Alle Artikel mit dem Schlagwort “vfl bochum

Das umgekehrte Wembley-Tor

„Fußball ist eine Metapher für das Leben. Falls diesbezüglich noch Zweifel bestanden, räumte Deutschland diese endgültig aus, das nach 44 Jahren Rache nahm. Den Deutschen fehlte es nie an Hartnäckigkeit. Der Fußball gab ihnen zurück, was er ihnen an jenem 30. Juni 1966 wegnahm. Es war ein Wink des Schicksals, eine kinoreife Revanche, wie in einem dieser Filme mit Happy End.“

Die spanische elpais kommentiert das gestrige WM-Achtelfinale Deutschland-England. Da ich selber kein Spanisch spreche, vertraue ich auf die Übersetzung von Christian Schwöbel beim indirekter freistoss

Wie Schiedsrichter arbeiten

Wie sieht eigentlich ein Fußballspiel aus Perspektive eines Schiedsrichters aus? Der WDR zeigt heute abend (22 Uhr) die Dokumentation Die Schiedsrichter, aus der man vorab schon diese Szene aus dem Spiel Griechenland gegen Schweden – in der Hauptrolle: Massimo Busacca . Außerdem der griechische Spieler Giorgos Karagounis und ein vierter Offizieller an der Seitenlinie, der seine Rolle als Wetterfrosch missversteht:

via allesaussersport und Tagesspiegel

Wir sind VfL

Der VfL hat sich vor einiger Zeit ein Leitbild gegeben. Über dessen Inhalte mag man streiten, aber zumindest war es der richtige Versuch, die eigene Identität im Wettbewerb mit anderen Vereinen zu stärken. Ein Leitbild ist aber immer nur so stark, wie es die handelnden Personen überzeugend mit “Leben” zu füllen vermögen. Das ist beim VfL nicht mehr der Fall. „Unbeugsam“ war in der vergangenen Saison niemand. Es reicht nicht aus, Identität und Tradition nur zu behaupten oder plakativ auf Werbebanner und Trikots zu drucken. Man muss sie auch leben. Das Kernprodukt des VfL Bochum ist Fußball. Das Image hart zu arbeiten, selbstbewusst zu sein und ehrlich miteinander umzugehen entsteht zuerst auf dem Platz und nicht in Werbekampagnen oder auf Pressekonferenzen.

Gestern ist die Initiative Wir sind VfL veröffentlicht worden. Heute stellt der Verein den neuen Trainer vor: Es ist Friedhelm Funkel.

via

Go to Bernabéu

Am Samstag spielt der FC Bayern im Estadio Santiago Bernabéu im Finale der Champions League – mit dabei auf der Position Rockstar der Bayern-Spieler Andreas Görlitz. Seine Band Room77 hat zum großen Finalspiel einen Song geschrieben, der auf YouTube mit den Toren der Champions-League-Endrunde kombiniert wurde:

Zwar sind die Treffer von Ivica Olić um einiges beeindruckender als die Reime der Band. Die sind aber auch nicht zu unterschätzen:

2010 unser Heldenjahr
wir Bayern machen Träume wahr
Come and go go go
to Bernabéu

via

Der Mythos vom Straßenfußball

Die Panke ist einer von 30 Bolzplätzen hier im Viertel, einer von Hunderten in ganz Berlin. Diese Käfige sind Orte, um die sich Mythen ranken wie Unkraut um ihr Gitter. Maradona, der bei der Weltmeisterschaft in Mexiko in einem Lauf über das ganze Feld fünf englische Gegenspieler und am Ende den Torwart austanzte, hatte auf so einem Platz gespielt, in einem armen Vorort von Buenos Aires. Zidane ist groß geworden auf so einem Platz, zwischen grauen Plattenbauten in Marseille. Sie alle, Maradona und Zidane, Ribéry und Rooney, Genies und Wahnsinnige, haben in der Enge dieser Käfige gelernt zu fliegen. Hier entwickelten sie ihren Instinkt, einen ungezähmten, unberechenbaren Fußball, der die Verteidiger in den Vereinen überforderte und sie selbst zu Millionären machte.

Unter dem Titel Der Nabel ihrer Welt besucht Die Zeit den Bolzplatz im Berliner Bezirk Wedding, in dem die Boateng-Brüder das Fußballspielen gelernt haben. Kevin-Prince, der bei der WM im Kader von Ghana steht, hat heute übrigens deshalb Deutschlandweit Berühmtheit erlangt, weil er am Wochenende im Finale des britischen Pokals Michael Ballack so foulte, dass dieser Gipsverband und ruhig stellenden Spezialschuh tragen muss – und nicht das Trikot der Nationalmannschaft. Davon steht nichts in dem lesenswerten Text, aber von Gummistiefeln an den Füßen des siebenjährigen Kevin kann man lesen und von Problemen mit dem DFB:

Mit dem, was Boateng im Käfig an der Panke groß gemacht hatte, eckte er an in der hierarchischen Welt des DFB, die jemanden wie den Stürmer Kevin Kurányi für das Verlassen des Stadions während eines Länderspiels lebenslang ausschließt. Es ist eine Welt, deren Helden sein sollen wie der Teammanager Oliver Bierhoff, glatt geschliffen und geföhnt. Mit Anfang 20 sollen sie Playstation spielen, mit Mitte 20 ein Fernstudium absolvieren und mit Ende 20 an ihrem Golfhandicap arbeiten. Es ist eine Welt, in der es – anders als auf dem Bolzplatz – nicht reicht, einfach nur gut zu sein.

Das Thema Ballack findet in dem Text dann doch statt – in den Kommentaren unten drunter.

Immer wieder aufstehen

Es ist letztlich wie in der Kindererziehung, wenn du den Blagen aus einer aus ihrer Sicht ausweglosen Situation heraushelfen willst: Wollen sie in der Ecke sitzen und heulen oder sollten sie versuchen, das Beste daraus zu machen? Mach es mit Musik: Spiel ihnen Herne 3 vor: Immer wieder aufstehen, immer wieder sagen, es geht doch!

Frank Goosen fordert nach dem Katastrophen-Wochenende des VfL Bochum: „Gebt uns unseren Verein zurück“ und verweist auf den Song Immer wieder aufstehn`:

Seine Forderung:

Wer weiß: Hätte man den Mut, konsequent eine Image-Nische zu besetzen, weg von Billig-Discountern auf dem Trikot, hin zu der kämpferischen, vielleicht etwas dreckigen, aber immer hautnahen, leidenschaftlichen Alternative zu den Großclubs ein paar Kilometern westlich und östlich von uns – vielleicht würde sich das unterm Strich auch finanziell bezahlt machen. Mancher Verein möchte etwas besonderes sein, der VfL will nur sein wie (fast) alle anderen.

Zerreißt euch, sonst tun wir es!

Die Medien dienen als Verstärker für die Meinungen der Anhängerschaft, und das Internet ist zu einer Plattform geworden, auf der übelste Hasstiraden meist anonym abgesetzt werden und gefährliche Stimmungen entstehen. In verschiedenen Foren können sich die Anhänger schnell organisieren, Demonstrationen planen, sich als Gruppe konzentrieren. Das Deutsche Sportfernsehen, das die Interaktion mit dem Fan einst kultiviert hat, verzichtet mittlerweile in seiner Fußball-Talkrunde „Doppelpass“ auf Meinungsbeiträge aus dem Internet, weil nur noch die wenigsten inhaltlich geprägt seien und Denkanstöße gäben, wie es dort heißt. Vor allem für die Vereine aber ist der meist beleidigende oder hasserfüllte Diskussionsstil in den eigenen Internetforen zu einem Problem geworden. Immer wieder müssen diese Online-Portale, die den Klubs eigentlich zur Kundenkommunikation dienen sollen, abgestellt und „bereinigt“ werden.

Der Text Kritische Masse aus der gestrigen Ausgabe der FAZ steht leider online nicht zum Nachlesen. Das ist schade, denn er schlägt eine sehr spannende Brücke von der offenbar wachsenden Macht der Fans im Fußball zu dem, was ich hier schon häufiger als das Phänomen des aktiven Rezipienten beschrieben habe. Dabei geht es um die Frage, wie Medien damit umgehen, dass Leser/Hörer/Zuschauer mittlerweile einen aktiven Rückkanal haben. Eine Frage, die – wenn man dem FAZ-Text glaubt – auch die Fußball-Branche betrifft.

Nicht besonders ruhmreich, aber doch beispielgebend ist dabei der Fall des VfL Bochum, der sich vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt in der vergangenen Saison der Fan-Forderung Zerreißt Euch, sonst tun wir es! ausgesetzt sah – und sich (nach erfolgreichem Klassenerhalt) auch aufgrund von Fan-Protesten von Trainer Koller trennte.

Die Beispiele zeigen: Dass das Internet Fans und Lesern eine Stimme gibt, ist eine Herausforderung, vor dem nicht nur der Journalismus steht.

Bochum und Koller

Für Außenstehende ist schwer zu verstehen, warum Koller, der den VfL Bochum in die Bundesliga führte und drei Jahre dort hielt, derartigen Hass des Publikums auf sich gezogen hat. Schon früher wurde in Krisen lautstark seine Ablösung gefordert, weil er vielen Zuschauern nicht emotional und hemdsärmelig genug war. Besonnene Fachleute auf der Trainerbank kommen bei den Fans im Ruhrgebiet nicht an, außer sie sind, wie Ottmar Hitzfeld es in Dortmund war, unablässig erfolgreich. Lieber hat man Grantler wie Huub Stevens, volksnahe Schwadroneure wie Peter Neururer oder knallharte Machtmenschen wie Felix Magath. Dass Koller durch seine Politik der ruhigen Hand etliche Krisen erfolgreich überstand, legte man bizarrer Weise sogar gegen ihn aus.

Christoph Biermann beschreibt bei Spiegel-Online Wie die Bochumer Fans ihren Trainer erledigten und kommt zu dem Schluß:

Jedes Jahr in der Bundesliga zu spielen, wäre für Bochum unter diesen Bedingungen ein Triumph, und dass der VfL mehr Erstliga-Spielzeiten als Hertha BSC, Hannover 96, Wolfsburg oder der 1. FC Nürnberg hat, ist ein Wunder.

Ich kann nicht beurteilen, ob das stimmt. Ich kann aber nachvollziehen, dass man sich als Fan mit diesem sehr besonnenen Urteil nicht zufrieden gibt …