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Learnji: Sprachen lernen mit Emojis

Emojis sind eine universelle Sprache der digitalen Kommunikation. Simon Schmid hat diese Erkenntnis zum Ausgangspunkt für eine spannende App gemacht: Sprachen lernen mit Hilfe von Emojis. Das ist die Idee von Learnji, das ich unlängst auf Product Hunt entdeckte – und anschließend mit Simon ins Gespräch kam. Hier erzählt er, wie es zu Learnji kam.

Was für eine charmante Idee: Sprachen lernen über Emojis. Wie bist du darauf gekommen?
Das ist wirklich eine lange Geschichte. Vor über vier Jahren war ich zum ersten Mal für meinen heutigen Job bei iubenda in Mailand. Damals wollte ich eine super simple App bauen, mit welcher ich durch die wichtigsten Worte „swipen“ können sollte. Mit einem weiteren „Swipe“ wollte ich dasselbe Wort in weiteren Sprachen sehen um vergleichen zu können, also zum Beispiel:

„Deutsch (Ausgangspunkt)“ -> „Italienisch (Lösung)“ -> „Spanish (Vergleich)“ -> „Französisch (Vergleich)“ -> „Portugiesisch (Vergleich)“ -> „Englisch (Vergleich)“

Dieses Konzept habe ich über zwei Jahre mit mir mitgetragen, als ich mich dann vor zwei Jahren hingesetzt habe um die Vision umzusetzen. Die zentrale Frage war dann natürlich: welche Worte willst du einbauen? Interessanterweise hat es mich dann ziemlich schnell wie der Blitz getroffen, „du musst Emoji nutzen“. Die Phase darauf bestand in Katalogisieren und im Aufsetzen einer ersten Version in einer Google Tabelle mit Englisch und einer Deutschen Spalte. Als ich mir dann sicher war, dass die Idee durchaus Sinn ergibt, war ich ziemlich euphorisch.

Hattest du einen besonderen Anwendungsfall im Kopf als du dir die App ausgedacht hast?
Ich wollte über diese spielerische Art und Weise Vokabular vermitteln, das nicht wirklich als Konkurrenz zu bestehenden Apps angedacht war. Im Gegenteil dazu, wollte ich es so simpel und informativ bauen, dass es eigentlich für alle interessant ist. Es spielt eigentlich fast keine Rolle ob man gerade in einem Sprachkurs ist oder nicht. Es ist einfach witzig damit zu spielen.

Was fasziniert dich mehr: die fremden Sprachen oder die Emojis?
Ich bin ein großer Emoji-Nutzer. Allerdings sind diese natürlich hier viel mehr Mittel zum Zweck. Ich liebe Sprachen. Also ist die Antwort hier eindeutig: Sprachen. Aber am Ende sind Emoji wiederum eigentlich Teil unserer Kommunikation, also irgendwo durch auch der Sprache. Ich nutze lieber Emoji im Plural, das ist wohl im Deutschen auch nicht ganz richtig, hier gibt es für das Englische eine schöne Abhandlung.

Hast du ein Lieblings-Emoji?
Ich nutze wohl momentan 😬 am meisten.

Und eine Lieblingssprache?
Das ist wirklich schwierig. Ich glaube das ändert sich immer wieder auch ein bisschen. Vielleicht könnte ich hier Rätoromanisch (auch Rumantsch, Romontsch, Rumauntsch) hervorheben, dann wird niemand böse. Die Sprache ist möglicherweise in ihren letzten Zügen, hat sich lange Zeit gegen allemannische Dialekte „halten“ müssen und klingt in meinen Ohren einfach wunderbar. Dazu gibt es Zankapfel wie die Questione Ladina und auch wenn nur noch wenige Rumantsch sprechen, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Dialekten ist zum Teil riesig. Ausserdem haben die auch wunderbare Namen: Sursilvan, Tuatschin, Sutsilvan, Surmiran, Putèr, Vallader und Jauer.

Wenn man die App nutzt, fällt auf, dass du ein paar Emojs eher frei übersetzt hast. Wie hast du z.B. Frühling oder Winter übersetzt?
Mir war es wichtig, ganz, ganz simple Worte zu nutzen. Da bin ich dann halt in einigen Fällen von der offiziellen Version abgewichen. Ich wollte ja nicht Emoji beibringen, sondern eben Worte/Verben und weitere nützliche und notwendige Mitglieder der Sprachenpalette. Dies hat mich Monate gekostet und ist nach wie vor ein Prozess, an dem ich arbeite. Es geht darum möglichst nützliche Dinge zu erlernen. Ich hoffe allerdings schon, dass es in den meisten Fällen Sinn ergibt.
Frühling, Sommer, Herbst, Winter waren einfach auch Teil davon: da sieht man dann halt einen Berg mit Schnee, oder im Wind herumflatternde Blätter.

Unlängst warst du auf Producthunt gefeatured. Gab es besondere Reaktionen?
Die Reaktionen überraschen mich sehr positiv. Dieses Interview ist Teil davon, weitere Interviewanfragen hatte ich auch. Vor allem ist das Feeback meiner Beta-Tester auf Product Hunt sehr positiv und das macht mich sehr glücklich und gibt auch Energie für die nächsten Versionen. Natürlich gab es auch wenige hämische Kommentare, aber das ist wohl nie zu verhindern.

Hier Learnji im App-Store laden

loading: Meta Morfoß

Wie kann man den Spaß am Lesen mit den Möglichkeiten der Technik verbinden? Mit Lesequest – sagen die Macher von Daktylos Media, die gerade auf Startnext die Meta Morfoß-App vorstellen. Nikolay Baranov, Anna Burck und Fabian Kern (Disclosure: Mit dem ich persönlich bekannt bin) haben deshalb den loading-Fragebogen ausgefüllt.

Was macht ihr?
Wir entwickeln Kinder-Apps für Tablets, die sich deutlich von dem unterscheiden, was zur Zeit auf dem Markt ist: Unser Ziel ist es, die Möglichkeiten dieser für Heranwachsende so spannenden Geräte auszunutzen, aber gleichzeitig den Charakter des Lesens und die Faszination von Literatur zu erhalten. Unsere Produkte sollen sehr viel mehr sein als reine 1:1-Umsetzungen des Textes, aber auch keine reinen Spiele-Apps, wie sie in Massen in den App-Stores zu finden sind. Dazu haben wir ein eigenes Buch-App-Format entwickelt, die „Lesequest“. Für unsere erste Kinderbuch-App haben wir Meta Morfoß ausgesucht, eine sehr überraschende Erzählung des Schriftstellers Peter Hacks über ein Mädchen, das sich ständig in alles Mögliche verwandelt.

Mit unserer Lesequest holen wir gute Literatur aufs Tablet und wollen damit anspruchsvolle Inhalte für Kinder im Lesealter in die Stores bringen. Die Lesequest funktioniert so, dass man den Text liest und darin Schlüsselwörter findet. Wenn man diese Wörter antippt, werden die Illustrationen animiert, es passiert etwas in den Bildern und so kommt man in der Geschichte weiter. Die Bilder dafür schafft der Illustrator und Animator Max Litvinov aka KClogg.

Warum macht ihr es (so)?
Zuallererst machen wir etwas, was uns Spaß macht – die verlegerische Arbeit auf neue Wege für die Produktion und Verbreitung von Inhalten zu bringen. Kindern wird heute so viel Zerstreuung und Ablenkung geboten, aber wenig Inhalte, die auf spielerische Weise einen Bezug zu Kultur, zu neuem Wissen schaffen. Mobile Geräte sind für Kinder so faszinierend, dass diese, wenn sie die Wahl haben, lieber zum Tablet als zum Buch greifen. Wir haben uns gefragt: Wie lässt sich diese Technikfaszination mit dem Spaß am Lesen verbinden? Wie kann man Kinder für gute Literatur begeistern? Inhalte und Informationen können heute auf so spannende und abwechslungsreiche Weise vermittelt werden. In den Stores findet man für Kinder im Lesealter auf Deutsch keine innovativen Buch-Apps. Wir füllen diese Lücke. Wir möchten für die heutigen Kinder, die selbstverständlich mit dem Tablet aufwachsen, eine Brücke zum Lesen schlagen. Lesen ist und bleibt eine elementar wichtige Technik. Wir wissen heute noch nicht, wohin sich das Lesen entwickelt, was mit dem guten alten gedruckten Buch passiert. Wir wollen es auch nicht ersetzen, sondern ergänzen.

In unseren Gesprächen mit Mediengestaltern und anderen Eltern ist uns klar geworden, dass diese Fragen viele Menschen bewegen. Wie sich Medien entwickeln, prägt eine Gesellschaft und ihren sozialen Zusammenhalt in ganz zentraler Weise. Durch unsere Crowdfunding-Kampagne wollen wir nicht nur die Finanzierung unseres ersten Projekts realisieren, sondern auch so viele Menschen wie möglich an dieser Entwicklung teilhaben lassen. Wenn nicht wir die Zukunft gestalten, werden es andere für uns tun.

Wer soll das lesen?
Der Text selbst ist für Kinder ab acht Jahren geeignet, aber auch jüngere Kinder, die gerade erst Buchstaben und das Lesen entdecken, haben schon Spaß an der App. Außerdem ist sie auch für alle Großen gedacht, die Literatur lieben, die Peter Hacks als Schriftsteller oder, wenn sie ihn vielleicht schon als Dramatiker kennen, eine besondere Seite an ihm entdecken wollen, nämlich seine wunderbaren Texte für Kinder. Außerdem ist die App für Leute interessant, die auf originelles Konzept und Design für mobile Apps neugierig sind.

Wie geht es weiter?
Wir haben einen App-Prototypen erstellt, der rundum positives Feedback bekommen hat. Nun brauchen wir soviel Unterstützung wie möglich für unser Crowdfunding-Projekt auf Startnext zur Realisierung der Meta Morfoß App. Wenn unsere Kampagne erfolgreich ist, planen wir, die App im Herbst in die Stores zu bringen und auf der Frankfurter Buchmesse vorzustellen. Und wir möchten dann mit der Konzeption der nächsten Lesequests beginnen. Außerdem wollen wir auch gern eine Kinderbuch-App entwickeln, die Belletristik und Sachbuch miteinander verbindet.

Was sollten mehr Menschen wissen?
In unseren Augen wird durch die aktuelle Entwicklung der modernen Digitalmedien bestimmt, in welcher Wissens- und Erlebniswelt unsere Kinder in Zukunft aufwachsen werden. Wir möchten diesen Prozess aktiv mitgestalten und dafür sorgen, dass auch Medien wie eBooks und Apps mit derselben didaktischen Qualität und gestalterischen Perfektion entstehen, wie dies beim Kinderbuch in der Vergangenheit der Fall war. Wir freuen uns über jeden, der uns auf diesem Weg begleiten will, sei es durch die Unterstützung unseres Projektes, durch die kreative Auseinandersetzung mit unseren Ideen oder dadurch, dass die Crowdfunding-Community weiter zum Wachsen gebracht wird. Natürlich sollen viel mehr Menschen über unsere Crowdfunding-Kampagne für die Meta Morfoß App erfahren, damit wir Unterstützung bekommen. Crowdfunding ist eine Möglichkeit, die Welt in deiner unmittelbaren Umgebung besser zu machen, das in die Welt zu bringen, was du dir für dein Leben wünschst.


>>> Hier kann man die Meta Morfoss App direkt auf Startnext unterstützen

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:



loading: Substanz

Ein neues Wissenschaftsmagazin – das ist das Ziel von Georg Dahm und Denis Dilba. Die beiden Journalisten arbeiteten bei der Financial Times Deutschland und haben danach die Fail Better Media GmbH gegründet. In dieser Woche haben Dahm und Dilba mit dem Crowdfunding für ihr Wissenschaftsmagazin Substanz für Aufmerksamkeit gesorgt – und trotzdem noch Zeit gefunden, den loading-Fragebogen zu beantworten.

Was macht ihr?
Wir machen Substanz, ein wöchentliches Wissenschaftsmagazin, das nur als Bezahl-App erscheint. Die Geschichten darin inszenieren wir von Anfang an digital: Wir garnieren nicht einfach Print-Artikel mit Bildergalerien und Youtube-Filmen – wir verwenden HTML5- und Multimedia-Elemente als Teil einer sinnvollen Komposition, die auch lange Lesestücke Tablet-tauglich macht. Was noch wichtiger ist: Wir machen keinen Schreibtisch-Journalismus, wir erstarren nicht in Ehrfurcht vor Professorentiteln. Wir setzen auf zeitlose Themen abseits des Mainstreams, unsere Autoren sind vor Ort und bekommen Zeit zum Recherchieren. Wir werden reportagiger und porträtlastiger sein, als das im Wissenschaftsjournalismus heute üblich ist.

Warum macht ihr es (so)?
Weil wir glauben, dass eine solche kritische und lebendige Stimme im digitalen Gewühl fehlt. Weil wir die enormen Möglichkeiten nutzen wollen, die der digitale Wandel dem Journalismus bietet – wir wollen ausprobieren, wie wir große Lese-Geschichten auf Tablets und Laptops neu erzählen können.
Und weil wir nicht mehr darüber reden wollen, wie das Internet die klassischen Verlags-Geschäftsmodelle kaputt macht – wir wollen neue Geschäftsmodelle entwickeln, damit man vom Qualitätsjournalismus wieder leben kann.

Wer soll das lesen?
Wir schätzen, dass zuerst vor allem jüngere Leser zwischen 15 und 40 auf das digitale Format und diese im Wissenschaftsjournalismus ungewohnte Sprache einsteigen werden. Aber prinzipiell sind unsere Zielgruppe alle, die unterhaltsame und fundierte Wissenschaftsgeschichten lesen wollen. Schüler ebenso wie ihre Eltern und Lehrer. Studenten ebenso wie Postgraduierte und Professoren, die mehr lesen wollen als nur die Publikationen ihres Fachgebiets. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, aber auch nicht von Nachteil: Substanz-Geschichten respektieren Laien und Experten gleichermaßen.

Wie geht es weiter?
Unsere Crowdfunding-Kampagne läuft bis zum 22. März, dann werden wir einmal tief durchatmen und anschließend Substanz zur Marktreife bringen. Heißt: die App fertig entwickeln und Geschichten, Geschichten, Geschichten produzieren. Bei Substanz wird ja nicht nur die Recherche aufwändig, sondern auch die Gestaltung – besonders am Anfang, wenn wir unsere multimediale Bildsprache entwickeln.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Wie wissenschaftlicher Erkenntnisfortschritt wirklich funktioniert. Wir glauben, dass man Wissenschaft nur dann versteht, wenn man die Menschen versteht, die sie betreiben. Mit all ihren Widersprüchen, ihren Förderern und Feinden, ihren Weltbildern und Visionen, ihren Triumphen und Niederlagen. Darum machen wir keine glatten Heldenporträts vom Herrn Professor im aufgeräumten und blau ausgeleuchteten Labor. Wir gehen dahin, wo gearbeitet wird, auch in die zweiten Reihe, zu den Doktoranden und Nachwuchsforschern, den Außenseitern und Überfliegern.


>>> Hier Substanz auf Startnext unterstützen!

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Das Blogbox-Experiment

Heute startet Blogbox – eine iPad-App aus München. Gemeinsam mit 51 anderen Blogs taucht auch mein Blog in der Übersichtsliste der Seiten auf, die zum Start in der Blogbox zu lesen sind.

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Dazu zählt auch Netzwertig, wo Martin Weigert das Konzept von Blogbox vorstellt:

Was Blogbox von tabletbasierten Newsreadern wie Flipboard, Pulse und Newsrepublic abhebt, ist unter anderem die automatische Paketierung der Inhalte und der ausschließliche Fokus auf deutschsprachige Blogs. (…) Das Ziel der drei Blogbox-Macher Moritz Orendt, Bernhard Hering und Marco Eisenack ist es, Blogs aus der Nische zu holen und ihnen gleichzeitig eine attraktive Einnahmequelle zu erschließen. Aus diesem Grund beinhaltet Blogbox ein integriertes, freiwilliges Bezahlsystem, nicht unähnlich dem von Flattr. Nutzer der App können sich mit der internen Währung “Bonbons” bei den einzelnen Blogs für Artikel bedanken. Bonbons werden per In-App-Kauf erworben, zehn Bonbons – die sogenannte “Studentenpackung” – kosten 0,89 Cent. Wer ein größeres Budget hat, kann für 7,99 Euro die 100 Bonbons beinhaltende Förderpackung erwerben. Das Startup betont, dass es nach Abzug von Apples 30-prozentiger Provision sämtliche Einnahmen an die jeweiligen Blogs ausschüttet.

Als ich gefragt wurde, ob ich mit den Digitalen Notizen dabei sein will, habe ich nicht wegen der Bonbons zugesagt, sondern weil ich das Experiment mag. Kann man andere Zugänge zu Inhalten bauen? Blogbox versucht das, ich bin gespannt, mit welchem Ergebnis.

Feedback und eigenes Blogbox-Erleben gerne in den Kommentaren!

Eine neue Version ist verfügbar: die Zeitungsapp

Seit dieser Woche gibt es die Süddeutsche Zeitung (bei der ich arbeite) nicht nur auf Papier, als Nachrichtenwebsite und Tabloid-App, seit dieser Woche gibt es die Süddeutsche Zeitung auch für Android- und iPhone-Endgeräte. Diese Erweiterung der Angebotspalette freut mich sehr, denn dadurch wird vieles von dem greifbar was ich in der Debatte zur Zukunft der Zeitung in den vergangenen Monaten schrieb: Eine Tageszeitung ist mehr als Papier! Ich kann mir am Vorabend auf mein Smartphone die Ausgabe des Folgetages laden, ich kann die Zeitung bereits am Abend lesen – dadurch ergeben sich andere Kontexte für das Medium, das in den vergangenen Wochen so leichtfertig totgesagt wurde, dass ich mir erlaube diesen kleinen Post in eigener Sache zu schreiben.

Zudem kann ich ihn mit einem anderen Hinweis auf eine neue Version verbinden, die ebenfalls dieser Tage im Handel sein wird: Am 9. September erscheint mein Buchprojekt Eine neue Version ist verfügbar in einer Update-Version im metrolit-Verlag. Gerade habe ich ein erstes Vorabexemplar des Buches bekommen, das sich mit der Frage befasst, wie die Digitalisierung Kunst und Kultur verändert.

Das Buch ist Ergebnis eines Experiments, das ich im vergangenen Jahr begonnen habe. Es beschreibt die Möglichkeiten, die die Digitalisierung für Kunst und Kultur bietet – und nicht nur deshalb verbinde ich diesen Werbehinweis mit dem Link auf die neuen SZ-Apps. Es ist Zeit für einen Blick auf die Chancen der Digitalisierung!

Flieg nicht zu hoch, du alter Freund

altervogel Ich muss mich von einem alten Bekannten verabschieden: von dem alten Twitter-Vogel. Seit Jahren benutze ich auf dem iPhone die alte Twitter-App. In einer völlig überholten, aber wunderbar tauglichen Version. Ich habe mich bisher jedem Update verweigert und erfreute mich an der alten App wie Oldtimer-Fahrer sich an ihren Autos erfreuen. Denn die alte Twitter-App konnte etwas, was kein anderes Programm mir bieten konnte: Sie konnte Links ohne diese aufrufen zu müssen in Instapaper speichern.

Seit ein paar Tagen ist die App altersschwach. Sie zeigt keine Suchergebnisse mehr an und verweigert die Anzeige von Hashtags. Das ist nicht schön und ich komme wohl nicht umhin, diese alte Version zu erneuern. Das will ich aber nicht ohne kleinen Hilferuf tun: Gibt es da draußen jemanden, der mir eine App empfehlen kann, die Links ohne Aufruf in Instapaper speichern kann?

Ich freue mich auf Hinweise in den Kommentaren – oder @dvg tweetbot

Update: Vielen Dank für die vielen @-Replys und Kommentare. Habe mir die Tipps allesamt angeschaut und seit kurzem Tweetbot im Einsatz. Sieht zwar katastrophal aus, fährt sich aber wie ein modernes Auto nachdem man jahrelang im Oldtimer gereist ist. Vielen Dank!!

Doppelt bezahlt

Man ist offensichtlich von Seiten der Verlage auf dem Holzweg, wenn man journalistische Inhalte kostenlos anbietet. Diese Kostenloskultur kann nicht Ziel führend sein. Das kann für die Verlage nur heißen, man muss dahin kommen, die journalistischen Inhalte zu verkaufen. Da sind kostenpflichtige Apps der richtige Anfang. Bei diesen fühlen sich die Verleger jedoch im Markt behindert. Wenn der Verlegerverband die Apps kostenpflichtig macht, dann werde ich mich auch vehement dafür einsetzten, dass unsere öffentlich-rechtlichen Apps kostenpflichtig sind.

Seit diesem Jahr ist Monika Piel die amtierende Vorsitzende der ARD. In dieser Funktion hat sie zahlreiche Interviews gegeben. In dem mit der Frankfurter Rundschau hat sie die obigen Sätze gesagt. Neben der Tatsache, dass sie darin entscheidende Fragen der digitalen Verbreitung von Informationen missachtet (siehe dazu die Einschätzungen von Guardian-Chef Rusbridger sowie die Entscheidung von USA-Today zur Bepreisung ihrer iPad-App) stellt man erstaunliche Verbindungen fest, wenn man die anderen Interviews dazu quer liest. Im SZ-Gespräch sagt Piel mit Blick auf die Umstellung der Rundfunkgebühren:

Ich finde es aber angemessen, dass in einer Demokratie nicht nur Straßen mitbezahlt werden, ob man nun ein Auto hat oder nicht. Dass auch Information und deren Vermittlung ein Infrastrukturbeitrag ist, ist folgerichtig.

Ich bin kein Medien-Experte und verstehe sicher die öffentlich-rechtliche Gremien-Politik nicht ausreichend. Ich frage mich dennoch, wieso Frau Piel sich vehement dafür einsetzen möchte, dass Apple nochmal an Dingen verdient, die der Verbraucher bereits bezahlt hat. Gibt es niemanden unter den Millionen Gebührenzahler in diesem Land, der sich gegen diese Ansichten wehrt?

Update: Nach der Lektürer weiterer Piel-Interviews habe ich dann das hier geschrieben.

Alles hat ein Ende

Hier gibt es offenkundig ein Bedürfnis eines Teils der Mediennutzer nach Endlichkeit und Überschaubarkeit – im Gegensatz zum unendlichen, unüberschaubaren Internet. Es ist eine Sehnsucht nach dem Gefühl, eine Zeitschrift komplett „durchgeblättert“ zu haben, oder die Illusion, informiert zu sein, wenn man die ganze 20-Uhr-“Tagesschau“ gesehen hat.

In dem Was willst du mit dem iPad, sprich! betitelten Texte der gestrigen FAS über die iPad-Pläne von Zeitungsverlagen schreibt Stefan Niggemeier die oben genannte Sehnsucht vor allem der älteren Generation zu. Ich glaube jedoch, dass in dieser Endlichkeit sehr viel mehr steckt – auch unabhängig vom iPad.

Das Beste: ist der Inhalt

Jason Schwartzman macht Werbung für die iPadApp vom New Yorker. Das ist lustig:




Das Beste an der App ist aber: Sie liefert den Inhalt des New Yorkers. Zum Beispiel dieser famose (aber inhaltlich falsche Text) namens Twitter, Facebook, and social activism von Malcolm Gladwell. Darin versucht er – in Abgrenzung zu Clay Shirky – zu belegen, dass die neuen Ausdrucksformen des sozialen Netz‘ keinen wirklichen Protestformen hervorgebracht haben. Bestätigt aber indirekt, was hier schon an unterschiedlicher Stelle Thema war: Wie Twitter und Facebook zu Informations-Hinweis-Quellen werden:

Our acquaintances—not our friends—are our greatest source of new ideas and information. The Internet lets us exploit the power of these kinds of distant connections with marvellous efficiency. It’s terrific at the diffusion of innovation, interdisciplinary collaboration, seamlessly matching up buyers and sellers, and the logistical functions of the dating world.

Das Problem mit dem Text bringt Nancy Scola bei techPresident übrigens sehr gut auf den Punkt:

And Gladwell’s unfortunate north star, as it is for so many doubters in this arena, is that effective, strategic, engaged political activism in the year 2010 onward is going to look the same as effective, strategic, engaged political activism has looked before. But why would we assume that the complex problems facing the modern United States, at least, are best met by the march-in-the-streets activism that greeted the abuses of the 1960s?

Übrigens: am morgigen Mittwoch stellt sich Gladwell den Fragen seiner Leser!