Alle Artikel mit dem Schlagwort “magazin

loading: RLY

Hä!? Eine Klasse der Deutschen Journalistenschule macht Crowdfunding? Genau, die Macher der Facebookseite RLY begleiten ihr Printmagazin mit einer Aktion auf Startnext. Die Hintergründe dazu erläuert Vanessa Vu im loading-Fragebogen.

Was macht ihr?
Wir sind 15 Nachwuchsjournalisten von der Deutschen Journalistenschule in München (DJS). Wir wollen Leute mit Journalismus erreichen, die sich sonst eher durch lustige Sprüche-Seiten klicken. Deshalb haben wir die Facebook-Seite RLY gegründet. Wir kitzeln das aus den News, was einfach nur RLY ist und posten es als Spruchbild. Unsere Quellen verlinken wir direkt. Seit Juli haben wir über 3.600 Fans gesammelt. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter und bieten unseren Fans den Longread an: ein Print-Magazin namens „RLY“ mit eigenen Geschichten. Für den Druck und Versand brauchen wir aber Hilfe.

Warum macht ihr es (so)?
Wir glauben nicht, dass Online immer der Feind von Print sein muss. Wir wollen zeigen, dass beides voneinander profitieren kann. Unser Print-Produkt soll durchs Internet überhaupt erst möglich gemacht werden. Ob das Experiment klappt, werden wir in den nächsten Wochen herausfinden.

Wer soll das lesen?
Wir wollen mit dem HÄ-Magazin nicht nur die üblichen Magazin-Leser erreichen, sondern Leute, die sich durch Instagram und 9gag klicken. Es sind Leute, die einfach gern „Hä“ sagen. Die das WTF-Gefühl feiern. Die auch im Zeitalter permanent zugänglicher Unterhaltung Lust auf relevante, aktuelle Infos haben.

Wie geht es weiter?
Bis zum 17. November kann sich jeder auf Startnext sein RLY-Magazin mit einem Dankeschön sichern. Mit dem Geld finanzieren wir Druck und Versand. Im Dezember verschicken wir das Magazin.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Als junge Journalisten hören wir oft, wir hätten kein Interesse an Qualtiätsjournalismus – und ließen uns von Klickzahlen verführen. Das sehen wir anders. Wir lieben gute Geschichten. Nur bei den Darstellungsformen sind wir weniger dogmatisch. Gute Geschichten stecken in jeder RLY-Spruchtafel auf Facebook und hinter jedem krassen Titel im RLY-Magazin. Das Magazin handelt von großen Fragen: Wo ist die Grenze zwischen Mensch und Tier? Warum riegeln wir plötzlich unsere Ländergrenzen ab? Und warum riskieren Leute für ein cooles Selfie ihr Leben?

>>>> Hier das Projekt auf Startnext unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


loading: Päng!

Mit der Unterzeile „Für die Wirklichkeit gibt es keinen Ersatz“ hat das Magazin Päng! für einige Aufmerksamkeit gesorgt. Jetzt wollen die Macher die nächste Stufe zünden und haben vor kurzem eine Startnext-Aktion begonnen: Unter startnext.de/paeng-magazin können Leserinnen und Leser die Entwicklung des Magazins unterstützen.

Paeng-Chefin Josephine Goetz hat den loading-Fragebogen beantwortet:

Was macht Ihr?
Wir sind die Macher vom Päng!Magazin. Ein neues Heft, das entspannt und zum Träumen einlädt. Ein ehrliches Magazin. Wir stecken sehr viel Zeit und Liebe in dieses Heft.

Warum (macht Ihr es so)?
Es gibt ein Riesenangebot an Heften. Aber die Päng! – die gab es so noch nicht. Mit Freude sehen wir, wie vielseitig die Menschen sind, die sich für Päng! begeistern. Eigentlich fällt uns niemand ein, dem es nicht gefällt, wenn er es einmal in der Hand hatte. Das zeigt uns, dass es sich lohnt, für dieses Heft zu kämpfen. Dafür, dass wir mehr Hefte drucken und den Vertrieb aufbauen können, dass noch mehr Leute von Päng! erfahren und vor allem, dass sie das Heft auch finden, wenn sie sich einmal dafür interessieren.

Wer soll das anschauen?
Zeitschriften sind zum Träumen da, zum Zurücklehnen und und um sich eine gute Zeit zu machen. Wer das mit Päng! kann und darauf in Zukunft nicht verzichten will oder jetzt dazu Bock bekommen hat – den laden wir jetzt ein, mitzuentscheiden und mitzufiebern!

Wie geht es weiter?
Dass es mit dem neuen Heft raketenmäßig weitergeht – dafür brauchen wir Eure Unterstützung. Vor wenigen Tagen haben wir unsere Crowdfunding-Aktion auf startnext gestartet. Schon ab 5 € kann man uns unterstützen & dafür Päng!Pate werden und Prämien abgreifen. Wenn nur jeder 4. unserer Community mitmacht, haben wir es geschafft und sorgen dann dafür, dass mit dem erreichten Geld am 04. Juli eine bombastische Päng!#5 erscheint.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Die ganze Aktion im Überblick findet man hier: Die Prozedur ist total einfach, man muss keinen Account anlegen und kann zwischen den unterschiedlichsten Unterstützungs-Möglichkeiten wählen. Auch völlige Anonymität ist möglich!
Da die Crowd vom Mitmachen lebt, gibt es zusätzlich ganz einfache Möglichkeiten, um zu zeigen, dass man mit an Bord ist. Liket unsere Fanpage und helft uns damit noch mehr Menschen zu erreichen. Auch unser Video freut sich sehr, durch Teilen in die Welt da draußen getragen zu werden. Wir danken allen für Zeit & Ohr.

>>> Hier kann man Paeng! auf Startnext unterstützen

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


loading: Das Buch als Magazin

Heute kommt „Das Buch als Magazin“ ans Kiosk, ein 120-seitiges Heft, das sich nicht entscheiden will, wie man es verstehen soll: als Buch, als Magazin oder eben als Buch als Magazin. Ich finde die Idee so charmant und die Umsetzung so toll, dass ich dieses mutige Projekt als erstes in meinen loading-Porträts vorstellen will. Die beiden Erfinder Joanna Swistowski und Peter Wagner sind Kollegen – deshalb bin ich vielleicht befangen, deshalb kann ich umgekehrt aber auch zweifelsfrei bezeugen: Sie machen das gut und mit sehr viel Herzblut. Die besten Voraussetzungen, um hier vorgestellt zu werden.

Was macht ihr?
Wir machen „Das Buch als Magazin“, ein neues Heft, das seit 5. Februar an Bahnhofs- und Flughafenkiosken ausliegt, das man aber auch direkt bei uns auf dasbuchalsmagazin.de kaufen kann. Die Idee dahinter ist leicht erklärt: Im ersten Teil jeder Ausgabe drucken wir einen Literaturklassiker, im zweiten Teil stehen journalistische Geschichten aus der Gegenwart, die sich in irgendeiner Form auf eben diesen Klassiker beziehen. In der ersten Nummer drucken wir „Die Verwandlung“ von Franz Kafka. Der Text über Gregor Samsa, der eines Tages als Käfer erwacht, ist gestaltet wie eine Reportage und wird von Bildern des Wiener Fotografen Lukas Gansterer begleitet. Außerdem schreiben wir Geschichten über einen Vater-Sohn-Konflikt, über den Schock nach dem Tod der eigenen Mutter oder über einen Bergsteiger, der immer mit Geige unterwegs ist. Und auch wenn es sich unwahrscheinlich anhört: Alle diese Texte haben mit der „Verwandlung“ zu tun.

Warum (macht ihr es so)?
Die meisten lesen nur während der Schulzeit ein paar Texte von Goethe, Kafka oder Fontane, nur wenige gehen auch später noch in ihrer Buchhandlung zum Regal mit den Klassikern. Hier liegt ein Ursprung unserer Idee: Wir wollen zeigen, wie viel Gegenwart in vermeintlich alten Büchern steckt und dass journalistische Texte eine gute Brücke zu literarischen Texten sein können.

Wer soll das lesen?
Tja, die Frage hat uns selbst eine Weile beschäftigt. Wir glauben, dass jeder das Heft mögen kann, der gerne liest. Vermutlich ist es in der Buchhandlung so gut aufgehoben wie am Kiosk.

Wie geht es weiter?
Spätestens im Herbst soll die zweite Ausgabe mit Georg Büchners „Woyzeck“ erscheinen. Wir machen uns vorsichtig an die Planung, müssen aber sehen, ob die Idee und das erste Heft all die Leser findet, die wir brauchen, um einigermaßen entspannt weitermachen zu können. Wir arbeiten bislang ohne Geldgeber und Anzeigen, allein aus eigener Tasche und, am wichtigsten: die Autoren und Fotografen arbeiten für lau, weil sie die Idee mögen. Das ist wahnsinnig hilfreich, darf aber nicht zum Dauerzustand werden.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Du kannst einen Text sieben Mal lesen und korrigieren, du wirst auch beim achten Mal noch einen Fehler finden. Und dann schlägt deine Mutter das frisch gedruckte Heft auf und sagt: „Da fehlt aber ein m, oder?“


>>>> http://dasbuchalsmagazin.de/

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Evidenzbasierte Medizin

Vor einem guten Jahr habe ich über eine stern-Titelgeschichte gebloggt, die auf erstaunliche Art und Weise illustriert war …

http://www.stern.de/magazin/heft/stern-nr-10-04-03-2010-vorsorge-und-frueherkennung-1547984.html

… das wäre nicht weiter erwähnenswert, würde dieser Blogeintrag nicht noch immer Nacktheitsuchende Leser auf diese Seite treiben und hätte ich nicht gerade gelesen, dass die Autorin der Geschichte (die ich nicht gelesen habe) soeben mit dem Journalistenpreis des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin ausgezeichnet wurde. Herzlichen Glückwunsch!

Daily: Meine vier Zweifel an der iPad-Zeitung

Am Wochenende wurde die Meldung öffentlich, Rupert Murdoch und Steve Jobs (also die beiden Organisationen, denen sie vorstehen) machen gemeinsame Sache. Für die morgige Ausgabe der SZ hat der Kollege Jörg Häntzschel die Pläne der beiden, eine Zeitung fürs iPad zu entwerfen, genauer beschrieben.

Es ist unbestreitbar: In dem „Daily“ betitelten Projekt steckt ein besonderer Zauber. Es ist die Hoffnung, dass Jobs und Murdoch zeigen werden, dass das, was viele als Inhaltetransport in Form des klassischen Journalismus bezeichnen würde, doch noch funktioniert. Zwar nicht auf Papier, aber auf dem, was die gleichen Menschen häufig als digitales Äquivalent zu Papier sehen: dem Tablet-Computer. Ich persönlich spüre diesen Zauber nicht, aber ich kann verstehen, woher die Faszination kommt, mit der manch einer über das Projekt spricht. (Mich fasziniert, dass offenbar tatsächlich Sasha Frere-Jones in dem Team mitarbeitet).

Für mich ist daran etwas Anderes bemerkenswert: Indirekt beweist die Freude über diesen Versuch nämlich, wie radikal sich die Medienlandschaft bereits jetzt verändert hat – und was wir daraus lernen können. Ein Technik-Anbieter, dessen Firma sich in manchen Bereichen nah am Monopol bewegt und ein Mann, der das Wort „Medienmogul“ erfunden zu haben scheint, tun sich zusammen. Doch die Meldungen dazu äußern nicht Skepsis, sondern eben die Hoffnung, der Versuch möge doch klappen – eben weil es beweisen würde, dass sich soviel doch nicht geändert hat.

Ich habe keine besondere Qualifikation, Prognosen abzugeben. Doch ich bin skeptisch, ob eine solche reine iPad-Zeitung erfolgreich sein wird. Ihr fehlt all das, was Medien in einer vernetzten Welt ausmacht – und vor allem fehlen ihr diese vier Punkte:

1. Öffentlichkeit
2. Aufmerksamkeit
3. Verbindung
4. Gemeinschaft

Wenn ich im Folgenden zu beschreiben versuche, was ich damit meine, geht es mir weniger um das konkrete Projekt (davon weiß ich auch zu wenig), als vielmehr um den Grundentwurf Zeitung auf dem iPad. Denn ganz so heilbringend wie dieser oft beschrieben wird, ist er (zumindest als iPad-Only Variante) nicht.

1. Öffentlichkeit

Einer der wichtigsten Gründe, warum man eine Zeitung liest, ist die Annahme, dass man es nicht alleine tut. Wäre der Leitartikel oder die große Reportage lediglich eine private Botschaft, die mir der Kommentator oder Reporter persönlich geschrieben hat: beide würden ihren Reiz verlieren. Der steckt nämlich darin, dass die Texte öffentlich sind. Dass andere sie auch lesen, haben wir bisher daran erkannt, dass die Zeitungstexte in Pressespiegeln auftauchten, dass anderen Zeitungen darauf reagierten oder dass Radio und Fernsehen drüber berichteten. All das sind Indizien dafür, dass die Texte, die man liest, eine Öffentlichkeit erreichen. Durch das Netz – das auf andere Weisen unseren Begriff von Öffentlichkeit ebenfalls verändert – ist diese Mitlese-Öffentlichkeit sehr viel unmittelbarer zu erkennen. Es gibt Links, Verweise, Kommentare. Aus dem Publizieren ist ein Kommunzieren geworden.

Einer Zeitung, die eingesperrt in einer App veröffentlicht wird, fehlt diese unmittelbare Öffentlichkeit.

2. Aufmerksamkeit

Er zählt zu den Allgemeinplätzen des Digitalen, der Satz von der Aufmerksamkeitsökonomie im Netz. Aber dennoch hat er einen wahren Kern: Die vom Internet veränderte Medienwelt ist ein Marktplatz der Aufmerksamkeit. Wer hier nur eine mittelbare Öffentlichkeit erreicht, wird keine Aufmerksamkeit aus sich heraus generieren können. Was ich damit meine: Natürlich werden Jobs&Murdoch für Aufmerksamkeit für ihr Daily sorgen. Aber diese Aufmerksamkeit wird Reklame bleiben, sie wird nicht auf die Ebene vordringen, die in der aufgeregten Netzsprache so gerne als viral bezeichnet wird, weil sie sich von alleine weiterträgt. Weil Menschen von einer Idee, von einem Text, von einer Zeitung so überzeugt sind, dass sie ihre Freunde auch überzeugen.

Einer Zeitung, die nur eine mittelbare Öffentlichkeit erreicht, wird diese besondere Form der Aufmerksamkeit nicht zuteil.

3. Verbindung

Sie werden ihre Freunde auch deshalb nicht überzeugen, weil sie diese aus der Tablet-Zeitung heraus gar nicht erreichen können. Die Anschlusskommunikation, die das Netz ermöglicht, das Teilen und Mitteilen von Informationen ist in einer reinen iPad-Zeitung nicht möglich. Dadurch verzichtet eine solche Zeitung auf den Motor, der im Netz für Bewegung – also für Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit – sorgt und schließt eine aktive Leserschaft gerade zu aus. Zudem raubt sie sich selber den Vorteil, den das Tablet gegenüber dem Papier haben kann: digital und sofort weiterverwendbar zu sein.

Eine Zeitung, die die Möglichkeiten der Verbreitung und Verbindung von Informationen bewusst ausschließt, wird unattraktiv für eine aktive Leserschaft.

4. Gemeinschaft

Ein großes Problem, das eine iPad-Zeitung hat, ist dass sie also solche nicht zu erkennen ist. Wer den Leser von Daily beobachtet, sieht lediglich, dass er in ein iPad schaut. Tyler Brule hat das mal so zusammengefasst:

Wenn ich in eine Flughafen-Lounge gehe und Sie mit Ihrem Laptop sehe, weiß ich nicht, ob Sie sich Pornografie auf einer Website aus Bratislava ansehen oder einen Dokumentarfilm auf dem Sundance-Kanal. Sehe ich Sie aber die ZEIT aufschlagen oder den Economist, dann sagt das etwas über Sie, mindestens genauso viel wie Ihre Schuhe, Ihre Jacke, die Uhr an Ihrem Handgelenk oder der Koffer, mit dem Sie unterwegs sind.

Medien, die wir nutzen, sagen etwas über uns. Wer uns bei der Lektüre einer bestimmten Publikation beobachtet, erkennt uns dadurch als Mitglied einer Gruppe. Das Internet hat uns die Möglichkeiten gegeben, diese Gruppe (die man hier Community nennt), abzubilden. Eine reine iPad-Zeitung, die auf den aktiven Leser verzichtet, wird diese Gruppe nicht abbildbar machen können. Das führt zu dem zentralen Problem, das schon aus Punkt 1. Öffentlichkeit resuliert: ich weiß nicht, wer die Zeitung sonst noch liest.

Eine Zeitung, die ihrer Leserschaft keine Möglichkeit gibt, sich selbst zu vergewissern, wird Schwierigkeiten haben, als Marke zu bestehen.

Da die Marke „Daily“ (und sei es nur ein Arbeitstitel) aber eben überhaupt noch nicht existiert, wächst mein Zweifel, warum Leser dieser denn vertrauen sollen. Für mich wäre der einzige Grund, der oben angesprochene Kulturchef Sasha Frere-Jones, also eine Person, die glaubwürdig ist.

Womit wir bei den zwei Dingen sind, die mir sehr positiv auffallen, an dem Daily-Plan: Erstens setzt er auf das Prinzip der Endlichkeit. Daily greift eine Portion aus dem ständigen Fluß der Informationen heraus und bereitet sie (so hoffe ich doch) gut auf. Zweitens geschieht dies am Abend. Ich glaube, dass diese alte Idee einer Abendzeitung sehr gegenwärtig ist.

Das ist gut, aber eine bahnbrechende Innovation ist es meiner Meinung nach nicht.

Update: Mario Garcia zeigt, wie er sich eine Tabloid-Zeitung vorstellen würde.

Update 2: Matthew Ingram beschreibt bei Gigaom, warum man am Daily-Projekt sehen kann, dass Rupert Murdoch noch immer auf Kriegsfuß mit dem Internet steht.

Böse: Nido macht die Welt schöner als sie ist!

„Nido“ ist Pop, gerade dort, wo man sich dem Alltag annähern will, verselbstständigen sich die Images. In der Popwelt ist die Scheinhaftigkeit kein Problem, klar, dass es hinter der Bühne anders zugeht. Bei der Familie ist das anders. Entweder man durchschaut angenervt die Hochglanzlüge. Oder man leidet unter der eigenen Uncoolheit, dem unretuschierten Leben, der Dreimonats-Cholik, dem Dreijahres-Trotz, der immerwährenden Dreisamkeit. Der Nido-Pop wird daher keine Zukunft haben, er ist eine künstliche Synthese, eine instabile Verbindung aus Rebellion und Routine, ein Übergangszustand, in dem die Generationengrenzen zu verschwimmen scheinen.

Es gibt mal wieder eine Nido-Besprechung in einer deutschen Zeitung. Diesmal deckt Richard Kämmerlings in der Welt Die große Coolness-Lüge für pseudo-hippe Eltern auf. Sein Hauptargument lautet dabei – ähnlich wie unlängst in der FAZ: Das Leben (mit Kindern) ist viel schlimmer als Nido sagt! Die Schlussfolgerung: Deshalb ist Nido schlecht.

Ich bin schon gespannt auf die Nachfolge-Texte aus der Reihe: Der Einrichtungs-Schummel der Schöner-Wohner (normale Häuser sind viel hässlicher!), Der Betrug der Fit-for-Fun-Männer (Sport macht gar keinen Spaß und außerdem sind die meisten Jogger in Wahrheit viel dicker) oder auch Die Lüge der Pseudo-Mobilen (viele fahren viel schlechtere Autos als in Auto-Bild gezeigt)

P.S.: Der Text ist deshalb so ärgerlich, weil die Pop-Beobachtung ja stimmt. Nido will tatsächlich Pop sein. Was heißt das für unsere Vorstellung von Pop? Diese Frage hätte man beantworten können, das hätte ich spannend gefunden und nicht bloß anti pseudo-hip …

Adressatenorientiertes Schreiben

An der VDZ-Akademie hat Andreas Lebert heute im Rahmen des Seminars „Best Ager & Silver Surfer! (Demographiefeste Strategien für Print&Online)“ über adressatenorientiertes Schreiben gesprochen. So würde ich jedenfalls die Gebote überschreiben, die ich via Twitter mitgeschrieben habe – und die keinesfalls nur für Best Ager gelten

1. Gebot: Sie müssen ein Thema haben!
2. Gebot: Du sollst Dich nicht anbiedern!
3.Gebot: Du sollst keine komischen Namen für Deine Zielgruppe erfinden!
4. Gebot: Du musst wissen wovon Du sprichst!
5.Gebot: Rechne nicht aus Deinem eigenen Leben ins Alter hoch!
6.Gebot: Vorsicht mit Formulierung von Strategien!
7.Gebot: Du sollst das Leben & die Welt draußen ernst nehmen, aber Dich nicht zu sehr!

Das Beste: ist der Inhalt

Jason Schwartzman macht Werbung für die iPadApp vom New Yorker. Das ist lustig:




Das Beste an der App ist aber: Sie liefert den Inhalt des New Yorkers. Zum Beispiel dieser famose (aber inhaltlich falsche Text) namens Twitter, Facebook, and social activism von Malcolm Gladwell. Darin versucht er – in Abgrenzung zu Clay Shirky – zu belegen, dass die neuen Ausdrucksformen des sozialen Netz‘ keinen wirklichen Protestformen hervorgebracht haben. Bestätigt aber indirekt, was hier schon an unterschiedlicher Stelle Thema war: Wie Twitter und Facebook zu Informations-Hinweis-Quellen werden:

Our acquaintances—not our friends—are our greatest source of new ideas and information. The Internet lets us exploit the power of these kinds of distant connections with marvellous efficiency. It’s terrific at the diffusion of innovation, interdisciplinary collaboration, seamlessly matching up buyers and sellers, and the logistical functions of the dating world.

Das Problem mit dem Text bringt Nancy Scola bei techPresident übrigens sehr gut auf den Punkt:

And Gladwell’s unfortunate north star, as it is for so many doubters in this arena, is that effective, strategic, engaged political activism in the year 2010 onward is going to look the same as effective, strategic, engaged political activism has looked before. But why would we assume that the complex problems facing the modern United States, at least, are best met by the march-in-the-streets activism that greeted the abuses of the 1960s?

Übrigens: am morgigen Mittwoch stellt sich Gladwell den Fragen seiner Leser!