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Die Maschine als DJ: „Dein Mix der Woche“

gaslight

Ich kenne Brian Fallon nicht. Der Gitarrist der bisher von mir ungehörten Band Gaslight Anthem (der oben auf dem Bild so grimmig guckt) singt mir gerade die Zeile: „It would break your heart, if you knew me well“ ins Ohr als ich feststelle: Hier scheint mich jemand recht gut zu kennen. Nicht so gut, dass es mir das Herz bricht, aber immerhin so gut, dass es mich erstaunt. Denn dieser jemand ist keine Person, es ist ein Dienst des Streaming-Portals Spotify. „Dein Mix der Woche“ nennen die Spotify-Macher das Angebot, das auf Basis meiner persönlichen Vorlieben wöchentlich eine Playlist erstellt. Exklusiv für mich – und so gut, dass ich plötzlich „Gaslight Anthem“ im Internet suche. Eine Band, von der ich schon mal gehört hatte, von der ich aber noch nichts Konkretes gehört hatte. Jetzt also „Break Your Heart“, der schon siebte Song in meiner persönlichen Wochen-Auswahl. Der siebte Song, der mir gefiel und der siebte Song, den ich vorher nicht kannte.

mixderwoche 30 Lieder hat mir die Spotify-Software zusammengestellt – diese „basieren zum einen auf den Songs, die Ihr aktuell gerne hört, und zum anderen auf der Musik, die bei anderen Nutzern mit einem ähnlichen Musikgeschmack gerade angesagt ist.“ Was dabei nicht auftaucht: Radio-DJanes oder DJs, die mir bisher Musik empfohlen haben. Das macht jetzt eine Maschine, die seit einer Weile beobachtet, was ich auf Spotify anhöre. Und ich muss sagen: die Maschine macht das gar nicht schlecht.

Und wie um diese Aussage noch schmerzhafter zu machen, haben die Spotify-Leute ihre Ankündigung mit der Figur des Rob Gordon aus Nick Hornbys Roman „High Fidelity“ referenziert: „Schon Rob Gordon sagte damals in der Komödie ‘High Fidelity’: “Ein Mixtape zu machen ist eine heikle Kunst!”‘ Das Buch ist sozusagen die Hymne aufs Kuratieren, der Plattenladen-Besitzer Rob (der im Film vom John Cusack gespielt wird) ist sozusagen das Role Modell des Musik-Kurators. Auf genau ihn anzuspielen, um einen Mechanismus vorzustellen, der Robs Job erledigt, ist nicht nett. Noch weniger nett ist allerdings die Tatsache, dass der Mechanismus (zumindest für mich) recht tauglich ist.

Ich weiß nicht genau, was das heißt. Ich bin mir aber sicher, dass Spotify gerade (abermals) dabei ist den Beweis für die These anzutreten: digitale Medien sind Kontext-Medien.

P.S.: Natürlich kann man auch weiterhin auf klassische Weise Musik entdecken. Die Band Golden Rules und ihr Album Golden Ticket habe ich zum Beispiel im Radio gehört – im Zündfunk.

P.P.S.: Ich habe keine Ahnung, ob man Yasiin Bey und Brian Fallon zusammen hören darf. Distinktion kann Spotify nicht besonders gut.