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Zeit Zünder am Ende?!

So geht das in Zeiten der schnellen Kommunikation: Bei Twitter steht

ZEIT Zuender ist ab heute eingestellt! Zwar noch online, aber zukünftig nicht mehr inhaltlich befeuert.

Das wird dann hier und hier weitergetragen. Ich weiß nicht, ob es stimmt. Unter zuender.zeit.de steht nichts. Schade wäre es in jedem Fall.

UPDATE: Bei Meedia gibt es eine Bestätigung, in der der Zeit-Online-Chef mit folgenden Worten zitiert wird.

„So sehr dies in die allgemeine Krisenstimmung der Branche passen würde, kann man hier nicht von einer Schließung sprechen. Niemand verliert dadurch einen Job. Mit vielen freien Autoren des Zuender werden wir auch weiterhin arbeiten.“

Interessant, dass man an die Leser (also auch an mich) gar nicht denkt. Denen fehlt jetzt ein junger Zugang zu Zeit-Online zur Zeit. Wie gesagt: Schade!

Update 2: Jetzt auch eine Stellungnahme im Zuender-Blog. Dort wird das Magazin, dessen Schließung gerade bekannt gegeben wird, ausführlich gelobt. Warum es aber „nicht länger als eigene Plattform mit eigener Navigation“ betrieben wird, nur weil man Zünder-Artikel „gleich auf der Haupt-Site von ZEIT ONLINE veröffentlichen“ möchte, wird meiner Meinung nach nicht wirklich begründet.

In Kategorie: Netz

Fünf Lehren aus dem Zoomer-Ende

DAS ist das eigentlich Schlimme am Scheitern von zoomer.de – neben den vielen Hoffnungen und persönlichen Biografien, die unter dem Ende leiden müssen. Dass sich offenbar junge Menschen nicht mehr für das interessieren, was draußen vorgeht.

In der Debatte ums Ende von Zoomer.de äußert sich der Zeit-Digital-Geschäftsführer Peter Neumann auf turi-2.blog in den Kommentaren. Ich glaube nicht, dass seine kulturpessimistische Analyse trifft (nicht nur, weil sie wirkt wie der bockige Kommentar eines Bäckers, der zu dem Schluß kommt, dass die Leute grundsätzlich nichts mehr mehr essen, nur weil sie bei ihm nicht einkaufen). Ich glaube vielmehr, dass man andere Schlüsse aus dem Ende von Zoomer ziehen kann – ich würds mal mit diesen fünf versuchen:

1. Nachrichten sind kein StartUp-Business
Gerade für junge Leser funktionieren Nachrichten nicht nach dem Prinzip sozialer Netzwerke. Friendster, StudiVZ oder Facebook können aus dem Nichts kommen, sie wirken sogar interessanter, wenn mit ihnen die Geschichte junger Selbstausbeuter verbunden ist, die in Badeschlappen rumlaufen. Für Nachrichten funktioniert diese StartUp-Mentalität offenbar nicht. Hier zählen vielmehr Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit.

2. Glaubwürdigkeit kann man nicht kaufen
Die Attribute, die man den oftmals (und meist zu Unrecht gescholtenen) klassischen Medien zuschreibt, können nicht einfach durch die Verpflichtung eines berühmten Journalisten erworben werden. Glaubwürdigkeit entsteht durch eine gewachsene Medienmarke. Vertrauen erwächst nur auf Dauer. Diese Zeit muss man einem Magazin – zumal mit diesem ungewöhnlichen Ansatz – geben, damit Verlässlichkeit entstehen kann. Zoomer hat das Gegenteil versucht: eine Verlängerung der StudiVZ-Community zu einem werberelevanten Umfeld.

3. Junge Leser sind klüger als einige Medienmacher annehmen
Genau das haben viele Nutzer vielleicht einfach gemerkt: Hier geht es nur darum, den Traffic von StudiVZ zu monetarisieren. Es geht nicht um so etwas vermeintlich Altmodisches wie eine publizistische Haltung. Deshalb haben sich diese Leser die Informationen über das, „was draußen vorgeht“, vielleicht einfach auf anderen Wegen als über eine einzelne Website beschafft. Die Rede vom aktiven Rezipienten, der Medieninhalte nach eigenen Vorstellungen nutzt und weiterverwendet, ist vielleicht mittlerweile für mehr Menschen Realität, als die Sonntagsredner, die bisher davon sprachen, selber glauben. Und vermutlich sind diese aktiven Rezipienten medienkompetenter als viele annehmen.

4. Das Prinzip der Nutzerbeteiligung braucht eine gewachsene Community
Wie gesagt: an der Idee hinter Zoomer fasziniert mich noch immer die Nutzerbeteiligung in Fragen der Gewichtung. Nicht ausschließlich eine Redaktion bestimmt, was wichtig ist, sondern die Gemeinschaft der Leser. Das ist eine reizvolle Idee, sie basiert aber darauf, dass es eine relevante Gemeinschaft von Lesern gibt, deren Urteil auch etwas zählt. Denn es geht nicht um Links oder um lustige YouTube-Filmchen, sondern um Nachrichten. Vielleicht geht es dabei nicht darum, was viele Leute wichtig finden, sondern was Leute wichtig finden, deren Meinung ich schätze. Um eine solche Gruppe an Leuten befragen zu können, benötigt man womöglich eine gewachsene Community.

5. Die klassischen Medien stehen nicht so schlecht da
Wenn die Meldung vom wachsenden Interesse an den Nachrichtenportalen stimmt (2008 rund 30 Prozent mehr als 2007), ist die These womöglich gar nicht so gewagt, klassischen Medien eine sehr gute Ausgangsposition im Markt der Leser von morgen und übermorgen zu bescheinigen. Sie verfügen nicht nur über gewachsende Communitys (Abonennten), sie sind auch glaubwürdig und verlässlich. Es gibt, wie man sieht, schlechtere Startvoraussetzungen, um einen Prozess der Verjüngung einzuleiten.

Das Ende von Zoomer

„Der Druck auf den Anzeigenmärkten, der in den letzten Monaten erheblich zugenommen hat, stellt auf absehbare Zeit die ökonomischen Erfolgsaussichten in Frage.“

kress.de vermeldet im Zitat das Ende des etwa vor einem Jahr gestarteten Zoomer.de mit Ablauf des Februar.

Drei Anmerkungen dazu: Erstens: Wie reagiert man darauf in der Redaktion? Im Blog, auf der Startseite und bei Twitter herrschen Stille. Zweitens: Das ist irgendwie schon schade, denn die Idee hinter Zoomer war ja nicht falsch. Drittens: Was macht der Druck eigentlich auf den Anzeigenmärkten?

Update: Hier die Ankündigung In eigener Sache – samt reger User-Debatte