Berlin vorstellen. Wenn alles klappt, starten wir Anfang Juli zur großen dreimonatigen Deutschlandtour. Natürlich mit euren Themen im Gepäck.

Was sollen mehr Menschen wissen?
Guter, unabhängiger Journalismus kostet Geld. Das sollen unsere Leser auch ruhig wissen. Unser Ziel ist es nicht nur, neuen Journalismus auszuprobieren, sondern auch gemeinsam mit der Crowd herauszufinden, wie man diesen neuen Journalismus bezahlen kann. Und: Im Minutentakt News herauszuhauen und dem hinterherzurennen, worüber alle anderen Medien auch berichten, reicht einfach nicht mehr.

>>> Hier Crowdspondent auf Startnext unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:




* Disclosure: Ich habe das Projekt bereits finanziell unterstützt und Steffi und Lisa vorab beraten

loading: Looking Into Black Boxes

Für das Projekt “Looking Into Black Boxes” will Reporterin Fiona die schwarzen Kisten der Computerisierung öffnen. So steht es auf der Krautreporter-Seite, die Dirk Herzog eingerichtet hat. Er schreibt über das Ziel der “neuen Webvideo-Reportagereihe über die Computerisierung unseres Alltags”: “Wir wollen herausfinden wie Maschinen und Programme unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben schon jetzt verändert haben.”

Ich habe Dirk Herzog den loading-Fragebogen geschickt.

Was macht du?
Gemeinsam mit Jan Rödger betreibe ich die Filmproduktion 6sept13 und arbeite als Dokumentarfilmer. Bei den Recherchen zu einem Dokfilm über Alghorithmen und Gesellschaft habe ich Fiona, die auch den Podcast n00bcore.de betreibt getroffen. Wir haben festgestellt, dass es für uns viele thematische Überschneidungen gibt und starteten dann recht schnell das Projekt Looking Into Black Boxes.

Warum machst du es (so)?
Zuerst liegt uns das Thema am Herzen. Wir sind selbst neugierig wohin uns die Videos bringen werden. Darüber hinaus glauben wir, dass es eine gewisse Dringlichkeit gibt, das Zusammenspiel von Computer und Gesellschaft besser zu verstehen und das Thema für möglichst viele verständlich aufzuarbeiten. Es klafft da eine große Lücke zwischen den Entscheidungen, die Experten treffen und denen, die es dann betrifft.
Crowdfunding war für uns ein schnelles Werkzeug zwei Dinge gleichzeitig zu tun: Zum einen heraus zu finden, wie groß das Interesse an so einem Format ist (und nach der großen Resonanz der ersten Tage können wir sagen: Ja, es gibt großen Bedarf). Zum andern können wir so eine Basisfinanzierung für den Start des Projekts auf die Beine stellen. Und zwar ohne die teils langwierigen Antragswege, wie man sie im Kulturbereich kennt und ohne Einschränkungen, die manch ein einzelner Geldgeber vielleicht durchsetzen könnte. So sind wir sofort und direkt unserm Publikum verpflichtet und das ist klasse.

Wer soll das anschauen?
Unser Projekt ist für Leute, die mit uns die Ahnung teilen, dass das Leben mit Computern unser Zusammenleben komplett verändert. Und zwar nicht in ferner Zukunft, sondern gerade jetzt. Die Videos sind gedacht für Leute, die mehr darüber wissen wollen, wo und wie diese Veränderungen stattfinden. Um dann besser entscheiden zu können, wie man mit diesen Veränderungen umgehen will.

Wie geht es weiter?
Stichtag der Kampagne ist der 11.05. Wir hoffen bis dahin noch viel viel mehr Leute zu erreichen, auch über den Kreis der Überzeugten und Netzaffinen hinaus (von denen wir dankenswerterweise schon enorme Unterstützung erhalten haben) In der Zuversicht, dass das Crowdfunding den Start der ersten Videos ermöglicht, glauben wir das “Looking Into Black Boxes” ein längerfristiges Projekt, dann vielleicht auch mit Partnern, werden wird. Den Youtubekanal auf dem die Videos laufen werden, gibts auf jeden Fall und kann hier auch schon abonniert werden.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Man sollte sich mehr bewusst darüber sein, dass Rechner und ihre Daten erstmal weder gut noch böse sind, und auch nicht einfach mal so helfen oder schaden. Sondern dass es in der Regel immer noch Menschen sind die entscheiden, wie und wo Computer genutzt werden. Wie das in Zukunft sein wird, liegt wohl auch an Entscheidungen, die wir jetzt alle treffen.

>>>> “Looking Into Black Boxes” hier auf Krautreporter unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:



loading: Rock Bottom

In den Projekten, die im loading-Newsletter vorgestellt werden, geht es immer auch um Kunst und Geld. Im Fall von Rock Bottom ist das auch das inhaltliche Thema. In der “Rock Bottom – Songs of no money” genannten Dokumentation stellen Marc Helfers und Martin Groß die wahren Helden des weltweiten musikalischen Untergrunds vor. Dass es dabei nicht immer um die großen Bühnen und das große Geld geht, verrät bereits der Untertitel, der den Film als eine “feature documentary about poverty and Rock´n´Roll” beschreibt.

Ich habe Martin Groß den loading-Fragebogen geschickt.

Was machst du?
Mein Kollege Marc Helfers und ich betreiben die Neue Stereo Filmproduktion. In unserer täglichen Arbeit werden wir von Plattenfirmen, Musikern, Veranstaltern, ect. gebucht um Musikvideos oder auch dokumentarische Arbeit für Promonutzung, Bonus DVDs, etc zu produzieren.
Das ist auch super und macht Spaß, aber mit dem Projekt “ROCKBOTTOM – Songs of no Money” wollen wir mal auf die andere Seite gucken. Dahin, wo es eben keine Plattenfirma und kein Geld gibt, aber trotzdem viel Talent der Musiker, die wir portraitieren wollen. Deshalb sind wir jetzt bei Indiegogo

Warum machst du es (so)?
Das schliesst nahtlos daran an. Wir haben halt keinen Auftraggeber für das Projekt und wollen zum jetzigen Zeitpunkt auch gar keinen haben. Es soll ein freies Projekt sein und an der Geschichte ausgerichtet sein. Nicht daran, dass wir irgendwelche Bedürfnisse von Kunden erfüllen müssen. Deshalb bitten wir die potentiellen Zuschauer des Films um Unterstützung für die sie aber auch etwas bekommen. Zum Beispiel den fertigen Film im nächsten Jahr oder auch einiges andere…

Wer soll das anschauen?
Den Film sollen sich dann alle angucken, die sich für Musik interessieren und gerne abseits des Mainstreams und der ausgetretenen Pfade bewegen.

Wie geht es weiter?
Die Kampagne läuft nun seit ein paar Tagen. Wir haben sehr positive Resonanz von Medien, Blogs, Radiosendern, etc, die darüber berichten und berichten werden und machen diesbezüglich weiter Wirbel…
Zudem sammeln und verbreiten wir Unterstützer-Botschaften von Musikern mit denen wir sonst arbeiten und die das Projekt gut finden: Maxim, Tocotronic, Malia, Andreas Bourani, Erik Langer von Kettcar, Josephine und einigen anderen interessanten und prominenten Menschen aus unserem Umkreis,.B. Katharina Schüttler oder Hartje Andresen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Es hängt an so vielen Faktoren, ob Musiker (und letzlich auch andere Künstler) kommerziell erfolgreich sind und nicht in erster Linie am Talent. Wir halten die Musiker aus unserem Filmvorhaben für sehr talentiert und glauben, dass sie eine größere Bühne verdient haben. Vielleicht ist es aber als Künstler auch grade gut, nicht kommerziell erfolgreich zu sein
und in die damit verbundenen Zwänge zu geraten…? Wir gehen mit dem Film unter anderem auf die Suche nach dieser Frage…

rockbottom

>>> Hier Rock Bottom auf Indiegogo unterstützen!

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loading: PeterLicht “Live”

PeterLicht macht sein erstes Live-Album. Mit Euch. Krach, Musik und tonnenweise Worte.” Mit diesen Worten wird das Crowdfunding-Projekt von PeterLicht auf Startnext angekündigt. Der Musiker hat für sein Live-Album gerade die Fundingschwelle von 19.500 Euro überschritten – und hier den loading-Fragebogen beantwortet.

Was machst du?
Ich mache ein Live-Album, von der Musik und den Texten, die ich live spiele/spreche. Ich nehme auf und bringe raus. Das Album heisst “Lob der Realität”: Ich stehe auf der Bühne und lenke meinen Mund in die Nähe eine Mikrofons und fang an zu singen. Meine Idee von einem Lied, oder die Idee von einem Text, bekommt einen Körper.
Was ich mache? Ich hänge einen Körper an eine Idee. Oder einen Mund an ein Wort. Die Musik ändert sich dadurch, dass man sie live spielt. Sie wird anders. Die Lieder werden physisch. Mein Körper, mein Mund und meine Worte. Alles anders. (Lieder sind wie Menschen).

Warum machst du es (so)?
Ganz banal: die Plattenfirma wollte/ (wahrscheinlich auch: konnte) es nicht machen. Dann mach ich es eben selber, dachte ich.
Und es klappt. Jetzt haben wir den Sockel-Betrag eingesammelt, den wir mindestens brauchten. Großartig! Und jetzt freuen wir uns über jeden weiteren Euro, der noch zusammenkommt. Je mehr je besser. Damit können wir die Kosten decken, die noch nicht im Budget waren.

Warum mache ich das? Es ergibt sich eine Hoffnung: die Möglichkeit, selbstbestimmt zu handeln. Mit den Leuten, direkt für die Leute, für die die Musik und das ganze PeterLicht-Ding ja gedacht ist. Ich glaube/hoffe, die Zukunft der Musik / der Kunst / neuer Dinge + Ideen liegt hier. Wenn der Markt sich auflöst, muss etwas neues entstehen. Ich wünsche mir unendlich viele Projekte dieser Art auf der Welt. Demokratisch. Selbstbestimmt. Unabhängig. Es gibt kein Produkt mehr. Es gibt keine Markt mehr. Es gibt nur noch “Unterstützung”. Das fühlt sich ungewohnt an und irgendwie labberig. Aber auch direkt und frei.

Mein Gefühl ist ambivalent: Ich vermute, wir werden noch die Abschaffung vieler Märkte erleben. Und nicht nur in Kreativ-Branchen, die eigentlich niemand so richtig braucht. Sondern im ganz normalen Leben. Für jedermann. Brot ist umsonst. Die Bäckerei wird gefundet. Eine neue Technik kommt. Und schafft den Markt ab. Und jemand beint den Kadaver aus, der jetzt nutzlos herumliegt. Wieviele Menschen arbeiten bei Instagramm? Wieviele arbeiteten bei Kodak?). Und es entsteht Gewinn, den sich wer nimmt. Und die Zukunft gehört vor allen Dingen einem Phänomen: der Technik. Vielleicht geht es darum, die Dinge neu zu denken. Dass es kein Produkt mehr gibt. Aber: gibt es kein Produkt mehr? Auf der anderen Seite: Freude, dass es einen Weg gibt. Dass man unabhängig seine Ideen umsetzen kann. Dass es die Leute gibt, die mitmachen.

Wer soll das anhören?
Leute.

Wie geht es weiter?
In der Realität. Auf dem Boden der Tatsachen. Was man spürt ist eine Renaissance der Realität. Die Blasen platzen. Das Schöne an der Realität ist, dass sie einen Körper hat. Das Reale fühlt sich immer körperlich an. Das kann man loben. Das Furchtbare: es ist so real. Und: in der Welt des Realen hat das Absurde Konjunktur.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Es heisst, der Applaus sei das Brot des Künstlers.
Ich seh das anders. Das Brot ist das Brot es Künstlers.

>>> Hier das Live-Album von PeterLicht auf Startnext kaufen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:



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Little Numbers

Anfang März 2013 spielten Valeska Steiner und Sonja Glass in New York. Beim Konzert ihrer Band Boy in Brooklyn gibt es einen erstaunlichen Moment als die beiden bemerken, dass das Publikum bei ihrem ersten Auftritt in Amerika beginnt, den Text von “Little Numbers” mitzusingen.

Der Clip ist bereits ein Jahr alt, er wurde mir aber gerade via Reddit in die Timeline gespielt. Es handelt sich um eine besonders schönes Beispiel für die These des Dialogs. Die Möglichkeiten des Dialog-Raums Internet beziehen sich genau auf solche Momente, die nicht nur entstehen, weil der Künstler auf der Bühne steht, sondern weil der Raum davor gefüllt ist.