Alle Artikel mit dem Schlagwort “blogs

10 Jahre Mosaikum

Der lesenswerte kerleone feiert im Fluss der Belanglosigkeit gerade zehnten Geburtstag (wie der jetzt-Kosmos). Wie es sich für eine zurückhaltenden Internet-Existenz gehört, eher still und leise – aber in dem kleinen Post steckt viel von dem, was ich gute Gründe fürs Bloggen nennen würde:

Durch das Weblog habe ich meinen Schreibstil entwickelt, ich bin aufs Fotografieren gekommen, habe mit Tönen experimentiert (was schließlich auch meinen Beruf geprägt hat), habe viele Dinge in der Welt entdeckt und vor allem gute Freunde kennengelernt. Danke Mosaikum – du bist keine Kleinigkeit mehr für mich!

In Kategorie: Netz

Wieder Wasser im Pool

Ich finde ich mich dann und wann in Debatten wieder, in denen ich erklären muss, was ich da im Internet eigentlich so mache. Warum ich Twitter nutze und was ich da auf Facebook poste, werde ich gefragt und die Fragenden schauen dabei als würde ich Fernreise für Außerirdische anbieten.

Keine Sorge, das hier wird kein weiterer Beitrag zur digitalen Spaltung unserer Gesellschaft, sondern der Hinweis (den ich an der Blogbar las) darauf, dass die ersten Bloggerinnen und Blogger, die ich in meinem Leben mit Geduld und Interesse las, wieder Wasser in ihren Pool gelassen haben: Unter poolistas.blogspot.com gibt es seit kurzem Texte von Menschen, die ich vor einer Ewigkeit unter Am Pool gerne las. Ob dieses Literaturforum damals eine Frühform von Blogs oder eine Spätform von Popliteratur war, mögen Literaturwissenschaftler ergründen. Ich habe jedenfalls gerne Am Pool vorbeigeschaut und Beobachtungen gemacht, die weit über Blogs und Popliteratur hinaus gehen.

Damals hatte ich keine Ahnung, was RSS ist und dass man Texte auch lesen kann, ohne ständig auf eine Website gehen zu müssen. Das ist heute anders.

Vernünftige Beleidigungskultur

In seiner so kalkuliert überraschenden wie lesenswerten Kolumne fordert Sascha Lobo auf Spiegel-Online: Pöbler an die Maus!. Er schreibt:

Mit dem Internet ist ein Kommunikationsraum entstanden, der mündliche Spontaneität mit schriftlicher Dauerhaftigkeit verbindet. Ins Internet übertragen wäre jedes zweite Gespräch in bundesdeutschen Firmenteeküchen rechtlich problematisch. Normale Unterhaltungen sind voll von Beleidigungen, ungerechten Unterstellungen bis hin zur Verleumdung, Schmähkritiken und übler Nachrede: ein bunter Blumenstrauß von Verletzungen verschiedenster Persönlichkeitsrechte. Ist es nicht bigott, dass eine alltägliche Unterhaltung strafbar wird, wenn sie im Netz stattfindet, weil in der digitalen Sphäre die Grenzen zwischen privater und öffentlicher Kommunikation nicht mehr trennscharf zu ziehen sind?

Das sind gute Fragen, die allerdings ein wenig darunter leiden, dass Sascha die wichtigen politischen Forderungen, die er am Ende des Textes stellt (Recht auf Anonymität, wider digitalreaktionäre Einstellungen) durch die widersinnige Forderung nach „vernünftiger Beleidigungskultur“ einbremst. Ich kann mir unter dieser Forderung nur alkoholfreies Bier vorstellen und das kann nicht gemeint sein.

Darüberhinaus krankt der Text an dem umgekehrten rechtsfreien Raum. Er behauptet, außerhalb des Netzes seien Dinge erlaubt, die im Netz nicht gingen. Dabei wird verkannt, dass in der Teeküche der Beschimpfte meist gar nicht anwesend ist und die dort gepflegte Beleidigungskultur bestensfalls feige ist.

Dass man aber durchaus eine anständige Beleidigungskultur nicht nur fordern, sondern auch öffentlich pflegen kann, hat Sascha selber im Herbst 2010 in diesem Beispiel für Beleidigungskultur gezeigt. Leider ist dieser Text nicht in der Kolumne verlinkt, er hätte viele Fragen sofort beantwortet.

In Kategorie: Netz

Kostenlos lesen!

Kostenlos ist nicht nur ein Geschäftsmodell, sondern tatsächlich auch eine „Kultur”. Kultur wächst und gedeiht durch (Mit-)teilen, Weitergeben, Empfehlen und dadurch, dass sie allen gleichermaßen zur Verfügung steht. Erst durch Mund-zu-Mund- Propaganda entsteht Popularität, die sich dann wiederum zu Geld machen lässt. Ohne jede „Empfehlungs-Kultur” ließen sich Musik, Filme oder Serien auf Dauer schwer verkaufen.

Bei screen.tv schreibt Felix Schwenzel über die auch hier schon häufiger thematisierte Kostenlos-Kultur. Das ist lesenswert, wird aber durch eine merkwürdige Aufteilung auf mehrere Seiten schwieriger gemacht als nötig.

Werdet Helden!

Am Sonntag 4. Juli wird Adnan Maral in München beim CVJM in der Landwehrstraße sein, um dort im Rahmen der Aktion Gemeinsam für Sven! Menschen zu Helden zu machen. So jedenfalls kündigt er es in diesem kleinen Clip an:

Es geht um die Typisierung im Rahmen der DKMS. Dort kann man Lebensspender werden, sich also als Knochenmarkspender registrieren lassen. Das geht sehr einfach und kann womöglich sehr helfen. Hoffentlich auch in dem aktuellen Fall eines guten Freundes!

In Kategorie: DVG

Viele Sätze für den Journalismus

Sollte in naher Zukunft mal wieder jemand von mir wissen wollen, was denn so toll sei am Internet und warum ich ständig vom Dialog schwärme: Das hier ist eine Antwort. Gestern hatte ich eine kleine Idee, stellte vier Fragen und heute schon gibt es zahlreiche sehr spannende Antworten. Das besondere dabei ist nicht allein die hohe Qualität und Geschwindigkeit (siehe dazu Rivva). Nebenbei ist so nämliche eine interessante Sammlung an bloggenden und twitternden Kollegen entstanden. Deshalb hier eine erste Übersicht (wird ständig weiter aktualisiert, wenn neue Antworten gebloggt werden):

In seinem dringend empfehlenswerten Blog print-wuergt.de schlägt Michalis Pantelouris ein neues Geschäftsmodell vor: „Nachrichten werden mit einem Laser auf Bratwürste tätowiert, so dass man sie vor dem Essen lesen kann. Das ist aber, wie gesagt, nur ein Modell. Es wird noch eine Million andere geben.“

Jens Weinreich sagt zwar, er brauche eigentlich 10.000 Zeichen, schreibt dann aber sehr pointiert, dass jeder Journalist lernen sollte zu bloggen, „also im Dialog zu kommunizieren, nicht nur Genres, sondern auch verschiedene mediale Darstellungsformen professionell anzuwenden und seinen Schaffensprozess so transparent wie möglich zu gestalten, um Vertrauen aufzubauen und die Umstände seiner Arbeit in die Debatte einzubringen, und natürlich seine Fehler einzugestehen und öffentlich zu korrigieren – übrigens wären Ausdauer und Fachwissen auch nicht schlecht.

Bei kopfzeiler.org wünscht sich Johannes Kuhn, jeder Journalist würde lernen: „Dass der Medienwandel eine riesige Chance für uns bietet, wir aber dafür neben dem Handwerk auch die technische und kulturelle Basis des Internets verstehen lernen müssen.“

Auf onlinejournalismus.de prognostiziert Thomas Mrazek, dass wir uns in zehn Jahren darüber wundern werden, dass heute „noch so intensiv über die Vor- und Nachteile des Online-Journalismus diskutiert wurde, statt einfach mal zu machen!“

Beim Presseclub Dresden schreibt Peter Stawowy: „Es ist absurd, den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten den Zugang zum Internet einzuschränken. Es wird langfristig keine Zeitungsverlage, Radiostationen oder Fernsehanstalten mehr geben – es wird nur noch Medienhäuser bzw. -anbieter geben.“

vera von Kaffee bei mir? antwortet auf die Frage nach den Geschäftsmodellen: „Journalisten werden unabhängiger, als Ein Mann/Frau-Unternehmen für verschiedene Auftraggeber arbeiten, und versuchen, sich als ‘Markenzeichen’ zu etablieren.“

In seinem Blog formuliert Michi Schmidt als Lernziel für jeden Journalisten: „Themen, Geschichten und Zugänge zu finden, die abseits von Imperativen wie Formatierung, Nutzungsoptimierung, Lakonie, Originalität oder Konsumierbarkeit an möglichst präziser ästhetischer und politischer Reflexion interessiert sind.“

Bernd Oswald sieht im PIN-Blog ein Geschäftsmodell in einer „Mischung aus Anzei­gen, Spen­den für (inves­ti­ga­tive) Geschich­ten und vom Nut­zer selbst bestimmte Micro­pay­ments. (Kachingle und Flattr wer­den nicht unter sich bleiben).“

In Interviews führen – der Blog schreibt Christian Thiele, dass jeder Journalist wissen sollte, „dass Pferdekutscher mal ein echt wichtiger Beruf war, der eine goldene Zukunft hatte.“

In Lost and Found schreibt Heinz Wittenbrink: „Es wird für Journalismus so wenig ein Geschäftsmodell geben, wie es heute eins für Kunst gibt.“

Im Journalistenschredder fordert Ugugu, jeder Journalisten soll: „Relevante Fragen stellen und Leserfragen ernsthaft beantworten.“

Jan Eggers schreibt bei Eggers Elektronik dass Nutzerbeteiligung den Journalismus besser macht: „Wenn sie uns zwingt, zu erklären, wie wie wir arbeiten und warum. Wenn sie uns hilft, nie mehr: “Das versendet sich” zu sagen. Wenn unsere Nutzer von Empfängern zu Teilhabern werden, die uns unterstützen und antreiben.“

Als Medienlotse hofft Jan C. Rode auf mehr Qualität bei der Nutzerbeteiligung. „Wie das geht? Die Leser-Community kann online den besten oder hilfreichsten Kommentar küren (siehe Guardian) und so helfen, die Qualität der Beiträge zu heben. Die Journalisten müssen für die Beteiligung von außen jedoch auch offen sein.“

Bei Seitenhiebe schreibt Dennis Schmolk: Wir sind in einem Medienumbruch begriffen, der dem vom Wandel der Sprache zur Schrift, von der Schrift zum Druck in Nichts nachsteht. Also wird die Anpassung auch in zehn Jahren nicht vorbei sein.

Der Lead-Award-ausgezeichnete Hitler-Blogger Daniel Erk sagt, jeder Journalist sollte lernen: „Es gibt immer, immer, immer einen Leser der sich besser auskennt.“

Beiträge und Meinungen – unter anderem von Eva Schulz , Chat Atkins, Christian Thiele, Christian Jakubetz und Matthias Eberl – gibt es außerdem in den Kommentaren hier und hier.

Internet ausdrucken

Zwei Zitate aus der RSS-Lektüre von heute früh (nicht wertend, sondern nur beschreibend) nebeneinander gestellt

Im FAZ-Porträt Eine Bühne für die Netzgesellschaft über Alvar Freude sagt er:

„Leute, die das Internet nur durch Ausdrucke kennen, merken es gar nicht, wenn sie einen kulturellen Raum zerstören“

Der Tagesspiegel interviewt Wolf Schneider, der sagt:

Ich benutze gar keinen Computer, aber meine Frau verfolgt ein Dutzend Blogs und Twitter und druckt mir das aus. Kein Tag, an dem ich nicht mindestens zwei Blogs lese!

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flattr: die soziale Variante des Micropayment

We aim to revolutionize how people pay and get paid for content on the internet.

So erklären die Macher von flattr ihr Projekt. Das Ziel: Micropayment im Netz sinnvoll und sozial einsetzen – auf freiwilliger Basis.

Auf Basis des Erklär-Films muss man sagen: Das klingt sehr gut – und liefert eine neue Idee zur Debatte um Paid Content im Netz.

Für den Namen des Projekt haben die Macher (zu denen auch Peter Sunde, einer der Mitgründer von Pirate Bay zählt) die Begriffe to flatter (schmeicheln) und Flatrate verheiratet. Mehr dazu auch bei GigaOM

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Lesetipp: Eis-Blog

„Nehmen Sie Ingwerpulver mit, am besten aus dem Bioladen. Ein Teelöffel unter die Zunge, das hilft. Sanfter als die Pflaster, und Sie sind nicht so weggetreten.“

Mit diesem Tipp gegen Seekrankheit schickt der Betriebsarzt des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung den Kollegen Kai Voigtländer auf die Reise mit dem „wichtigsten Werkzeug der deutschen Polarforschung“, der Polarstern. Hier kann man sehen, wo das Schiff gerade ist – und auf Kais Eis Blog kann man nachlesen, wie er sich auf der Expedition, die er dokumentarisch begleitet, gerade fühlt.

Ein dringender Lesetipp für alle, die glauben es sei kalt in Deutschland.