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Die Loyalität des Bastian Schweinsteiger

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Bastian Schweinsteiger verlässt den FC Bayern. Der Fußballer, der 17 Jahre für den Verein in München gespielt hat, wird in der nächsten Saison bei Manchester United unter Vertrag stehen. Das ist – nicht nur in München – eine Meldung, die viel Interesse auf sich zieht. Medien berichten über den Wechsel und auch die Medienmacher der Marke Bastian Schweinsteiger wissen das für ihre Zwecke zu nutzen. Sie haben einen Beitrag Werbespot produziert, der die aktuelle Meldung aufgreift und sie geschickt monetarisiert.

Darin haben auch die beiden Sport-Reporter Schauspieler Sebastian Hellmann und Wolff-Christoph Fuss einen Auftritt: Man hört wie sie ein Fachinterview spielen, in dem der eine dem anderen erklärt, warum Schweinsteiger ein super Typ ist – außerdem prophezeit er selbst erfüllend, dass die Fans sicher kein Problem haben werden mit Schweinsteigers Wechsel nach Manchester.

Schweinsteiger selber packt in dem Clip seine Sachen, schaut (ganz uneitel) im Fernsehen Szenen an, in denen er selber zu sehen ist, kritzelt Notizen auf einen Zettel und setzt sich zum Abschluss einen Kopfhörer auf die Ohren. Das alles ist vorproduziert, er spricht kein Wort, man hört nur die Stimmen der Journalisten Werbedarsteller aus dem Off.

Schweinsteiger selber meldet sich unter dessen auf Facebook zu Wort

Liebe Fans, ich möchte mich bei euch für die unglaublichen gemeinsamen Jahre beim FC Bayern München bedanken!Dear Fans, after 17 incredible years at FC Bayern, 15 national titles, winning the historical triple and uncountable other highlights that I was fortunate enough to experience with my incredible team, all you exceptional fans and the co-workers at Säbener Straße and Allianz Arena, I have decided to take a new career step. This decision was very hard to make because you and FCB have, are and will always be an extremely important part of my life. Nevertheless, I would like to again gain experience at a new club. My destination is Manchester United. I hope you understand my decision. No one can take away the incredible journey we had together. #MiaSanMia

Posted by Bastian Schweinsteiger on Sonntag, 12. Juli 2015

… und bedankt sich bei seinen Fans. Auf Facbook und auf seinen anderen sozialen Kanälen finden sich übrigens auch Fotos, die ihn mit den im Clip beworbenen Kopfhörern zeigen. Dass es ein anderes Modell ist, ist vermutlich dem Stress der vergangenen Tage geschuldet. Deshalb blieb wohl auch keine Zeit irgendetwas an der Homepage des Fußballers zu ändern: Dort stehen noch immer Trainingstermine des FC Bayern verlinkt. Aber die Homepage hat offenbar keine Priorität im Medienspiel des Bastian Schweinsteiger.

Ich habe das unlängst mal am Beispiel von Mario Götze notiert: Fußballer werden selber zu Medien. Im Falle von Schweinsteiger sieht man nun, wozu das führt:


… Sie nutzen aktuelle Aufmerksamkeits-Peaks um Werbung zu platzieren, die ganz anders daherkommt als klassische Spots alter Prägung
… Sport-Reporter spielen in diesem Spot mit – um sie authentisch wirken zu lassen und das Image des Fußballers zu heben: „Wenn man was nicht in Frage stellen kann, dann ist das die Loyalität von Bastian Schweinsteiger“, sagt der objektive Journalist Wolf-Christoph Fuss in dem Clip. Lässt allerdings offen, wem gegenüber Schweinsteiger loyal ist – und was er selber unter Loyalität versteht.
… Sie nutzen ihre eigene Reichweite um ihr Image zu bauen. Schweinsteiger spricht seine Fans direkt – ohne Umweg über klassische Medien – via Facebook an. Die Homepage hat dabei keinerlei Priorität.
… Die Verbindung zum Gegenstand der Werbung (Kopfhörer – „An deiner Seite“) ist in Schweinsteigers sozialen Kanälen klar erkennbar, er postet die Werbung aber nicht selber. Wegen des guten Timings übernehmen das schon andere (so wie ich hier) für ihn.


Update:
Christopher weist auf den Zusammenhang zu LeBron James hin.

Update 2: Bei Sport1 gibt es einige Hintergründe zum Ablauf der Werbung, die offenbar in einem Hotel in Köln (sic!) gedreht wurde (Hinweis von Thorsten Poppe)

Update 3: In der SZ gibt es in Interview mit dem Regisseur des Spots, der sagt: „Ich merke gerade bei Sportlern immer wieder: Wenn die verstehen, worum es geht, dann engagieren sie sich richtig für einen Spot.“

Redesign: Guardian und New York Times

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Gerade als ich die Meldung lesen wollte, dass die New York Times in der kommenden Woche eine umgestaltete Version ihrer Webseite veröffentlichen will, lud man mich dort ein, das neue Design anzuschauen. Ab 8. Januar wird das flexbile Layout (passt sich „responsive“ dem Kontext an, in dem es angeschaut wird) für jeden Nutzer sichtbar sein. In der zugehörigen Pressemitteilung der New York Times loben Chefredakteurin und die zuständige Produktchefin die effizientere Navigation (wurde auf der Homepage verschoben), schnellere Ladezeiten und vor allem mehr Platz für Bild, Video und interaktive Geschichten.

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Aber nicht nur die Homepage wurde verändert auch das Artikel-Layout ist nun responsive. Das sieht dann so aus (zum Vergrößeren bitte draufklicken)

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Das ganze ist aus unterschiedlichen Gründen interessant. Unter anderem weil mit dem gestalterischen Umbau bei der New York Times auch „native Advertising“ eingeführt werden soll – also Inhalte, die werblicher Art sind aber eine redaktionelle Anmutung haben. Ende Dezember hatte Artur Sulzberger Jr. das in einem internen Rundschreiben angekündigt.

Dieser Plan hatte zu einer kontroversen Debatte führt, die auch der Guardian begleitete – mit einem Artikel, den man hier auch in alten wie neuem Layout sehen kann. Denn auch die zweite große Zeitung im Web arbeitet gerade an einem responsive Design. In einer Alpha-Frühphase kann man diese neuen Entwürfe sehen (zum Vergrößeren ebenfalls draufklicken)

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