Digitale Notizen

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Wir sollten uns aber lieber darauf konzentrieren, wie es mit dem Journalismus weitergeht. Sollten uns mit den Werten des Journalismus auseinandersetzten, als uns immer wieder den Kopf zu zerbrechen, auf welcher Plattform dieser erscheint.

Der Guardian-Chef Alan Rusbridger hat in einem Interview in dieser Woche mal wieder sehr kluge Dinge über die Zukunft des Journalismus gesagt.

Der koreanische Ph.D.student Haewoon Kwak hat unter dem Titel What is Twitter, a Social Network or a News Media? eine interessante Präsentation veröffentlicht, die bei Mashable (via) diskutiert wird:


Die Studie, die der Präsentation zugrunde liegt, belegt vor allem: Twitter wird ein bedeutsamer Nachrichtenkanal, den Journalisten nicht ignorieren sollten. Weniger weil es sich dabei tatsächlich um ein soziales Netzwerk handelt (das stimmt so nur sehr bedingt), sondern vielmehr weil es ein ständig an Bedeutung wachsender Verbreitungsweg für Informationen wird. Über die Folgen dieser Veränderung hatte Danah Boyd unlängst schon sehr lesenswert geschrieben.

Was heißt das für den Journalismus? Er muss anerkennen, dass seine Inhalte auf Reisen gehen. So nennen es die Macher der Pownar-Studie von CNN. Sie haben “the power of news and recommendation” untersucht und sind dabei der Frage nachgegangen, wie bedeutsam die Mitteilbarkeit von Informationen im Netz ist. Die Antwort darauf liefert dieser Spot:

Discover Simple, Private Sharing at Drop.io

Markus Heidmeier hat heute früh unter dem Titel Digitale Diebstähle in DRadio Wissen einen Beitrag zu der Filesharing-Debatte gesendet, die in den vergangenen Tagen auch hier und hier geführt wurde. Er nennt sie einen “Kulturkampf unter Bloggern”, bescheinigt Sascha eine “Popper-Frisur” und beklagt “großes Getöse” und kommt zu dem Schluss: “Viel Geschrei, aber keine brauchbare Strategie für die Zukunft.” Deshalb fordert er ein “Diskursreset”.

Unterlegt ist der Beitrag übrigens mit Musik aus dem hier bereits erwähnten Projekt von Nina Paley.

Das sagt der Beitrag aber nicht.

Mein Fazit zu der besprochenen Debatte zwischen Marcel und Sascha steht übrigens hier.

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Brett Gaylor, der Filmmacher von RIP: A remix Manifesto hat im April vor dem kanadischen Parlament über die Veränderungen des Urheberrechts gesprochen:

I believe that this creative reuse, re-expression, and re-contextualization of culture using digital technology to be an important skill for today’s generations of Canadians. It is an expression of a media-literate citizenry that has grown up with a medium that is not top-down, consumer-centric, or one-way, like television or radio. It is a two-way, participatory, interactive medium. Websites like Wikipedia and YouTube, and creative audiovisual works that combine or “mash up” the media landscape, are examples of the kind of democratic discourse we ought to celebrate in today’s youth. But our laws criminalize and prevent it. Whether or not you agree with my position on copyright reform, I think all parties should know that there is an economic argument for reform in copyright, and in particular, in fair dealing.

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Die Idee zu “Die Zeit der Leser” ist noch älter und kommt aus den 80er Jahren. Ich hatte damals etwas Vergleichbares in einer italienischen Satire-Zeitschrift gesehen; das hat mich nachhaltig fasziniert. Die hatten auch eine Rubrik, die wir bei der Zeit natürlich nicht machen können: Sie haben das Protokoll eines abgehörten Telefongesprächs abgedruckt. Bei der Lektüre dieser Seite wurde mir klar, welch unfassbaren Reichtum es in der Welt der Leser gibt. Das ist bei den Lesern der ZEIT nicht anders: Was meinen Sie, wie viele Leser es bei uns gibt, die gerne schreiben, zeichnen oder Fotos machen? Die Resonanz ist so groß, dass der verantwortliche Redakteur Wolfgang Lechner schon der Verzweiflung nahe war.

Im Gespräch mit Meedia stellt Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo die Neuerungen in seiner Zeitung vor. Dabei geht er auch auf die neu geschaffene Rubrik Zeit der Leser ein, die “die Zeit ihren Lesern schenkt” wie der der Verzweiflung nahe Redakteur in diesem Video erklärt.

Die Wahrheit ist: Jakob Augstein ist angetreten und Michael Angele wurde eingestellt, um das linke Projekt namens Freitag abzuwickeln. Unter dem Vorwand einer technischen Reform ‚Äì des Ausbaus der Online-Ausgabe ‚Äì, die nicht mehr war als ein Ablenkungsmanöver, sollte eins der letzten publizistischen Foren der Linken zunächst aufgeweicht und dann vernichtet werden. Schon von Anfang an mußte einiges stutzig machen. Vollends klar wurde mir, wohin die Reise geht, als Michael Angele, der gern den Ton eines Bosses in einem großen Industrieunternehmen pflegt, voll Dégout von den Gegnern der jüngsten Bekenntnisse Sloterdijks und Bohrers zum Klassenkampf von oben sprach. Was immer man Sloterdijks Haltung attestieren mag ‚Äì sie ist so links, wie Berlin subtropisch ist. Der Freitag wird über kurz oder lang verschwinden, weil er so, wie er nun zugerichtet wurde, keine Funktion mehr erfüllt. Andere werden seinem Beispiel folgen. Die Welt kommt auch ohne Journalisten aus. Und in schwachen Momenten frage ich mich, an Leute wie Michael Angele denkend, ob da nicht was Wahres dran ist.

Thomas Rothschild prognostiziert das Ende der Wochenzeitung Freitag und das Ende des Journalismus. Begründet wird dies mit einem veröffentlichten E-Mail-Wechsel zwischen Autor Rothschild und Redakteur Angele. Wie schon im Fall Glaser vs. Dettweiler frage ich mich auch hier, wann ist es eigentlich normal geworden, persönliche Mail-Dialoge einfach so zu veröffentlichen? Darüberhinaus stellt sich die Frage, wie man von einem missglückten Autor-Redakteur-Verhältnis auf das Ende der Publikation schließen kann?

Update: Auf freitag.de gibt es eine rege Debatte zum Thema, dort schreibt Thomas Rothschild zum angesprochenen Thema

Wenn ich eine private Mail veröffentliche, so tu ich das aus dem gleichen Verständnis heraus, aus dem ziviler Ungehorsam gegen schlechte Gesetze verstößt. Und wenn das tatsächlich justitiabel sein sollte, wünsche ich mir fast, dass Michael Angele einen Rechtsanwalt engagiert. Das sollte man doch einmal grundsätzlich klären.

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Das Linkschicken ist eine seltsame Para-Kommunikation. Im Grunde erklärt mir damit der andere einen Weg, den ich nie gefunden aber auch nie gesucht hätte. Er behelligt mich mit einem Fundstück, auf das er so stolz war, dass er damit nicht alleine bleiben wollte. So eine Linksendung kommt ohne weitere Worte aus. Das schlichte, unterstrichene Gekröse, das da in der Mail einläuft, ist wie ein stummer Portier der die Tür aufhält. Es sagt: Kommst du mal bitte?

Kollege Max Scharnigg befasst sich in der heutigen Hauptsatz-Kolumne mit dem Link-Versand sowie indirekt auch mit der Frage, warum Menschen bloggen.

Anders als viele US-Blätter sind deutsche Zeitungen bisher nicht dramatisch verschuldet und beschäftigen deutlich weniger Personal: So hat die FAZ rund 450 Redakteure im Vergleich zu 1.300 Journalisten bei der New York Times. Dennoch wird in Deutschland dramatisch gespart – und zwar bei den Redaktionen.

Der deutsche Zeitungsmarkt: Sparen, entlassen, einstellen heißt die Krisen-Analyse von Steffen Grimberg in der taz

Write as if you were writing an email to your most loyal reader and source. E-mails are brief. Never write a blog post this long.

Ryan Thornburg erklärt How to Blog und bringt einen langen Beitrag auf den obigen Kern. Außerdem verlinkt er ein Zehn-Punkte-PDF, das eine schöne Anleitung fürs Bloggen abgibt.

Wie geht eigentlich Twitter? David Pogue illustriert das Prinzip in seiner aktuellen NYTimes-Kolumne:

So I flipped out of PowerPoint and typed this to my Twitter followers: “I need a cure for hiccups… RIGHT NOW! Help?” I hit Enter. I told the audience that we would start getting replies in 15 seconds, but it didn’t even take that long. Here are some of the replies that began scrolling up the screen:

Es folgen unzählige Antworten, die Vorschläge zur Bekämpfung eines Schluckaufs machen. Pogue folgert daraus:

Has there ever been a wittier, smarter bunch (or a better collection of hiccup cures)? The audience and I were marveling and laughing at the same time. This was it: harnessing the power of the Web, the collective wisdom of strangers, in real time! The Twitterers of the world did not let us down. (And yes, I realize that this demo might not be as effective if you have, say, 20 followers instead of hundreds.)