Alle Artikel in der Kategorie “Film

Kommentare 0

loading: Kulturbox

Eine Gemüsekiste für Kultur – das will die von Nadja Dumouchel, Alexander Brauch und Alain Bieber erfundene Kulturbox bieten. Das Crowdfunding für das besondere Angebot ist dieser Tage auf Startnext gestartet.

Nadja Dumouchel hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Inspiriert vom Prinzip der Gemüsekiste liefert die KULTUR.BOX einmal pro Quartal eine Auswahl regionaler, saisonaler und unabhängiger Kulturgüter wie z.B. Bücher, Magazine, Filme, Musik, Veranstaltungen und Kunstobjekte, bequem per Post nach Hause. Wir bieten Orientierung in der vielfältigen, deutschlandweiten Kulturlandschaft, indem wir gemeinsam mit lokalen Experten aus jedem Bundesland ein sorgfältig kuratiertes und liebevolles Angebot der schönsten Kulturgüter für euch zusammenstellen. Wir garantieren eine Box voller Überraschungen und Inspiration.

Warum macht ihr es (so)?
Durch die Globalisierung kommt es immer stärker zu einer Homogenisierung von Kulturen und Lebensstilen. Die KULTUR.BOX unterstützt unabhängige Verlage, freie Künstler und Musiker und damit eine kulturelle Vielfalt. Und kulturelle Vielfalt schafft eine reiche und vielfältige Welt, stärkt Demokratie, Toleranz, soziale Gerechtigkeit und gegenseitigen Respekt.

Wer soll sich dafür interessieren?
Unsere Zielgruppe sind alle Menschen, die sich für Kulturgüter abseits des Mainstreams interessieren. Alle kulturinteressierten Menschen, die entweder keine Zeit haben, sich selbst auf dem Laufenden zu halten, was gerade in der Indie-Szene aktuell ist oder Lust haben, von Kuratoren und Experten sich die besten Kulturperlen zeigen zu lassen. Alle, die das Urbane und Szenige hinter sich lassen mussten, weil sie heute die meiste Zeit arbeiten oder sich um ihre Familie kümmern – trotzdem aber Insider bleiben möchten. Alle, die schon lange kein Buch mehr gelesen haben und sich wieder Zeit dafür nehmen möchten. Alle, die ein schönes Geschenk machen möchten.

Wie geht es weiter?
Anfang 2015 kommt für die ersten Kulturbox-Förderer die erste Best-of-Deutschland Box bequem nach Hause geliefert, mit folgenden Kulturgütern:

Sarah Schmidt: “Eine Tonne für Frau Scholz”, Verbrecher Verlag, Berlin, 2014 // LITERATUR
Klebstoff 8, November 2014, International Neighboorhood Verlag, Leipzig // ILLUSTRATION
HGich.T: “MEGABOBO”. CD, November 2014, Tapete Records, Hamburg // MUSIK
Eine Freikarte für “Shorts Attack“. Die volle Ladung Kurzfilm von interfilm Berlin // FILM

Ab dem zweiten Quartal 2015 gibt es dann für jede Region in Deutschland die jeweils passende Kulturbox.

Was sollten mehr Menschen wissen?
In ganz Deutschland gibt es großartige Independent-Labels, unabhängige Verlage und Vereine, in denen Künstler, Filmemacher, Illustratoren, Designer und Musiker mit viel Herzblut und Leidenschaft großartige Kulturgüter abseits des Mainstreams produzieren. Die KULTUR.BOX möchte jene sichtbar machen, die oftmals in der Masse untergehen.

////// Hier die Kulturbox auf Startnext unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:
Kommentare 1

Allmählich – und dann plötzlich

Fast 7000 weiße Ballons* steigen heute abend in den Himmel über Berlin. Die 60 Zentimeter großen Kugeln sind auf 2,50 Meter hohen Rohren befestigt und beleuchtet. Die so genannte Lichtgrenze ist der sichtbarste Teil des Jubiläums 25 Jahre Mauerfall, die Ballons trennen die Stadt auf 15 Kilometern an der Grenze, wo bis 1989 die Mauer verlief: “Wie 1989 überwinden unzählige Menschen gemeinsam die Teilung der Stadt. 25 Jahre später allerdings symbolisch, indem sie in einer gemeinschaftlichen Aktion die Ballons aufsteigen lassen“, kann man auf Berlin.de nachlesen, wo auch erklärt ist, dass das Aufsteigen der Ballons einem Dramaturgieplan folgt, dessen Start “der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und prominente Paten am Brandenburger Tor” gaben.

Das war mir nicht klar, als ich im Fernsehen beobachtete wie die weißen Ballons in den Himmel stiegen. Ich hatte lange den Eindruck, dass die Ballons sich unerlaubt verselbstständigten, dass sie außer der Reihe in den Himmel stiegen. Was ich angemessen beeindruckend fand für dieses Jubiläum, das seinen Wert ja eben im Protest, im Widerstand und im Aus-der-Reihe-tanzen hat. Ein Rest davon schien sich in den Ballons auszudrücken – immerhin sagte Fernsehmoderator Sascha Hingst, nicht alle hätten sich an den Dramaturgieplan gehalten. Was aber ja nicht schlimm sei.

mauerfall

Ich hingegen fand es sogar toll – denn dieses allmähliche Aufsteigen der Ballons erinnerte mich an ein Zitat aus der Ernest Hemingway Geschichte Fiesta, das sehr anschaulich beschreibt wie (gesellschaftlicher) Wandel sich vollzieht: “Gradually, then suddenly”, sei die Veränderung gekommen, antwortet Mike in der Geschichte, die auf englisch “The Sun Also Rises” heißt.

“Allmählich – und dann plötzlich” vollziehen sich Veränderungen. Die einzelnen Schritte – wie das Aufsteigen eines singulären Ballons bemerkt man vielleicht gar nicht richtig – aber sie summieren sich. “None of these actions feel urgent”, schreibt der Autor und Berater Steve Dennis in Bezug auf das Zitat. “Until it’s too late.”

Vielleicht ist der Abend des 25sten Jubiläums des Mauerfalls kein guter Anlass über die Digitalisierung nachzudenken, vielleicht zeigt das allmähliche Aufsteigen der Ballons aber, warum wir uns mancherorts so schwer tun, die Folgen dessen abzusehen, was sich da Schritt für Schritt unter unseren Füßen verändert.

* In den Ankündigungen vor dem Wochenende ist stets von rund 8000 Ballons die Rede, die aktuelle Berichterstattung handelt von knapp 7000 Ballons. Ich habe keine Zeit, dies nachzuprüfen, nehme es aber als Zeichen, dass 1000 Ballons im Laufe der Aktion ihren eigenen Protest auslebten – und verschwanden

Lob der Kopie: Kutiman

Mit diesem Ankündigungsclip hat der israelische Künster Kutiman in dieser Woche sein neues YouTube-Album vorgestellt: Thru You Too ist die Fortsetzung von Thru You, mit dem Kutiman 2009 für Aufsehen sorgte. Damals zeigte er sich im Erklärclip noch selber:

Das Prinzip seiner Arbeit hat sich in den vergangenen fünf Jahren aber nicht geändert: Der Mann, der mit bürgerlichem Namen Ophir Kutiel heißt, nimmt Webvideos und bastelt diese neu zusammen. Das ist Mashup-Kunst auf hohem Niveau: “Erneut gelingt es Kutiel, aus teilweise obskuren Einzelvideos zusammenhängende Lieder zu komponieren”, schreibt Eike Kühl im Netzfilmblog bei Zeit-Online. “Kutimans Ansatz ist nicht neu, folgt er doch der Tradition des Samplings, das vor allem im Hip-Hop und der elektronischen Musik seit Jahrzehnten verbreitet ist. Doch mit Thru You gelang es ihm mithilfe von YouTube, den Samples ein Gesicht zu geben. Denn tatsächlich entfalten die Songs erst gemeinsam mit den Videos, im Zusammenspiel mit dem Ausgangsmaterial ihre Wirkung.”

Für die Tagesschau hat Stephanie Stauss den 32-Jährigen im Süden Israels besucht, der Beitrag gibt einen interessanten Einblick in die Arbeit des Musikers, der in der New York Times ebenso vorgstellt wird wie bei Nerdcore, LaughingSquid oder Slate.

kutiman

Kutiman nimmt zwar (ungefragt) Clips aus dem Netz, er dokumentiert aber eindrücklich aus welchen Quellen er sich bedient. Durchs diesen Rückgriff auf Bestehendes erstellt er Neues. Ein Prinzip, das nicht nur Leser von David Shiels “Reality Hunger” oder Hörer von Girl Talk erfreut.

loading: Cinedime

Crowdfunding fürs Kino – das ist das Ziel der jungen Plattform Cinedime, die am 21. Oktober mit dem Filmprojekt Lena Love startet.

cinedime

Cinedime-CEO Markus Brandmaier hat zum Start des neuen Portals den loading-Fragebogen ausgefüllt.

Was machen Sie?
Als erste deutsche Crowdinvesting-Plattform mit der Spezialisierung auf Filmprojekte bieten wir der Crowd die Möglichkeit, sich auf mit kleinen Beträgen bereits ab 100 € an der Finanzierung großer deutscher Filmproduktionen zu beteiligen. Die Investoren erhalten neben einem Anteil an späteren Verwertungserlösen aus Kino, DVD, Video-on-Demand und allen Weiteren auch sog. Produzentenprivilegien, wie z.B. Set-Besuche oder Premieren-Tickets. Ein Investment auf Cinedime bietet also nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine emotionale Teilhabe am Filmprojekt.

Warum machen Sie es (so)?
Nachdem dieses Jahr der DFFF um 10 Millionen Euro, von 70 Millionen auf 60 Millionen, gekürzt wurde und nächstes Jahr eine erneute Kürzung ansteht, wird die ohnehin schon schwierige Situation für Filmproduzenten noch prekärer. Es ist nie genug Geld da, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Eine Filmproduktion ist teuer. Die traditionellen Finanzierungsmöglichkeiten sind knapp und werden teilweise immer mehr gekürzt. Dieser Kostendruck wirkt sich gerade bei kleineren und mittleren Produzenten auf die Qualität und damit auf deren wirtschaftlichen Erfolg aus. In diesem Kontext ist es uns eine wichtiges Anliegen, mit Cinedime ein neues ergänzendes Finanzierungstool anbieten zu können.

Wer soll sich daran beteiligen?
Als potentiellen Investor sehen wir filmbegeisterte Menschen, die eine Leidenschaft für Filme haben und diese gerne unterstützen möchten. Wir bieten denen nun auch die Möglichkeit Teil eines Films zu werden. Auf der anderen Seite sehen wir auch renditeorientierte Menschen, die innovative Anlagemöglichkeiten suchen. Schließlich bietet Cinedime ihnen diese.

Wie geht es weiter?
Die Finanzierung zu unserem ersten Projekt “LenaLove” des Regisseurs Florian Gaag und Emilia Schüle in der Hauptrolle startet am 21. Oktober 2014. Es sollen 162.000 € von der Crowd finanziert werden. Bis dahin kann man sich unter www.cinedime.de registrieren und alle Informationen zum Projekt abrufen. Mittelfristig werden wir neben dem Crowdinvesting weitere Finanzierungsbausteine anbietene. Somit wollen wir uns zu einer umfassenden Finanzierungsplattform für Filme ausbauen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Das erste Projekt ist der spannende Jugend-Thriller “LenaLove” mit Emilia Schüle (z.B.: „Besser als nix“) in der Hauptrolle. Das aktuelle Thema über Cybermobbing und Social Media Missbrauch überzeugte uns sehr. Der Regisseur Florian Gaag gewann 2009 mit seinem Film „Wholetrain“ den Adolf Grimme Preis und auch der restliche Cast ist bereits bekannt aus dem deutschen Film und Fernsehen. Dazu gehört Anna Bederke, Kyra Sophie Kahre Sandra Borgmann, Jacob Matschenz und Sina Tkotsch. „LenaLove“ stellt allerdings insofern eine Ausnahme dar, da dieser Film bereits abgedreht ist und über Cinedime das Geld für die Postproduktion finanziert. Im Normalfall sollte die Finanzierung vor Beginn der Produktion geschlossen sein.

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

Wish I Was There: Geoblocking vs. Crowdfunding

Diese Momente sind selten. Deshalb muss man festhalten, was gerade in den Kommentaren von Zach Braffs Crowdfunding-Projekt “Wish I Was Here” auf Kickstarter passiert. Es ist eine Empörungswelle, die durch den Aufprall zweier Denkweisen entsteht. Es geht darum, aus welcher Perspektive man auf Kultur und deren Geschäftsmodell im digitalen Raum schaut. Da diese sich gerade sehr grundlegend ändert, lohnt es sich, diesen Moment genau zu beobachten. Einerseits weil er sehr ärgerlich ist, aber andererseits auch deshalb weil man vielleicht etwas lernen kann.

Die Art und Weise, wie Zach Braff im direkten Austausch mit seinem Publikum einen Film finanzierte, hatte ich hier bereits mehrfach erwähnt. Unter anderem auch wegen der guten Kommunikation, die mit dem Crowdfunding verbunden war – genau diese steht nun in der Kritik, denn niemand hatte den Unterstützern des Projekts vor diesem Wochenende gesagt, dass die groß angekündigte Option, den Film schon vor dem US-Start im Stream zu sehen, in Wahrheit gar nicht für jeden Unterstützer des Projekts gilt. Denn – so informierte mich ein Mitarbeiter des Streaming-Dienstleisters als ich den Film anschauen wollte:

Sorry, this weekend’s screening is not available in your region

Region, also Herkunft, ist eine Kategorie, die beim Start des Projekts keine Rolle spielte. Egal welchem Land die IP-Adresse zugeordnet war, mit der man auf die Crowdfunding-Seite kam: Man konnte bezahlen. Auch deshalb kam der Film zustande, es wurden besondere Aktionen für Menschen in Frankreich, Italien, Deutschland ins Leben gerufen, der englische Sprachraum erweitert. Überall auf der Welt sitzen Unterstützer von Zach Braff und seinem Film. Sie warteten darauf, den Film endlich sehen zu können – und anschließend ihren Freunden und Bekannten davon zu erzählen. Denn das Screening an diesem Wochenende ist für Fans etwas durchaus Besonderes: davon werden sie erzählen.

blocked

Doch statt des Films bekommen sie das hier: ein Stopp-Schild. Schuld daran ist eine falsche Herkunftsadresse beim Surfen. Wer versucht die Seite aus einem Land aufzurufen, das laut Nutzerkommentaren bei Kickstarter nicht USA, Großbritannien oder Australien heißt, erhält keinen Zugang. Das nennt man Geoblocking. Denn in diesen Ländern greifen offenbar Verwertungsverträge für den Film, die den Zugriff verweigern. Details zum konkreten Fall lassen sich derzeit nicht ermitteln. Man kann aber sicher sagen: Region, also Herkunft, ist eine Kategorie, die für Verwertungsketten von Filmen eine sehr große Rolle spielt. Deshalb gibt es unterschiedliche Start-Termine für Filme, die im weltweiten Netz aber natürlich schon zum meist am Anfang stehenden Start im größten Markt (USA) beworben werden. Dem Zuschauer außerhalb der USA wird also der Mund wässrig gemacht und gleichzeitig sagt man ihm, dass er aber noch drei Monate warten muss – ohne erkennbare Begründung. Denn das Essen steht ja auf dem Tisch, der Film ist verfügbar. Wie beim Bezahlen bei Zach Braffs Finanzierung gilt auch hier: Region als Kategorie spielt nur sehr einseitig eine Rolle. Nämlich da, wo sie dem Verwerter vermeintlich nützt.

Vermeintlich, denn ob diese Strategie, die Unterstützer durch Geoblocking erst in ein paar Wochen ins Kino zu locken, aufgeht, darf bezweifelt werden: Eine norwegische Studie belegte im vergangenen Jahr, dass es ein sehr logisches Mittel gegen illegales Kopieren von Inhalten im Netz gibt: Das beste Mittel gegen Piraterie sind legale Angebote. Mit Blick auf den aktuellen Fall formuliert: Wer einfache legale Angebote blockiert, züchtet sich seine eigene Piraterie. Dieser Nutzerkommentare belegt dies:

pirated

Ganz sicher züchtet ein solches Vorgehen aber einen Weitererzähl-Effekt, den jeder Filmverwerter eigentlich vermeiden sollte. Man muss das Wort Shitstorm gar nicht bemühen, um zu erahnen, dass den Fans, die ihren Freunden von diesem Film erzählen werden, im Moment nicht gerade Gutes einfällt.

Aber um diese Fans geht es denjenigen, die das Geoblocking zu verantworten haben, auch gar nicht. Und das ist der vermutlich bemerkenswerteste Punkt an dem Fall: Zach Braff hatte den Zugang zur Entstehung und den wirklichen Film an Menschen verkauft. Die Verwerter, mit denen er Verträge geschlossen hat (warum eigentlich auf diese Art?), interessieren sich erkennbar nicht für die Menschen, die den Film anschauen wollen. Sie interessieren sich für IP-Adressen. Und das macht den Aufprall gerade so laut und so lehrreich: Es sind zwei grundlegend verschiedene Perspektiven auf das Publikum, die hier zu Tage treten. Welche davon zukunftstauglicher ist, mag jeder selbst entscheiden.

Der Slogan des Films heißt übrigens: “Das Leben ist eine Gelegenheit, zeige dich ihr gewachsen.” Besser kann man kaum beschreiben, was die Digitalisierung fordert.

Update: Bei Meedia gibt es ein paar Hintergründe zum Thema

“Each of you has played a part in making this movie happen”

Viel Geld bringt auch viel Kritik mit sich. Das Crowdfunding-Projekt, von dem ich heute erzählen will, hat das sehr beispielhaft durchlebt. Es sammelte unfassbar viel Geld ein (*auch von mir) – und es zog unfassbar viel Kritik auf sich. Zwischenzeitlich muss es sich für den Projektstarter angefühlt haben wie ein Pranger, an den er gestellt wurde. Aber er hat es durchgezogen – und es scheint ihm gut damit zu gehen. Ich weiß das, denn wir sind beste Kumpels. Jedenfalls gibt er mir mit jeder neuen Mail, die er mir seit dem Crowdfunding-Erfolg schreibt, genau das Gefühl.

Ich rede von Zach Braff, dem Schauspieler und Regisseur, der ein wenig aussieht wie Buzzfeeds Jonah Peretti und der in Deutschland vor allem als Arzt aus Scrubs bekannt ist. Vor zehn Jahre dreht Braff den Film Garden State – seine letzte große Filmproduktion.

wish_kickstartVor einem Jahr kam er dann auf die Idee, seinen neuen Film “Wish I Was Here” über das Crowdfundingportal Kickstarter zu finanzieren: Über 3,1 Millionen Dollar kamen so zusammen – und jede Menge Kritik. Muss ein Millionär um Geld betten? war noch die netter Frage, der sich Braff ausgesetzt sah. Er hat sie einmal beantwortet – und sich dann darauf konzentriert, mit seinen Unterstützern zu kommunizieren. Das macht er in einer Art und Intensität, die vielleicht eher amerikanisch ist, sie ist aber in jedem Fall beeindruckend. Die Mails, die alle von ihm persönlich unterzeichnet sind, werden von Grußformeln wie “Lots of Love” oder “xoxoxoxoxo” abgeschlossen. Als er den ersten Trailer zu seinem Film verschickte, schrieb er: “I hope you love it as much as I love every one of you” ans Ende des Textes, den er mit dieser Ankündigung begann:

I have something very special to share with you today. Each one of you, with every pledge you made and every note of encouragement you wrote to me, has played a part in making this movie happen. Since YOU are the reason I made this film, I knew that YOU had to get the very first look at it before anyone else

Letzten Monat bekam ich dann eine Mail, in der mir ein personalisierter Trailer gezeigt wurde. Es ist nur eine kleine Spielerei, dass mein Name in dem Clip auftaucht. Diese Spielerei deute ich aber so: Zach Braff hat sich von der öffentlichen Kritik nicht von seinem Plan abbringen lassen, gemeinsam mit seinen Unterstützern ein großartiges Projekt zu machen. Er hat sich darauf konzentriert, mit seinen Unterstützern zu kommunzieren, hat deren Pledges produziert (mein T-Shirt ist auf dem Postweg) und einen Mitgliederbereich auf der offiziellen Filmwebsite geschaffen, der nun auch für Nicht-Unterstützer geöffnet wird. In dem kurzen Clip erklärt er das so: “Wie Ihr vielleicht wisst, wurde dieser Film möglich, weil 46.000 Leute von überall auf der Welt ihn unterstützt haben. Für sie ist diese Website, auf der wir eine Menge exklusiven Inhalt gezeigt haben. Aber jetzt ist es an der Zeit, Euch offiziell zu begrüßen. Kommt herein. Wir 46.521 haben hier gemeinsam eine Party gefeiert, und es ist an der Zeit, die Türen aufzusperren.

wishiwashere

Ich habe keine Ahnung, wann ich den Film sehen werde (ein Deutschland-Start ist offenbar noch nicht terminiert UPDATE: Der Film kommt am 9. Oktober in die deutschen Kinos), aber ich hatte nie das Gefühl, dass das Geld, das ich für diesen Film ausgegeben habe, verschwendet war. Denn in Wahrheit habe ich nicht den Film unterstützt, ich habe dafür bezahlt, an etwas teilzunehmen, was nicht wiederkommt: Ich war dabei, wie Braff den Film gemacht hat. Und Braff hat mich daran teilnehmen lassen. Das finde ich ziemlich gut. Und ich finde es beispielhaft dafür, wie Crowdfunding kommunziert werden kann.

Warum ich all das erzähle? Weil ich mich sehr freue, dass das Projekt Krautreporter sein Funding-Ziel erreicht hat. Ich wünsche den Krautreportern alles Gute – und eine gute Kommunikation!

loading: Looking Into Black Boxes

Für das Projekt “Looking Into Black Boxes” will Reporterin Fiona die schwarzen Kisten der Computerisierung öffnen. So steht es auf der Krautreporter-Seite, die Dirk Herzog eingerichtet hat. Er schreibt über das Ziel der “neuen Webvideo-Reportagereihe über die Computerisierung unseres Alltags”: “Wir wollen herausfinden wie Maschinen und Programme unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben schon jetzt verändert haben.”

Ich habe Dirk Herzog den loading-Fragebogen geschickt.

Was macht du?
Gemeinsam mit Jan Rödger betreibe ich die Filmproduktion 6sept13 und arbeite als Dokumentarfilmer. Bei den Recherchen zu einem Dokfilm über Alghorithmen und Gesellschaft habe ich Fiona, die auch den Podcast n00bcore.de betreibt getroffen. Wir haben festgestellt, dass es für uns viele thematische Überschneidungen gibt und starteten dann recht schnell das Projekt Looking Into Black Boxes.

Warum machst du es (so)?
Zuerst liegt uns das Thema am Herzen. Wir sind selbst neugierig wohin uns die Videos bringen werden. Darüber hinaus glauben wir, dass es eine gewisse Dringlichkeit gibt, das Zusammenspiel von Computer und Gesellschaft besser zu verstehen und das Thema für möglichst viele verständlich aufzuarbeiten. Es klafft da eine große Lücke zwischen den Entscheidungen, die Experten treffen und denen, die es dann betrifft.
Crowdfunding war für uns ein schnelles Werkzeug zwei Dinge gleichzeitig zu tun: Zum einen heraus zu finden, wie groß das Interesse an so einem Format ist (und nach der großen Resonanz der ersten Tage können wir sagen: Ja, es gibt großen Bedarf). Zum andern können wir so eine Basisfinanzierung für den Start des Projekts auf die Beine stellen. Und zwar ohne die teils langwierigen Antragswege, wie man sie im Kulturbereich kennt und ohne Einschränkungen, die manch ein einzelner Geldgeber vielleicht durchsetzen könnte. So sind wir sofort und direkt unserm Publikum verpflichtet und das ist klasse.

Wer soll das anschauen?
Unser Projekt ist für Leute, die mit uns die Ahnung teilen, dass das Leben mit Computern unser Zusammenleben komplett verändert. Und zwar nicht in ferner Zukunft, sondern gerade jetzt. Die Videos sind gedacht für Leute, die mehr darüber wissen wollen, wo und wie diese Veränderungen stattfinden. Um dann besser entscheiden zu können, wie man mit diesen Veränderungen umgehen will.

Wie geht es weiter?
Stichtag der Kampagne ist der 11.05. Wir hoffen bis dahin noch viel viel mehr Leute zu erreichen, auch über den Kreis der Überzeugten und Netzaffinen hinaus (von denen wir dankenswerterweise schon enorme Unterstützung erhalten haben) In der Zuversicht, dass das Crowdfunding den Start der ersten Videos ermöglicht, glauben wir das “Looking Into Black Boxes” ein längerfristiges Projekt, dann vielleicht auch mit Partnern, werden wird. Den Youtubekanal auf dem die Videos laufen werden, gibts auf jeden Fall und kann hier auch schon abonniert werden.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Man sollte sich mehr bewusst darüber sein, dass Rechner und ihre Daten erstmal weder gut noch böse sind, und auch nicht einfach mal so helfen oder schaden. Sondern dass es in der Regel immer noch Menschen sind die entscheiden, wie und wo Computer genutzt werden. Wie das in Zukunft sein wird, liegt wohl auch an Entscheidungen, die wir jetzt alle treffen.

>>>> “Looking Into Black Boxes” hier auf Krautreporter unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:



loading: Rock Bottom

In den Projekten, die im loading-Newsletter vorgestellt werden, geht es immer auch um Kunst und Geld. Im Fall von Rock Bottom ist das auch das inhaltliche Thema. In der “Rock Bottom – Songs of no money” genannten Dokumentation stellen Marc Helfers und Martin Groß die wahren Helden des weltweiten musikalischen Untergrunds vor. Dass es dabei nicht immer um die großen Bühnen und das große Geld geht, verrät bereits der Untertitel, der den Film als eine “feature documentary about poverty and Rock´n´Roll” beschreibt.

Ich habe Martin Groß den loading-Fragebogen geschickt.

Was machst du?
Mein Kollege Marc Helfers und ich betreiben die Neue Stereo Filmproduktion. In unserer täglichen Arbeit werden wir von Plattenfirmen, Musikern, Veranstaltern, ect. gebucht um Musikvideos oder auch dokumentarische Arbeit für Promonutzung, Bonus DVDs, etc zu produzieren.
Das ist auch super und macht Spaß, aber mit dem Projekt “ROCKBOTTOM – Songs of no Money” wollen wir mal auf die andere Seite gucken. Dahin, wo es eben keine Plattenfirma und kein Geld gibt, aber trotzdem viel Talent der Musiker, die wir portraitieren wollen. Deshalb sind wir jetzt bei Indiegogo

Warum machst du es (so)?
Das schliesst nahtlos daran an. Wir haben halt keinen Auftraggeber für das Projekt und wollen zum jetzigen Zeitpunkt auch gar keinen haben. Es soll ein freies Projekt sein und an der Geschichte ausgerichtet sein. Nicht daran, dass wir irgendwelche Bedürfnisse von Kunden erfüllen müssen. Deshalb bitten wir die potentiellen Zuschauer des Films um Unterstützung für die sie aber auch etwas bekommen. Zum Beispiel den fertigen Film im nächsten Jahr oder auch einiges andere…

Wer soll das anschauen?
Den Film sollen sich dann alle angucken, die sich für Musik interessieren und gerne abseits des Mainstreams und der ausgetretenen Pfade bewegen.

Wie geht es weiter?
Die Kampagne läuft nun seit ein paar Tagen. Wir haben sehr positive Resonanz von Medien, Blogs, Radiosendern, etc, die darüber berichten und berichten werden und machen diesbezüglich weiter Wirbel…
Zudem sammeln und verbreiten wir Unterstützer-Botschaften von Musikern mit denen wir sonst arbeiten und die das Projekt gut finden: Maxim, Tocotronic, Malia, Andreas Bourani, Erik Langer von Kettcar, Josephine und einigen anderen interessanten und prominenten Menschen aus unserem Umkreis,.B. Katharina Schüttler oder Hartje Andresen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Es hängt an so vielen Faktoren, ob Musiker (und letzlich auch andere Künstler) kommerziell erfolgreich sind und nicht in erster Linie am Talent. Wir halten die Musiker aus unserem Filmvorhaben für sehr talentiert und glauben, dass sie eine größere Bühne verdient haben. Vielleicht ist es aber als Künstler auch grade gut, nicht kommerziell erfolgreich zu sein
und in die damit verbundenen Zwänge zu geraten…? Wir gehen mit dem Film unter anderem auf die Suche nach dieser Frage…

rockbottom

>>> Hier Rock Bottom auf Indiegogo unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:



Referenzkultur: The Office Time Machine

Die Welt ist voller Referenzen und Remixe, wir orientieren uns über Kopien und Bezüge. Das kann man theoretisch beschreiben – oder sehr praktisch auf The Office Time Machine anschauen. Joe Sabia hat dafür Referenzen und Zitate aus der Serie “The Office” offengelegt – und zwar aus allen neun Staffeln. Sabias Detailarbeit dient einem politischen Zweck: Er will für eine Urheberrechts-Reform werben:

I created this project to advocate for copyright reform and highlight the importance of fair use in protecting creators and their art. To prove culture is not only everywhere, but that certain references to films, songs, and works of art are critical for our collective understanding of comedy and to the importance of relating to content, I found every cultural, real-life reference from every episode of The Office.


via Nerdcore