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Vom Produkt zum Prozess – am Beispiel Porno

Bei Fusion hat Felix Salmon eine lesenswerte Betrachtung über den Wandel der Porno-Industrie geschrieben. Lesenswert ist sie deshalb, weil nicht wenige Menschen denken, dass die Porno-Industrie (und deren Verhältnis zu Technik&Digitalisierung) so eine Art Vorbote für Kultur und Medien ist.

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Insofern sind die Feststellungen, die Salmon in dem Text mit dem Titel How MindGeek transformed the economics of porn trifft, womöglich auch für diejenigen interessant, die sich für die Zukunft von Kultur und Medien interessieren:

… es gibt mehr Pornographie als jemals zuvor
… die Art der Bezahlung hat sich grundlegend verändert zu dem, wie die Branche bisher lief
… es gibt einen “dominant distributor” namens MindGeek, der sein Geschäft damit macht, das Netzwerk bereitzustellen, in dem Aufmerksamkeit zum zentralen Wert wird.
… das führt zu einem distributions-Dilemma für klassische Inhalteproduzenten („…in many ways the only thing worse than having your porn video pirated on Pornhub is not having your porn video pirated on Pornhub“)
… die Vermarktung der Aufmerksamkeit im Netzwerk gelingt ohne dass selber Inhalte hergestellt werden.
… die Inhalte werden nicht mehr als abgeschlossene Produkte monetarisiert.
… Produkte sind im Gegenteil Aufmerksamkeits-Werbung für andere Geschäftsmodelle.
… zentral für andere Ansätze ist der direkte Kontakt zwischen Produzent und Konsument. Denn das Netz als Verbindungsmedium entfaltet genau hier seine Qualität. In der direkten Verbindung – womöglich auch in Echtzeit.

Salmon selber vergleicht MindGeek, den dominant distributor der Porno-Branche, mit Amazon und dessen Rolle für die Buchindustrie. Es geht stets darum, Netzwerke aufzubauen, Leserdaten zu aggregieren und daraus Geschäfte zu entwickeln. Diese Veränderung lässt sich von der Porno- auf andere Industrien übertragen.

Fiete Stegers hat dazu unlängst den Journalismus-Forscher Jeremy Caplan zitiert, der vorhersagt: „Nur wenige große Medien werden direkten Zugang zu ihrem Publikum haben“ – eben wegen der dominent distributors.

Verfolgt man Salmons Analyse gibt es dazu wenig Alternativen – außer dem Weg, konsequent in digitalen Kategorien zu denken. Für mich heißt dies (z.B. aus „Eine neue Version ist verfügbar“ hergeleitet): es muss um diesen Wandel gehen…

Vom Dokument zum Dialog
Vom Werk zum Netzwerk
Vom Produkt zum Prozess
Vom Ergebnis zum Erlebnis
Von der Autorität zur Authentizität
Von der Standardisierung zur Segmentierung
Vom Content zum Kontext

Dieser Wandel beschäftigt mich derzeit sehr. Ich plane dazu ein neues Buch.