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Wir sind Tocotronic

Heute erscheint das neue Tocotronic-Album (das hier schon mal Thema war) – und drüben auf dem (SZ-)Hügel hat man sich in der Kulturredaktion gefragt, welchen Einfluss die Band auf Autorinnen und Autoren hat. Ich habe zusammenkopiert gedichtet, was mich mit Tocotronic verbindet – doch weil es bei der SZ nicht ganz in das Konzept der Sammelgeschichte passt, steht jetzt hier eine Geschichte (von Tocotronic) und mir.

No. 19 & 20 @tocotronic_official #tocotronic

Ein von Dirk von Gehlen (@dvg) gepostetes Foto am

In einer Freundschaft wie dieser geht es nicht um Glück. Ich glaub ich kann’s erst jetzt verstehen. Mit jedem Lied ein bisschen mehr.

Wir haben uns getroffen
Wir haben Platten gehört
Wir haben Bier getrunken
Wir saßen einfach rum zu zweit

Wir sind uns lange nicht begegnet
Wir waren ein Team
Weil wir eine Bewegung sind
Wir sind viele

Wir genießen unsere Freizeit
Und trinken warmes Bier im Park
Wir reden meistens über etwas
Das uns auf den Nägeln brennt
Alle Leute denken, dass wir viel zu viel verschenken

Wir sind wie Agenten
Wir müssen blenden
Wir müssen uns verschwenden
Wir werden das System durchschauen

Wir versuchen zu begreifen, dass hier alles möglich ist
Wir werden Beduinen sein!
Wir sind die Zukunft
Wir müssen kapitulieren

Wir kommen um uns zu beschweren
Wenn wir am Zauberwürfel drehen
Sie wollen uns erzählen:
Wir sollen uns nicht mehr quälen
Wir müssen durch den Spiegel gehen

Wir streunen durch die Wälder
und sehen unsere Spiegelung
Was wir sehen bedeutet nichts
Doch wir können davon lernen
Wie wir leben wollen

Wir haben gehalten
In der langweiligsten Landschaft der Welt
Jetzt müssen wir wieder in den Übungsraum
Denn wir wissen ganz bestimmt
Dass wir beide Schatten sind

Wir haben weiche Ziele
Wir sind Plüschophile
Wir sind so leicht, dass wir fliegen

Gib mir deine Hand: wir sind verwandt
Dabei kennen wir uns kaum
Wir leben hoch in unserem Niedergang

Welche Rolle Tocotronic für SZ-Mitarbeiter spielt? Hier die Geschichten nachlesen!

Tocotronic

Social Media auf der nächsten Ebene – mein Langstrecke-Crowdfunding-Fazit

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Warum wir eine neue Vorstellung davon brauchen, was Crowdfunding ist: ein vermutlich genauso mächtiges Werkzeug wie Social Media.

In 24 Stunden endet ein Experiment, von dem man mir noch vor wenigen Monaten sagte, es sei unmöglich: Ein Verlag, der auf einer Crowdfunding-Plattform ein neues Produkt anbietet – das galt vielen als undenkbar. Mir haben die vergangenen Wochen mit „Süddeutsche Zeitung Langstrecke“ auch deshalb so viel Freude gemacht, weil sie bewiesen haben: Knapp 1000 Leser (fast 800 bei Startnext und über 200 im SZ-Shop) halten es nicht für unmöglich, das Magazin (eines Verlages) zu kaufen, das es noch gar nicht gibt. Es ist im Gegenteil sogar möglich, dass in einem solchen Magazin vorab Anzeigen gebucht werden.

Allein auf Startnext sind so über 33.000 Euro vorab zusammengekommen. Ob das viel oder wenig Geld ist, sollen andere beurteilen. Ich finde interessant, dass es möglich ist, auf diese Weise und auf einer Plattform wie Startnext neue Produkte zu testen und zu verkaufen. Da das Team von Startnext unser Experiment von Anfang an betreut hat und uns auch darin bestätigt hat (vielen Dank!!), will ich das Langstrecke-Finale zu einem kleinen Crowdfunding-Fazit nutzen. Ich glaube nämlich, dass wir einen neuen Begriff für diese Art des Bezahlens brauchen – oder dass wir zumindest darüber nachdenken sollten, die allgemeine Vorstellung dessen, was Crowdfunding ist, zu verändern.

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Es geht – wie zu Beginn von Langstrecke geschrieben – nicht mehr nur darum, dass Produzenten und Konsumenten gemeinsam ein Ziel erreichen, das für jeden allein unerreichbar wäre. Dieser Aspekt, der gemeinhin als Bitten zusammengefasst wurde, wird mehr und mehr ergänzt um ein grundsätzlich verändertes Verhältnis zwischen Produzenten und Konsumenten. Sie treten in einen Dialog, sie sprechen vorab miteinander, sie erleben gemeinsam einen Prozess statt nur ein Produkt zu ver-/kaufen. Jerry Needle, der bei der großen amerikanischen Plattform IndieGoGo für Marketing zuständig ist, hat kürzlich davon gesprochen, dass Crowdfunding die gleichen Folgen haben wird wie das Aufkommen von Social Media vor zehn Jahren. Seine These:

„Where social media allowed people to share and communicate, allowing things to happen through communication, crowdfunding has added a commerce element, so that people aren’t just sharing ideas but to actually raise money for them to make them a reality.“

Needle prognostiziert, dass in ein bis zwei Jahren Crowdfunding fester Bestandteil jeder Agenturarbeit sein wird – weil ganz selbstverständlich auch große Unternehmen, die Optionen nutzen werden, die in dieser neuen Kommunikation mit möglichen Kunden liegt. In dem kurzen Interview bei Mashable zeigt Needle wie der Elektronikkonzern Philipps auf diese Weise Innovation im Unternehmen vorantreiben will. Auf Startnext gibt es ein Beispiel des Energieversorgers EnBW, bei dem der Solarschirm Dalia via Crowdfunding produziert werden sollte. Der Sonnenschirm, der Solarzellen in sich trägt, hat sein Ziel von 50.000 Euro nicht erreicht – und vermutlich war das für EnBW sehr lehrreich.

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Jetzt könnte man sich fragen, ob man beim drittgrößten Energieunternehmen Deutschland tatsächlich um 50.000 Euro für die Produktion eines Sonnenschirm bitten muss – oder man folgt der Perspektive von Jerry Needle und erkennt, dass das Unternehmen hier quasi in einem Markttest mehr Erkenntnis gewonnen hat als man an der bloßen Summe von 13.615 Euro erkennt, die auf der Startnext-Seite steht.

Als die heute großen Social-Media-Plattformen aufkamen, wurden die ersten Nutzer verlacht oder zumindest naserümpfend angesehen. Ähnlich verhält es sich gerade mit dem allgemeinen Blick auf das Phänomen „Crowdfunding“, es wird als Randthema wahrgenommen. Als eine Bezahlmethode für diejenigen, die es im klassichen Betrieb nicht schaffen. Ich glaube, dass dies ein Trugschluss ist. Die Vorstellung von Crowdfunding wird sich in den nächsten Jahren radikal verändern. In seinem Jahresrückblick rechnete die Plattform Kickstarter vor, dass 2014 minütlich 1000 Dollar über die Plattform gezahlt wurden. Das ist viel Geld – und in jedem Fall ausreichend viel Geld, um das Interesse am Crowdfunding bei Menschen zu wecken, die sich mehr für Geld als für Naserümpfen interessieren. Was ich meine: Vermutlich hat Jerry Needle nicht unrecht, wenn er die Optionen aufzeigt, die im Crowdfunding liegen.

Wer sich für Crowdfunding interessiert, kann diesen Ratgeber, den ich zum Thema geschrieben habe, lesen und hier den loading-Newsletter abonnieren, in dem ich spannende Crowdfunding-Projekt vorstelle:


In eigener Sache: Icebucketchallenge im Lesesalon

Der Zufall ist manchmal der beste Planer. Jedenfalls ist es (erneut) dem Zufall zu verdanken, dass nach meinen Blogeintrag „In eigener Sache: Harlem Shake im Lesesalon“ von Anfang Oktober, nun erneut die beiden Themen zusammenfallen. Der Süddeutsche Zeitung Lesesalon, den ich Anfang Oktober mit dem Buch „Makers“ von Chris Anderson gestartet habe, hat mit der morgigen Ausgabe der SZ sein erstes Ziel erreicht: Gemeinsam mit 100 Leserinnen und Lesern habe ich das Buch gelesen – und besprochen. Dabei hat uns die Software DBOOK große Dienste erwiesen – und sich als guter erster Ansatz zur Frage nach einer tauglichen Schreib-, Versions- und Annotationssoftware erwiesen.

Die #lesesalon Autorenzeile morgen in der SZ

Ein von Dirk von Gehlen (@dvg) gepostetes Foto on

Am Tag, an dem die Besprechung nun erscheint, sendet ZDFinfo die zweite Folge des Internet-Meme-Formats „15 Minutes of Fame“, das Tim Klimes erfunden hat – und mich (wie beim Piloten zum Harlem Shake) erneut als Berater und Teilnehmer engagiert hat. Diesmal zum Phänomem „Icebucketchallenge“.

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Wer nicht bis 0:20 Uhr wach bleiben möchte, kann die Folge hier in der ZDF-Mediathek anschauen
und hier kann man die Besprechung von „Makers“ nachlesen.

Update: hier ein paar Links zum Lesesalon der SZ
>>> Altpapier: Mach mit, mach’s nach, mach’s besser
>>> dpa: SZ veröffentlicht Buchbesprechung mit 100 Lesern
>>> WDR3: Die Zukunft des Lesens und Schreibens?

Wie Journalismus sich verändert (August 2014)

„Stern, Spiegel, Focus“ – das war jahrelang eine Art stehende Floskel für eine Form des Magazinjournalismus, der wöchentlich Platz für Hochglanz-Anzeigen lieferte. In diesem Sommer wurde die Aufzählung zu einem Problem-Dreiklang. Alle drei Magazine haben ein Anzeigen- und Auflagen-Problem, das (wenn es ein ganzes Segment trifft) womöglich struktureller Art ist, es scheint aber in allen drei Häusern personell bearbeitet zu werden. Immerhin wurde zunächst der stern-Chefredakteur Dominik Wichmann in einer eher merkwürdigen Art des Amtes enthoben, es folgte der Focus-Chef Jörg Quoos und beim Spiegel ein Personal-Theater, über das der Spiegel selber sich vermutlich sehr genüßlich lustig machen würde.


Alle drei Fälle gilt es in dem kleinen Journalismus-Tagebuch festzuhalten, das ich im Frühjahr mal begann, um hier den Medienwandel zu dokumentieren. Und wenn ich mich jetzt in die ersten beiden Folgen zurückklicke (Mai bzw. Juni), merkt man wie schnell der Medienwandel gerade unter unseren Füßen durchrauscht.

Diesem Wandel unterliegt aktuell auch ein Thema, das hier im Blog seit Jahren Thema ist: das Verhältnis zum Leser. Dieses ist – auch das hat der Sommer 2014 fürs Journalismus-Tagebuch zu Tage gefördert – gerade eher angespannt. Die Diskussion darüber, wie man mit Leserkommentaren umzugehen hat, hat die Branche in den vergangenen Monaten sehr nachhaltig beschäftigt: Es gab zahlreiche Beiträge aus unterschiedlichen Häusern, die sich dem Thema theoretisch näherten. Auch der Online-Chef der SZ Stefan Plöchinger hat dazu ein ausführliches Stück geschrieben, das ich hier nochmal empfehlen will, weil es u.a. Grundlage für ein neues Konzept ist, das wir seit dieser Woche bei der Süddeutschen Zeitung testen*: ein neuer Umgang mit Lesern im Netz.

Die bisherigen Ansätze zum Umgang mit Leserdialog zeichnen sich derzeit zumeist durch eine Aufwands-Einschätzung aus, die Bettina Hammer auf telepolis so beschreibt:

Die Foren müssen gewartet, evtl. moderiert und zumindest überflogen, Anfragen beantwortet und nicht zuletzt Strafrechtliches gelöscht werden, bevor es zu nerven-, zeit- und geldaufwändigen Verfahren kommt.

Von einem Erkenntnis-Interesse oder einem inhaltlichen Ziel, das ein (Online-)Dialog verfolgen könnte, schreibt sie nicht. Stattdessen kritisiert sie an dem neuen SZ-Ansatz: „Die SZ hat damit ein weiteres Beispiel dafür geliefert, wie Onlinemedien Nutzer mehr und mehr als Störfaktor sehen.“ Wie Heise die Nutzer sieht, kann man nur indirekt erschließen, wenn man die Kommentare unter dem Text liest: Denen scheint es relativ egal zu sein, ob sie im heise-Forum (sic!) stehen oder sonst wo im Netz. Sie bilden keinen wirklichen Dialog ab, sondern bieten Menschen die Möglichkeit, pauschal allen Medien Propaganda zu unterstellen. Diese Unterstellung verlangt keine Antwort aus der Redaktion, die den Text veröffentlicht – und bekommt offenbar auch keine, wie ein Leser unter dem Text kritisiert

telepolis

Nun wäre es wohlfeil Bettina Hammer oder die heise-Redaktion dafür zu kritisieren, denn es handelt sich (siehe oben) bei dem Thema um kein personelles, sondern um ein strukturelles Problem: Online-Debatten fehlen derzeit häufig Eigenschaften, die geglückte Gespräche zumeist auszeichnen:

> Sie haben einen Anfang und ein definiertes Ende
> Sie verfolgen ein inhaltliches Ziel, ein Erkenntnis-Interesse
> Sie verlaufen in zwei Richtungen: beide Seiten kommen zu Wort

Mindestens diese drei Eigenschaften wollen wir bei der SZ dem Leserdialog (zurück-)geben: „Lassen Sie uns diskutieren“ hat der Kollege Daniel Wüllner den Beitrag überschrieben, mit dem wir bei der SZ eine andere Form des Dialogs im Netz beginnen wollen: eine Konzentration auf drei relevante Fragen des Tages, die eine Alternative zum ziellosen Plaudern bisheriger Art sein wollen. Es geht darum, einen strukturell neuen Ansatz im Leserdialog auszuprobieren. Stefan Plöchinger hat das in einem Interview, das er zu dem neuen Modell gegeben hat, so zusammengefasst:

Wobei uns klar ist, dass das ein Experiment ist und wir aus den Erfahrungen der ersten Tage lernen müssen. Aber mehr zu experimentieren, ist unsere Grundhaltung.

Ich finde diese neuen Modelle (der Kollege Johannes Boie beantwortet z.B. in einer Leserfrage, warum den Deutschen Datenschutz wichtig) viel spannender als die Frage, ob es Kommentare auf Facebook gibt oder nicht (gibt es schon immer). Deshalb schreibe ich das hier auf: weil ich glaube, dass das Thema in einer der nächsten Folgen des Journalismus-Tagebuchs auftauchen wird. Denn natürlich sollte man auch die Ideen der neuen Version als Leserdialog denken.

*Disclosure: ich arbeite bei der SZ

Netzneutralität – annotiert

Da in dieser Woche der Satz „Der Online-Journalismus ist kaputt“ aufkam und da ich ein großer Fan des Annotations-Prinzips bin, will ich hier auf eine Form des annotierten Online-Journalismus zum Thema Netzneutralität hinweisen, die der SZ-Kollege Johannes Kuhn heute Nacht aus San Francisco geliefert hat. Für seine Analyse Zwei-Klassen-Netz mit Fußnoten hat Johannes seine Anmerkungen an dem FCC-Dokument offengelegt:

fcc_annotate

Er nutzt dafür den Dienst a.nnotate.com: Dort hat er das Dokument hochgeladen und mit Anmerkungen versehen. Das ist eine Form des Journalismus, die nur in der Welt der Versionierung möglich ist. Sie ist schnell, aber gut. Sie setzt auf Quellenoffenheit und Transparenz und sie zeigt, was Online möglich ist.

Der NSU-Prozess. Das Protokoll des ersten Jahres

Am Freitag erscheint ein besonderes SZ-Magazin: Für „Der NSU-Prozess. Das Protokoll des ersten Jahres“ (ab Donnerstag abend in der SZ-App) haben Annette Ramelsberger, Tanjev Schultz und Rainer Stadler den größte Strafprozess in Deutschland seit der Wiedervereinigung auf mehr als 500 Seiten mitprotokolliert und verdichtet. In Zusammenarbeit mit der Filmakademie Baden-Württemberg, der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg und der UFA Fiction haben die Kollegen (ich arbeite im gleichen Haus) aus dem Protokoll zusätzlich einen zweistündige Film gemacht. Hier ist der Trailer dazu zu sehen:

Mehr über das ungewöhnliche Projekt gibt es auf szmagazin.de

Wie wir morgen kommunizieren werden

Drei Dinge, die man über die Kommunikation von morgen wissen könnte:

1. Schreiben ist das neue Reden
2. Metadaten sagen mehr als tausend Worte
3. Kommunikation wird (noch) unbewusster

So jedenfalls habe ich die Frage beantwortet, die mir im Rahmen einer Kooperation zwischen Süddeutsche.de und dem Debattenportal Vocer gestellt wurde: Wie kommunizieren wir morgen? Den Text kann man jetzt auf Süddeutsche.de und auf Vocer nachlesen und diskutieren.

Was ist jetzt?

Für das jetzt.de-Jubiläumsheft zum Thema „Es müsste immer Internet da sein“ habe ich mich an der Beantwortung der Frage Was ist jetzt? versucht. Dabei geht es natürlich weniger um das gleichnamige Magazin als vielmehr um die Frage, wie wir Gegenwart in Zeiten von Echtzeit-Druck definieren (vor einer gefühlten Ewigkeit habe ich dazu schon mal was geschrieben).

Die Zeitspanne, die wir als alltägliche Gegenwart empfinden, scheint stetig kürzer zu werden. Ein S-Bahn-Waggon ist vielleicht Jahrzehnte im Einsatz, ein Handymodell überdauert nicht mal die Laufzeit des Telefonvertrags, und eine Website verliert schon nach wenigen Monaten ihren Charme. Obwohl das Jetzt selten so dominant und präsent war wie heute, in einer auf Aktualität und Live-Erlebnisse fixierten Medienrealität, scheint es gleichzeitig extrem flüchtig geworden zu sein. Kein Medium zuvor ist der Gegenwart so zu Leibe gerückt wie das Internet. Es dauert nur einen Wimpernschlag, bis die als Twitter-Statusmeldung geschriebene Antwort auf die Frage „Was gibt’s Neues?“ den Zeitstempel „gerade eben“ bekommt und somit als vergangen einsortiert wird.

Dabei ging es mir einerseits um die genannte Frage, andererseits aber auch darum einen Blick auf die Art zu werfen, wie wir aktuelle Webdebatten führen. Denn:

schneller, als uns lieb ist, wird die Zeit vorbei sein, in der wir wirklich noch aktiv Einfluss nehmen können, was aus diesem Jetzt wird. Wir sollten endlich bestimmen, was das Netz für uns bedeuten soll. Jetzt.

„Es müsste immer Internet da sein“

Der jetzt-Kosmos wird in diesem Sommer 10 Jahre alt. Es gab schon vorher jetzt-Inhalte im Netz, aber die Community der jetzt-User entstand im Sommer 2001. Aus diesem Grund gibt es einen Jubiläums-Sommer auf jetzt.de – und am kommenden Montag ein einmaliges Sonderheft in der Süddeutschen Zeitung; mit dem Themenschwerpunkt: Digitales Leben

Das Heft lehnt sich optisch an die Magazine Schule&Job und Uni&Job an, die seit Anfang des Jahres ebenfalls als Beilagen der Süddeutschen Zeitung erscheinen – und wurde wie diese in der jetzt.de-Redaktion erstellt (Disclosure: die ich leite). Die Art Direction hatte Joanna Swistowski.

Im Editorial des Heftes, das Montag der SZ beiliegt, heißt es:

Als im Sommer vor genau zehn Jahren die erste jetzt-Page ins Netz gestellt wurde, dachte kaum jemand daran, dass das Internet mal zu einem Soundtrack zu unser aller Leben werden könnte. Es ging darum, die Verbindung zwischen Autoren, Mitarbeitern und Lesern des damals noch gedruckten jetzt-Magazins abzubilden: Der jetzt-Kosmos war geboren, ein Ort, um Menschen zu treffen, die ähnlich denken, ein Ort, um Geschichten zu lesen und selber zu erzählen, ein Ort, der auch Bestand hatte, als 2002 das gedruckte Heft eingestellt wurde. Ein Zuhause im Netz.

Aus dem damaligen Gefühl, dass wenigstens noch das Internet da sei, entwickelte sich ein mittlerweile mehrfach ausgezeichnetes Webmagazin, das im unfassbar schnell wachsenden Netz weiterlebte und sich entwickelte.