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„Ach, wir sind ganz glücklich über das Internet“ – Ein Zwischenfazit zu „A Forest“

Die Digitalisierung verändert Medien und Musik. Aber wie? Wird es besser oder ist die Musik bedroht? Man kann darauf zahlreiche Antworten finden, aber nur selten von Musikern. Fabian Schütze von der Band A Forest ist ein Musiker, der dazu etwas zu sagen hat (was man hier im loading-Fragebogen schon lesen konnte).

Jetzt ziehen „A Forest“ ein Zwischenfazit zu ihrem Projekt „I Am A Forest“ (hier als PDF laden) – u.a. im Radiointerview mit Radio Fritz. Weil ich das transparente Vorgehen der Musiker sehr spannend finde und die Musik mag, habe ich Fabian zum Fazit einige Fragen gemailt.

Vor über einem Jahr habt ein Manifest online gestellt. Darin erklärt Ihr „A Forest wird zum Labor“. Eine Band als Labor – warum das?
Weil was Neues auszuprobieren immer erstmal besser ist, als beim Altbewährten zu bleiben. Egal, ob das dann scheitert oder nicht. Weil das „Altbewährte“ in der heutigen Zeit sehr viel schneller als früher nicht mehr „altbewährt“, sondern überkommen ist.

Und welche Erfahrungen habt Ihr im vergangenen Jahr gemacht?
Viele Gute. Wir haben viel mehr Gespräch und Feedback mit Hörern, Unterstützern und Konzertbesuchern. Wir haben ein paar Sachen in unserem Selbstverständnis geändert und gemerkt, dass es sich lohnt, Sachen transparent zu machen und vorhandene Strukturen zu hinterfragen.

Gab es auch negative Erlebnisse?
Viel zu viel Arbeit. Und klar muss mal erstmal schlucken, wenn jemand das Angebot, das Album zum Pay-What-you-want-Preis, als Chance sieht sein Kleingeld in der Tasche zusammenkramen und es kommen 17 Cent raus. Aber damit muss man leben. Der Durchschnitt gleicht es aus.

In dem Clip zum Manifest sagst du an die Hörer gerichtet: „Kommentiert, fragt, ladet euch Samples und Spuren zum Remixen, seid Teil des Prozesses“. Haben das viele Leute gemacht? (Spielt es überhaupt eine Rolle, ob es viele Leute machen?)
Klar ist es auch wichtig, dass das Leute dann auch machen, aber sicher geht es überhaupt erstmal darum das Angebot überhaupt erstmal zu machen. Und jetzt haben wir mehr als 20 tolle Remixe und darüber hinaus tolle Leute kennengelernt, das Netzwerk ausgebaut und gestärkt.

Ihr versteht Musik nicht mehr als abgeschlossenes Produkt, sondern als Prozess, der weiterlebt. Das finde ich persönlich großartig. Welche Reaktionen habt Ihr auf diesen Ansatz bekommen?
Gar nicht soviel konkrete. Aber da zeigt sich, dass manche Sachen auch immer erstmal für einen selbst sind. Und das ist auch wichtig. Da den Druck rauszunehmen und wirklich zu begreifen, dass ein Song einem nicht gehört, sondern sich jeden Abend auf der Bühne verändert, man ihn problemlos neu bearbeiten kann, wenn man da Lust drauf hat, dass das auch jeder andere machen kann. Auch da gehts viel um die Möglichkeit an sich.

Ihr experimentiert viel und wollt den direkten Draht zu Euren Hörern. Trotzdem erscheint Eure neue EP „selbstverständlich auch auf Spotify und iTunes.“ Nach den Debatten der letzten Wochen um Streaming und Bezahlung von Musikern ist das nicht wirklich selbstverständlich. Warum macht Ihr es trotzdem?
Wenn die Leute Musik hören und das auf legalem Weg, dann finde ich das grundlegend gut. Und das mehr aktiv Musik gehört wird denn je, ist auch Spotify und Co zuzuschreiben. Wir mögen den Gedanken, dass jeder erstmal das Album hören kann. Deswegen finden wir Streaming gut. Im nächsten Schritt versuchen wir dann zu vermitteln, das es eventuell noch weitere und vielleicht auch bessere Möglichkeiten gibt, das Projekt zu unterstützen, wenn man es gut findet. Wir wollen auch nicht gegen die große, böse Industrie arbeiten, sondern den Hörern erstmal bessere Möglichkeiten anbieten. Und wenn man sich dann trotzdem für iTunes als Downloadmöglichkeit entscheidet, weil dort die ganze Musiksammlung liegt und das bequem ist, dann ist das absolut legitim.

Ich habe den Eindruck, dass Ihr sehr aktiv den digitalen Wandel der Musik mitgestalten und lernen wollt. Das ist sicher auch anstrengend. Wünscht ihr euch manchmal die gute alte Zeit zurück, von der ältere Musiker manchmal erzählen?
Ach, wir sind ganz glücklich über das Internet. Klar haben die in den 80er und 90er Jahren viel verdient, aber dafür auch nur eine handvoll Leute. Heute steht jedem erstmal der „Zugang zum Markt“ offen, und das ist gut so. Und ja, wir wollen das mitgestalten, das ist ein zentraler Gedanke.

Und wenn Ihr einen anderen Wunsch frei hättet: Was würdet Ihr – von der Politik, von der Industrie, vom Publikum, von wem auch immer – wünschen?
Strukturförderung ist sicherlich ein Stichwort an die Politik. Popkultur fällt schon immer noch hintenrunter, trotz Initiative Musik oder lokalen Initiativen, die in den letzten Jahren dazugekommen sind. Vom Publikum und Presse wünschen wir uns weiter den Blick über den Tellerrand und freuen uns über jeden, der bewusst konsumiert.

Eine Prognose bitte: Wie geht das weiter mit der Musik und der Digitalisierung?
Zum einen wird es glaube ich erst in den nächsten Jahren wirklich dazu führen, dass die Möglichkeiten und Digitalisierung echte innovative und neue Genres hervorbringen, dass Devices und Vertriebswege auch die Herstellung, den Konsum, die Konzerte und die Art und Weise von Musik nennenswert verändern. Da ist nämlich bislang gar nicht so viel. Ein Konzert ist ein Konzert, Musikhören über Smartphones auch nichts anderes als Kassetten im Walkman, Songs sind immer noch 3 1/2 Minuten lang. Wir werden dazu bei Analogsoul (dem Kollektiv hinter der Band) im nächsten Jahr ein Projekt anschieben, das sich auch diesen Fragen stellt.

A Forest sind ab Oktober wieder auf Tour, dabei spielen sie sicher auch Songs ihrer neuen EP 5 Fruits / The King Speechs, die man auch auf Spotify und iTunes anhören kann.

Der Anfang, nicht das Ende

sufjan

Nächsten Dienstag erscheint „Carrie & Lowell“, das neue Album von Sufjan Stevens. Eine tolle Platte. Woher ist das weiß? Ich kann sie hier anhören – bevor ich sie kaufen kann. Man kann sie auf Website vorbestellen

Pre-order of Carrie & Lowell. You get 2 tracks now (streaming via the free Bandcamp app and also available as a high-quality download in MP3, FLAC and more), plus the complete album the moment it’s released.

Das klingt toll – nur: Wann ist der Zeitpunkt, an dem das Album veröffentlicht wird? Laut Shop am 31. März. Das stimmt aber nicht, es ist ja schon da. Ich höre es gerade im Moment. Es ist öffentlich.

Ich habe am Beispiel des Tocotronic-Albums und der Niels-Frevert-Platte bereits meinen Zweifel an der Veröffentlichungspolitik formuliert. Bei „Carrie & Lowell“ fiel mir nun auf, worauf sich mein Problem damit gründet: Beim klassischen Umgang mit Alben, steht deren Veröffentlichung am Ende einer aufwändigen Aufmerksamkeitsarbeit. Das Werk ist nicht Mittel-, sondern Ziel- und Endpunkt einer Dramaturgie, der Spannungsbogen ist auf den Veröffentlichungstermin gespannt, danach endet die Aufmerksamkeitsarbeit. Dabei könnte sie doch genau dann beginnen: Wenn das Werk zum Netzwerk wird, wenn das Album im Mittelpunkt einer vernetzten Struktur gedacht wird, ist es der Startpunkt für Aufmerksamkeitsarbeit.

Man muss gar nicht über Versionen sprechen, um zu erkennen: Hier geht um Digitalisierung. Kultur wird zu Software, vom Werkstolz zum Netzwerkstolz, vom blanken Content zum Kontext, vom End- zum Mittelpunkt. Damit das gelingt, braucht man keine technischen Lösungen oder komplizierte Erweiterungen, man braucht einen anderen Blick auf das Werk.

Pure Vernunft darf niemals siegen!!!

Ich bin Tocotronic-Fan! (steht auch hier) Ich gebe gerne Geld für die Band aus und ich freue mich stets, wenn es Neues von Tocotronic gibt. Und so war ich einigermaßen aufgeregt als ich heute früh auf der Facebook-Seite vom Zündfunk den Hinweis erhielt, es gebe „die neue Tocotronic“. Das Lied heißt „Prolog“ und erscheint am 6. März. Ich habe am Beispiel von Niels Frevert (dessen Album ich mir dann in der Tat nicht kaufte) unlängst gezeigt, dass ich diese Vorab-Info für kontraproduktiv weil irrwitzig undigital halte. Wenn die Info in der Welt ist, bin ich auch bereit auf den „kaufen“-Button zu klicken. Sofort!

Im Fall von „Prolog“ geht das Undigitale aber noch irrwitziger weiter. So dass man geneigt ist zu sagen: „Ich bin Fan von Tocotronic – trotz ihrer Plattenfirma.“

prolog_zuendfunk

Denn der Zündfunk-Hinweis lief ins Leere. Bei Putpat gibt es jede Menge schlechte Musik, ganz viel Werbung (ich habe zwei Limp Bizkit-Songs ansspielt bekommen und habe drei Werbespots komplett anschauen müssen) und eine dämlich App, die ich installieren muss. Den Tocotronic-Song gibt es da aber nicht (mehr).

Also machte ich mich auf die Suche und landete auf einer Seite der Plattenfirma, die nicht weniger als ein Schlag ins Gesicht eines Kunden ist. Ich stehe also vor der Universal-Tür mit dem unbedingten Wunsch, den Song „Prolog“ der Band Tocotronic zu kaufen und bekomme das hier:


prolog_tocotronic

An vier Stellen wird mir auf dieser Seite, die mit „Produktdetail“ überschrieben ist, der Mund wässrig gemacht und der irrige Eindruck erweckt, ich könne jetzt endlich Geld ausgeben für Tocotronic. Stimmt aber nicht. Ich habe die vier Stellen markiert, an denen ich verarschtwirrt werde.

1 Ein Play-Button! Direkt neben dem Song-Titel. Da klicke ich drauf. Ist ja klar, dass ich da … einen Reload der Seite erzeuge. Wer erwartet denn bitte bei einem Play-Button, dass dann auch etwas abspielt? Nur dumme Internet-Heinis. Echte Plattenfirma-Experten wissen, dass der Rechtspfeil das amtliche Zeichen für „lade diese Seite nochmal neu“ ist. Ich lerne: der wichtigste Link auf dieser Seite führt- auf diese Seite!

2 Eine Bestellnummer! Das ist wichtig, gibt mir als Kunde das gute Gefühl, dass hier jemand alles im Griff hat. Wer die Ziffer „00602547207654“ auf eine Seite bringt, kriegt doch sicher eine Bezahlmöglichkeit hin. Dieser Eindruck wird durch den Einsatz von Logos bekannter Musikanbieter noch verstärkt. Ein Spotify-Button und einer von iTunes. Wenn das kein Hinweis auf eine Hör-/Kauf-Möglichkeit ist … Stimmt aber nicht. Denn: Ich lerne, dass irgendwer bei der Plattenfirma tatsächlich dumm auf das Suchergebnis „Prolog“ bei iTunes und Spotify verlinkt. Dabei handelt es sich um ein Produkt von Lochman Records aus dem Jahr 2011.

3 Noch ein Streaming-Button! Daneben das Versprechen, „die Musik in voller Länge zu genießen“. Nochmal verarscht. Denn auch hier wird konsequent auf das Fremdprodukt mit gleichem Namen verlinkt. Auch in Spotify ist der „Prolog“ genannte Sampler verlinkt. Ich lerne: Der erste Song heißt „Pfütze auf der Wäschewiese“ und gefällt mir nicht.

4 Ein „Download“-Button. Eine Kaufoption! Ich bin aufgeregt, klicke, warte und … lande wieder auf der feuchten Wäschewiese von Lochman Records. Ich lerne: Hier will man mir den neuen Song von Tocotronic nicht verkaufen!

Fassen wir zusammen, wer bisher von der Aufmerksamkeit profitiert hat, die ich dem neuen Tocotronic-Song entgegen bringen wollte: das merkwürdige PutPat-TV, deren Werbepartner und die Band Limp Bizkit, die dort gestreamt wird. Außerdem die Online-Abteilung der Plattenfirma, die zwar nicht in der Lage ist, den korrekten Song zu verlinken, aber ihren Referrer übergibt – also vermutlich auswertet, dass ich auf ihre falschen Links geklickt habe. Und vielleicht hat auch Lochman Records profitiert, weil ein vier Jahre alter Sampler plötzlich Aufmerksamkeit bekommt.

Leer geht allerdings die Band aus, für deren Musik ich mich interessiere. Und warum? Weil Pure Vernunft diesen „Release“ regiert – in Person der Idee, die Veröffentlichung eines Songs selber bestimmen zu wollen. Auch wenn der Songs schon draußen ist und zwar so draußen, dass der Zündfunk ihn verlinkt. Vielleicht würde ich den Song sogar in diesen bösen dunklen Ecken des Web finden, auf die Plattenfirmen immer zeigen, wenn es um die Krise ihrer Industrie geht, statt in ihren Online-Abteilungen Link-Schulungen zu geben. Um das rauszufinden, bin ich aber jetzt zu müde – und enttäuscht. Denn irgendwie hatte ich gehofft, dass zumindest die Guten im Jahr 2015 ein klein bisschen weiter wären …

UPDATE: Dirk von Lowtzow von Tocotronic hat mir eine Mail auf den Blogpost geschickt – und sich entschuldigt. Obwohl er mit dieser Seite ja gar nichts zu tun hat!

Das mit dem Glücklichsein

Niels Frevert hat ein neues Album gemacht. Das weiß ich, weil ich irgendwann mal auf „gefällt mir“ auf der Facebook-Seite des Mannes geklickt habe, der in einem anderen Jahrhundert das Lied von „Evelin“ (und einige andere tolle) sang – was mir gefiel als man noch nicht „gefällt mir“ klickte.

frevert
Über den Facebook-Stream wurde ich also auf die Neuveröffentlichung vorbereitet – und seit heute steht nun der Song „Das mit dem Glücklich sein ist relativ“ auf YouTube. Er ist eine Art Vorbote für das Album „Paradies der gefälschten Dinge“, das am 22. August erscheint und von dem ich diese Woche auf Spiegel-Online gelesen habe, dass Andreas Borcholte es schon hat. Von den aktuell rund 300 Youtube-Aufrufen der „ersten Single“ habe ich jetzt relativ viele selber getätigt, weil ich das Lied tatsächlich sehr schön finde und Borcholtes Urteil traue, der schreibt: „songschreiberisch bleiben nach dem viel zu frühen Tod Nils Koppruchs nur noch internationale Vergleiche: Ed Harcourt etwa, oder William Fitzsimmons, die wie er mit großer Lakonie und Melancholie nach Schönheit und Wahrhaftigkeit suchen in dem großen Heuhaufen, in dem sie selbst die Stecknadel sind.“

Leider finde ich diese Stecknadel aber gerade nirgendwo. Auf Spotify gibt es den Song (geschweige denn das Album) gar nicht, auf iTunes kann ich Album und Song vorbestellen (Erwartet am 22. August), aber jetzt sofort ist der Song nicht verfügbar. Was ja nicht stimmt, denn auf YouTube ist er ja. Es gibt ihn schon, er muss nicht gepresst, auf LKW geladen oder verschifft werden. Er wird mir künstlich vorenthalten – vermutlich weil man das früher mal so machte bei der Album-Promo. Weil man Aufmerksamkeit aufbauen, Vorfreude erzeugen wollte. Heute führt es zum Gegenteil: ich würde es Vorärger nennen.

Denn in Wahrheit haben mich Künstler und Plattenfirma schon: Ich bin interessiert, ich mag das Produkt, ich würde es kaufen. Was mehr kann man verlangen? Was mehr kann bis zum 22. August passieren als das: Ich werde das vermutlich tolle Album vergessen. Jetzt kann man sagen: „Selber schuld, wenn der sich nicht mal für eine Woche was merken kann, hat er es auch nicht verdient, das Album zu hören.“ Man kann sich aber auch die Frage stellen, ob diese Form der Album-Promo nicht einfach aus einer anderen Zeit stammt. Warum nutzt Grönland-Records, wo das Album erscheint, nicht den Zauber der digitalen „Sofortness“ (wie Sascha Lobo es in Referenz auf Peter Glaser nennt) im Sinne der Musik?

Denn die ist wirklich gut – kauft sie Euch, wenn man Euch lässt!

loading: Rock Bottom

In den Projekten, die im loading-Newsletter vorgestellt werden, geht es immer auch um Kunst und Geld. Im Fall von Rock Bottom ist das auch das inhaltliche Thema. In der „Rock Bottom – Songs of no money“ genannten Dokumentation stellen Marc Helfers und Martin Groß die wahren Helden des weltweiten musikalischen Untergrunds vor. Dass es dabei nicht immer um die großen Bühnen und das große Geld geht, verrät bereits der Untertitel, der den Film als eine „feature documentary about poverty and Rock´n´Roll“ beschreibt.

Ich habe Martin Groß den loading-Fragebogen geschickt.

Was machst du?
Mein Kollege Marc Helfers und ich betreiben die Neue Stereo Filmproduktion. In unserer täglichen Arbeit werden wir von Plattenfirmen, Musikern, Veranstaltern, ect. gebucht um Musikvideos oder auch dokumentarische Arbeit für Promonutzung, Bonus DVDs, etc zu produzieren.
Das ist auch super und macht Spaß, aber mit dem Projekt „ROCKBOTTOM – Songs of no Money“ wollen wir mal auf die andere Seite gucken. Dahin, wo es eben keine Plattenfirma und kein Geld gibt, aber trotzdem viel Talent der Musiker, die wir portraitieren wollen. Deshalb sind wir jetzt bei Indiegogo

Warum machst du es (so)?
Das schliesst nahtlos daran an. Wir haben halt keinen Auftraggeber für das Projekt und wollen zum jetzigen Zeitpunkt auch gar keinen haben. Es soll ein freies Projekt sein und an der Geschichte ausgerichtet sein. Nicht daran, dass wir irgendwelche Bedürfnisse von Kunden erfüllen müssen. Deshalb bitten wir die potentiellen Zuschauer des Films um Unterstützung für die sie aber auch etwas bekommen. Zum Beispiel den fertigen Film im nächsten Jahr oder auch einiges andere…

Wer soll das anschauen?
Den Film sollen sich dann alle angucken, die sich für Musik interessieren und gerne abseits des Mainstreams und der ausgetretenen Pfade bewegen.

Wie geht es weiter?
Die Kampagne läuft nun seit ein paar Tagen. Wir haben sehr positive Resonanz von Medien, Blogs, Radiosendern, etc, die darüber berichten und berichten werden und machen diesbezüglich weiter Wirbel…
Zudem sammeln und verbreiten wir Unterstützer-Botschaften von Musikern mit denen wir sonst arbeiten und die das Projekt gut finden: Maxim, Tocotronic, Malia, Andreas Bourani, Erik Langer von Kettcar, Josephine und einigen anderen interessanten und prominenten Menschen aus unserem Umkreis,.B. Katharina Schüttler oder Hartje Andresen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Es hängt an so vielen Faktoren, ob Musiker (und letzlich auch andere Künstler) kommerziell erfolgreich sind und nicht in erster Linie am Talent. Wir halten die Musiker aus unserem Filmvorhaben für sehr talentiert und glauben, dass sie eine größere Bühne verdient haben. Vielleicht ist es aber als Künstler auch grade gut, nicht kommerziell erfolgreich zu sein
und in die damit verbundenen Zwänge zu geraten…? Wir gehen mit dem Film unter anderem auf die Suche nach dieser Frage…

rockbottom

>>> Hier Rock Bottom auf Indiegogo unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:



loading: I Am A Forest

In den vergangenen Wochen habe ich in Bezug auf mein Buch „Eine neue Version ist verfügbar“ ein sehr schönes Erlebnis gehabt, das ich hier teilen und mit einer Bitte versehen will. Ich bin auf Menschen gestoßen, die das Buch nicht nur gelesen haben, sondern die Ideen darin in die Tat umsetzen: die Leipziger/Hamburger Band A Forest hat das Projekt I Am A Forest gestartet, über das sie auf der Website schreiben: „Die Bedingungen der Produktion und Distribution von Musik haben sich in den vergangenen 20 Jahren grundlegend verändert. Die größte Herausforderung dabei steckt nicht in der Technik, in MP3s oder Filesharing, sondern in unseren Köpfen. Wir, als Künstler, Produzenten und Vermarkter, müssen neue, passendere Wege finden, Musik unter digitalen Bedingungen zu veröffentlichen. I AM A FOREST ist ein Beitrag zu dieser neuen Kultur. Wir folgen sich neue Wege bahnenden Flüssen, lassen uns mitnehmen, lassen teilhaben.


Ich finde das Projekt ganz großartig und möchte es jedem sehr ans Herz legen. Nicht nur, weil ich Ideen aus Eine neue Version ist verfügbar in dem Projekt wieder erkenne, sondern weil A Forest neben kreativen neuen Ansätzen auch ganz einfach sehr schöne Musik machen. Deshalb habe ich Fabian Schütze den loading-Fragebogen geschickt, den er hier beantwortet.

Was macht ihr?
Mit dem Projekt I AM A FOREST versuchen wir ein neuen Weg zu gehen, wie man Musik machen, veröffentlichen und konsumieren kann. Ein Weg, der den Gegebenheiten des digitalen Zeitalters gerecht wird, den Hörer Ernst nimmt, neue Ideen mit einbezieht und uns als Musiker das machen lässt, was wir wollen, lieben und können: Musik.

Warum macht ihr es (so)?
Wir sind unabhängige Musiker, gefangen in einem sehr starren System, das von wenigen großen Firmen kontrolliert wird. Die „alte“ Idee physische Tonträger zu in möglichst hohen Auflagen zu pressen, dem „Kunden“ ein fertiges Produkt mit viel Werbedruck zu verkaufen und ein Jahr später das nächste Album anzudrehen, ödet uns an. Die Menschen kaufen Musik als Mp3 bei iTunes, hören selbst zusammengestellte Playlisten auf Spotify, gehen auf Konzerte, wollen teilhaben. Wir möchten Musik machen, sie live spielen, mit den Leuten direkt in Kontakt kommen. Dass es dafür eine neue Idee braucht, dass diese Idee ohne internationale Großkonzerne funktioniert, dass man Musikbusiness auch anders, unabhängiger und unter Einbeziehung der Leute, die es möglich machen, nämlich Hörer und Konzertbesucher machen kann, versucht I AM A FOREST zu beweisen.

Wer soll das anhören?
Grundsätzlich jeder, der sich für Musik abseits des Mainstreams interessiert. Für diejenigen, die tiefer tauchen wollen, sich für den Prozess interessieren, teilhaben wollen, versuchen wir interessante Anknüpfpunkte zu bieten.

Wie geht es weiter?
Wir denken langfristig. Wir wissen, dass es am Anfang erstmal alles sehr kompliziert klingt, wir wissen, dass die Presse uns nach dem Tag der Albumveröffentlichung fragen wird und CDs bestellt. Obwohl diese Dinge mit I AM A FOREST für uns weit in den Hintergrund treten. Wir werden das unter allem Umständen so weiter machen. Wir treffen uns in einem Jahr und schauen uns an, was passiert ist. Mit uns. Mit der Musik. Mit der Welt.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dass von einer CD, die 16,99 Euro auf Amazon kostet, höchsten 2,50 Euro beim Künstler ankommen. Dass 10 Euro für ein Konzertticket nicht 10 Euro für die Band sind. Dass Musik machen und davon leben wollen eine harte Sache ist. Dass es nichts Besseres gibt.

>>> Hier I Am A Forest unterstützen

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Wie verdient man in digitalen Zeiten mit Kultur Geld?

Diese Video stammt von Ryan Leslie – und selbst wenn man den Text nicht genau verfolgt, sondern nur die Bilder anschaut, wird schnell klar: Dieser Mann legt durchaus Wert auf Geld. Der Song heißt „Swiss Francs“ und handelt davon, wie man Geld auf Schweizer Bankkonten bunkert.

Man muss sich diese Szenen vor Augen halten, wenn man Leslies Antwort auf die Frage liest: „Wie verdient man in digitalen Zeiten mit Kultur Geld?“ Der Rapper sagt: Indem man mit seinen Fans in Kontakt steht

So merkwürdig wie das klingen mag: alles, was ich tue, mache ich mit Hilfe meines iPhones, über das mein Publikum mich direkt erreichen kann – per Mail, SMS oder telefonisch.

Leslie hat das in einem Interview über die Zukunft des Musik-Business (Snowfall-Lesetipp dazu hier) gesagt. In dem Gespräch erklärt er, warum er Facebook, Twitter und Instagram für weniger geeignet hält, weil sie ihm den wirklich direkten Kontakt zu seinen Fans versperren. Deshalb werde er sein neues „Black Mozart“ betiteltes Album auch nicht bei iTunes verkaufen. Weil ihm dort der Zugang zu den Fans versperrt sei, die für sein Album Geld ausgeben. Eben diejenigen wolle er aber erreichen, um sie zu informieren, dass er jetzt auf Tour gehe. Denn genau hier liege der Wert in Zeiten digitaler Kultur: im direkten Austausch mit denen, die für Inhalte Geld ausgeben wollen. Der Inhalt alleine reiche nicht mehr:

The minute it’s digital, it’s free. Folks that still support it, despite the fact that they can get it for free, those are the people I’m concerned with, those are the people who are enabling and empowering me to continue to create. I think more artists should be thanking the people who support them. They’d probably have longer careers

In diesem Zitat liegen für mich mehr digitale Implikationen als in der bisherigen Spiegel-Debatte zur Zukunft der Tageszeitung. Ryan Leslie geht davon aus, dass die Digitalisierung von Inhalten diese sehr grundlegend verändert und dass jedes digitale Geschäftsmodell auf diese Veränderung reagieren muss. Inhalte übers Netz zu verbreiten bedeutet eben nicht nur einen weiteren Verbreitungsweg zu wählen. Inhalte zu digitalisieren bedeutet, sie in einen neuen Aggregatzustand zu überführen. In „Eine neue Version ist verfügbar“ habe ich das mit dem Bild des Eisblocks zu beschreiben versucht, der auftaut. Wir stehen stauend davor und glauben, das Eis sei verschwunden. Dabei ist es natürlich weiterhin da, aber in anderer Form: es ist flüssig.

Meiner Einschätzung nach, entstehen Zukunftsentwürfe für die Tageszeitung und überhaupt für Geschäftsmodelle im digitalen Raum dort, wo man beginnt, die Eigenschaften der Flüssigkeit zu analysieren statt über die Beschaffenheit von Eis zu sprechen. Konkret heißt dies für mich: Wir dürfen nicht immer nur über das Produkt reden. In der Zeitungsdebatte gehen alle Autoren davon aus, dass es vor allem um neue Verbreitungswege des gleichen Produkts ginge. Einige Diskutanten ergänzen dann Eigenschaften des Produkts, die sie sich wünschen. Darüber kann man lange diskutieren, ich glaube aber, dass dies eine analoge Debatte ist. Und das meine ich in dem Sinn, wie Khoi Vinh es zusammengefasst hat:

“Analog media is a document. Digital media is a conversation.”

Die Frage ist für mich vielmehr: Was dokumentieren analoge Medien? Wer darauf eine Antwort sucht, ist – so denke ich – näher an Entwürfen für Geschäftsmodelle im digitalen Raum als diejenigen, die eine analoge Debatte ins Netz tragen wollen. Digitale Medien sind Dialog. Sie schaffen ihren Wert – so würde ich es sagen – im Erlebnis, in der Teilhabe, im unkopierbaren Moment des (gemeinsamen) Erlebens. Dieses Erleben – so beschreibe ich es in Enviv – ist vergleichbar mit einem Fußballspiel. Menschen schauen sich Live-Spiele an, weil sie an einem besonderen, unkopierbaren Moment teilhaben können. Natürlich entsteht der nur, weil es vorrangig um das Resultat des Spiels geht. Dass Menschen sich für den Sport begeistern (und bezahlen), gelingt aber nicht, indem man die Spielergebnisse verändert und versucht, diese zu verkaufen. Diese Begeisterung entsteht, wenn Menschen dabei sein können, wie Resultate produziert werden. Sie werden eingebunden in den Entstehungsprozess, was Begeisterung auslöst und einen Qualitätsnachweis in sich trägt.

Um die Debatte wirklich voran zu bringen, müsste man also den Blick heben und statt nur auf das Produkt auch auf den Prozess schauen, wie ich es auf kleiner Ebene mit „Eine neue Version it verfügbar“ versucht habe. Ryan Leslie zeigt, wie das im gewünschten Gehaltsgefüge Schweizer Banken gehen könnte.

Soziale Charts – hören und gesehen werden

Der Streamingdienst Spotify bietet seit ein paar Tagen eigene Charts an. Diese Hitlisten werden auf Basis der wirklich gehörten Songs in dem Dienst ermittelt. Das ist ein großer Unterschied zu klassischen Charts, bei denen der Kauf bzw. der Download eines Songs als zu wertende Einheit gemessen wird. In einer zweiten Ansicht ermittelt Spotify zudem so genannte Social-Charts, bei denen die Rangliste auf Basis von Empfehlungen in sozialen Netzwerken ermittelt wird.

In beiden Ansichten ergibt sich eine aus unterschiedlichen Gründen spannende Differenz. Spotify galt in der Debatte um so genannte Social Reader stets als positives wie gruseliges Vorbild: „Will ich denn dass alle wissen, was ich höre?“ lautet die Standard-Frage, wenn man über die Funktion von Spotify spricht, dem Facebook-Freundeskreis automatisch offen zu legen, was man hört. Genau dieses Prinzip nutzten auch so genannte Social Reader wie vom Guardian oder der Washington Post.

Man spricht vom frictionless sharing um zu beschreiben, dass Interaktionen wie Lesen oder eben Hören bruchfrei mit anderen geteilt werden. Die Sorge dabei: Andere könnten wahrnehmen, dass man irgendwie peinlich oder sozial unerwünschte Inhalte konsumiert. Diese Vorgeschichte sollte man kennen, wenn man die beiden unterschiedlichen Spotify-Charts dieser Woche anschaut.

Die Spotify 50 genannte Hitliste der am häufigsten gestreamten Songs führt der Song Can’t Hold Us von „Macklemore & Ryan Lewis“ an.

spotify50

Das ist die Hitliste der wirklich gestreamten Songs in Spotify. Darin enthalten: Imagine Dragons, Daft Punk, Calvin Harris, Capital Cities, Justin Timberlake. Ohne mich wirklich auszukennen: Das ist massentauglicher Pop, mit dem man sich zwar nicht als totaler Popstreber, aber eben auch nicht als vollständiger „und die Hits von heute“-Allesfresser outet.

Vor allem nicht, wenn man dagegen die Social-Charts anschaut – also jene Songs, die in der vergangenen Woche am häufigsten im deutschen Spotify empfohlen worden:

social

Diese Liste ähnelt schon eher dem, was in den klassischen Charts vorne steht: Diese werden wie auch die Social-Charts von Beatrice Eglis „Mein Herz“ angeführt. Darüberhinaus teilten die Nutzer auch Songs von Peter Wackel, SpongeBozz und Lisa Wohlgemuth – die allesamt nicht dazu angetan sind, soziale Distintion im positiven Sinn zu fördern. Aber vor allem finden sie sich weder in den klassischen Charts noch in den Streaming-Top10 von Spotify.

Die Wertung soll jeder für sich vornehmen: Die zufällige Stichprobe aus einer Woche legt jedenfalls aus meiner Perspektive keinesfalls den Verdacht nahe, dass Menschen vor dem sozialen Hintergrund des Empfehlens lediglich das öffentlich machen, was sozial erwünscht scheint. Im Gegenteil: Mir erscheinen die Social-Charts im Vergleich zu den klassischen und den gestreamten Hitlisten im plattesten Sinn des Wortes als Mainstream.