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Videotext trifft auf Social Media: Teletwittern

Vergangene Woche machte die Redaktion von quer, dem satirisch-kritischen TV-Magazin im Bayerischen Fernsehen ein Experiment: sie verheiratete Zuschauerfeedback auf Twitter mit dem Videotext. Ausgewählte Tweets wurden auf der Videotext-Seite 888 des Bayerischen Fernsehens angezeigt. Deef Pirmasens, Onlineredakteur von „quer“, hat die Aktion begleitet – und ein paar Fragen zum Teletwittern beantwortet, die ich ihm gemailt habe.

Wie kommt man darauf, einen eher alten Kanal wie den Teletext mit einem eher neuen Kanal wie Twitter zu verbinden?
Wenn man Tweets ins Fernsehen bringt und das mit Inserts – also für alle sichtbare Einblendungen – löst, nervt man diejenigen Zuschauer, die sich nicht für Twitter und Zuschauerkommentare interessieren. Deshalb haben wir die Tweetdarstellung über den Teletext gelöst. Öffnen Zuschauer während der Sendung die Bayerntext-Seite 888, so sehen sie das normale Fernsehbild, in das am unteren Bildrand nacheinander Tweets eingeblendet werden. Zuschauer können frei wählen, ob sie den Teletext einschalten oder nicht, so dass keiner – wie bei der Insert-Lösung – gestört wird.

War das ein einmaliges Experiment oder passiert das jetzt immer, wenn Quer im Fernsehen läuft
Es war ein Experiment, das so gut funktioniert hat, dass wir es fortführen wollen.

Warum muss Twitter überhaupt ins Fernsehen?
Es muss nicht, aber es ist ein Mehrwert für manche Zuschauer. Menschen, die Twitter nicht auf dem Rechner nutzen, haben durch Teletwittern die Möglichkeit, live Meinungen von anderen Fernsehzuschauern zu sehen. Aber auch viele versierte Twitterer freuen sich über Teletwittern, wenn ihr Tweet im Fernsehen erscheint. Bei der Sendung am Donnerstag hat jemand Screenshots davon gemacht und getwittert „Ich war im Fernsehen“.

Kann man messen, wieviele Leute während der Sendung den Teletext eingeschaltet haben?
Wir wissen, dass der Bayerntext pro Tag von durchschnittlich einer Million Menschen genutzt wird. Teletext ist – auch in Zeiten des Internets – ein sehr beliebtes Medium.

Genaue Zahlen zur Sendung kann man aber nur Twitter auslesen, oder? Kannst Du dazu was sagen?
Wir hatten über 150 Tweets mit @BR_quer bzw. #BR_quer, was fast eine Verdreifachung gegenüber bisherigen quer-Sendungen darstellt. Am nächsten Donnerstagabend werden wir sehen, ob das nur beim ersten Mal so war oder ob sich die Beteiligung noch steigert, wenn wir regelmäßig teletwittern.

Und wie waren die Reaktionen im Haus, also in der Quer-Redaktion und bei Dir? Haben sich Erwartungen erfüllt oder seid Ihr eher positiv/negativ überrascht worden?
Wir sind hocherfreut. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass so viele Twitterer daran interessiert sind, mit ihren Tweets ins Fernsehen zu kommen. Und wir waren in den deutschen „Trending Topics“ bei Twitter. U.a. neben Justin Bieber – das ist doch mal was.

Ihr habt die Tweets gefiltert und von Hand für den Videotext freigeschaltet. Musstet Ihr viel löschen?
Wir veröffentlichen keine Beleidigungen u.ä. – aber es kamen auch keine. Es kam auch keine Kritik an quer, obwohl wir die veröffentlichen würden. Es geht beim Einpflegen der Tweets aber vor allem darum, die auszuwählen, die selbsterklärend sind und die zum gerade im Fernsehen gezeigten Themenkomplex gehören. Am Ende der Sendung einen Tweet zu zeigen, der einen Bericht vom Anfang der Sendung kommentiert, macht keinen Sinn.

Eigentlich wäre dieser Live-Videotext-Einblendung so etwas wie die Fernsehentsprechung zum Leserkommentar auf Online-Seiten. Könnte man das nicht für alle Sendung anbieten?
Es gibt Sendungen, bei denen ergeben sich bei Twitter von selbst regelmäßig Diskussionen, wie z.B. beim Tatort. Und es gibt Sendungen wie unsere, bei der wir seit 2009 mit unseren Zuschauern via quer-Blog, Facebook und Twitter intensiv diskutieren. Die Folge: Obwohl quer „nur“ in einem dritten Programm läuft, hat unser Twitteraccount mehr Follower als @Tatort vom Ersten. Hätten wir @BR_quer nicht über Jahre aufgebaut, würde auch Teletwittern für quer nicht funktionieren. Teletwittern macht also für alle Sendungen Sinn, über die ohnehin viel getwittert wird oder die über einen starken Twitteraccount verfügen, mit dem man die Diskussion anschieben kann.

Teletwittern gibt es heute Abend wieder im Bayerischen Fernsehen – und sonntags im Ersten beim Tatort. Dort auf Videotext-Seite 777 im Ersten.

Annäherungen im Urheberrecht

Im Rahmen der Münchner Medientage hat der Bayerische Rundfunk eine Diskussionssendung zum Thema Urheberrecht aufgezeichnet, die heute abend auf BRalpha ausgestrahlt wird. Sie trägt den Titel „Neue Spielregeln für die Gratiskultur? Was ist der Film unserer Gesellschaft wert?“ und beginnt 22.30 Uhr. Es diskutieren …

>> Bruno Kramm , streitbarer Urheberrechtsbeauftragter der Piratenpartei
>> Fred Breinersdorfer , Drehbuchautor, Jurist und Mitunterzeichner der Offenen Briefs der Tatort-Drehbuchautoren
>> Simon Verhoeven , Regisseur, Autor und Schauspieler
>> Albrecht Hesse, Juristischer Direktor und Stellevertretender Intendant des Bayerischen Rundfunks

… und sie diskutieren auf erstaulichem Niveau. Vielleicht muss ich das sagen, denn ich hatte die Aufgabe die Diskussion zu leiten. Wie mir das gelungen ist, kann man heute abend im Fernsehen selber beurteilen. Dabei wird man feststellen, dass trotz allen verbalen Rangeleien gerade zwischen Kramm und Breinersdorfer, eine erstaunliche Einigkeit zu erzielen ist. So stimmten alle Diskutanten darin überein, dass die bestehende Abmahnkultur einem legitimierten Urheberrecht nicht dienlich ist und dass es falsch ist, auf der Ebene der Privatnutzer gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen. Es sei wichtig, die kommerziellen Anbieter vom Schlag kino.to und MegaUpload zu belangen. Darin waren sich alle vier Podiumsteilnehmer einige.

Allein das hat mich so erstaunt, dass ich die Sendung hier empfehlen will. Nach einer Phase der hitzigen Debatte scheint jetzt vielleicht die Zeit gekommen, Übereinstimmungen zu benennen und an konkreten Lösungen zu arbeiten! Schön wärs!!

Der großartige oide Depp

Der Münchner Drehbuchautor Alexander Adolph hat (unter der Regie von Michael Gutmann) ein großartiges Porträt seiner Heimatstadt geschrieben. Die heutige aktuelle Folge des Münchner Tatorts trägt den Titel Der oide Depp und besticht nicht nur durch eine interessante Geschichte (mit gut gemachten Rückblenden). Der oide Depp ist vor allem wegen der wunderbaren Dialoge und der von Jörg Hube gegebenen Figur des Robert „Roy“ Esslingers absolut sehenswert.