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Hinweise und Aufforderungen

Die geschätzten Kollegen von fudder haben eine Redakteursstelle (Junior) zu besetzen. Die entsprechende Ausschreibung hat mich dieser Tage per Mail erreicht. Da ich sie online nicht gefunden habe, verweise ich hier nur drauf und biete jedem „Berufseinsteiger (w/m)“, der sich für diesen sicher spannenden Job in Freiburg interessiert, an, nach kurzer Mail die Informationen weiter zu reichen.

http://fudder.de/

Außerdem bin ich im kommenden Jahr Mitglied der Jury des Axel-Springer-Preises. Ich erwähne das hier, um alle netzaktiven Menschen zu animieren, spannende journalistischen Projekte dort vorzuschlagen.

Zu guter Letzt schließe ich diesen kleinen Hinweis- und Aufruf-Beitrag mit der Bitte, einen Blick auf ein kleines privates Nebenprojekt namens Erklär mir das gute Leben zu werfen. Jeder ist eingeladen, dort mitzumachen und die Idee weiterzuerzählen!

Netzwerk Recherche Interview

Der Kollege Thomas Mrazek hat mich (wie auch Lorenz Lorenz-Meyer u.a.) für die Neuauflage der netzwerk recherche-Werkstatt interviewt, die Ende November erscheint. Das Interview erscheint dort unter dem Titel „Wir müssen uns auf die Gegebenheiten des digitalen Raums einlassen“. Thomas hat mir gestattet, es hier vorab zu veröffentlichen.

In der Publikation „Digitale Mediapolis“ werden Sie wie folgt zitiert : „Das Internet ist – richtig eingesetzt – ein äußerst positives Instrument. Es macht aus dem reinen Publizieren echte Kommunikation, es eröffnet die Option zum Dialog und bindet den vormals passiven Leser als aktiven Nutzer mit ein. Die Chancen, die in dieser Entwicklung stecken, sind erstaunlich groß.“ Schön und gut. Aber wo werden denn im deutschen Online-Journalismus diese Chancen genutzt, außer vielleicht auch bei Jetzt.de?
Es stimmt, Jetzt.de bindet seine Leser ein und gibt ihnen die Möglichkeit, sich als Nutzer aktiv zu beteiligen. Aber auch bei den Angeboten, die dies nicht bewusst fördern, bleibt der Leser keineswegs stumm – er sucht sich nur andere Kanäle, um seine Meinung öffentlich zu äußern. Wer Blogs, Twitter und Facebook aufmerksam verfolgt, stellt fest, dass die vormals passiven Rezipienten sich dort zu Wort melden. Darauf reagieren leider noch viel zu wenig klassische Medien angemessen. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich dies sehr bald ändern wird: Wer Beispiele dafür sucht, kann die zahlreich im angelsächsischen Raum finden.

Wie hat sich das Genre des Online-Journalismus in den letzten Jahren entwickelt, wohin könnte es gehen?
Ich bin unsicher, ob wir Online-Journalismus überhaupt noch als Genre verorten können. Spätestens seit Facebook erleben wir vielmehr eine Entwicklung, das Offline-Leben auch online abzubilden. Der Journalismus steht hier vermutlich am Anfang eines größeren gesellschaftlichen Trends. In jedem Fall führt dies zu einer Auflösung der klassischen Trennung von Online- und Offline-Journalismus. Das Netz wird vielmehr zu einer Bühne, die für Journalisten aller Gattungen an Bedeutung gewinnt bzw. unumgänglich sein wird. Insofern würde ich den aktuellen Zustand als Übergang beschreiben. Ich persönlich verbinde die Hoffnung damit, dass es ein Übergang zu einem Online-Publizieren wird, das sich durch die gleichen Werte auszeichnet, die herausragenden Journalismus etwa in Print ausmacht und diese um netzspezifische Eigenschaften wie zum Beispiel den Dialog ergänzt. Ganz konkret:Das wichtigste Gut, das klassische Medien im digitalen Raum haben, ist ihre Glaubwürdigkeit. Alle Entwicklungen, die diese gefährden, halte ich für problematisch.

Wie könnte sich der Journalismus im Netz in Zukunft finanzieren lassen — sowohl bei „größeren“ (etwa Focus Online) als auch bei „kleineren“ (lokaler Einmann-Blogger) Medien?
Ein Finanzierungsmodell, das wird in der Debatte um Paid-Content oft vergessen, ist das über Displaywerbung. Das gibt es bereits und nicht nur Google lebt ganz gut damit. Darüber hinaus stehen größere wie kleinere Medien vor der Herausforderung, die Vorgaben des digitalen Raumes zu interpretieren und daraus Schlüsse für neue Geschäftsmodelle zu ziehen. Zentral steht dabei für mich die Frage nach dem Leser und Nutzer: Wofür ist er oder sie bereit zu zahlen? Und damit meine ich nicht nur die Produktkategorie „Content“. Es gibt Entwicklungen im Bereich der Musik, an denen wir sehen können, dass Menschen nicht für die Datei zahlen, die ein Lied enthält, sondern für die Nähe auf Konzerten und im digitalen Raum.

Was halten Sie von der unter anderem vom ehemaligen Focus Online-Chefredakteur Jochen Wegner gerne lancierten Feststellung, dass Journalisten zu Unternehmern werden müssten; wie könnte dies im Online-Bereich aussehen?
Jochen Wegner hat sich das ja nicht ganz alleine ausgedacht. Im angelsächsischen Raum gibt es diese These schon länger und ich halte sie insofern für richtig, dass sich damit ein kultureller Wandel verbindet. Journalismus wird im Netz zu einem Dialog. Wir werfen unsere Inhalte nicht mehr einfach über den Lesern ab und fliegen dann einfach weiter, sondern werden als Dialogpartner greifbar. Wir sollten darauf reagieren und das Publizieren als Kommunikation verstehen. In der Frage, ob das journalistische Unternehmertum auch die Tatsache einschließt, dass man sich selber als Marke verstehen und vermarkten soll, bin ich unschlüssig. Diese Behauptung liest man aber auch immer häufiger.

Besteht nicht gerade im Online-Bereich mittlerweile die Gefahr, dass das Primat der Ökonomie den gutrecherchierten Journalismus verdrängt?
Ich glaube nicht, dass Verleger in der reinen Offline-Welt von früher aus bloßer Menschlichkeit Publikationen herausgegeben haben. Auch vor dem Internet mussten privatwirtschaftliche Medien sich tragen, soll heißen: Das Primat der Ökonomie ist nicht wirklich neu. Durch die Digitalisierung haben sich aber die Bedingungen verändert. Nicht nur zum Besseren, das stimmt. Ich bin davon überzeugt, dass hier noch einiges getan werden kann, um sie auch aus klassischer journalistischer Perspektive zum Besseren zu wenden. Dafür müssen wir uns auf die Gegebenheiten des digitalen Raums einlassen und mehr Mut als bisher beweisen.

Welche Rolle spielt die Nutzerbeteiligung im Online-Journalismus jetzt und in Zukunft?
Gegenfrage: Wodurch unterscheiden sich die großen Nachrichtenportale (nicht nur) in Deutschland? Alle setzen auf Geschwindigkeit und News. Einige mit mehr Bildern, andere mit mehr Hintergrund. Ein wirkliches Unterscheidungskriterium sucht man aber vergebens. Am Ende wird dies auch darin liegen, welche Leser auf der jeweiligen Seite sind. Das Internet hilft uns, die unausgesprochene Verbindung zwischen den Lesern und Autoren einer Publikation abzubilden. Durch das Internet werden Medien zu Räumen, vergleichbar mit einem Club oder einer Bar: Da geht man hin, weil es dort Speisen und Getränke gibt, klar. Aber man geht auch deshalb dorthin, weil man dort bestimmte Leute trifft und andere eben nicht. Diesen Aspekt haben viele Medien überhaupt noch nicht in den Blick genommen.

Wird die Arbeit als Onlinejournalist nicht immer schwieriger, unüberschaubarer etwa durch Angebote wie Wikileaks, die sozialen Netzwerke, die wachsende PR-Industrie?
Natürlich. Deshalb müssen wir immer besser werden. Aber ohne diese Herausforderung würde der Beruf doch keinen Spaß machen.

Und welche Rolle spielt Google: Was halten Sie davon, dass Journalisten ihre Texte suchmaschinenoptimiert schreiben; bis zu einem gewissen Maß mag das ja sinnvoll sein, aber wo wird es Ihrer Meinung nach gefährlich? Und immer noch nicht geklärt ist die Frage: Ist Google Freund oder Feind der Journalisten?
Google bietet Instrumente, die für uns als Journalisten sehr hilfreich sein können – auch in der Vermarktung und Verbreitung unserer Inhalte im Netz. Wie bei allen Instrumenten, sollten wir jedoch die Kosten und Nutzen sehr genau abwägen. Nur weil das Angebot von Google ohne direkte Bezahlung angeboten wird, ist es ja nicht kostenlos. Darüber sollten wir Journalisten uns bewusst werden – auch bei der Ausrichtung auf Suchmaschinen. Darüber hinaus sollten wir vor lauter Konzentration auf Google nicht vergessen, dass wir gerade erleben, wie dem Suchen nach Inhalten ein zweiter Kanal beigefügt wird, über den Menschen an Nachrichten kommen: über Hinweise von Freunden und Bekannten in sozialen Medien. Dabei geht es nicht mehr darum, dass jemand bewusst nach einer Meldung oder einem Thema sucht, sondern sich durch Hinweise leiten lässt. Die Bedeutung dessen haben wir – glaube ich – noch nicht annähernd eingeordnet.

Welche Qualifikationen sollte ein Onlinejournalist angesichts des rasanten Medienwandels mitbringen, muss er in allen möglichen sozialen Netzwerken aktiv sein, welche multimedialen Techniken sollte er beherrschen? Wird in der journalistischen Aus- und Weiterbildung dafür gut genug ausgebildet?
Wir erleben derzeit einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel, der nicht nur unseren Beruf verändert. Ich würde mir wünschen, dass mehr Journalisten aktiv mithelfen, diese Veränderungen zu gestalten. Das gilt auch für die Aus- und Weiterbildungseinrichtungen. Man muss aber auch sagen: Züge, in denen man sitzt, kann man schlecht beim Fahren beobachten. Soll heißen: In manchen Fällen wissen wir noch gar nicht, was richtig und was falsch sein wird. Gerade deshalb ist aber eine erhöhte Wachsamkeit für den Wandel notwendig.

Inwieweit berühren neue Ausspielkanäle wie Tablets den Online-Journalismus – zeichnen sich da neue ökonomische Perspektiven ab, werden neue multimediale journalistische Erzählweisen entstehen?
Darauf hoffe ich. Die Pläne von Amazon, für den Kindle eine spezielle Länge für Texte zuzulassen, ist ein Schritt in diese Richtung. Multimediale Erzählformen werden hinzukommen. Wir sollten darüber aber nicht den Blick dafür verlieren, was die Basis für herausragenden Journalismus ist, egal über welche Kanäle er verbreitet wird: sauber recherchierte, verlässliche Inhalte. In Zeiten der Digitalisierung wird dies wichtiger denn je.

76 Tage bis Silvester!

Das Jahr geht zuende. Schneller als man denkt. Doch bevor Silvester-Pläne geschmiedet werden, hier noch mal eine Bitte in eigener Sache:

Schau doch mal bei Erklär mir das gute Leben vorbei.

In diesem kleinen Blog-Projekt sammeln wir Antworten auf die Frage: Was macht ein gutes Leben aus? Seit Ende September sind schon viele schöne Ratschläge eingetragen worden. Du kannst auch mitmachen und deinen Erklärung für ein gutes Leben beisteuern!

Fünf Milliarden Flickr-Bilder

Mashable meldet: Flickr hat die Fünf-Milliarden-Marke geknackt. Als der Fotodienst im November 2007 zwei Milliarden Bilder gesammelt hatte, notierte ich für die Süddeutsche Zeitung Folgendes:

An diesen Online-Bilderbergen lässt sich eine Menge über eine (digitale) Gesellschaft ablesen, deren kollektive Selbstvergewisserung vor allem über Bilder funktioniert. Das Prinzip des klassischen Urlaubsfotos, das später als Beweis nicht nur dafür dient, dass man auch wirklich verreist war, sondern auch als Beleg dafür, dass es erholsam gewesen sein muss, hat alle Gesellschaftsbereiche erfasst. Wirklich erscheint nur noch das, was man im Bild sehen kann. Denn nur dann kann man die Botschaft verbreiten, es also veröffentlichen und Freunden Links zu den Bildern schicken.

Der Text endet übrigens mit Bezug auf die zwei Milliarden von damals:

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass es in naher Zukunft Texte geben wird, in denen man sich über diese Zahl amüsieren wird.

Wozu noch Journalismus?

Denn mit der Lektüre einer Publikation entscheidet man ja über weit mehr als nur über den Inhalt. Leser eines Magazins teilen gleiche Interessen, ähnliche Sorgen und meist sogar eine vergleichbare Geisteshaltung. Wie ausgeprägt diese ist, stellt man fest, wenn man in der U-Bahn die Wahl hat, neben jemandem Platz zu nehmen, der in einem Sexheft blättert oder neben jemandem, der die eigene Lieblingszeitung liest. Dieses unausgesprochene Band besteht natürlich nicht nur zwischen den Lesern, es verbindet auch Leser und Journalisten – ob sie wollen oder nicht. Es ist das Bindemittel, das aus den verlässlichen, glaubwürdigen und hochwertigen Inhalten ein erfolgreiches Produkt macht. Darüber hinaus ist diese Verbindung ein Ansatzpunkt für die Frage, wie Verlage im Netz neue Erlösquellen erschließen können. Denn diese besondere Verbindung – manche sprechen von Community – ist vor allem nicht kopierbar.

Ich durfte im Rahmen der Serie Wozu noch Journalismus? auch eine Antwort schreiben. Sie trägt den Titel „Trend zur Brotbackmaschine“ und befasst sich mit dem Phänomen aktiver Rezipient und der Zeitung als Community.

Wer rettet die Welt?

Ein Hinweis in eigener Sache: Auf jetzt.de (dem jungen Magazin der Süddeutschen Zeitung, bei dem ich arbeite) ist gerade ein Schreibwettbewerb zur Frage Wer rettet die Welt? gestartet. Unter allen die diese Frage bis zum 31. Mai beantworten, ermittelt eine Jury eine/einen Journalistin/Journalisten (bis 35 Jahren), die oder der vom 17. bis 23. September 2010 Weltarmutsgipfel nach New York fährt. Alle Details zu dem Wettbewerb gibt es auf jetzt.de!

via

WordPress-Umzug: (m)eine Horrorgeschichte

Es ist vollbracht: Ich habe die Digitalen Notizen in den vergangenen Tagen auf einen neuen Server umgezogen und dabei einige der Gruselgeschichte erleben dürfen, die man in Foren zum Thema „Datenbank-Umzug“ nachlesen kann. Da ich glaube, dass man sich als Umziehender in der Not nicht ganz so verloren fühlt wenn man die Erlebnisse anderer nachlesen kann (und so vielleicht tatsächlich auch Hilfe findet), hier ein kurzer Abriss über meine Problem-Stellung: Es ging um Charsets, Zeichensätze und Umlaute!

Die Anleitungen zum Thema Umzug (ich empfehle diese, jene oder die hier) sind sehr gut und wenn man sie tatsächlich befolgt, wohl auch von schnellem Erfolg gekrönt.

Wichtig dabei: Es reicht nicht, ein Backup der Datenbank zu haben, man sollte dieses auch vor dem Umzug getestet haben. Das klingt einfach, ich habe es aber nicht bedacht. Das führte dazu, dass ich (nach einigen Umzugs-Problemen) zwar alle Texte (Kommentare etc.) wiederfand, diese aber keine Umlaute darstellen konnten. Der Rat dazu (In dem Fall einfach ein wenig mit den möglichen Varianten (latin, UTF 8 usw.) experimentieren) erwies sich als leichter gesagt als umgesetzt. Denn: Alles Experimentieren ist so lange sinnlos wie die gesicherte Datenbank einen Zeichensatz verwendet, der selber voller Fehler steckt. Bis ich das jedoch (unter anderem dank großartiger Unterstützung eines nicht-programmierenden SZ-Kollegen) herausgefunden hatte, verging einige Zeit. Denn: Das erkennt man ja nicht – wenn die Datenbank so tut als sei sie UTF-8, die wp_config.php auch und WordPress in seinen Einstellungen ebenso.

Also habe ich schlussendlich von Hand in der Datenbank-Version Umlaute und Sonderzeichen ersetzt (wer noch fehlerhafte Darstellungen entdeckt, darf mich gerne drauf hinweisen), diese in kleinen Portionen gespeichert und erneut importiert. Übrigens zum Thema Import eine Anmerkung: Für MySql-Laien (deren Sprecher ist sein könnte) ist es nicht nachvollziehbar, warum man eine gezippte Version der Datenbank, die angeblich nur 2 MB groß ist, nicht via Menü-Punkt „Importieren“ in die Datenbank bekommt (bzw. nur unvollständig). Und MySql-Laien begreifen auch nur nach dankbar angenommenen Hinweisen, dass man die Datei entzippen, im Text-Editor öffnen und in kleinen Portionen via Menüpunkt „Sql“ importieren muss.

Doch selbst als ich das rausgefunden und die von Hand auf UTF-8 umgestellte Variante importiert hatte, war das Problem nicht gelöst. Denn dann hatte ich zwar in der Datenbank korrekte Umlaute, in der Ausgabe fehlten jedoch die Punkte auf ä,ü,ö, etc. Statt Zehn Dinge für 2010 las ich nur noch Zehn Dinge fur 2010 (was in Reihe nicht gerade klug wirkt). Es dauerte etwas, bis ich rausfand, dass an diesem (im Netz nicht dokumentierten) Fehler ausgerechnet ein Plugin steckte, das den Namen UTF-8 Convertor trägt. In meiner Not am Anfang des Umzugs hatte ich mittels dieses Plugins versucht, die Datenbank auf UFT-8 umzustellen. Das gelang (aus oben genannten Gründen) nicht und jetzt blockierte das Plugin auch die händische Reperatur.

In jedem Fall sollten die Digitalen Notizen jetzt schneller laufen als vorher. Auch das Kommentar-Problem sollte gelöst sein (Fehler im Rechnen-Plugin). Man kann jetzt also wieder kommentieren – und die aktuellsten Kommentare werden zukünftig auch auf der Startseite rechts in der Sidebar angezeigt.

Opfer einer gewerblichen Urheberrechtsverletzung?

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Ich bin Opfer einer Urheberrechtsverletzung geworden – und zwar in einem gewerblichen Ausmaß. Jedenfalls kann man das so sehen. Ein Münchner Bekleidungsgeschäft nutzt in seiner Filiale in der Innenstadt (Bestlage Kaufinger Straße) mein geistiges Eigentum zur Umsatzsteigerung. Mir ist dieser Vorgang nur durch Zufall aufgefallen, als ich gestern durch die Münchner Fußgängerzone spazierte – ein Ort, von dem ich bisher dachte, er sei keinesfalls ein rechtsfreier Raum.

Ich passierte ein Schaufenster, das aus Dekorations- oder Umbauzwecken (das habe ich nicht genau erschließen können) auf seiner Rückseite mit Zeitungsseiten tapeziert ist. Dort findet sich auch eine Seite aus der Süddeutschen Zeitung – und zwar aus dem Januar 2009. Darauf ist (u.a.) mein Text Kontrolle ist schlechter zu sehen, in dem ich mich mit dem Thema Urheberrecht im Internet befasse (und der mir den beschimpfend gemeinten Titel Netzweltversteher einbrachte). Es muss also als besonders perfide bewertet werden, dass das Münchner Bekleidungsgeschäft ausgerechnet dieses geistige Eigentum unentgeltlich weiternutzt. Gleichzeitig werden sich die Verantwortlichen nicht auf Unwissenheit rausreden können, wenn sie Post von meinen Anwälten bekommen.

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Nein, bisher habe ich noch keinen Rechtsvertreter. Ich bin mir aber sicher, dafür leicht einen zu finden. Er oder sie würde vermutlich so argumentieren: Der Wert meines geistigen Eigentums wird durch diese ungenehmigte Nutzung eingeschränkt. Der Absatz an Zeitungen wird durch diese Veröffentlichung geschmälert und zudem findet die Verbreitung in einem kommerziellen Rahmen (Schaufenster!) statt – und zwar im Kontext mit zahlreichen weiteren Zeitungsseiten. Man muss dem Urheberrechtsbrecher also durchaus ein gewerbliches Ausmaß unterstellen.

So jedenfalls wird derzeit bei ähnlichen Fällen im Internet argumentiert.

In der realen Welt (vulgo: Fußgängerzone) ist es an der Tagesordnung, dass Menschen Zeitungen weiternutzen. Sie basteln sich Hüte, wickeln Fische oder Blumen darin ein oder tapezieren ihre Wände damit, wenn sie renovieren. Ich finde das gut. Ich werde ganz sicher keinen Rechtsanwalt mit diesem Fall betreuen. Im Gegenteil: Ich würde mir wünschen, dass wir diese Offline-Selbstverständlichkeiten auch im vermeintlich rechtsfreien Raum des Internet anerkennen – und Möglichkeiten der angemessenen Nutzung schaffen.

Aber das Internet ist ja keine Fußgängerzone …

P.S.: Bei Malte Welding gibt es heute übrigens einen sehr interessanten Text, der sich mit einer ähnlichen Frage befasst, den Wohnzimmerschrank des Vaters eines Klassenkameraden (in dem dieser VHS-Kopien aufbewahrte) mit dem Netz vergleicht und zu dem Schluss kommt:

Und wo ist nun der Unterschied zwischen dem Schrank und der Facebookseite? Der Unterschied ist, dass unterdessen alle verrückt geworden sind.