Alle Artikel in der Kategorie “Pop

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Der Anfang, nicht das Ende

sufjan

Nächsten Dienstag erscheint “Carrie & Lowell”, das neue Album von Sufjan Stevens. Eine tolle Platte. Woher ist das weiß? Ich kann sie hier anhören – bevor ich sie kaufen kann. Man kann sie auf Website vorbestellen

Pre-order of Carrie & Lowell. You get 2 tracks now (streaming via the free Bandcamp app and also available as a high-quality download in MP3, FLAC and more), plus the complete album the moment it’s released.

Das klingt toll – nur: Wann ist der Zeitpunkt, an dem das Album veröffentlicht wird? Laut Shop am 31. März. Das stimmt aber nicht, es ist ja schon da. Ich höre es gerade im Moment. Es ist öffentlich.

Ich habe am Beispiel des Tocotronic-Albums und der Niels-Frevert-Platte bereits meinen Zweifel an der Veröffentlichungspolitik formuliert. Bei “Carrie & Lowell” fiel mir nun auf, worauf sich mein Problem damit gründet: Beim klassischen Umgang mit Alben, steht deren Veröffentlichung am Ende einer aufwändigen Aufmerksamkeitsarbeit. Das Werk ist nicht Mittel-, sondern Ziel- und Endpunkt einer Dramaturgie, der Spannungsbogen ist auf den Veröffentlichungstermin gespannt, danach endet die Aufmerksamkeitsarbeit. Dabei könnte sie doch genau dann beginnen: Wenn das Werk zum Netzwerk wird, wenn das Album im Mittelpunkt einer vernetzten Struktur gedacht wird, ist es der Startpunkt für Aufmerksamkeitsarbeit.

Man muss gar nicht über Versionen sprechen, um zu erkennen: Hier geht um Digitalisierung. Kultur wird zu Software, vom Werkstolz zum Netzwerkstolz, vom blanken Content zum Kontext, vom End- zum Mittelpunkt. Damit das gelingt, braucht man keine technischen Lösungen oder komplizierte Erweiterungen, man braucht einen anderen Blick auf das Werk.

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Pure Vernunft darf niemals siegen!!!

Ich bin Tocotronic-Fan! (steht auch hier) Ich gebe gerne Geld für die Band aus und ich freue mich stets, wenn es Neues von Tocotronic gibt. Und so war ich einigermaßen aufgeregt als ich heute früh auf der Facebook-Seite vom Zündfunk den Hinweis erhielt, es gebe “die neue Tocotronic”. Das Lied heißt “Prolog” und erscheint am 6. März. Ich habe am Beispiel von Niels Frevert (dessen Album ich mir dann in der Tat nicht kaufte) unlängst gezeigt, dass ich diese Vorab-Info für kontraproduktiv weil irrwitzig undigital halte. Wenn die Info in der Welt ist, bin ich auch bereit auf den “kaufen”-Button zu klicken. Sofort!

Im Fall von “Prolog” geht das Undigitale aber noch irrwitziger weiter. So dass man geneigt ist zu sagen: “Ich bin Fan von Tocotronic – trotz ihrer Plattenfirma.”

prolog_zuendfunk

Denn der Zündfunk-Hinweis lief ins Leere. Bei Putpat gibt es jede Menge schlechte Musik, ganz viel Werbung (ich habe zwei Limp Bizkit-Songs ansspielt bekommen und habe drei Werbespots komplett anschauen müssen) und eine dämlich App, die ich installieren muss. Den Tocotronic-Song gibt es da aber nicht (mehr).

Also machte ich mich auf die Suche und landete auf einer Seite der Plattenfirma, die nicht weniger als ein Schlag ins Gesicht eines Kunden ist. Ich stehe also vor der Universal-Tür mit dem unbedingten Wunsch, den Song “Prolog” der Band Tocotronic zu kaufen und bekomme das hier:


prolog_tocotronic

An vier Stellen wird mir auf dieser Seite, die mit “Produktdetail” überschrieben ist, der Mund wässrig gemacht und der irrige Eindruck erweckt, ich könne jetzt endlich Geld ausgeben für Tocotronic. Stimmt aber nicht. Ich habe die vier Stellen markiert, an denen ich verarschtwirrt werde.

1 Ein Play-Button! Direkt neben dem Song-Titel. Da klicke ich drauf. Ist ja klar, dass ich da … einen Reload der Seite erzeuge. Wer erwartet denn bitte bei einem Play-Button, dass dann auch etwas abspielt? Nur dumme Internet-Heinis. Echte Plattenfirma-Experten wissen, dass der Rechtspfeil das amtliche Zeichen für “lade diese Seite nochmal neu” ist. Ich lerne: der wichtigste Link auf dieser Seite führt- auf diese Seite!

2 Eine Bestellnummer! Das ist wichtig, gibt mir als Kunde das gute Gefühl, dass hier jemand alles im Griff hat. Wer die Ziffer “00602547207654” auf eine Seite bringt, kriegt doch sicher eine Bezahlmöglichkeit hin. Dieser Eindruck wird durch den Einsatz von Logos bekannter Musikanbieter noch verstärkt. Ein Spotify-Button und einer von iTunes. Wenn das kein Hinweis auf eine Hör-/Kauf-Möglichkeit ist … Stimmt aber nicht. Denn: Ich lerne, dass irgendwer bei der Plattenfirma tatsächlich dumm auf das Suchergebnis “Prolog” bei iTunes und Spotify verlinkt. Dabei handelt es sich um ein Produkt von Lochman Records aus dem Jahr 2011.

3 Noch ein Streaming-Button! Daneben das Versprechen, “die Musik in voller Länge zu genießen”. Nochmal verarscht. Denn auch hier wird konsequent auf das Fremdprodukt mit gleichem Namen verlinkt. Auch in Spotify ist der “Prolog” genannte Sampler verlinkt. Ich lerne: Der erste Song heißt “Pfütze auf der Wäschewiese” und gefällt mir nicht.

4 Ein “Download”-Button. Eine Kaufoption! Ich bin aufgeregt, klicke, warte und … lande wieder auf der feuchten Wäschewiese von Lochman Records. Ich lerne: Hier will man mir den neuen Song von Tocotronic nicht verkaufen!

Fassen wir zusammen, wer bisher von der Aufmerksamkeit profitiert hat, die ich dem neuen Tocotronic-Song entgegen bringen wollte: das merkwürdige PutPat-TV, deren Werbepartner und die Band Limp Bizkit, die dort gestreamt wird. Außerdem die Online-Abteilung der Plattenfirma, die zwar nicht in der Lage ist, den korrekten Song zu verlinken, aber ihren Referrer übergibt – also vermutlich auswertet, dass ich auf ihre falschen Links geklickt habe. Und vielleicht hat auch Lochman Records profitiert, weil ein vier Jahre alter Sampler plötzlich Aufmerksamkeit bekommt.

Leer geht allerdings die Band aus, für deren Musik ich mich interessiere. Und warum? Weil Pure Vernunft diesen “Release” regiert – in Person der Idee, die Veröffentlichung eines Songs selber bestimmen zu wollen. Auch wenn der Songs schon draußen ist und zwar so draußen, dass der Zündfunk ihn verlinkt. Vielleicht würde ich den Song sogar in diesen bösen dunklen Ecken des Web finden, auf die Plattenfirmen immer zeigen, wenn es um die Krise ihrer Industrie geht, statt in ihren Online-Abteilungen Link-Schulungen zu geben. Um das rauszufinden, bin ich aber jetzt zu müde – und enttäuscht. Denn irgendwie hatte ich gehofft, dass zumindest die Guten im Jahr 2015 ein klein bisschen weiter wären …

UPDATE: Dirk von Lowtzow von Tocotronic hat mir eine Mail auf den Blogpost geschickt – und sich entschuldigt. Obwohl er mit dieser Seite ja gar nichts zu tun hat!

YouTube, Gema und das neue Blur-Video

Der Kollege Simon Hurtz hat am Wochenende lesenswert beschrieben, wie Facebook (und z.T. Twitter) im Videomarkt den Platzhirschen YouTube angreifen wollen. “Facebook sägt an YouTubes Thron” bestätigt eine These, die spätestens seit der IcebucketChallenge offensichtlich ist: Facebook will Videos abspielen.

Am Beispiel des aktuellen Blur-Videos kann man sehen, wie der ungelöste YouTube-Gema-Streit in Deutschland zum Verbündeten von Facebook wird – nämlich so:

Bei YouTube:

Blur_YOUTUBE

Bei Facebook:

YOLO!

Er ist an seinem Schreibtisch in der Redaktion zusammengebrochen. Abends um kurz vor neun, nachdem er von einer Podiumsdiskussion mit Laura Poitras, Glenn Greenwald und Edward Snowden kam (der aus Moskau zugeschaltet war). So ist es in den Nachrufen auf David Carr nachzulesen. Der Medienjournalist der New York Times wurde 58 Jahre alt.

Alexis Madrigal hat bei Fusion einen ergreifende Erinnerung an Carr aufgeschrieben. Es ist kein klassischer Nachruf, es ist eher ein Blogeintrag. Madrigal erzählt sehr persönlich – von sich, von dem Moment als er vom Tod Carrs erfuhr. Er berichtet, wie er gerade seinen Sohn ins Bett bringt, als ihn die Nachricht via Twitter erreicht. Der Text ist weniger im Sinne von “wie gedruckt” geschrieben, er ist eher im Sinne von “wie erzählt” gebloggt. Es ist eher ein persönlich gesprochenes Wort, mit dem Madrigal an Carr erinnert als ein Nachruf im klassischen Sinn.

Madrigal erinnert sich daran, wie er Carr kennenlernte, er erzählt seine eigene Geschichte und wie diese mit Carr verwoben ist. Der Text endet mit dem Satz: “Rest in peace, Carr. You made us all better.” Es ist ein berührender Text, aber es ist auch ein Beweis dafür, wie das Web das Schreiben verändert. Irgendwo mittendrin steht diese eine Passage, die Madrigal eher sagt als schreibt. Er erinnert sich an die Umstände, als er (der gerade noch seinem Sohn eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen hat) ein Webprojekt mit Freunden startete und Carr dann darüber schrieb:

We were young and didn’t have kids and you know, YOLO. It was possible, so we should do it.

Ja, das ist Blogstil. Das ist nicht der Stil, in dem man klassischer Weise gedruckte Worte schreibt. Es ist eher gesprochen, yolo! Die Abkürzung in dieser Erinnerung ist eine Zustandsbeschreibung für die “mir steht die Welt offen”-Haltung junger Menschen: Yolo halt. Madrigal lässt mit dieser Referenz und dem Gegensatz zu seiner aktuellen Situation (we didn’t have kids) einen Zeithorizont aufscheinen, aber er schafft vor allem einen Rahmen: Immerhin ist dieser Text dann doch ein Nachruf, der Anlass ist der Tod eines Menschen. Und in dem eher dahingesagten YOLO entsteht so ein Moment der Erkenntnis: “You only live once” geschrieben in einem Nachruf, ohne Pathos dafür mit der Haltung des Möglichmachens, des Aufbrechens und Gestaltens: “It was possible, so we should do it”, erinnert er sich – und verleiht dem Text eine Tiefe, die nur durch die Beiläufigkeit der Worte gelingt.

Nachtrag zur Urheberrechts-Debatte: Böhmermann und die Bilder

Dieser Post ist ein Nachtrag zu diesem Eintrag vom Samstag

Seit Jan Böhmermann in der vergangenen Woche öffentlich machte, dass er wegen eines Urheberrechtsbruchs abgemahnt wurde, ist eine kleine Debatte um die Verwendung urheberrechtlich geschützer Bilder im Netz entstanden. Das freut mich, weil ich davon überzeugt bin, dass wir übers Urheberrecht und seine Anwendung reden müssen, damit Menschen Einsicht nehmen in dieses Gesetz. Denn das Urheberrecht ist immer nur so gut, wie seine Akzeptanz in der Bevölkerung.

Ich betone das hier nochmal, weil ich von unterschiedlicher Seite auf die Debatte angesprochen wurde und weil sich einige Blogeinträge darauf beziehen. Mir geht es nicht darum, die Ansprüche von Martin Langer in Frage zu stellen. Auch ist mir bewusst, dass wir ein Urheberrecht haben, an das sich auch Jan Böhmermann halten muss. Dass er abgemahnt wurde, beweist ja genau dies. Mir geht es um eine Frage, die über den konkreten Fall hinausweist. Mir geht es darum, dass im Netz plötzlich jeder urheberrechtlich geschützte Werke verbreiten kann – und das auch tut. Mir geht es darum, dass wir mit einer technischen Veränderung konfrontiert sind, auf die das Gesetz reagieren muss. Und nein: Mir reicht es nicht zu sagen: Böhmermann muss sich an das Urheberrecht halten. Das stellt niemand in Frage.

Ich frage mich: Warum halten sich so wenige Menschen dran? Vielleicht weil das Gesetz sich immer weiter von der Lebensrealität der Menschen entfernt hat. Wenn das Gesetz darauf nicht reagiert, wird seine Legitimation immer weiter schwinden – sehr zum Schaden der Urheber und Verwerter. Wenn wir diesen abwenden wollen, müssen wir also über eine Reform des Urheberrechts sprechen. In den Kommentaren bei netzpolitik hat Till Frank das so formuliert:

(…) ein (zugegebenermaßen etwas schiefer) Vergleich: Im Straßenverkehr gibt es klare Regeln. Trotzdem halten sich die meisten nicht (exakt) daran, sondern passen ihr Verhalten den Umständen an. Auch, weil sie wissen, daß nicht überall kontrolliert werden kann – und “die anderen es doch auch machen”. Es ist dann aber auch gesellschaftlich akzeptiert, bei einem Vergehen je nach Schwere sanktioniert zu werden – von den 5€ Bußgeld für falsches Parken bis zu mehreren hundert € + Fahrverbot für schwere Verstöße. Analog dazu könnten vermutlich viele auch damit leben, wenn Nutzungsverstöße ähnlich geahndet werden würden (bsp. 20€ für ein Twitter-Foto, 40 für FB etc. bis zu schwereren Strafen bei gewerblicher Nutzung). Aber für eine Abmahnung über 1000€ für einen Tweet hat keiner Verständnis. (…)

Und bei all dem geht es übrigens gar nicht um Jan Böhmermann – und auch nicht darum, dass ich Belehrungen von Hobby-Juristen brauche. Es geht darum, dass ein zukunftsfähiges Urheberrecht nur ein solches ist, das die Menschen auch verstehen und für einsichtig halten. Das habe ich wiederholt an anderer Stelle (u.a. sogar hier) gesagt.

Vielleicht bringt uns diese Debatte einen Schritt näher dorthin!

Update: Jan Böhmermann hat mit Hilfe von William Cohen übrigens auch einen Nachtrag zur Debatte produziert. Da ich mich für Referenzen und Kopien begeistern kann, gefällt mir das natürlich


Mehr auch bei Nerdcore

loading: This Is Atomic Love

“Es wollte jeder nur man selber sein”, sagt Mehmet Scholl im Pitchvideo zu “This is Atomic Love” und ergänzt: “Und das war ungewöhnlich in München.” Der ehemalige Bayern-Spieler spricht über einen Club, der Ende 2014 nach 18 Jahren geschlossen wurde: Das Atomic Cafe. Die Münchner Filmemacher Heike Schuffenhauer und Marc Seibold wollen dem Club nun ein filmisches Denkmal setzen. “This Is Atomic Love” soll ein Dokumentarfilm über das Atomic Cafe werden – finanziert über Startnext.

Heike Schuffenhauer hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was machst du?
Einen Dokumentarfilm über das Atomic Café – den Indie/ Sixties Club Münchens, der jetzt nach 18 Jahren schließen musste. In „This Is Atomic Love“ lassen wir die Besitzer, Stammgäste, Bands, DJs, Journalisten etc. die Geschichte des Clubs erzählen. Bebildert wird das Ganze mit neuen Aufnahmen und Archivmaterial.

Warum machst du es (so)?
Weil wir das Atomic selbst ziemlich gut fanden. Und weil wir uns für die Geschichten und Filme über Jugendkulturen, Clubs und Musik generell begeistern. Dafür muss man nicht immer nach Berlin, New York, London und so schauen – die guten Geschichten gibt es auch hier. Da der Film ein Herzensprojekt und keine Auftragsarbeit ist, müssten wir alles selbst finanzieren. Reisekosten, Kameraequipment und auch Menschen, die den Film zum Beispiel schneiden Grafiken machen etc. Das alles kostet mehr Geld als wir haben. Crowdfunding hilft uns– wenn es erfolgreich ist – das nicht alles selbst tragen zu müssen. Und das Tolle daran ist, dass wir trotzdem unsere Unabhängigkeit bewahren können. Keiner quatscht uns rein.

Wer sollte sich dafür interessieren?
Zum einen natürlich all die Leute, die selbst gerne ins Atomic Café gegangen sind und die mit dem Club eine gute Zeit verbinden. Aber der Film spricht generell Menschen an, die sich für Musik und Jugendkultur interessieren. Jeder der das Gefühl kennt, dass ein Club mehr sein kann, als einfach nur ein Ort zum Tanzen und Trinken, findet den Film interessant.

Wie geht es weiter?
Gerade läuft die Finanzierungsphase des Projektes auf Startnext und wir hoffen natürlich, dass die erfolgreich beendet wird. Dafür müssen wir in unseren Netzwerken ordentlich Werbung machen. Zeitgleich arbeiten wir natürlich am Film weiter: Wir führen weiter Interviews mit Wegbegleitern des Atomics, sichten Material und klären Rechtliches. Zum Beispiel welche Musik wir im Film verwenden dürfen. Ziel ist es, den Film auf Filmfestivals zu zeigen. Deshalb recherchieren wir jetzt auch schon Festivals und schauen, welche Anforderungen die haben.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dass das Atomic weltberühmt ist! Interviewpartner haben uns erzählt, dass Menschen aus ganz Europa oder auch Amerika das Atomic kennen. Weil es ein Ort war, an dem Kultbands aus der Northern Soul und Sixties Szene noch eine Platform gefunden haben. Und: „Everybody in the UK knows the Atomic.“ Sagt Adam Ficek von den Babyshambles.

/// Hier kann man das Projekt direkt auf Startnext unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

“Das kann man nur im Kino erleben”

In der Filmkritik des Films “Wild Tales – jeder dreht mal durch”, der diese Woche ins Kino kommt, lässt die BR-Kritikerin Kirsten Martins den Regisseur zu Wort kommen. Damián Szifron beschreibt darin die soziale Dimension von Kultur am Beispiel des Mediums Film:

Wir haben im Kino einen Augenblick der Gemeinschaft erlebt. Wir haben dasselbe gefühlt, haben gelacht. Das ist die Magie des Kinos. Das kann man nur dort erleben. Nicht bei Netflix.

Ich teile diese Einschätzung, ich glaube, dass diese Magie, die Szifron beschreibt, ein bedeutsamer Bestandteil dessen ist, was die Faszination für Kultur in Gänze (nicht nur Kino) ausmacht: dass wir sie gemeinsam mit anderen erleben.

Ich frage mich jedoch: Gilt das tatsächlich nur für den physischen Ort, den man gemeinsam besucht? Muss es in der Tat ein Kinosaal mit Leinwand sein, der diese Magie entstehen lässt? Kann sie vielleicht auch entstehen, wenn Menschen gemeinsam einen virtuellen Ort besuchen – wenn sie in Echtzeit an besonderen Momenten teilnehmen?

Wenn man diese Fragen stellt, ist man mittendrin in der Debatte um tragfähige Modelle für Kultur im digitalen Raum. Sie muss sich der Magie erinnern, von der Szifron spricht. Und sie muss herausfinden, wie und wo diese Magie entsteht. Und ausgerechnet Netflix kann dabei eine Antwort sein.

Ausgerechnet der Ort, den Sizfron für so ungeeignet hält für das Entstehen von Magie, hat diese Woche gezeigt, dass Magie auch abseits des Massenpublikums entstehen kann. In dieser Analyse auf vox.com kommt Tod vander Werff jedenfalls zu dem Ergebnis:

The world of TV is just a stark reminder of the pop cultural world of 2015. There is no mass audience anymore, just a series of niches, some larger than others.

Internet-Filme auf ZDFinfo

Am 11. Januar jährt sich der Todestag von Aaron Swartz zum zweiten Mal. ZDFinfo zeigt aus diesem Anlass die deutsche Fassung des Films The Internets Own Boy, den ich sehr empfehlen kann. “Tod eines Internet-Aktivisten” heißt der Film auf deutsch – und steht hier in der Mediathek.

Im Jahr 2013 hat der Kollege Johannes Boie in der SZ diesen Nachruf auf Swartz geschrieben. David Pachali hat den Film für irights.info besprochen.

internetsownboy

Ebenfalls in der ZDF-Mediathek steht übrigens gerade auch der Pirate Bay Film “TPB-AFK” – ebenfalls in einer deutschen Fassung. Hier zum Anschauen.

Auf ZDFinfo läuft übrigens auch das Format “15 Minutes of Fame”, an dem ich mitwirke

Publizistische Marken werden Medien

Gestern abend hat Jürgen Todenhöfer dieses Foto auf Facebook gepostet – mit diesem Text:

Liebe Freunde, heute Nachmittag bin ich aus dem “Islamischen Staat” zurückgekehrt. Die erforderlichen Sicherheitsgarantien hatte ich in monatelangen Skype-Gesprächen mit der Führung des ‘Kalifats’ ausgehandelt. Angeblich war ich der erste westliche Publizist der Welt, der den “Islamischen Staat” besuchen konnte.

Nach zwanzig Stunden wurde das Bild bereits fast 30.000 Mal mit “gefällt mir” versehen, fast viertausend Facebook-Nutzer haben den Beitrag mit ihren Freunden geteilt. Und das obwohl man noch gar keine Inhalte von dem Besuch lesen kann. Der Beitrag endet mit den Worten:

In den nächsten Tagen werde ich Euch nähere Einzelheiten meiner zehntägigen Recherchen im “Islamischen Staat” mitteilen. Jetzt aber bin ich erst einmal hundemüde.

Ende November schrieb die Welt auf ihrer Website, der ehemalige Bundestagsabgeordnete (CDU) und Medienmanager (Burda) plane, den IS zu besuchen. Das hat der Buchautor (Du sollst nicht töten. Mein Traum vom Frieden) nun offenbar getan: “Meine 10 Tage im Islamischen Staat” ist das Foto überschrieben, das einzig auf Facebook erscheint. Eine klassische publizistische Begleitung über Webseiten oder Magazine ist mir bisher nicht aufgefallen.

Ich schreibe das auf, weil ich bei dem Facebook-Post an das Medienengagement von Mario Götze denken musste: Der Fußballprofi verfolgt erkennbar und wie viele andere die Strategie, vom Inhalt der Berichterstattung selber zu einem Berichterstatter zu werden. Der Fall von Jürgen Todenhöfer scheint vergleichbar gelagert zu sein: Der “angeblich erste westliche Publizist der Welt”, der den Islamischen Staat besucht, berichtet darüber – auf Facebook.

Mehr zum Thema in den Digitalen Notizen: Marken werden zu Medien

Update:
Ein Interview mit den Tagesthemen – verbreitet über Facebook

A Declaration of the Independence of Cyberspace – Vinyl Edition

Ein schöner Anlass, um diesen Text auf die Agenda zu holen: Für 50 Dollar kann man hier eine Vinyl-Version der Declaration of the Independence of Cyberspace von John Perry Barlow kaufen:

vinyledition

Der berühmte Text aus dem Jahr 1996 beginnt auf deutsch mit den Worten, die vor dem Hintergrund der Snowden-Enthüllungen ganz anders wirken:

Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch, Vertreter einer vergangenen Zeit: Laßt uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr.

via Boing Boing & Nerdcore