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	<title>Digitale Notizen &#187; Politik</title>
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		<title>Vom Recht haben in einer Welt der Dummen</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 12:07:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>dvg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vom Philosophen Hans-Georg Gadamer stammt der Satz: Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte. Es lohnt sich, an diese Einschätzung zu erinnern, wenn man die Einlassungen liest, die in den vergangenen Tage über das Netz in Gänze bzw. über die zu aktiven Rezipienten &#8220;amateurisierten&#8221; Leser und Nutzer veröffentlicht wurden. Die Blogger und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vom Philosophen Hans-Georg Gadamer stammt der Satz:</p>
<blockquote><p>Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte.</p></blockquote>
<p>Es lohnt sich, an diese Einschätzung zu erinnern, wenn man die Einlassungen liest, die in den vergangenen Tage <a href="http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-netzgemeinde-ihr-werdet-den-kampf-verlieren/6127434.html">über das Netz in Gänze</a> bzw. über <a href="http://www.peter-schumacher.net/blog/2012/01/27/die-bescheidwisser/">die zu aktiven Rezipienten &#8220;amateurisierten&#8221; Leser und Nutzer</a> veröffentlicht wurden. Die Blogger und kommentierenden Nutzer kommen dabei nicht besonders gut weg &#8211; auch nicht auf <a href="http://meedia.de/internet/sorgen-um-den-journalismus-ueberhaupt/2012/01/31.html">Nachfrage</a>. </p>
<p>Woran das liegen könnte habe ich mich gefragt? Daran, dass tatsächlich alle Leser dumm sind? Und alle Wähler nervig? Dann wäre doch der Schluss, den man nahezu ziehen muss, einen anderen Beruf zu wählen: Wie kann man als Journalist veröffentlichen, wenn man sein Publikum für blöd hält oder als Politiker arbeiten, wenn man in der Wählerschaft einzig Idioten erkennt? Da macht doch am Ende nicht mal mehr das Recht haben und ausgebucht sein Spaß, oder? </p>
<p>Ich glaube, eine solche Haltung ist nur mit Selbstüberschätzung und Zynismus auszuhalten. Da ich aber für Selbstüberschätzung zu gut bin, habe ich daran kein Interesse und war deshalb sehr froh, als ich im <a href="http://www.niemanlab.org/2012/02/the-washington-post-tries-a-new-weapon-to-fight-the-trolls-humans/" target="_blank">Nieman Journalism Lab</a> eine weniger selbstgerechte Lösung las: <a href="http://www.niemanlab.org/2012/02/the-washington-post-tries-a-new-weapon-to-fight-the-trolls-humans/" target="_blank">The Washington Post tries a new weapon to fight the trolls: humans</a> </p>
<p>Dort wählt man also einen neuen Weg: Statt die zu Nutzern aufgestiegenen Leser zu beschimpfen, redet man mit ihnen. Man verändert die Atmosphäre, indem man auf Lesermeinungen eingeht und diese öffentlich beantwortet. Man sucht &#8211; Achtung, Gadamer-Bezug &#8211; das Gespräch. </p>
<p>Ich glaube, dass es dazu in Wahrheit keine wirkliche Alternative gibt. Das Web2.0 wird nicht wieder weggehen, die Möglichkeiten des Dialogs werden nicht eingestampft. Journalisten und Politiker (und darüberhinaus zahlreiche andere Berufsgruppen) werden damit leben müssen, dass die vielen ach so dummen Menschen da draußen nicht nur eine Meinung haben, sondern diese auch veröffentlichen können. Dass also aus der Theorie des Grundgesetzes (Artikel 5) eine anstrengende Praxis wird. Dies abzuwerten, zu beschimpfen oder im Wortsinn zu bekriegen, wird nicht zum Erfolg führen. </p>
<p>Im Spiegel steht diese Woche eine Geschichte über die Facebook-Aktivitäten von Sigmar Gabriel. Etwas abschätzig wird dort darüber berichtet, dass der SPD-Chef einen Bäcker besucht hat, der ihn in einem Facebook-Kommentar angesprochen hatte. Der Text (der nicht online steht) äußert den Verdacht, dass man Gabriels ungefilterte Kommunikation in der Parteizentrale für gefährlich halte. Gabriel schreibt dazu auf <a href="https://www.facebook.com/sigmar.gabriel/posts/341050035927725">Facebook</a>:</p>
<blockquote><p>
Mir sind in der SPD-Parteizentrale allerdings noch keine Mitarbeiter aufgefallen, die schlotternde Knie haben – vor Angst, dass ich auf Facebook Blödsinn schreiben könnte. Im Übrigen kann ich alle beruhigen: Nein, ich bin keine Marionette, die von irgendwelchen PR-Profis gesteuert wird. Ich sage was ich meine. Auf Pressekonferenzen, bei Betriebsbesuchen, und manchmal eben auch bei Facebook.
</p></blockquote>
<p>Nicht nur weil er mir einfiel als ich das Gadamer-Zitat von oben las, sondern weil der Aphorismus von Kurt Tucholsky hier sogar auf Sigmar Gabriel passt, wünsche ich mir ein wenig mehr Experten-Toleranz für die angeblichen Amateure da draußen:</p>
<blockquote><p>Toleranz ist der Verdacht, dass der andere Recht hat</p></blockquote>
<h3>Weitere Digitale Notizen zum Thema</h3><ul class="related_post"><li><a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/in-und-fur-die-offentlichkeit/" title="In und für die Öffentlichkeit">In und für die Öffentlichkeit</a></li><li><a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/geburt-einer-neuen-art-von-journalismus/" title="Geburt einer neuen Art von Journalismus">Geburt einer neuen Art von Journalismus</a></li><li><a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/wie-ist-wikileaks-zu-bewerten/" title="Wie ist WikiLeaks zu bewerten?">Wie ist WikiLeaks zu bewerten?</a></li></ul>]]></content:encoded>
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		<title>ACTA in der Kritik</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 21:06:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>dvg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am 11. Februar wird es europaweit Proteste gegen das ACTA abgekürzte Anti-Counterfeiting Trade Agreement geben. Prof. Dr. Axel Metzger aus Hannover hat der Neuen Juristischen Wochenschrift (NJW) ein Interview gegeben (PDF) weil er eine Eingabe verschiedener europäischer Jura-Professoren gegen das Abkommen eingeleitet hat. Im Interview erklärt er: ACTA regelt einseitig Sanktionen, ohne adäquate Rechtsschutzmöglichkeiten vorzusehen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://www.facebook.com/events/182716005161256/">Am 11. Februar</a> wird es europaweit Proteste gegen das <a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/das-beispiel-acta/">ACTA</a> abgekürzte Anti-Counterfeiting Trade Agreement geben. Prof. Dr. Axel Metzger aus Hannover hat der Neuen Juristischen Wochenschrift (NJW) ein Interview gegeben (<a href="http://acta.iri-hannover.de/wp-content/uploads/2011/04/02_NJW_aktuell_18_2011_Interview_fertig.pdf">PDF</a>) weil er eine Eingabe verschiedener europäischer Jura-Professoren gegen das Abkommen eingeleitet hat. Im Interview erklärt er:</p>
<blockquote><p>ACTA regelt einseitig Sanktionen, ohne adäquate Rechtsschutzmöglichkeiten vorzusehen. Dies ist in unseren Augen einer der Hauptkritikpunkte an dem Abkommen.</p></blockquote>
<p>Obwohl 22 Mitgliedsstaaten der EU den Vertrag <a href="http://acta.iri-hannover.de/?p=40" target="_blank">in dieser Woche</a> unterzeichnet haben, bleibt Metzger optimistisch, dass ein Protest gegen das Abkommen Erfolg haben kann:</p>
<blockquote><p>
ACTA muss bis 2013 von mindestens sechs Verhandlungspartnern ratifiziert werden, um in Kraft zu treten. Dieser Prozess kann angesichts der kleinen Gruppe verhandelnder Staaten auch scheitern, gerade wenn die EU ausschert. Im Europäischen Parlament regt sich erheblicher Widerstand, auch weil die Kommission das Mitspracherecht des Parlaments nicht gewahrt hat. Die Initiative kann also durchaus Erfolg haben.</p></blockquote>
<p>Auch bei <a href="http://www.avaaz.org/de/eu_save_the_internet_spread/?fp" target="_blank">Avaaz</a> gibt es eine Kampagne gegen ACTA</p>
<h3>Weitere Digitale Notizen zum Thema</h3><ul class="related_post"><li><a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/digital-surplus/" title="Digital Surplus">Digital Surplus</a></li><li><a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/the-dumbest-generation/" title="The Dumbest Generation">The Dumbest Generation</a></li><li><a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/journalistisches-highlight-des-oster-wochenendes/" title="Journalistisches Highlight des Oster-Wochenendes">Journalistisches Highlight des Oster-Wochenendes</a></li></ul>]]></content:encoded>
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		<title>Von der Ablehnung der Realität</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 22:57:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>dvg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Lesern dieses Blogs wird nicht entgangen sein, dass ich vor einer Weile ein Buch veröffentlicht habe. Ich habe die Rezeption des Titels hier deshalb so ausführlich begleitet, weil ich selber die Reaktionen durchaus als spannend empfunden habe &#8211; und dies auch den Lesern eröffnen wollte. Eine Reaktion, die ich nicht spannend, sondern eher ermüdend finde, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lesern dieses Blogs wird nicht entgangen sein, dass ich vor einer Weile ein <a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/mashup/">Buch</a> veröffentlicht habe. Ich habe die Rezeption des Titels hier deshalb so ausführlich begleitet, weil ich selber die Reaktionen durchaus als spannend empfunden habe &#8211; und dies auch den Lesern eröffnen wollte.</p>
<p>Eine Reaktion, die ich nicht spannend, sondern eher ermüdend finde, ist <a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/uber-die-unwirksamkeit-des-urheberrechts/">der Vorwurf ich wolle das Urheberrecht abschaffen</a>. An unterschiedlicher Stelle ist diese Annahme an mich herangetragen worden. Meist versuche ich meine Haltung (die digitale Kopie und ihre Folgen zu beschreiben, um sie zu verstehen und daraus Schlüsse für das gerade erodierende Urheberrecht zu ziehen), durch die Gegenfrage auf den Punkt zu bringen: Was wäre denn die Alternative? Soll heißen: Würde das Urheberrecht eine höhere Legitimation erfahren, wenn man einfach nichts täte bzw. die urheberrechtlichen Sanktionen verschärft?</p>
<p>Eine Antwort auf diese rhetorische Frage liefert jetzt (quasi über Bande) der Journalistenverband Freischreiber. <a href="http://www.freischreiber.de/home/der-„dritte-korb“-darf-kein-maulkorb-für-urheber-werden-das-positionspapier-der-freischreiber-z" target="_blank">Der „dritte Korb“ darf kein Maulkorb für Urheber werden</a> ist ein Positionspapier des Verbands wortspielreich überschrieben. Darin wird der Beitrag der Freischreiber zur <a href="http://www.urheber.info/">Initiative Urheberrecht</a> dargelegt.</p>
<p>Ich möchte dieses Papier hier nicht kommentieren auch wenn mir die Betrachtung, &#8220;die großen Internet-Plattformen (wie Google oder Facebook)&#8221; würden in der Urheberrechtsdebatte die Interessen der Nutzer vertreten, doch etwas kurz gegriffen scheint. Die Interessen der Nutzer vielleicht als Interessen der Bürger zu bezeichnen, wäre meiner Einschätzung nach einem Journalistenverband auch nicht unangemessen. Auch empfinde ich, die Formulierung mittels derer ein pauschales Vergütungssystem vorgeschlagen wird (das ich inhaltlich begrüße) etwas unglücklich (&#8220;&#8230;die Ermöglichung der nicht-gewerblichen Privatkopie an die Einführung einer pauschalen Urheber-Abgabe zu binden. Die Erhebung und Verteilung einer solchen Abgabe muss unabhängig, nachvollziehbar, transparent und gesellschaftlich gerecht gestaltet werden.&#8221;). </p>
<p>Aber wie gesagt mir geht es nicht um das Papier, mir geht es um die Frage, wie man mit gesellschaftlichen Realitäten umgeht. In dem Freischreiber-Papier lässt sich das an dem folgenden Satz illustrieren, der sich dem oben erwähnten pauschalen Abgabesystem anschließt:</p>
<blockquote><p>
So genannte transformative Werknutzungen (Remix, Mashup, Appropriation Art, Plagiate) lehnen wir ab, insbesondere, wenn sie zu Gewinnerzielungszwecken bzw. auf Kosten anderer vorgenommen werden.</p></blockquote>
<p>Natürlich ist mir bewusst, dass der Verband mit diesem Satz und der darin zentralen Formulierung (die auf Plagiat anzuwenden eher unredlich ist) Bezug auf das <a href="http://www.irights.info/index.php?q=node/2054" target="_blank">Gutachten „Verbraucherschutz im Urheberrecht“</a> aus dem Sommer 2011 nimmt. Darin hatte Till Kreutzer im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ein Gutachten verfasst, in dem auch die transformative Werknutzung thematisiert wurde:</p>
<blockquote><p>
„Um die kreative Entfaltungskraft und neuartige Phänomene wie die Kreativität der Massen einerseits nicht mit einem zu engen Rechtsrahmen zu behindern und andererseits klar zu regeln, welche Befugnisse in diesem Zusammenhang existieren, besteht für eine gesetzliche Regelung dringender Bedarf. Denn es ist kreativen Prosumern nicht möglich, die für ihre Aktivitäten notwendigen Nutzungsrechte individuell einzuholen.“ </p></blockquote>
<p>Wenn die Freischreiber (dies nun transformativ nutzen und) formulieren, diese transformative Werknutzung lehnten sie ab, frage ich mich, welche Folgen das haben wird: Wird sie dadurch womöglich enden? Werden Menschen Abstand davon nehmen zu tun, was sie technisch können &#8211; nämlich Werke transformativ zu nutzen? </p>
<p>Der von Till Kreutzer verwendete Begriff des Prosumenten bringt auf den Punkt, dass die Betrachtung eines rein passiven Konsumenten zu kurz greift. <a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/Tag/aktiver-rezipient/">Jeder kann zum Produzenten</a> werden (daher die Wortneuschöpfung) und Werke referenzieren oder transformieren. Wird sich das ändern, wenn ein Journalistenverband dies ablehnt? Wird die digitale Kopie nicht mehr genutzt, wenn irgendjemand erklärt, er oder sie möge sie nicht oder lehne sie gar ab?</p>
<p>In Wahrheit sagt das Freischreiber-Papier: &#8220;eine gesetzliche Regelung der transformativen Werknutzung lehnen wir ab&#8221;. Anzunehmen, dass dies zu einer höheren Akzeptanz des Urheberrechts führen wird &#8211; und damit schließt sich der Kreis zu meinem Privat-Problem vom Einstieg &#8211; ist Unfug. Wer glaubt, die Folgen der digitalen Kopie durch Ablehnung oder Ignoranz einzufangen, erweist dem Urheberrecht damit in Wahrheit einen Bärendienst. Die digitale Kopie (die leider im Positionspapier gar nicht erst auftaucht) ist in der Welt, ihre Folgen abzulehnen, mag vielleicht schön klingen, ist aber so sinnvoll wie die Ablehnung von Regen. Weniger nass wird man dadurch nicht. Dafür ist es notwenig, einen Umgang mit dem Wetter zu finden.</p>
<p>Insofern bin ich dem Papier für die in Wahrheit vielleicht nur unglückliche Formulierung dankbar. Sie illustriert eine grundsätzliche Haltung zu der Frage, wie man mit der Ungeheuerlichkeit der digitalen Kopie umzugehen gedenkt. Ich würde sie gerne zunächst verstehen und dann Schlüsse daraus zu ziehen, wie ein reformiertes Urheberrecht aussehen kann, das die Interessen der Urheber, der Verwerter und ja auch der Bürger angemessen im Blick behält. Eine Abschaffung des Urheberrechts hat dieses Vorgehen nicht zur Folge. Anders als das Ausblenden der gesellschaftlichen Realität der digitalen Kopie.</p>
<p>P.S.: Natürlich kann man übrigens auch gesellschaftliche Realitäten politisch ablehnen. Dann wäre es aber schön zu erfahren, zu <a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/achtung-urheberrechtsverletzung/">welchem Preis</a> man das tun möchte.</p>
<h3>Weitere Digitale Notizen zum Thema</h3><ul class="related_post"><li><a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/initivative-gegen-leistungsschutzrecht/" title="Initivative gegen Leistungsschutzrecht">Initivative gegen Leistungsschutzrecht</a></li><li><a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/wer-macht-eigentlich-die-gesetze/" title="Wer macht eigentlich die Gesetze?">Wer macht eigentlich die Gesetze?</a></li><li><a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/die-moral-vom-filesharing/" title="Die Moral vom Filesharing">Die Moral vom Filesharing</a></li></ul>]]></content:encoded>
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		<title>Nicht spenden, nicht zahlen: Es fehlen die Worte</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 23:30:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>dvg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In dieser Woche durfte ich in Rüschlikon in der Schweiz ein paar Thesen aus meinem Buch vorstellen. Im Rahmen der Kultur digital-Tagung sprach ich mit Tim Renner, der Autorin Ruth Schweikert und dem Juristen Mathis Berger über Urheberrecht im Zeitalter der digitalen Kopie. Auf der Website gibt es eine Audio-Dokumentation der Debatte. Ich empfehle diese [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In dieser Woche durfte ich in Rüschlikon in der Schweiz ein paar Thesen aus <a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/mashup/">meinem Buch</a> vorstellen. Im Rahmen der <a href="http://www.digitalbrainstorming.ch/weblog/2012/01/kultur_digital_ein_thema_gibt.html" target="_blank">Kultur digital</a>-Tagung sprach ich mit <a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/kino-to-und-die-tochter-von-tim-renner/">Tim Renner</a>, der Autorin Ruth Schweikert und dem Juristen Mathis Berger über Urheberrecht im Zeitalter der digitalen Kopie. Auf der Website gibt es eine <a href="http://www.digitalbrainstorming.ch/programm/digikulttagung" target="_blank">Audio-Dokumentation</a> der Debatte. </p>
<p>Ich empfehle diese hier aber vor allem, weil man sich dort auch den sehr spannenden Vortrag &#8220;Haifische und Orchideen: Widersprüche, Risiken und Chancen der digitalen Kultur&#8221; von <a href="http://felix.openflows.com/" target="_blank">Felix Stalder</a> anhören kann. Der Text hat zwar in Rüschlikon einen anderen Titel (&#8220;Von Nischen und Fabriken&#8221;) bekommen, auf der Website findet man ihn aber unter dem Haifisch-Namen.</p>
<p>Hörenswert ist er aus mehreren Gründen. Mir ist vor allem ein Wikipedia-Bild hängen geblieben. Stalder berichtet in seinem Vortrag von neu entstehenden Geschäftsmodellen. Er führt Wikipedia als Beispiel für eine Zahlungsbereitschaft an, die enorm ist, die wir aber begrifflich gar nicht greifen können. Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Spenden">Spendensammlung von Wikipedia</a> hat einen mehrfachen Millionenbetrag eingebracht, mit dem Begriff des Spendens ist sie aber völlig unzureichend beschrieben. Denn die klassische Hierachie, die diesem Wort klassischer Weise innewohnt, fehlt bei Wikipedia. Niemand, der Wikipedia Geld gibt, fühlt sich größer als die weltweite Enzyklopädie. Niemand gibt aus gönnerhafter Haltung von oben. Gleichzeitig ist aber auch die andere Begrifflichkeit, die wir für Geldflüsse kennen &#8211; nämlich das Bezahlen &#8211; nicht stimmig, um zu beschreiben, was bei der Spenden-Aktion stattfand. Niemand bezahlt bei Wikipedia im Sinne einer klassischen Kundenbeziehung. Der Geldfluß ist hier vielmehr Teil eines Partizipations- oder Einschreibe-Prozesses. Man beteiligt sich und gibt Geld. Viel Geld. </p>
<p>Wir reden also nicht über ein theoretisches Modell, das vielleicht funktionieren könnte, sondern über einen bereits praktizierten Geldfluß. Trotzdem fehlen uns die Worte dafür. Es gibt keinen Begriff, um zu beschreiben, wie das Bezahlmodell von Wikipedia ist. Es ist keine Mitgliedschaft, die einem Beteiligungs-Bezahlen sonst womöglich nahe käme, es ist kein (Ein-)kaufen wie in klassischen Geschäftsbeziehungen und ein Mäzenatentum ist es auch nicht. </p>
<p>Man mag diesen Begriffsmangel für unbedeutsam halten. Ich finde aber, dass er die Unschärfe ziemlich anschaulich vorführt, mit der wir die digitale Welt noch immer betrachten. Wo wir keine Wort haben, können wir auch kaum neuen Modelle erfinden. Was für das <a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/das-dilemma-des-teilens/">Diebstahl-Dilemma</a> umgekehrt gilt, lässt sich hier im Positiven ablesen: die gelernten Begriffe beschreiben nicht trennscharf. In Anlehnung an Wittgenstein muss man also vielleicht sagen: &#8220;Wovon man nicht trennscharf sprechen kann, darüber kann man sich auch keine neuen Gedanken machen.&#8221; </p>
<p>Ich frage mich deshalb seit der Tagung: Wie heißt der Geldfluß bei der Wikipedia-Spendenaktion?</p>
<h3>Weitere Digitale Notizen zum Thema</h3><ul class="related_post"><li><a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/initivative-gegen-leistungsschutzrecht/" title="Initivative gegen Leistungsschutzrecht">Initivative gegen Leistungsschutzrecht</a></li><li><a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/das-diebstahl-dilemma/" title="Das Diebstahl-Dilemma">Das Diebstahl-Dilemma</a></li><li><a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/wer-macht-eigentlich-die-gesetze/" title="Wer macht eigentlich die Gesetze?">Wer macht eigentlich die Gesetze?</a></li></ul>]]></content:encoded>
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