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Die Suche nach dem Unkopierbaren

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In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazine gibt es ein Interview mit Guaridan-Chefredakteur Alan Rusbridger*, das ich sehr erhellend finde in Bezug auf die Frage, worin sich der Finanzierungsansatz des Guardian von den Paywalls z.B. der New York Times unterscheidet.

Am Ende des Interviews wird Rusbridger auf das Cafe angesprochen, das der Guardian in London eröffnet hat.

The Guardian has a coffee shop in London. Why? We are thinking about a membership program where you pay for live access to the events that we can produce, rather than access to the journalism. We’re moving from just putting words on the paper to being the convener of conversations and discussions and ideas.

So, like a salon? Yes. The more digital the world becomes, the more appetite people have for real things.

Rusbridger unterfüttert damit die Ansätze, die Andrew Miller Ende des Jahres beschrieb und die ich mir wünschte als im Rahmen der Snowden-Geschichte herauskam, dass und wie der Guardian unter Druck gesetzt wurde. Die Zeitung als Ort der Freiheit ist keine Rampe mehr, sondern eine Raum. Sie ist eher ein Cafe als ein Aushang. Im vergangenen August schrieb ich

dass das Modell eines Leserclubs mehr ist als der Versuch eines Bezahlmodells: Auf der Seite des Guardians zu stehen, ist spätestens durch die neusten Überwachungsmeldungen eine Entscheidung für die Pressefreiheit. Die Zeitung wird dadurch zu einem sozialen Raum – vergleichbar mit den klassischen Institutionen der Identitätsbildung: Kirchen, Parteien, Vereine sind die vergemeinschaftliche Antwort auf die Frage: Auf welcher Seite stehst du?

Ich bin optimistisch, dass der Guardian die Wette gewinnen kann, die er eingegangen ist. Die Wette darauf, eine weltweite liberale Marke zu werden, aber auch die Wette darauf, Bezahlmodelle für hochwertigen Journalismus im digitalen Raum zu finden. Wir werden uns alle die Augen reiben, aber vermutlich haben die weniger mit Inhalten zu tun als wir alle bisher glauben.

Was mich an der Idee von Salon-Öffentlichkeit und Teilhabe statt Inhalte-Verkauf fasziniert, steht auch hier!

*via David Bauer

Open Journalism = Better Journalism

“It’s better journalism,” Rusbridger says, “if, as well as Michael Billington [the Guardian’s theatre critic], you can harness the views and judgements of 800 other people in the audience at the same time. Is the same true of science, foreign, investigative reporting? The answer, I think, is always yes.

In einem lesenswerten Porträt des Guardian-Chefs Alan Rusbridger im New Statesman wird dieser als The quiet evangelist vorgestellt. Der Text enthält nicht nur einen historischen Abriss über die Entwicklung der britischen Tageszeitung zu einer weltweiten Marke, er beschreibt auch die Antworten, die Rusbridger auf die Herausforderungen der Digitalisierung sucht: der Oberbegriff ist Open Journalism, der auf Austausch und Interaktion mit den Lesern beruht und Bezahlschranken ablehnt.

Ob Rusbridger damit auch finanziell Erfolg haben wird, stellt der Text in Frage. Wie er überhaupt die finanziell schwierige Situation des Guardian ausführlich beschreibt. Zeitung und Chef werden lesenswert porträtiert. Alan Rusbridger kommt am Ende zu dem Schluss:

The job is so different from when I started. Things move and change so fast that you can never settle.

via

Verfolgen Sie das!

Anfang Oktober hatte Alan Rusbridger angekündigt, dass er Ende November eine Rede über den Zustand des Journalismus halten wird. Diese Rede ist jetzt unter dem Titel The splintering of the fourth estate veröffentlicht worden – und sie ist lesenswert.

Sie enthält neben vielen klugen Ansätzen auch diesen Satz über Twitter

But saying that Twitter has got nothing to do with the news business is about as misguided as you could be.

Rusbridger begründet dies mit 15 Punkte, die begründen Why Twitter matters for media organisations:

1. It’s an amazing form of distribution
2. It’s where things happen first
3. As a search engine, it rivals Google
4. It’s a formidable aggregation tool
5. It’s a great reporting tool
6. It’s a fantastic form of marketing
7. It’s a series of common conversations. Or it can be
8. It’s more diverse
9. It changes the tone of writing
10. It’s a level playing field
11. It has different news values
12. It has a long attention span
13. It creates communities
14. It changes notions of authority
15. It is an agent of change

Bereits Ende September hatte ich in der SZ über die gestiegene Bedeutung von Twitter für den Journalismus geschrieben und dabei auch Peter Horrocks zitiert, einen anderen britischen Chefredakteur, der den Wert von Twitter lobt. Doch spätestens seit dieser Rusbridger-Rede sollten auch die Twitter-Skeptiker, mal einen Blick in dieses Universum werfen.

Werte des Journalismus

Wir sollten uns aber lieber darauf konzentrieren, wie es mit dem Journalismus weitergeht. Sollten uns mit den Werten des Journalismus auseinandersetzten, als uns immer wieder den Kopf zu zerbrechen, auf welcher Plattform dieser erscheint.

Der Guardian-Chef Alan Rusbridger hat in einem Interview in dieser Woche mal wieder sehr kluge Dinge über die Zukunft des Journalismus gesagt.

Rusbridger bei Charlie Rose

Good luck to him.

Der Guardian-Chef Alan Rusbridger ist im Interview bei Charlie Rose gewesen. Er spricht über die Zukunft der Branche, macht Werbung für seine Zeitung („it’s serious and it is international“) und äußert sich zur Frage von Paid Content und den Pläne von Rupert Murdoch auf diesem Gebiet. Dazu sein obiges Zitat.

In dem interessanten Interview wird auch Matthias Döpfner mit dem Begriff des Webkommunismus zitiert. Rusbridger reagiert darauf mit britischer Höflichkeit, widerspricht aber – wie schon an anderer Stelle geschehen.

via

Paid Content und der Zufall

„Wenn wir Artikel bepreisen und uns dem Diskurs entziehen, würden wir uns umbringen.“

In der taz berichtet René Martens von einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Lead Awards in der vergangenen Woche in Hamburg. Dabei äußert sich Spiegel-Chef Mathias Müller von Blumencron nicht nur mit obigem Zitat zur laufenden Debatte um Paid Content (vergleiche dazu auch die Ausführungen von Guardian-Chef Alan Rusbridger). Er lobte auch den Zufallsvermittler Chatroulette.

Da mir dieses Lob wiederholt in journalistischem Rahmen untergekommen ist (der Guardian hat unlängst sogar die Applikation GuardianRoulette gestartet), sei der Hinweis in eigener Sache gestattet: Bei jetzt.de gibt es diese Funktion schon ewig. Sie heißt Zufallsbekanntschaft und ist über die Startseite aufzurufen. Viel Spaß!


Disclosure: Ich arbeite als Redaktionsleiter von jetzt.de und war Mitglied der Online-Jury beim Lead Award 2010

Teil der digitalen Veränderung sein

Es ist für Zeitungen und den Journalismus eine erstaunliche Chance, wenn man die Möglichkeiten sieht, und ihnen offen gegenübersteht – wenn man Teil der ganzen digitalen Veränderung sein will, die beeinflusst, wie alle Menschen miteinander kommunizieren.

Alan Rusbridger spricht mit dem Standard über Paid Content und die Chancen der Digitalisierung für Medien. Dabei geht er auch auf die Entwicklung des aktiven Rezipienten ein:

Das Publikum reagiert und partizipiert, das ist zwar der schwierigste, aber zugleich auch der aufregendste Bereich. Man muss ein Teil dieser Welt sein und sollte sie nicht ablehnen, indem man Barrieren und Mauern rund um sich aufbaut.

Das ist unbedingt lesenswert. Rusbridger erklärt: „Wir müssen begreifen, dass Journalismus eher der Beginn eines Prozesses ist, anstatt dessen Ende“ und kommt zu dem Schluss:

Meine Aufgabe beim „Guardian“ sehe ich so, dass ich die Inhalte in der Form verfügbar machen muss, die sich die Leute wünschen.