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Nachtrag zur Urheberrechts-Debatte: Böhmermann und die Bilder

Dieser Post ist ein Nachtrag zu diesem Eintrag vom Samstag

Seit Jan Böhmermann in der vergangenen Woche öffentlich machte, dass er wegen eines Urheberrechtsbruchs abgemahnt wurde, ist eine kleine Debatte um die Verwendung urheberrechtlich geschützer Bilder im Netz entstanden. Das freut mich, weil ich davon überzeugt bin, dass wir übers Urheberrecht und seine Anwendung reden müssen, damit Menschen Einsicht nehmen in dieses Gesetz. Denn das Urheberrecht ist immer nur so gut, wie seine Akzeptanz in der Bevölkerung.

Ich betone das hier nochmal, weil ich von unterschiedlicher Seite auf die Debatte angesprochen wurde und weil sich einige Blogeinträge darauf beziehen. Mir geht es nicht darum, die Ansprüche von Martin Langer in Frage zu stellen. Auch ist mir bewusst, dass wir ein Urheberrecht haben, an das sich auch Jan Böhmermann halten muss. Dass er abgemahnt wurde, beweist ja genau dies. Mir geht es um eine Frage, die über den konkreten Fall hinausweist. Mir geht es darum, dass im Netz plötzlich jeder urheberrechtlich geschützte Werke verbreiten kann – und das auch tut. Mir geht es darum, dass wir mit einer technischen Veränderung konfrontiert sind, auf die das Gesetz reagieren muss. Und nein: Mir reicht es nicht zu sagen: Böhmermann muss sich an das Urheberrecht halten. Das stellt niemand in Frage.

Ich frage mich: Warum halten sich so wenige Menschen dran? Vielleicht weil das Gesetz sich immer weiter von der Lebensrealität der Menschen entfernt hat. Wenn das Gesetz darauf nicht reagiert, wird seine Legitimation immer weiter schwinden – sehr zum Schaden der Urheber und Verwerter. Wenn wir diesen abwenden wollen, müssen wir also über eine Reform des Urheberrechts sprechen. In den Kommentaren bei netzpolitik hat Till Frank das so formuliert:

(…) ein (zugegebenermaßen etwas schiefer) Vergleich: Im Straßenverkehr gibt es klare Regeln. Trotzdem halten sich die meisten nicht (exakt) daran, sondern passen ihr Verhalten den Umständen an. Auch, weil sie wissen, daß nicht überall kontrolliert werden kann – und “die anderen es doch auch machen”. Es ist dann aber auch gesellschaftlich akzeptiert, bei einem Vergehen je nach Schwere sanktioniert zu werden – von den 5€ Bußgeld für falsches Parken bis zu mehreren hundert € + Fahrverbot für schwere Verstöße. Analog dazu könnten vermutlich viele auch damit leben, wenn Nutzungsverstöße ähnlich geahndet werden würden (bsp. 20€ für ein Twitter-Foto, 40 für FB etc. bis zu schwereren Strafen bei gewerblicher Nutzung). Aber für eine Abmahnung über 1000€ für einen Tweet hat keiner Verständnis. (…)

Und bei all dem geht es übrigens gar nicht um Jan Böhmermann – und auch nicht darum, dass ich Belehrungen von Hobby-Juristen brauche. Es geht darum, dass ein zukunftsfähiges Urheberrecht nur ein solches ist, das die Menschen auch verstehen und für einsichtig halten. Das habe ich wiederholt an anderer Stelle (u.a. sogar hier) gesagt.

Vielleicht bringt uns diese Debatte einen Schritt näher dorthin!

Update: Jan Böhmermann hat mit Hilfe von William Cohen übrigens auch einen Nachtrag zur Debatte produziert. Da ich mich für Referenzen und Kopien begeistern kann, gefällt mir das natürlich


Mehr auch bei Nerdcore

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loading: This Is Atomic Love

“Es wollte jeder nur man selber sein”, sagt Mehmet Scholl im Pitchvideo zu “This is Atomic Love” und ergänzt: “Und das war ungewöhnlich in München.” Der ehemalige Bayern-Spieler spricht über einen Club, der Ende 2014 nach 18 Jahren geschlossen wurde: Das Atomic Cafe. Die Münchner Filmemacher Heike Schuffenhauer und Marc Seibold wollen dem Club nun ein filmisches Denkmal setzen. “This Is Atomic Love” soll ein Dokumentarfilm über das Atomic Cafe werden – finanziert über Startnext.

Heike Schuffenhauer hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was machst du?
Einen Dokumentarfilm über das Atomic Café – den Indie/ Sixties Club Münchens, der jetzt nach 18 Jahren schließen musste. In „This Is Atomic Love“ lassen wir die Besitzer, Stammgäste, Bands, DJs, Journalisten etc. die Geschichte des Clubs erzählen. Bebildert wird das Ganze mit neuen Aufnahmen und Archivmaterial.

Warum machst du es (so)?
Weil wir das Atomic selbst ziemlich gut fanden. Und weil wir uns für die Geschichten und Filme über Jugendkulturen, Clubs und Musik generell begeistern. Dafür muss man nicht immer nach Berlin, New York, London und so schauen – die guten Geschichten gibt es auch hier. Da der Film ein Herzensprojekt und keine Auftragsarbeit ist, müssten wir alles selbst finanzieren. Reisekosten, Kameraequipment und auch Menschen, die den Film zum Beispiel schneiden Grafiken machen etc. Das alles kostet mehr Geld als wir haben. Crowdfunding hilft uns– wenn es erfolgreich ist – das nicht alles selbst tragen zu müssen. Und das Tolle daran ist, dass wir trotzdem unsere Unabhängigkeit bewahren können. Keiner quatscht uns rein.

Wer sollte sich dafür interessieren?
Zum einen natürlich all die Leute, die selbst gerne ins Atomic Café gegangen sind und die mit dem Club eine gute Zeit verbinden. Aber der Film spricht generell Menschen an, die sich für Musik und Jugendkultur interessieren. Jeder der das Gefühl kennt, dass ein Club mehr sein kann, als einfach nur ein Ort zum Tanzen und Trinken, findet den Film interessant.

Wie geht es weiter?
Gerade läuft die Finanzierungsphase des Projektes auf Startnext und wir hoffen natürlich, dass die erfolgreich beendet wird. Dafür müssen wir in unseren Netzwerken ordentlich Werbung machen. Zeitgleich arbeiten wir natürlich am Film weiter: Wir führen weiter Interviews mit Wegbegleitern des Atomics, sichten Material und klären Rechtliches. Zum Beispiel welche Musik wir im Film verwenden dürfen. Ziel ist es, den Film auf Filmfestivals zu zeigen. Deshalb recherchieren wir jetzt auch schon Festivals und schauen, welche Anforderungen die haben.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dass das Atomic weltberühmt ist! Interviewpartner haben uns erzählt, dass Menschen aus ganz Europa oder auch Amerika das Atomic kennen. Weil es ein Ort war, an dem Kultbands aus der Northern Soul und Sixties Szene noch eine Platform gefunden haben. Und: „Everybody in the UK knows the Atomic.“ Sagt Adam Ficek von den Babyshambles.

/// Hier kann man das Projekt direkt auf Startnext unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:
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“Das kann man nur im Kino erleben”

In der Filmkritik des Films “Wild Tales – jeder dreht mal durch”, der diese Woche ins Kino kommt, lässt die BR-Kritikerin Kirsten Martins den Regisseur zu Wort kommen. Damián Szifron beschreibt darin die soziale Dimension von Kultur am Beispiel des Mediums Film:

Wir haben im Kino einen Augenblick der Gemeinschaft erlebt. Wir haben dasselbe gefühlt, haben gelacht. Das ist die Magie des Kinos. Das kann man nur dort erleben. Nicht bei Netflix.

Ich teile diese Einschätzung, ich glaube, dass diese Magie, die Szifron beschreibt, ein bedeutsamer Bestandteil dessen ist, was die Faszination für Kultur in Gänze (nicht nur Kino) ausmacht: dass wir sie gemeinsam mit anderen erleben.

Ich frage mich jedoch: Gilt das tatsächlich nur für den physischen Ort, den man gemeinsam besucht? Muss es in der Tat ein Kinosaal mit Leinwand sein, der diese Magie entstehen lässt? Kann sie vielleicht auch entstehen, wenn Menschen gemeinsam einen virtuellen Ort besuchen – wenn sie in Echtzeit an besonderen Momenten teilnehmen?

Wenn man diese Fragen stellt, ist man mittendrin in der Debatte um tragfähige Modelle für Kultur im digitalen Raum. Sie muss sich der Magie erinnern, von der Szifron spricht. Und sie muss herausfinden, wie und wo diese Magie entsteht. Und ausgerechnet Netflix kann dabei eine Antwort sein.

Ausgerechnet der Ort, den Sizfron für so ungeeignet hält für das Entstehen von Magie, hat diese Woche gezeigt, dass Magie auch abseits des Massenpublikums entstehen kann. In dieser Analyse auf vox.com kommt Tod vander Werff jedenfalls zu dem Ergebnis:

The world of TV is just a stark reminder of the pop cultural world of 2015. There is no mass audience anymore, just a series of niches, some larger than others.

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Internet-Filme auf ZDFinfo

Am 11. Januar jährt sich der Todestag von Aaron Swartz zum zweiten Mal. ZDFinfo zeigt aus diesem Anlass die deutsche Fassung des Films The Internets Own Boy, den ich sehr empfehlen kann. “Tod eines Internet-Aktivisten” heißt der Film auf deutsch – und steht hier in der Mediathek.

Im Jahr 2013 hat der Kollege Johannes Boie in der SZ diesen Nachruf auf Swartz geschrieben. David Pachali hat den Film für irights.info besprochen.

internetsownboy

Ebenfalls in der ZDF-Mediathek steht übrigens gerade auch der Pirate Bay Film “TPB-AFK” – ebenfalls in einer deutschen Fassung. Hier zum Anschauen.

Auf ZDFinfo läuft übrigens auch das Format “15 Minutes of Fame”, an dem ich mitwirke

Publizistische Marken werden Medien

Gestern abend hat Jürgen Todenhöfer dieses Foto auf Facebook gepostet – mit diesem Text:

Liebe Freunde, heute Nachmittag bin ich aus dem “Islamischen Staat” zurückgekehrt. Die erforderlichen Sicherheitsgarantien hatte ich in monatelangen Skype-Gesprächen mit der Führung des ‘Kalifats’ ausgehandelt. Angeblich war ich der erste westliche Publizist der Welt, der den “Islamischen Staat” besuchen konnte.

Nach zwanzig Stunden wurde das Bild bereits fast 30.000 Mal mit “gefällt mir” versehen, fast viertausend Facebook-Nutzer haben den Beitrag mit ihren Freunden geteilt. Und das obwohl man noch gar keine Inhalte von dem Besuch lesen kann. Der Beitrag endet mit den Worten:

In den nächsten Tagen werde ich Euch nähere Einzelheiten meiner zehntägigen Recherchen im “Islamischen Staat” mitteilen. Jetzt aber bin ich erst einmal hundemüde.

Ende November schrieb die Welt auf ihrer Website, der ehemalige Bundestagsabgeordnete (CDU) und Medienmanager (Burda) plane, den IS zu besuchen. Das hat der Buchautor (Du sollst nicht töten. Mein Traum vom Frieden) nun offenbar getan: “Meine 10 Tage im Islamischen Staat” ist das Foto überschrieben, das einzig auf Facebook erscheint. Eine klassische publizistische Begleitung über Webseiten oder Magazine ist mir bisher nicht aufgefallen.

Ich schreibe das auf, weil ich bei dem Facebook-Post an das Medienengagement von Mario Götze denken musste: Der Fußballprofi verfolgt erkennbar und wie viele andere die Strategie, vom Inhalt der Berichterstattung selber zu einem Berichterstatter zu werden. Der Fall von Jürgen Todenhöfer scheint vergleichbar gelagert zu sein: Der “angeblich erste westliche Publizist der Welt”, der den Islamischen Staat besucht, berichtet darüber – auf Facebook.

Mehr zum Thema in den Digitalen Notizen: Marken werden zu Medien

Update:
Ein Interview mit den Tagesthemen – verbreitet über Facebook

A Declaration of the Independence of Cyberspace – Vinyl Edition

Ein schöner Anlass, um diesen Text auf die Agenda zu holen: Für 50 Dollar kann man hier eine Vinyl-Version der Declaration of the Independence of Cyberspace von John Perry Barlow kaufen:

vinyledition

Der berühmte Text aus dem Jahr 1996 beginnt auf deutsch mit den Worten, die vor dem Hintergrund der Snowden-Enthüllungen ganz anders wirken:

Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch, Vertreter einer vergangenen Zeit: Laßt uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr.

via Boing Boing & Nerdcore

Das Ende des Datenträgers

In einem Interview mit dem Branchen-Magazin Horizont äußert sich der Geschäftsführer der Verlagsgruppe Handelsblatt zur Veränderung im Journalismus durch die Digitalisierung. Gabor Steingart sagt:

Ich finde, wir beschäftigen uns zu viel mit der Frage, auf welcher technischen Plattform wir unsere Inhalte präsentieren. Dabei ist die Technik doch nur ein Instrument der Übermittlung. So wie es keine vinyle Musik gibt, gibt es für mich auch keinen printigen Journalismus. Vinyl ist nur ein Tonträger wie viele andere.

Das klingt klug und beruhigend: Der Inhalt – vermittelt diese Perspektive – bleibt unverändert. Die Digitalisierung betrifft ihn (und seine Produzenten) nur indirekt: Der Inhalt sucht sich bei aller Veränderung um ihn herum nur ein neues Transportmittel, lässt sich also von einem neuen (Daten-/Ton-)Träger zum Publikum transportieren.

Was aber wäre, wenn die digitale Kopie die Idee des Datenträgers obsolet gemacht hätte? Wenn Inhalte nicht mehr getragen werden müssen, sondern fließen? Wenn die Inhalte sich im digitalen Ökosystem also sehr wohl verändern müssen – und damit auch jene, die sie produzieren? Was wäre also, wenn ein Online-Lexikon nicht einfach nur ein neuer Datenträger für die früher gedruckten Inhalte ist, sondern eine komplett neue Idee namens Wikipedia?

Wenn das so wäre, müssten wir Kultur und unsere Inhalte vielleicht wie Software denken und wir müssten feststellen: Wir beschäftigen uns noch viel zu wenig mit der Frage, wie die Technik unseren Beruf verändert.

loading: Kulturbox

Eine Gemüsekiste für Kultur – das will die von Nadja Dumouchel, Alexander Brauch und Alain Bieber erfundene Kulturbox bieten. Das Crowdfunding für das besondere Angebot ist dieser Tage auf Startnext gestartet.

Nadja Dumouchel hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Inspiriert vom Prinzip der Gemüsekiste liefert die KULTUR.BOX einmal pro Quartal eine Auswahl regionaler, saisonaler und unabhängiger Kulturgüter wie z.B. Bücher, Magazine, Filme, Musik, Veranstaltungen und Kunstobjekte, bequem per Post nach Hause. Wir bieten Orientierung in der vielfältigen, deutschlandweiten Kulturlandschaft, indem wir gemeinsam mit lokalen Experten aus jedem Bundesland ein sorgfältig kuratiertes und liebevolles Angebot der schönsten Kulturgüter für euch zusammenstellen. Wir garantieren eine Box voller Überraschungen und Inspiration.

Warum macht ihr es (so)?
Durch die Globalisierung kommt es immer stärker zu einer Homogenisierung von Kulturen und Lebensstilen. Die KULTUR.BOX unterstützt unabhängige Verlage, freie Künstler und Musiker und damit eine kulturelle Vielfalt. Und kulturelle Vielfalt schafft eine reiche und vielfältige Welt, stärkt Demokratie, Toleranz, soziale Gerechtigkeit und gegenseitigen Respekt.

Wer soll sich dafür interessieren?
Unsere Zielgruppe sind alle Menschen, die sich für Kulturgüter abseits des Mainstreams interessieren. Alle kulturinteressierten Menschen, die entweder keine Zeit haben, sich selbst auf dem Laufenden zu halten, was gerade in der Indie-Szene aktuell ist oder Lust haben, von Kuratoren und Experten sich die besten Kulturperlen zeigen zu lassen. Alle, die das Urbane und Szenige hinter sich lassen mussten, weil sie heute die meiste Zeit arbeiten oder sich um ihre Familie kümmern – trotzdem aber Insider bleiben möchten. Alle, die schon lange kein Buch mehr gelesen haben und sich wieder Zeit dafür nehmen möchten. Alle, die ein schönes Geschenk machen möchten.

Wie geht es weiter?
Anfang 2015 kommt für die ersten Kulturbox-Förderer die erste Best-of-Deutschland Box bequem nach Hause geliefert, mit folgenden Kulturgütern:

Sarah Schmidt: “Eine Tonne für Frau Scholz”, Verbrecher Verlag, Berlin, 2014 // LITERATUR
Klebstoff 8, November 2014, International Neighboorhood Verlag, Leipzig // ILLUSTRATION
HGich.T: “MEGABOBO”. CD, November 2014, Tapete Records, Hamburg // MUSIK
Eine Freikarte für “Shorts Attack“. Die volle Ladung Kurzfilm von interfilm Berlin // FILM

Ab dem zweiten Quartal 2015 gibt es dann für jede Region in Deutschland die jeweils passende Kulturbox.

Was sollten mehr Menschen wissen?
In ganz Deutschland gibt es großartige Independent-Labels, unabhängige Verlage und Vereine, in denen Künstler, Filmemacher, Illustratoren, Designer und Musiker mit viel Herzblut und Leidenschaft großartige Kulturgüter abseits des Mainstreams produzieren. Die KULTUR.BOX möchte jene sichtbar machen, die oftmals in der Masse untergehen.

////// Hier die Kulturbox auf Startnext unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

Lauer, Lobo und die Sache mit dem Urheberrecht

In der heutigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung machen Christopher Lauer und Sascha Lobo Werbung für ein Buch, das sie geschrieben haben und das man ab dem morgigen Montag lesen kann – einzig auf der von Sascha Lobo betriebenen Plattform Sobooks. Diese Plattform wird – so eine Ankündigung von der Buchmesse – sehr eng mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kooperieren.
Im Rahmen des Interviews wird das nicht erwähnt.

Im Rahmen des Interviews sagt Sascha Lobo:

Wir stellen im Buch die These auf, dass der Wutanfall des Schriftstellers Sven Regener in einem Radiointerview über das Urheberrecht im März 2012 der Auslöser des Niedergangs der Piratenpartei war. Dieser Wutanfall hat die Unzufriedenheit der Künstler so massiv in die Öffentlichkeit gebracht, worauf die Piraten dann auch noch oft patzig und ohne ernsthafte Alternativen reagierten.

Man kann erst ab Montag 12 Uhr überprüfen, wie die beiden ausgerechnet darauf kommen. Immerhin waren fünf Wochen vor Regeners Wutanfall europaweit soviele Menschen gegen das Anti-Piraterie-Abkommen (ACTA) auf die Straße gegangen, dass die Tagesschau ihre Sendung vom 11. Februar 2012 mit demonstrierenden Piraten eröffnete.

Was man auch ohne Lektüre des Buches feststellen kann, ist dass Lauer und Lobo ein bemerkenswertes Narrativ in die Frage nach einem angemessenen Immaterialgüterrecht im digitalen Zeitalter bringen. Christopher Lauer sagt beispielsweise:

Ich bin beim Schreiben des Buchs noch mal richtig aggressiv geworden wegen dieses Irrsinns der Urheberrechtsdebatte und des Unverständnisses, das die Piraten kunst- und kulturschaffenden Menschen entgegengebracht haben.

Was im Rahmen dieses Interviews übrigens ebenfalls nicht erwähnt wird: Dass die Sache mit dem Urheberrecht keineswegs geklärt ist. Heute wird das Urheberrecht nur nicht mehr in Forderungen von Piraten in Frage gestellt, sondern im Handeln von Abmahnanwälten. Eine Debatte über das Thema ist dringender denn je!

Das Buch heißt “Aufstieg und Niedergang der Piratenpartei” und ich habe es bereits gekauft.

Marken werden Medien

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Vier Stunden vor dem gestrigen Spiel gegen die TSG Hoffenheim postete der Account des FC Bayern Profis Mario Götze das obige Motiv auf Instagram. Innerhalb von sechzig Sekunden, reagierten 1990 Instagram-Nutzer mit einem “gefällt mir” auf das Motiv, das darauf hinwies, dass der gestrige Samstag ein Matchday genannter Spieltag sei.

Das Tempo der Begeisterung lies innerhalb der ersten Viertelstunde etwas nach. Statt 33 Likes in der Sekunde, klickten bis zur 14ten Minute durchschnittlich zwanzig Nutzer innerhalb einer Sekunde auf “gefällt mir”. Bis zum Anpfiff hatte sich die Anzahl der Likes für das Instagram-Motiv auf fast 92.000 summiert. Das ist drei Mal soviel wie Götzes Bild bis jetzt (fast 24 Stunden später) auf Facebook erzielt hat. Als Götze das 1:0 im Stadion in Fröttmaning erzielte, war die Zahl der Likes bei rund 100.000. (Zur Detailansicht auf das Bild klicken)

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Der Mann, dessen Name sich nur in einem Buchstaben von Goethe unterscheidet, hat 2,2 Millionen Instagram-Accounts hinter sich versammelt. Das ist viel, aber auch nicht ungewöhnlich für einen Spieler dieser Bekanntheit. Immerhin ist er Schütze des Siegtors im WM-Finale – und wie das aktuelle 11Freunde-Cover erinnert “der bessere Messi”.

Das Spiel gegen Hoffenheim war als Spitzenspiel in der derzeit mittelspannenden Bundesliga angekündigt, endete aber eindeutig mit 4:0 für den FC Bayern. Es darf also in Sachen Instagram-Analyse als gewöhnlich gewertet werden.

Und deshalb schreibe ich das überhaupt auf: In einem durchschnittlichen Bundesligaspiel erreicht ein Profi des Rekordmeisters mit einem durchschnittlichen Instagram-Motiv im November 2014 über 100.000 Likes – wobei ich die Zahl der Likes als Annäherung für ein bewusstes Erreichen von Zuschauern werte. Gesehen haben das Motiv vermutlich sogar noch entschieden mehr Menschen.

Mario Götze ist nicht mehr nur Spieler einer Fußball-Mannschaft oder Werbeikone für Unternehmen – er ist selber ein Medium. Im Frühjahr 2009 schrieb ich für die SZ über die Twitterwette zwischen Ashton Kutcher und CNN und die Frage, warum prominente Menschen Social-Media-Dienste nutzen (ja darüber wunderte man sich damals)

Damit ist die behauptete Demokratisierung der Publikationsmittel durch das Internet nun bei denen angekommen, die schon immer in der Öffentlichkeit standen: Ashton Kutcher und alle anderen VIPs, die twittern, nutzen die Kurzmitteilungsplattform, um die Macht darüber zurückzugewinnen, was und wie über sie berichtet wird. Wenn Kutcher Bilder vom angeblichen Hinterteil seiner Ehefrau ins Netz stellt, verlieren alle Paparazzi-Schnappschüsse mit ähnlichen Motiven ihren Wert. Kutchers Botschaft lautet: Näher und authentischer kann niemand über mein Leben berichten als ich selbst.

Fünfeinhalb Jahre muss man festhalten, dass der Prozess auf einer neuen Stufe angekommen ist: Marken werden Medien. Das Beispiel der Marke “Mario Götze”, die übrigens auch eine Website betreibt, die so aussieht wie ein Fußballmagazin, zeigt dies nicht nur auf dem Kanal Instagram gerade sehr deutlich. Das Medienkonzept hinter dem Fußballer wird unter dem Hashtag #partofgoetze in allen digitalen Kanälen (Web, App, Social-Media) gebündelt – und wirft die Frage auf: Wie reagieren Medien auf diese Entwicklung?


Update:
David Bauer weist mich auf ThePlayersTribune hin.