Rüttgers rechtsfreier Raum

Netz, Politik | 29. Juni 2010

Man muss Jürgen Rüttgers dankbar sein. Der scheidende Ministerpräsident aus Nordrhein-Westfalen hat bei seiner Rede auf dem medienforum.nrw (bei Twitter #mefo10) nochmal die schöne Geschichte vom rechtsfreien Raum aufgewärmt. Er sagte

„Wir brauchen so viel Selbstbestimmung und Eigenverantwortung im Internet wie irgend möglich. Aber es muss auch Regeln geben, zumal wenn elementare Standards des sozialen Miteinanders in Gefahr geraten. Es kann nicht sein, dass im Internet alles erlaubt ist. Vor allem Kinder und Jugendliche müssen wirksam vor Gefährdung geschützt werden. Wir brauchen klare Regeln im Netz – nicht um Freiheit zu beschneiden, sondern um Freiheit zu sichern.“

Das ist schön und gut – suggeriert aber, es gebe im Netz keine Regeln. Wieso Jürgen Rüttgers das denkt, verrät er in der Rede allerdings nicht. Und wo wir gerade dabei sind: Es kann nicht sein, dass in deutschen Fußgängerzone alles erlaubt ist.

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Nachmacher!

Kaufen, Politik | 28. Juni 2010

Das T-Shirt fürs Helene Hegemann-Zeitalter:

http://www.threadless.com/product/2351/Plagiarism_Getting_in_Trouble_for_Something_You_Didn_t_Do?utm_medium=ExactTarget&utm_campaign=June-28-2010_062810+Monday&utm_source=062810+Monday

Shields in Wired

Netz, Politik | 28. Juni 2010

I believe in copyright, within limited precincts. But I also believe in fair use, public domain, and especially transformation. Are you simply pirating someone’s work and calling it your own, or are you taking portions of it and remaking it? Artists have done the latter from the beginning of time. In many senses, creativity and “plagiarism” are nearly indivisible.

Bei Wired gibt es ein Q&A With New Champ of Literary Mashups, d.h. ein Interview mit David Shields, den ich nicht müde werde zu loben und zu empfehlen. In dem Gespräch weist Shields auf diese “very kitschy” Form der Mashup-Kultur namens Pogo hin:

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Was will eigentlich das Urheberrecht?

Politik | 23. Juni 2010

In den vergangenen Tagen war viel vom Internet und der Politik, vom Dritten Korb und von Obamas-Urheberrechtsstrategie die Rede. Da ich kein Jurist bin, treiben mich dabei immer eher praktische Fragen um (siehe dazu wie ich im vergangenen Sommer Opfer einer gewerblichen Urheberrechtsverletzung wurde), zum Beispiel jene, die ich mir stellte, als ich vergangene Woche in einem Münchner Drogeriemarkt Abzüge von Digitalbildern machen wollte. Bevor ich das tun konnte, wurde ich mit folgendem Urheberrechts-Hinweis konfrontiert (zum Vergrößeren drauf klicken):

Wie gesagt: Ich bin kein Jurist, aber die Einschätzung, dass ein Bild allein deshalb nicht vervielfältigt werden dürfte, weil es von einem Berufsfotografen gemacht wurde, erscheint mir juristisch nicht ganz wasserdicht (Was, wenn dieser es unter eine CC-Lizenz gestellt hat? Und: Ab wann ist man eigentlich Berufsfotograf?). Zudem: Wie soll ich denn bitte bestätigen, dass die von mir gemachten Bilder nicht urheberrechtlich geschützt sind? Das sind sie natürlich. Ich halte ein Urheberrecht daran. Trotzdem (bzw. gerade deswegen) möchte ich sie ja vervielfältigen.

Aber abseits der Formulierung: Was mich wirklich verwundert ist die Tatsache, dass man auf dem Kopierer für Fotos offenbar nicht für private Zwecke Bilder vervielfältigen soll. An einem klassischen Fotokopierer darf man ja durchaus urheberrechtlich geschützte Werke (z.B. Bücher) kopieren. Was man nicht darf: diese veröffentlichen oder verbreiten. Warum soll das bei Bildern nicht gelten?

Ich halte das Urheberrecht für eine gute und richtige Erfindung. Ich finde es richtig, wenn nach Strategien gesucht wird, wie das Urheberrecht auch in der digitalen Welt Anwendung findet. Problematisch finde ich es, wenn durch eine Überreglementierung Kreativität im Keim erstickt wird. Wenn Maßstäbe angelegt werden, die dem Grundgedanken des Urheberrechts (Kreativität fördern) zuwiderlaufen. Der Warnbild-Schirm im Drogeriemarkt ist ein besonderes Beispiel für diesen Regulierungswahn.

Im vergangenen Jahr habe ich ein längeres Gespräch mit dem Juristen Gerd Hansen aus Anlass der Veröffentlichtung seines Buches Warum Urheberrecht? geführt. Hansen stellt darin eine Legimationskrise des Urheberrechts fest. Grund dafür ist für ihn – unter anderem – die Überreglementierung:

Wir diskutieren inzwischen allen Ernstes über den urheberrechtlichen Schutz von Yogaübungen oder Kochrezepten. Dieses ständige Absenken der Schutzvoraussetzungen und die damit einhergehende Ausdehnung auf industriell geprägte Werkkategorien, bei denen der Investitionsschutz im Vordergrund steht, haben die überkommenen, allein urheberbezogenen Erklärungsmodelle an ihre Belastungsgrenze gebracht. Wenn wir nahezu alles schützen, müssen wir uns nicht wundern, wenn das traditionelle, auf den Poeten im stillen Kämmerchen zugeschnittene Urheberrechtssystem kollabiert.

Im Drogeriemarkt habe ich gemerkt wie recht er hat.

Update: Das ist das Tolle am Internet: ich bin gerade auf § 53 UrhG hingewiesen worden. Dort heißt es: Zulässig sind einzelne Vervielfältigungen eines Werkes durch eine natürliche Person zum privaten Gebrauch auf beliebigen Trägern, sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken dienen, (…) sofern dies unentgeltlich geschieht oder es sich um Vervielfältigungen auf Papier oder einem ähnlichen Träger mittels beliebiger photomechanischer Verfahren oder anderer Verfahren mit ähnlicher Wirkung handelt.

Obamas Urheberrechts-Strategie

Netz, Politik | 23. Juni 2010

Now, more than ever, we need to protect the ideas, artistry, and our reputation for quality, provide our businesses with the incentives to make each new product better, reduce crimes related to intellectual property infringement and keep dangerous counterfeits out of our supply chain to protect our citizens. Strong intellectual property enforcement will help us to accomplish that. The Obama Administration has always embraced the free flow of information, online collaboration, and fair use by average citizens, which are also helping to advance our society and economy every day — this strategy does not target legitimate and legal activity. The Administration is technology-neutral, using both proprietary and open source platforms on the web and all content on WhiteHouse.gov is public domain, making it an active participant in the online communities of the 21st Century.

Im Blog des Weißen Hauses kündigt Victoria A. Espinel die Strategie der Obama-Regierung im Kampf für das geistige Eigentum an. Espinel leitet das “Office of the U.S. Intellectual Propery Enforcement Coordinator” (IPEC).

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Politiker auf Twitter!

Netz, Politik | 11. Juni 2010

Man sollte eigentlich alle Politiker verpflichten, sich auf Twitter zu äußern. So ungefiltert bekommt man solch reaktionäres Gedankengut ja sonst nicht zu hören/lesen.

Der Kollege Andrian Kreye lädt das Berliner Personal ins Internet ein – aus Anlass der aktuellen Debatte um unsere Familienministerin und deren Twitter-Äußerungen.

Wer dazu eine Strategie-Beratung wünscht: die gibt es hier.

Sonne über Berlin

Netz, Politik, Print | 7. Juni 2010

Dieses Vor-sich-hin-Krisen-Lösen passt zum Bild einer autistischen und alienhaften Regierung, einem Bild, das von den gesammelten Talkshowbewohnern inzwischen fraglos akzeptiert wird. Wenn jemand zwischen den Politikern und den Menschen unterscheidet, wird er gar nicht mehr korrigiert. Die dramatische Krise, der Burn-out, wie er Horst Köhler von Beobachtern attestiert wurde, ist das eine Erscheinungsbild der Depression – das freudlose, trauerlose Immerweitermachen ist das andere. Fragt ein Moderator den FDP-Politiker Jürgen Koppelin, ob Köhlers Rücktritt seiner Partei nicht „zu denken gebe“, kommt die Antwort vollautomatisch: „Nein, wie kommen Sie denn darauf?“ Als ob das Nachdenken, wie Dr. No in „Goldfinger“, die tödliche Falltür im Boden auslöste.

In der gestrigen Ausgabe der FAS schreibt Nils Minkmar unter dem Titel Es ist Sonne über Berlin über das Berliner Sommertheater rund um Bundespräsidenten, Kandidaten, Rücktritte und den Zustand der schwarz-gelben Regierung.

Besseres Image gegen den Netzwiderstand?

Netz, Politik | 2. Juni 2010

Während auf Florian Guessgen auf stern.de über die sich als Favoritin abzeichnende Bundespräsident-Kandidatin Ursula von der Leyen und den Netzwiderstand gegen sie berichtet (Not my President), meldet das Handelsblatt:

Ursula von der Leyen will ihr Image mit Beratungsleistungen in Höhe von 1,6 Millionen Euro aufpolieren.

Everybody Steals

Buch, Netz, Politik | 2. Juni 2010

I and many other contemporary writers, musicians, visual artists, and copyleft lawyers are trying to think in new and different and (we believe) exciting ways about quotation, citation, appropriation, and plagiarism. We’re trying to regain the freedoms that writers for millennia took for granted but that we have lost.

David Shields, Autor des wunderbaren Reality Hunger, schreibt in der Huffington Post über die Hintergründe für sein Buch.

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Geistiges Eigentum und Urheberrecht

Netz, Politik | 1. Juni 2010

Anfang April berichtete Yourope über Geistiges Eigentum und Pirate Bay – mit dabei Cory Doctorow, Peter Sunde und die “selbsternannten Piraten” von Flattr.

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