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loading: ReportagenFM

„Lasst uns Freunde werden“ haben die Macher von ReportagenFM über ihr Crowdfunding auf der Seite Steady.com geschrieben. Ihr Versprechen: „Die besten Reportagen der Woche, handverlesen“


Martin Fischer hat den loading-Fragebogen ausgefüllt.

Was macht ihr?
Jede Woche verlinken wir die drei besten und wichtigsten Reportagen im Netz. Mittlerweile seit vier Jahren, neben unserer Arbeit als Journalisten. Jetzt haben wir eine Crowdfunding-Abo über die neue Plattform Steady lanciert!

Warum macht ihr es (so)?
Steady wurde vor allem für Online-Medien gemacht, die nicht einen einmaligen, großen Betrag brauchen, sondern eine Finanzierung in kleinen, aber kontinuierlichen Dosen. Für uns zum Beispiel reichen ein paar hundert Euro im Monat – allerdings Monat für Monat.

Wer soll sich dafür interessieren?
Alle, die gerne gute, lange, fundierte Reportagen lesen und nicht selbst ständig das Netz danach durchforsten wollen.

Wie geht es weiter?
Wenn die Finanzierung klappt, so wie bisher!

Was sollten mehr Menschen wissen?
Ganz ehrlich: Wir haben unseren Abonnenten im letzten Jahr einiges abverlangt. Wir haben unsere Leser gebeten, sich auf Blendle zu registrieren. Wir haben einen Premium-Newsletter via Paypal eingeführt – den wir jetzt durch Steady ersetzen. Wir kämpfen wie so viele Online-Medien mit der Finanzierung. Das heisst: experimentieren, ausprobieren und Dinge wieder verwerfen. Wir sind allen unseren Lesern dankbar, dass sie diesen Weg mit uns gehen. Mit Steady glauben wir jetzt – endlich – eine solide Lösung gefunden zu haben.

Hier ReportagenFM auf Steady unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Love-Game: Süddeutsche Zeitung Langstrecke

In der 15ten Ausgabe des „Press Publish“-Podcast vom Nieman Lab spricht Matt Thompson vom Atlantic über ein Begriffspaar, das das Publizieren im digitalen Zeitalter sehr stark prägen wird. Medien, erzählt er etwa ab Minute 32, sollten beim Blick aufs Publikum auf den Unterschied zwischen Reach und Love achten (ich hab das mal sehr grob übersetzt):

Einerseits gibt es die reine Masse oder Reichweite und auf der anderen Seite gibt es Liebe. Beide sind bedeutsam für Medien. Ich spreche über das Verhältnis zwischen Reichweite und Liebe die ganze Zeit, fragen Sie mal meine Kollegen. Aber ich glaube, dass man als Medium beides bedienen muss: Man hat das Spiel um Reichweite und jenes um Liebe. Es geht um das große Megafon, mit dem man möglichst viele Menschen ansprechen kann. Es geht aber auch um Liebe. Kurzfristig kann man das vielleicht eher ausblenden, langfristig ist die Loyalität aber sowas wie das Ersparte auf der hohen Kante. Ein enges Verhältnis zwischen Medium und Leser aufzubauen ist eines der stärksten Prinzipien im Internet. Man kann das an zahlreichen Beispielen illustrieren – von Patreon bis Kickstarter. Ich glaube, dass das Love-Game wirklich interessant ist.

Ich teile Thompsons Einschätzung – und glaube, dass eine wichtige Herausforderung fürs Publizieren in der vernetzten Welt darin liegt, die Verbindung zwischen Kunden und Produzenten, zwischen Lesern und ihren (Lieblings-)Medien nicht zu übersehen. Wer sich einzig auf die Reichweiten-Versprechen der großen Netzwerke verlässt, wird vermutlich nicht in die Lage kommen, das zu spielen, was Thompson „Love-Game“ nennt.

Ich musste an Thompsons Analyse und seine Begrifflichkeiten denken, als ich dieser Tage die jüngste Ausgabe von Süddeutsche Zeitung Langstrecke in den Händen hielt, das Longreads-Magazin, das ein kleines Team bei der SZ Anfang des Jahres auf Startnext in den Markttest führte und das ab morgen an allen Bahnhöfe und Flughäfen des Landes am Kiosk liegt. Ein Herzensprojekt* (kann man diesen Aspekt auch als Love-Game übersetzen), das auf eine loyale Leserschaft setzt, auf eine enge Bindung – und das genau dadurch spannend wird, nicht wegen der reinen Reichweite, nicht wegen der Masse.

Was ich sagen will: Ich glaube, dass tatsächlich eine Herausforderung darin liegt, abseits der reinen Reichweite über Loyalität nachzudenken (um den Begriff Liebe hier mal zu vermeiden) und womöglich auch über die Frage wie diese mess- und greifbar wird. Der reine Klick hilft da als Kriterium jedenfalls nicht weiter…

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*weils mir wirklich am Herzen liegt: Wer die Ausgaben des Jahres 2016 bestellen will, kann das hier tun!

#fbm15: Sechs Dinge, die ich auf der Buchmesse gelernt habe

In Frankfurt endet an diesem Wochenende die Buchmesse. Eine Veranstaltung, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass unfassbar viele Papierbücher in unterschiedlicher Größe und Güte in Messehallen rein- und anschließend wieder rausgeschleppt werden. Allerdings frage ich mich jedes Jahr wieder: Warum eigentlich tut man das? Kaufen kann man die Bücher an den allermeisten Ständen jedenfalls nicht. Und so habe ich eine gewisse Sympathie für die Sage, es gehe eigentlich darum, sich Bücher klauen zu lassen – als Indikator fürs Publikumsinteresse. Ich kann das nicht beurteilen, bilde mir aber ein bei meinem (Kurz-)Besuch in diesem Jahr etwas gelernt zu haben. Deshalb hier sechs Dinge, die ich auf der #fbm15 gelernt habe:

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1. Wir könn(t)en Bücher anders denken
Es ist mir in diesem Jahr so sehr wie selten zuvor aufgefallen: Buch heißt für diese Messe fast überall Papierbuch-Messe. Das sagt niemand, aber man gewinnt auf Schritt und Tritt den Eindruck. Dabei erscheint es mir durchaus geboten, die Idee Buch vielleicht auch mal anders zu denken. Der Lichtblick des Jahres war für mich in diesem Bereich Logos – das Projekt von Volker Oppmann, das genau dies wagt: Bücher anders zu denken.

2. Google Books ist Fair Use
Das ist zwar keine Erkenntnis, die in den Messehallen ausgestellt wurde, sie erreichte mich aber während der Messe. Bei Netzpolitik schreibt Leonhard Dobusch: „Im Rechtsstreit zwischen Google und der US-Autorenvereinigung Author’s Guild hat auch das Berufungsgericht entschieden, dass der Dienst Google Books von der Fair-Use-Klausel des US-Copyrights gedeckt ist.“

3. Sascha Lobo ist eine Erfindung
Die hochanerkannte und unter Digital-Experten seit langem geschätzte Autorin Carol Felt („Cybris“) hat sich den Buchkritiker Sascha Lobo ausgedacht – und der Spiegel ist darauf reingefallen.

4. Wir können in Netzwerken denken
Christiane Frohmann und Leander Wattig haben es in diesem Jahr gezeigt: Ihr Orbanism Space war eine tolle kleine Messe in der Messe. Vor der Bühne, die die beiden aufgebaut hatten und auf der kein einziges Papierbuch rumstand, trafen sich meinem Eindruck nach irgendwann im Laufe der Messe all die Leute, die Bücher anders denken wollen.

5. Wir können Bücher anders (ver)kaufen
buchhandel Ich habe mich schon vor der Buchmesse gefragt, warum Verlage nicht eigentlich selber tun, was Amazon angeblich so gut macht: Bücher verkaufen. Dann stieß ich auf das Buch Philosophie des Laufens und stellte fest: es gibt Verlage, die das sogar besser machen. Beim Mairisch-Verlag konnte ich das Buch jedenfalls versandkostenfrei bestellen und sehr einfach per Paypal bezahlen. Das klingt sehr einfach, scheint für Verlage aber sehr schwierig zu sein: vielleicht sollten Buchhändler und Verleger sich mal austauschen.

Das haben sie offenbar für die App Buchhandel.de getan, die ebenfalls auf der Messe vorgestellt wurde – und den Buchkauf leichter machen soll. Mehr zum Thema Kaufen und Versenden auch in diesem Artikel aus der SZ.

6. Es gibt einen ungenutzten Bereich (Marktlücke?) zwischen langen Texten und kurzen Büchern
Ich selber war vor allem auf der Messe um unser kleines Projekt Langstrecke vorzustellen: „Journalismus, der fast schon Literatur ist“ gehört natürlich auf die Buchmesse. Und dabei ist mir etwas aufgefallen: das Versprechen, das mit den digitalen Verbreitungswegen auch Platz für neue Formen sei, ist bisher nur halb eingelöst. Denn verlegerisch wird die Möglichkeit bisher kaum genutzt, Bücher zu machen, die kürzer sind als Papierbücher und länger als journalistische Texte. Veröffentlichungen also, die ein mittleres Format haben. Dafür sehe ich einen Bedarf – auch wenn man sie nicht im nächsten Jahr in die Frankfurter Messehalle reinschleppen kann.

Süddeutsche Zeitung Langstrecke

Geht das? Kann ein Verlag auf einer Crowdfunding-Plattform ein Magazin anbieten? Seit im Herbst 2012 „Eine neue Version ist verfügbar“ auf Startnext verfügbar gemacht wurde, beschäftigt mich diese Frage. Weil ich glaube, dass wir durch die Möglichkeiten des Netzes neue Verbindungen zwischen Produzenten und Konsumenten kennen lernen. Ich habe mir zahlreiche Projekte angesehen, die mal mehr mal weniger erfolgreich, diese neuen Möglichkeiten nutzen wollten – und ich glaube, Verlage sollten diese Möglichkeiten ebenfalls ausprobieren.

Ein zentraler Aspekt der Veränderung liegt darin, dass Produkte nicht mehr nur als abgeschlossene Einheiten verkauft werden können. Sie können ihre Entstehung dokumentieren. Leser können beobachten (und sich daran beteiligen), wie ein Produkt gefertigt wird. „Eine neue Version ist verfügbar“ handelt (wenn man so will) von nichts anderem als von dieser These: Wir können Kulturprodukte dank der Digitalisierung schon vor ihrer Erstellung zugänglich machen – nicht erst danach.

Heute ist ein besonderer Tag – für diese These und für mich. Denn heute startet ein Experiment, das diese These in die Tat umsetzen will: „Süddeutsche Zeitung Langstrecke“ ist der Versuch Longform-Journalismus in Deutschland auszuprobieren. Ein neues Magazin, das die besten langen Lesestücke (longreads) aus der SZ bündelt: vier Mal im Jahr – und so wie die Leserinnen und Leser es wünschen. Am 31.3. erscheint Süddeutsche Zeitung Langstrecke. Doch heute beginnt der Verkauf. Es ist ein offener Markttest, der heute auf Startnext begonnen wurde, es ist ein Subskriptionsverkauf und es ist ein Experiment – für Longform-Journalismus und für die These von der anderen Verbindung zwischen Konsumenten und Produzenten.

Ich bin sehr gespannt, wie sich dieses Experiment gestalten wird: Wie reagieren Leserinnen und Leser? Was machen mögliche Anzeigenkunden, die im Rahmen von Langstrecke erstmals ihre Buchungen öffentlich machen können? Und was bedeutet es für die Idee „Crowdfunding“? Bisher sahen wir darin vor allem den Aspekt, der gemeinsamen Zielerreichung. Eine Fundingsumme wurde zum gemeinsamen Antrieb von Konsumenten und Produzenten. Ich glaube, dass Crowdfunding auch einen zweiten Aspekt in sich trägt: die Option, ein Projekt vor seiner Erstellung zugänglich zu machen. Genau das probiert „Süddeutsche Zeitung Langstrecke“ jetzt aus.

Hier kann man dabei sein!