loading: Eternal Light

Digitale Fotografie kann jeder. Das vernünftige Archivieren all dieser Aufnahmen ist hingegen eine viel größere Herausforderung: Wie und wo speichert man all das ab, was man so fotografiert? Wie greift man wieder drauf zu? Wann? Und: Warum? Stefan Landrock und das Team von Eternal Light versuchen sich an einer Antwort auf all diese Fragen – mit dem Kickstarter-Projekt “Eternal Light”, das hier bereits auf jetzt.de vorgestellt wurde.

Stefan Landrock hat den loading-Fragebogen beantwortet:

Was macht Ihr?
Wir bringen verborgene, fotografische Erinnerungen ans Licht. Wir entwickeln eine Software, die unsere digitalen Erinnerungen wieder sichtbar macht, indem sie das Präsentieren, Arrangieren und Filtern von großen Bilder- und Videomengen ermöglicht.

Warum (macht Ihr es so)?
Je mehr Bilder wir ansammeln umso unsichtbarer wird jedes einzelne. Durch den Überfluss verschwindet das eingefangene Licht in der digitalen Dunkelheit unserer riesigen Festplatten. Wir brauchen bessere Tools um die ständig anwachsende Bilderflut bewältigen zu können.

Wer soll da mitmachen?
Jeder, der seine Fotos nicht mehr betrachten kann, weil es einfach zu viele sind. Alle, die sich darüber Gedanken machen, wie wir in Zukunft mit unseren digitalen Erinnerungen umgehen.

Wie geht es weiter?
Wenn wir genug Unterstützer finden, werden wir aus unserem Prototyp eine App machen, die jeder sehr einfach benutzen kann, um sein digitales Bildarchiv zum Leben zu erwecken.

Was sollten mehr Menschen wissen?
In unseren persönlichen Bildarchiven liegen ungeahnte Schätze. Wenn man Fotos sehr schnell und chronologisch abspielt entstehen unvorhersehbare Momente und Eindrücke. Und wenn man die Bildwechsel auf Musik synchronisiert passieren unglaubliche Dinge.

>>>> hier Eternal Light auf Kickstarter unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Was Twitter weiß

In dieser Woche stellte SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück einen Teil seines Kompetenzteams vor. Mit dabei: Gesche Joost, seine Lotsin in der digitalen Welt. Sie war vorab nicht jedem Netzpolitiker bekannt, aber man kann Gesche Joost auf Twitter folgen – wenn man das macht, stellt der Dienst sie wenig später auf seine Art vor, sozusagen sozial. So ähnlich wie sie sind:

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Online-Kommunikation

Publikation – das habe ich hier im Blog schon häufiger geschrieben – wird im Netz zu Kommunikation. Das verändert den Beruf des Journalisten, das fordert die Rolle von Verlagen und Redaktionen heraus: Wie geht man mit dieser Veränderung um? (dazu hier eine Geschichte aus der letzten Ausgabe des Magazins journalist)

In Berlin wird in dieser Woche der Online-Kommunikationspreis verliehen. Die Süddeutsche Zeitung (für die ich im Bereich Social Media arbeite) ist dafür in zwei Kategorien für ihre digitalen Dialog-Aktivitäten nominiert. Das SZ-Magazin wurde (für seine Facebook-Seite) in der Kategorie “Social Media-Team des Jahres in Unternehmen” ausgewählt und Süddeutsche.de in der Kategorie “Online-Krisenkommunikation” (für ihre Kommunikation auf Twitter&Facebook während der Ddos-Attacke auf die Website). Verliehen wird der Preis auf Basis einer Präsentation vor einer Jury in Berlin. In dieser Präsentation werden Wolfgang Luef und Marc Baumann, die die Facebook-Seite des SZ-Magazins betreuen, einen Einblick in ihre Arbeit gegeben. Diese Form der Social-Media-Arbeit ist so spannend und lehrreich, dass ich Teile davon hier dokumentieren will.

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Die Beiträge auf der SZ-Magazin Facebookseite zeichnen sich durch ihren besonderen, dem Heft eigenen Humor aus. Nach dem Hinspielsieg des FC Bayern gegen Barcelona und den zuvor bekannt gewordenene Steuerproblemen von Bayern-Präsident Hoeneß schrieben die Kollegen auf Facebook: “Da haben sich die fünf Millionen Euro Eintritt für Uli Hoeneß gelohnt.” Dieser kurze Eintrag wurde sofort in großem Maß geliked und geteilt. Er verbreitet sich viral.

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Genau wie das Posting vom 13. März als weißer Rauch über dem Vatikan zu sehen war. Damals posteten Baumann und Luef ein Bild vom Schornstein mit den Worten “Es ist ein Junge”.

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Wie entstehen solche Posting, die das soziale Gesprächsprinzip auf Facebook (einfach, konkret, emotional) treffen? Wolfgang Luef zeigt es – auf dem Handy. Die Screenshots dokumentieren wie die beiden im Dialog herausfinden, welcher Beitrag zu welchem Zeitpunkt am besten zu sein scheint. Sie zeigen aber auch: Mit dem Posting ist die Arbeit nicht erledigt, sie beginnt im Gegenteil erst dann. Die Postings ziehen nicht nur Shares und Likes (die Währung auf Facebook) nach sich, sondern auch zahlreiche nicht nur angnehme Kommentare.

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Die SMS-Kommunikation zwischen den beiden zeigt aber vor allem: es geht um Wortwitz, ein Gespür für Situationen und das richtige Timing. Das kann man üben, aber nicht im klassischen Sinne vorbereiten. Es setzt ein Gefühl dafür vorraus, welche Erwartungen und Interessen sich vor der Facebook-Bühne versammeln – und natürlich den Mut, damit zu spielen, sie herauszufordern und zu überraschen. Das gilt fürs SZ-Magazin, aber auch für anderen Dialog-Aktivitäten im Netz (und nicht nur auf Facebook). Und zeigt, was der Wandeln von der Publikation hin zur Kommunikation bedeutet: Zu verstehen, dass unser Beruf nicht mit dem Senden aufhört.

loading: Freienbibel

“Deutschland braucht freie Journalisten”, mit diesen Worten beginnt eine Crowdfunding-Kampagne, die Antwort auf die Frage geben will: Was brauchen freie Journalisten? Die Antwort lautet: die Freienbibel. So heißt das Handbuch, das die Freischreiber über die Plattform Krautreporter finanzieren wollen.

Ihr Vorsitzender Benno Stieber hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht Ihr?
Ein Profi-Handbuch für freie Journalisten, mit den wichtigsten Informationen die unsere Mitglieder brauchen, um ihren Job auch in Zukunft gut und professionell zu machen. Schön lesbar soll das Buch auch noch sein und auch hübsch anzusehen.

Warum (macht Ihr es so)?
Weil es immer den Wunsch gab, dass Freischreiber nicht ausschließlich im Digitalen stattfindet, fanden wir es gut, ein echtes Buch zu machen. Und Crowdfunding passt gut zu Freischreiber. Denn wir waren ja schon immer eine Selbsthilfegruppe im besten Sinne. Haben Lesereisen und einen Kongress organisiert. Und wir sehen die Aktion bei Krautreporter auch als Experiment, mit dem wir auch Erfahrungen sammeln können, für die Arbeit von freien Journalisten.

Wer soll das anschauen?
Alle, die Freischreiber sind.

Wie geht es weiter?
Am Ende schauen wir in den Topf, ob das Geld beisammen ist, und ob wir das Buch machen können. Dann werden unsere Autoren gebrieft und wenn das alles klappt, bekommen im Herbst alle Unterstützer und alle Neumitglieder dieses Buch.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Unter welchen Bedingungen heute viele Geschichten entstehen, die sie in Zeitungen und Magazinen lesen. Denn Qualitätsmedien zahlen häufig traurige Honorare. Aber die Leser sollten auch wissen welche Kreativität Journalisten gerade in diesen unsicheren Zeiten entfalten können. Die Freien-Bibel ist ein Beispiel dafür.


>>>>> Hier kann man die Freienbibel auf Krautreporter unterstützen!

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loading: LobbyPlag

Wer schreibt eigentlich unsere Gesetze? Mit der Antwort auf diese ja vermeintlich sehr einfachen Frage befasst sich das gerade gestartete Projekt LobbyPlag. Am Beispiel der EU-Datenschutzreform können der Rundshow-Erfinder Richard Gutjahr, der Open-Data-Journalist Marco Maas und der Wiener Student Max Schrems zeigen: es sind nicht immer die Abgeordenten und deren Mitarbeiter die Gesetze schreiben. Oft stammen ganze Textpassagen aus Papieren von Lobbyisten. Richard Gutjahr fasst das so zusammen: “Allein der Abschluss-Bericht zur ersten Datenschutz-Ausschuss-Sitzung im vergangenen Dezember ist geradezu durchsetzt von Lobby-Texten. Das Ausmaß: mehr Guttenberg als Schavan.”



Der Start von LobbyPlag sorgte für großes Aufsehen in der vergangenen Woche. Deshalb entschieden die Macher: Sie wollen weiter machen. Auf der Plattfrom Krautreporter (hier ein Interview mit dem Macher Sebastian Esser) starteten sie ein ungewöhnliches Crowdfunding-Projekt. Supporter können bisher lediglich zwischen der Unterstützer-Summe 5 und 50 Euro wählen – trotzdem sind heute schon über 2.500 Euro zusammen gekommen.

Marco Maas von OpenDataCity hat den kleinen Loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht Ihr?
Wir wollen ein Tool entwickeln, mit dem wir die Gesetzgebung in Brüssel begleiten können. Wir sammeln Lobbypapiere und vergleichen diese mit Gesetzesentwürfen – und können zeigen, welche Abgeorneten sich nderungen in die Feder diktieren lassen. Dazu zeigen wir Lobbypapier auf der einen, Gesetzestext auf der zweiten und markieren Streichungen und Ergänzungen farblich. Die Anzahl der Übernahmen aus Lobbypapieren sind z. T. echt erschreckend.

Warum (macht Ihr es so)?
Es gibt noch keine vergleichbare Plattform – eines unserer Ziele ist es, den Prozess der Gesetzentwicklung transparenter zu machen – und eine Art digitalen Beipackzettel zu schaffen, in dem nachzuvollziehen ist, welche Gruppierungen sich wie stark eingemischt und ggf. durchgesetzt haben (“Dieses Gesetz könnte Spuren von Lobbyismus enthalten”)

Wer soll das anschauen?
Im Grunde genommen: Jeder. Denn jeder Mensch, der in der EU lebt, ist von den Gesetzen, die gerade in Brüssel erarbeitet werden, betroffen. Es kann nicht schaden zu wissen, woran die Abgeordneten arbeiten, und wer sie wie zu beeinflussen versucht.

Wie geht es weiter?
Wir sind gerade dabei, unseren “Werkzeugkasten” zu erweitern, noch haben wir keine echten Crowdsourcing-Funktionen und beschränken uns auf die Darstellung – das soll sich ändern. Als erstes Tool haben wir einen Fundstellen-Finder gebaut, User können Textschnipsel aus Lobbypapieren in einen Suchschlitz eingeben und unser System zeigt, welcher Abgeordneter in welchem Ausschuss hier etwas übernommen hat. Auch mit einem Tool für die automatische Erkennung von Übernahmen haben wir angefangen – und das soll dann aufgebohrt werden, sodass jeder Dokumente hochladen, Fundstellen markieren, vertaggen und Interessantes vermelden kann.
Ebenfalls in der Mache sind verschiedene Visualisierungen – welche Lobbygruppen sind erfolgreich, wie sieht der Gesetzgebungsprozess aus etc. Wir haben seit Start bisher 3000 neue Seiten Dokumente zugespielt bekommen – und die müssen auch noch alle aufbereitet werden.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Lobbyismus ist an sich nichts Schlimmes, bei der aktuellen Datenschutz-Gesetzerstellung war das Ausmaß allerdings auf einem bisher noch unbekannten Niveau. Auf wenige hundert Abgeordnete kommen knapp 20.000 Lobbyisten – hier Transparenz zu erzeugen, kann eigentlich nur positives bewirken.

>>> LobbyPlag bei Krautreporter unterstützen!!!

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Die journalistische Familie

In den vergangenen Tagen ist viel über Journalisten und ihre Rolle gesprochen worden. Diese Woche nun erschien im Spiegel ein Text, den man früher (als das ahnungslose Abwerten von Blogs noch üblicher war) vielleicht als Blog bezeichnet hätte. Im Spiegel läuft er unter der Kategorie “Homestory” und der Spiegel-Autor Ralf Hoppe erzählt darin von daheim. Er steigert sozusagen den Ansatz von Laura Himmelreich: hier ist nicht mehr der Journalist allein wichtigster Beleg seiner Thesen, hier dient die Familie als Bezugsrahmen, konkret der Sohn von Ralf Hoppe. Dieser ist offenbar der einzige oder zumindest der mit dem geringsten Aufwand zu recherchierende Vertreter einer fremden Generation, über die Hoppe schreiben möchte. Im Untertitel des “Volksreporter” überschriebenen Textes wird diese Generation unter Verwendung eines merkwürdigen “uns” und mit grammatikalisch falscher Tempus-Setzung so beschrieben: “Wie sich das Leben verändern wird, wenn unsere Kinder keine Zeitung mehr lesen.”

Was dann folgt ist ein Text, der sehr gegenwärtig beschreibt, dass der Sohn des Autors bereits heute keine Zeitung (auf Papier) liest.

Dabei verfällt der Text dem klassischen Fehler, Zeitung nicht über den Wert des darin produzierten Journalismus, sondern einzig mit dem Verbreitungsweg Papier zu definieren (ich hatte dazu hier bereits ausführlich geschrieben). Wenn dieses Papier verschwindet, so die These des Blog-Textes im Spiegel, wird es nur noch Blogs geben. Darin zeigt sich eine verquere Logik, denn diese Blogs, so der Blog-Text, seien per se schlechter. Was man ja an Island sehen kann. Wer jetzt erwartet, dass Ralf Hoppes Sohn wenigstens einen Bezug zu Island habe … aber egal. (Alexander Svensson hat sich die Mühe gemacht, den Text in dieser Sache detaillierter zu analysieren)

Ich will viel lieber über einen anderen Aspekt in dem online nicht verfügbaren Text sprechen: über die Rolle des Journalisten. Darum scheint es dem Autor nämlich auch zu gehen. Er benennt die Demokratisierung des Berufs sehr konkret mit einem plötzlichen Perspektiv-Wechsel auf ein vorher nicht erwähntes Wir, das den folgenden Satz einleitet:

Wir sind alle unsere eigenen Volksreporter : Das ist das Konzept, das hinter dieser Nachrichtenverbreitung steckt. Der Beruf, den ich mal vor langer Zeit ergriffen habe, nicht zuletzt, weil ich ihn für interessant (aber auch für krisensicher) hielt, sah einen Journalisten vor, der eine Ausbildung besitzt, eine Aufgabe hat, eine Mission, wie immer die auch aussieht. Dieser Journalist kommt in der neuen Art der Informationsübermittlung nicht vor.

Das muss er so schreiben, weil er vorher behauptet hatte, die Informationen im digitalen Nachrichtenstrom, an dem sein Sohn teilhat, seien sozusagen ohne Quelle, ohne medialen Bezug:

Nachrichten im sozialen Netz haben keinen Anfang, keinen Ursprung. Sie sind einfach plötzlich da. Erklärungslos, dafür meinungslastig, emotional.

Diese Behauptung ist einfach da, erklärungslos, meinungslastig, emotional. Sie deckt sich kaum mit dem, was Studien über die Verlinkung klassicher Medien im digitalen Raum zu Tage födern und noch viel weniger mit dem, was ich im sozialen Netz erlebe. Ich sehe dort Journalisten im angelsächsichen Raum, die sehr gebildet (und ausgebildet) ihre Quellen offenlegen, Bezüge herstellen, sachlich und zurückhaltend erklären.

Ich kann verstehen, dass es Journalisten gibt, die dieses Form der Autoritätsbegründung und Berufsausübung nicht mögen. Aber deshalb muss man sie ja nicht negieren. Wer den Datenstrom der sozialen Netze mit einer italienischen Piazza vergleicht, sollte schon anerkennen, dass dort sehr wohl auch professionelle Journalisten herumspazieren und den Dialog mit ihren Nutzern suchen. Von einem Artikel, der weniger “erklärungslos, meinungslastig und emotional” ein Thema bearbeitet, würde ich mir sogar erwarten, dass er diese Fakten in eine Analyse einfließen lässt. Denn hier liegt meiner Einschätzung nach der Hebel für eine digitale Ausgestaltung des Journalistenberufs einerseits und für Antworten auf die Frage, wie qualitativ hochwertiger Journalismus auch im digitalen Zeitalter funktionieren kann: in dem man seinen Wert benennt und nicht seinen Vertriebsweg. In dem man analysiert, wo er Menschen erreichen kann. In dem man nachschaut, wo er heute bereits praktiziert wird und nachfragt, warum das so ist.

Wer stattdessen lediglich seine Distanz und Verwunderung über die Digitalisierung festhält, beschreibt damit mehr die Entfernung von einer Lösung als die Suche danach. Ein Text, der sich aus dieser Ich-Perspektive der eigenen Familie bemächtigt, um daraus Schlüsse zu ziehen, ist viel weniger Zeitung als dem Autor vermutlich lieb ist. Ein solcher Text ist ein schlechtes Blog auf Papier, ohne dessen digitale Möglichkeiten auch nur zu erfragen.

#aufschrei – die journalistische Ebene

Der Satz, den alle lesen sollten, die sich für Journalismus in diesem Land interessieren, wurde heute Vormittag auf bild.de veröffentlicht. Er trägt einen Zeitstempel und entstammt einem “Protokoll” genannten sehr eigenwilligen Text, der versucht aus einem Pressegespräch im Jakob-Kaiser-Haus ein Event zu machen (“Bild.de war live vor Ort”).

10.39 Uhr: Himmelreich ist da, mit einem Kollegen! Sie trägt einen dunkelblauen Mantel, rotes Oberteil, grauer knielanger Rock, rote Wildlederstiefel.

Die Beschreibung bezieht sich auf Laura Himmelreich, Autorin des Porträts über Rainer Brüderle, das eine noch andauernde Debatte über Sexismus in Deutschland auslöste. Ich lag falsch als ich ihren Text vergangene Woche zum Beispiel für die Tatsache nahm, dass Journalistinnen und Journalisten die Rolle des Beobachters verlassen und zu Akteuren werden. Laura Himmelreich erlebt gerade die Steigerung dessen: Sie ist nun selber zum Gegenstand der Berichterstattung geworden. Sie sah sich diese Woche auf dem Cover der Bild-Zeitung abgebildet – neben Rainer Brüderle. Und das Land diskutiert plötzlich, ob der FDP-Spitzenkandidat sich bei ihr entschuldigen soll.

Natürlich geht es nicht nur darum: Die Diskussion um #aufschrei (hier ein paar Daten dazu) zeigt, dass der Text mehr ausgelöst hat. Ich glaube aber, dass er auch eine journalistische Ebene hat, die über die inhaltliche Debatte hinaus geht. Journalistinnen und Journalisten müssen sich überlegen, wie sich ihre Rolle, ihre Auftreten und ihr Anforderungsprofil ändert, wenn Geschichten wie die genannte häufiger werden (in der gleichen Woche war übrigens auf dem Cover der Zeit ein Journalist mit einem Kinderbild zu sehen – weil er seine eigene Geschichte erzählte).

Wie bereitet man sich auf die Folgen solcher Veröffentlichungen vor? Natürlich wird nicht jede und jeder erleben, dass ihr oder sein Text am Sonntag abend Thema der vermeintlich politischen Talkshow in der ARD wird. Aber die Frage: Muss ich meinen Text später erklären? scheint wichtiger zu werden. Muss die Journalistenausbildung darauf reagieren? Müssen Journalisten lernen, ihre Texte, Filme, Bilder zu erläutern? Welche Anforderungen ergeben sich daraus für Redaktionen? Wie müssen sie ihre Autorinnen und Autoren vorbereiten und vielleicht auch schützen?

Wenn der merkwürdige wie sinnlose Graben der #aufschrei-Debatte überwunden wurde (Lektüre-Tipp: Kia Vahland in der SZ), wenn man mit Abstand auf diese Tage zurückblicken wird, wird man an den merkwürdigen Live-Ticker denken – und sich vielleicht daran machen, ein paar der genannten Fragen zu beantworten.

Videotext trifft auf Social Media: Teletwittern

Vergangene Woche machte die Redaktion von quer, dem satirisch-kritischen TV-Magazin im Bayerischen Fernsehen ein Experiment: sie verheiratete Zuschauerfeedback auf Twitter mit dem Videotext. Ausgewählte Tweets wurden auf der Videotext-Seite 888 des Bayerischen Fernsehens angezeigt. Deef Pirmasens, Onlineredakteur von “quer”, hat die Aktion begleitet – und ein paar Fragen zum Teletwittern beantwortet, die ich ihm gemailt habe.

Wie kommt man darauf, einen eher alten Kanal wie den Teletext mit einem eher neuen Kanal wie Twitter zu verbinden?
Wenn man Tweets ins Fernsehen bringt und das mit Inserts – also für alle sichtbare Einblendungen – löst, nervt man diejenigen Zuschauer, die sich nicht für Twitter und Zuschauerkommentare interessieren. Deshalb haben wir die Tweetdarstellung über den Teletext gelöst. Öffnen Zuschauer während der Sendung die Bayerntext-Seite 888, so sehen sie das normale Fernsehbild, in das am unteren Bildrand nacheinander Tweets eingeblendet werden. Zuschauer können frei wählen, ob sie den Teletext einschalten oder nicht, so dass keiner – wie bei der Insert-Lösung – gestört wird.

War das ein einmaliges Experiment oder passiert das jetzt immer, wenn Quer im Fernsehen läuft
Es war ein Experiment, das so gut funktioniert hat, dass wir es fortführen wollen.

Warum muss Twitter überhaupt ins Fernsehen?
Es muss nicht, aber es ist ein Mehrwert für manche Zuschauer. Menschen, die Twitter nicht auf dem Rechner nutzen, haben durch Teletwittern die Möglichkeit, live Meinungen von anderen Fernsehzuschauern zu sehen. Aber auch viele versierte Twitterer freuen sich über Teletwittern, wenn ihr Tweet im Fernsehen erscheint. Bei der Sendung am Donnerstag hat jemand Screenshots davon gemacht und getwittert “Ich war im Fernsehen”.

Kann man messen, wieviele Leute während der Sendung den Teletext eingeschaltet haben?
Wir wissen, dass der Bayerntext pro Tag von durchschnittlich einer Million Menschen genutzt wird. Teletext ist – auch in Zeiten des Internets – ein sehr beliebtes Medium.

Genaue Zahlen zur Sendung kann man aber nur Twitter auslesen, oder? Kannst Du dazu was sagen?
Wir hatten über 150 Tweets mit @BR_quer bzw. #BR_quer, was fast eine Verdreifachung gegenüber bisherigen quer-Sendungen darstellt. Am nächsten Donnerstagabend werden wir sehen, ob das nur beim ersten Mal so war oder ob sich die Beteiligung noch steigert, wenn wir regelmäßig teletwittern.

Und wie waren die Reaktionen im Haus, also in der Quer-Redaktion und bei Dir? Haben sich Erwartungen erfüllt oder seid Ihr eher positiv/negativ überrascht worden?
Wir sind hocherfreut. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass so viele Twitterer daran interessiert sind, mit ihren Tweets ins Fernsehen zu kommen. Und wir waren in den deutschen “Trending Topics” bei Twitter. U.a. neben Justin Bieber – das ist doch mal was.

Ihr habt die Tweets gefiltert und von Hand für den Videotext freigeschaltet. Musstet Ihr viel löschen?
Wir veröffentlichen keine Beleidigungen u.ä. – aber es kamen auch keine. Es kam auch keine Kritik an quer, obwohl wir die veröffentlichen würden. Es geht beim Einpflegen der Tweets aber vor allem darum, die auszuwählen, die selbsterklärend sind und die zum gerade im Fernsehen gezeigten Themenkomplex gehören. Am Ende der Sendung einen Tweet zu zeigen, der einen Bericht vom Anfang der Sendung kommentiert, macht keinen Sinn.

Eigentlich wäre dieser Live-Videotext-Einblendung so etwas wie die Fernsehentsprechung zum Leserkommentar auf Online-Seiten. Könnte man das nicht für alle Sendung anbieten?
Es gibt Sendungen, bei denen ergeben sich bei Twitter von selbst regelmäßig Diskussionen, wie z.B. beim Tatort. Und es gibt Sendungen wie unsere, bei der wir seit 2009 mit unseren Zuschauern via quer-Blog, Facebook und Twitter intensiv diskutieren. Die Folge: Obwohl quer “nur” in einem dritten Programm läuft, hat unser Twitteraccount mehr Follower als @Tatort vom Ersten. Hätten wir @BR_quer nicht über Jahre aufgebaut, würde auch Teletwittern für quer nicht funktionieren. Teletwittern macht also für alle Sendungen Sinn, über die ohnehin viel getwittert wird oder die über einen starken Twitteraccount verfügen, mit dem man die Diskussion anschieben kann.

Teletwittern gibt es heute Abend wieder im Bayerischen Fernsehen – und sonntags im Ersten beim Tatort. Dort auf Videotext-Seite 777 im Ersten.

Reden wir über Geld: über Wertschätzung und Wertschöpfung

Ich hatte es vergessen. Ich benutze das iPad nicht so begeistert und vor allem nicht so häufig, dass mir aufgefallen wäre, dass ich vor etwa einem Jahr zwar ein Wired-Abo (US-Ausgabe) abgeschlossen, aber nie eine Ausgabe gelesen hatte. Heute wurde ich daran erinnerte: eine automatische Mail informierte mich über eine Erhöhung des Abo-Preises. “Falls Sie Ihr Abo zu diesem höheren Preis nicht verlängern möchten,” steht in der Mail, “können Sie die automatische Verlängerung deaktivieren.” Die Mail kommt nicht von Wired. Sie wurde nicht vom Chefredakteur verfasst und auch nicht vom Vertriebsleiter bei Conde Nast. Sie kommt von einem iTunes-Automaten.

Nicht nur weil es beim Abo-Preis um einen vergleichbaren Betrag geht, musste ich an Andrew Sullivan denken als ich die Mail las. Andrew Sullivan erlangte zu Beginn des Jahres auch bei digital eher uninteressierten Menschen eine gewisse Aufmerksamkeit, weil er sich mit einem ziemlich Knall als Journalist von der früher notwendigen Medienmarke löste. “Daily Dish” heisst die Marke, die Sullivan (mit seinem Team) selbst erschaffen hat. “Daily Dish” wird ab Februar auf eigenen Beinen stehen – dank seiner Leser.

Der Kontrast zwischen Wired-Abo und Andrew Sullivan ist vielleicht nur ein zeitlicher Zufall. Ich lese ihn aber als Beispiel für den Wandel, den wir dieser Tage erleben. Es ist ein Wandel in der Art, wie für Journalismus (auch) bezahlt wird. Wir erleben eine sich gründende Bezahlkultur, die einerseits beweist, dass die Rede von der Kostenloskultur nicht konstruktiv ist und andererseits den Gedanken nahelegt: Inhalte werden im digitalen Raum (auch) anders gekauft als im analogen.

Andere haben das schon früher und besser aufgeschrieben, deshalb erlaube ich mir, die vier wichtigsten Schlussfolgerungen aus dem Beispiel Daily Dish zu ziehen und dabei eine These fortzuführen, die ich vor ziemlich genau einem Jahr (vermutlich als ich das Wired-Abo abschloss) am Beispiel von Wikipedia aufgestellt habe: Es wird im Netz sehr wohl bezahlt, aber in einem anderen Kontext.

Den Beweis dafür liefert übrigens keineswegs nur Andrew Sullivan. Die Crowdfunding-Beispiele dieser Tage (ja, vielleicht auch ein wenig mein eigenes) sowie Ansätze wie Marco Arments The Magazine oder John Grubers Mitglieds-Modell bei daringfireball stehen für den beschriebenen Wandel, den man ganz aktuell auch in Deutschland verfolgen kann: in den Einträgen (und vor allem in den Kommentaren) von Markus Beckedahl auf netzpolitik.org aber z.B. auch in der Geschichte des Motorbloggers Hahne.

Das Verhältnis zwischen Bühne und Publikum wird aktuell neu verhandelt. Vielleicht erstmal nur in Nischen und bei Spezial-Themen, die auslösende Veränderung gilt aber auch für den Massenmarkt. Es kann also nicht schaden, dieser Veränderung Beachtung zu schenken: Der Rezipient wird aktiv, Publikation wird zu Kommunikation und Kreativität (als schönerer Oberbegriff für den von Kreativen produzierten Content) wird auch direkt bei Kreativen gekauft – mit Folgen für Kommunikation, Vertrieb und womöglich auch Produktion von Inhalten; auch in Massenmedien.

Vier Beobachtungen:

1. Andrew Sullivan ist mit Daily Dish zu einer eigenen Marke geworden. Klingt alt, muss aber offenbar immer wieder neu verstanden werden. Es sind nicht mehr einzig Medienmarken, die Orientierung im unübersichtlichen Raum liefern. Es sind vor allem Menschen. Menschen, die greifbar sind und die darstellen, was sie tun. Zu häufig noch wird dieser Prozess mit selbstdarstellerischer Eitelkeit beschrieben, zu selten wird das digitale Auftreten wie das in der Kohlenstoffwelt verstanden: Wer sich frisiert und ordentlich anzieht, ist kein Selbstdarsteller. Wer ein paar Grundregeln im Auftreten beachtet, ist nicht eitel. Das gilt für das persönliche Gespräch genauso wie für die digitale Existenz. Anders ausgedrückt: Nur wer für etwas steht, kann seinen Lesern erklären, warum sie ausgerechnet ihm oder ihr Aufmerksamkeit schenken sollen. Und das ist Voraussetzung um überhaupt über Bezahlen im Netz nachdenken zu können.

2. Verkaufen gehört offenbar zum Handwerk: Wer Sullivan oder dem Prinzip Crowdfunding böse will (Lektüre-Empfehlung: dieser Beitrag aus der FAZ), beschreibt es abfällig und womöglich sogar als Betteln. Und es stimmt ja auch: Im direkten Kontakt zum Leser Inhalte anzubieten, heißt auch, sie zu verkaufen. Dafür muss man für etwas stehen und das auch vertreten. Und dafür muss man womöglich auch: Klinken putzen, den Kontakt zu Redaktionen (die womöglich der profesionellen Pressearbeit müde geworden sind und sich genau danach sehnen) suchen und auch zu den Menschen, die am Ende bezahlen sollen. Man muss sich die Mühe machen, ihnen einen Grund zu liefern. Denn das ist ja das Besondere an der aktuellen Situation:

3. Es gibt Menschen, die offenbar bereit sind, auf diese Art für Journalismus zu zahlen. Jahrelang gefiel sich die Branche ein bisschen zu sehr im selbstmitleidigen Wehklagen über die Digitalisierung. Spätestens die Entwicklung der vergangenen Wochen beweist, was man schon vorher gewusst hat: Das hilft nicht. Die kleinen Erfolge zeigen vielmehr, dass Neues möglich ist. Vielleicht in kleinerem Rahmen als gewünscht, vielleicht in Nischen und vielleicht noch nicht nachhaltig. Aber es funktioniert. Und daraus lassen sich Schlüsse ziehen. Der wichtigste ist dieser hier:

4. Industrielle Kreativität wird von individueller Kreativität ergänzt. Womit wir wieder bei dem zu Beginn beschriebenen Wired-Kontrast sind. Die automatisierte Mail vom iTunes-System und der direkte Austausch mit einer greifbaren Person wie Andrew Sullivan – hier zeigen sich zwei sehr unterschiedliche Ansätze im Leserdialog und in der Bezahlbegründung. Diese sind nicht neu. Neu scheint für viele: Die direkte Wertschätzung kann Wert generieren. Wo Menschen ernst genommen werden, wo echter Dialog entsteht, liegt womöglich auch eine Bezahlbereitschaft.

Diesen Dialog muss man lernen. Er war nicht nötig und ja tatsächlich auch nicht möglich zu Zeiten der Publikationsmonopole. Heute gehört er zum journalistischen Handwerk. Er ist Vorraussetzung um Relevanz zu erzeugen, um Begründungen für Wertschätzung zu liefern und er ist vielleicht auch ein Schlüssel für Geschäftsmodelle im digitalen Raum. Vielleicht auch nicht. Man wird es aber nur rausfinden, wenn man sich drauf einlässt.

P.S.: Das zum Einstieg erwähnte Wired-Abo lasse ich übrigens weiterlaufen. Ich mag das Magazin, mir gefallen die Inhalte und die Automaten-Mail war eine gute Erinnerung. Ich schreibe dies, weil der Wert spannender Inhalte natürlich der zentrale Hebel auch für das Verkaufen im Netz bleibt. Wir sollten uns davon jedoch nicht blenden lassen: Es geht auch darum, diesen Wert entstehen zu lassen. Es geht auch darum, diesen Wert zu benennen. Dabei gerät gerade etwas in Bewegung. Das wird eine gute Bewegung sein, wenn es uns gelingt, ihren Rhythmus und ihr Prinzip zu verstehen und aufzunehmen.

Über das Web in Webreportage

Gestern wurde in Berlin der Deutsche Reporterpreis verliehen (im Tagesspiegel gibt es einen Bericht von der Jurysitzung). Leider finde ich den Link nicht, mit dem man auf den Text mit allen Preisträgern verlinken kann deshalb hier lediglich der Hinweis auf die Startseite vom Reporter-Forum, wo man heute ganz oben nachlesen kann, wer in diesem Jahr von der “Initiative für besseren Journalismus” ausgezeichnet wurde. Ich gratuliere den Preisträgern und bin noch einen kurzen Nachtrag zu dem Blogpost aus dem November schuldig, auf den Jurymitglied Matthias Eberl hier reagiert hatte. Es ging um die Frage, was eigentlich im Bereich “Webreportage” ausgezeichnet werde.

Dabei hat sich ein Missverständnis eingeschlichen: Mir geht es keineswegs um Interaktivität. Das ist nur ein zum Schlagwort verkommener Aspekt der Digitalität. Mir geht es um die Frage: Wie verändert sich der Text, wenn er digitalisiert wird? Eine gute Webreportage muss hier Antworten geben. Der Ansatz, den ich mit “Eine neue Version ist verfügbar” verfolge (was ein Buch, keine Reportage ist), bezieht sich auf die Veränderungen des Aggregatzustands von digitalisierten Inhalten. Ich glaube, dass sie flüssig werden, dass der Entstehungsprozess dadurch darstellbar wird, dass Versionen dem reinen Endprodukt ergänzt werden. Das bleibt bewusst so unkonkret, weil ich in der Tat noch nicht weiß, wie man es umsetzen soll. Ich werde das Experiment ab 20. Dezember unternehmen.

Als ich den Eintrag nach der Vorjury-Arbeit verfasste, ging es mir vor allem darum: das Ausprobieren in den Blick zu nehmen. Beim Reporter-Preis wird das eher in den Kategorien Grand Prix und Freier Reporter ausgezeichnet – aber eben eher analog als digital.

Warum nicht in der Web-Reportage? Das Web macht mehr möglich als das Papier. Es lässt anders als früher angenommen durchaus Raum für Ruhe (wie die wachsenden Zahl der so genannten Longread-Anbieter auch in Deutschland zeigt), es schafft aber auch weitere Ebenen. Diese Ebenen zu ergründen, sollte Bestandteil des Web in Webreportage sein. Es können Bild- oder Ton-Ebenen sein, die hier ergänzt werden, es können aber auch digitale Ebenen sein. Diese zu ergründen, ist eine große journalistische Herausforderung – der wir uns annehmen können und sollten. Dazu braucht es keine Redaktionen und Verleger, es braucht dazu in erster Linie guter Ideen.



Dirk Kurbjuweit, der dieses Jahr zu den Preisträgern zählt, hat in einem kurzen Interview mit Journalistenschülern vor kurzem genau diesen Aspekt auf den Punkt gebracht. Auf die Frage nach einem Ratschlag für die Zukunft sagt er:

Ich würde dem journalistischen Nachwuchs in allen Zeiten erstmal Größenwahn raten. Ich glaube, dass das eine gute Eigenschaft ist, auch wenn das jetzt erstmal doof klingt. Kein kleines Denken. (…) Dass es auf jeden Fall gut ist, seine Vorbilder und seine Chefs immer wieder zu hinterfragen und zu sagen: ,Ich kann das vielleicht auch besser.’ Das heißt, dass man auch mit sich selbst auf eine sehr anstrengende Art umgehen muss. Sich nie begnügen. Das meine ich eben auch mit Größenwahn: Nicht sagen: ,Naja, das reicht mir jetzt erstmal. Jetzt habe ich das’. Sondern sagen: ,Nein, ich möchte ganz ganz viel.’