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loading: Leerstandsmelder

Der Leerstandsmelder braucht technische Verbesserung – deshalb haben die Macher ein Crowdfunding-Projekt auf Startnext ins Leben gerufen. Sarah Oswald hat dazu den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Leerstandsmelder.de schafft Transparenz über die Leerstandssituation in mittlerweile 29 Städten. Er ist ein kollektiver und frei zugänglicher Datenpool für leerstehende Räume. Leerstandsmelder hat sich seit seinem Start im Dezember 2010 als ein starkes Instrument und bedeutendes Argumentationsmittel für eine andere Stadtentwicklungspolitik in zahlreichen Städten entwickelt. Er möchte Transparenz über die Leerstandssituation schaffen, neue Möglichkeitsräume aufzeigen, Interessierte vernetzen und schließlich einen sozial gerechteren und nachhaltigeren Umgang mit dem räumlichen Potential von Leerständen anregen.

Warum macht ihr es (so)?
Leerstandsmelder setzt auf kollektives Wissen. Nach dem Prinzip des Crowdsourcings werden Meldungen über Leerstände auf der Plattform von unterschiedlichen Menschen zusammengetragen, kommentiert und aktualisiert.
Damit ist der Datenpool unabhängig von kommunalen Informationskanälen. Leerstandsmelder.de wird ehrenamtlich und ohne Gewinninteressen betrieben. Er wird dezentral verwaltet: In jeder der 29 aktiven Städte ist jeweils eine lokale Gruppe für den örtlichen Leerstandsmelder verantwortlich. Dieses nicht-hierarchische Prinzip unterstützt, dass lokales Wissen einfließen, örtliche Netzwerke aktiv in den Prozess treten und Leerstände besser verifiziert werden können.
Ein Überblick auf die Leerstandssituation ist ein medienwirksames Druckmittel gegenüber der Stadtentwicklungspolitik und EigentümerInnen. Gleichzeitig wirkt Leerstandsmelder.de als Informationsquelle für autonomes Handeln mobilisierend: Die Kenntnis über leerstehende Räume ruft Ideen hervor und aktiviert Menschen sich für die Öffnung und Wiedernutzung von Räumen zu engagieren.

Wer soll dabei mitmachen?
Zu den Zielgruppen gehören alle, die sich für die Entwicklung ihrer Stadt interessieren und sie mitgestalten möchten. Leerstandsmelder.de spricht insbesondere Menschen an, die sich für Denkmalpflege, Subkultur, Architektur, Nachnutzungen, eine Stadt für alle, eine Stadtplanung von unten und Partizipation interessieren und Leerstand bei gleichzeitiger Raumknappheit und steigenden Mieten für ungerecht halten.

Wie geht es weiter?
Nach vier Jahren braucht Leerstandsmelder.de dringend technische Überarbeitungen, um die Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen und weiter zu wachsen. Außerdem möchten wir eine Leerstandsmelder-App entwickeln, damit künftig Leerstände direkt von unterwegs gemeldet werden können. Diese Erweiterungen können wir ausnahmsweise nicht ehrenamtlich leisten: Bisher wird Leerstandsmelder.de komplett über den Gängeviertel e.V. aus Spenden finanziert und von mehr als zwei Dutzend lokalen Gruppen ehrenamtlich unterstützt und betrieben. Für die anstehenden technischen Erweiterungen sind wir allerdings auf das Know-How von professionellen Programmierern angewiesen, die fair bezahlt werden sollen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Es gibt mehr Leerstand in jeder Stadt als gedacht, auch in Städten mit einem angespannten Immobilienmarkt. Leerstandsmelder.de ist ein erster Schritt für einen Richtungswechsel im Umgang mit der urbanen Ressource Raum.

/// Hier kann man das Projekt direkt auf Startnext unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

Allmählich – und dann plötzlich

Fast 7000 weiße Ballons* steigen heute abend in den Himmel über Berlin. Die 60 Zentimeter großen Kugeln sind auf 2,50 Meter hohen Rohren befestigt und beleuchtet. Die so genannte Lichtgrenze ist der sichtbarste Teil des Jubiläums 25 Jahre Mauerfall, die Ballons trennen die Stadt auf 15 Kilometern an der Grenze, wo bis 1989 die Mauer verlief: „Wie 1989 überwinden unzählige Menschen gemeinsam die Teilung der Stadt. 25 Jahre später allerdings symbolisch, indem sie in einer gemeinschaftlichen Aktion die Ballons aufsteigen lassen„, kann man auf Berlin.de nachlesen, wo auch erklärt ist, dass das Aufsteigen der Ballons einem Dramaturgieplan folgt, dessen Start „der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und prominente Paten am Brandenburger Tor“ gaben.

Das war mir nicht klar, als ich im Fernsehen beobachtete wie die weißen Ballons in den Himmel stiegen. Ich hatte lange den Eindruck, dass die Ballons sich unerlaubt verselbstständigten, dass sie außer der Reihe in den Himmel stiegen. Was ich angemessen beeindruckend fand für dieses Jubiläum, das seinen Wert ja eben im Protest, im Widerstand und im Aus-der-Reihe-tanzen hat. Ein Rest davon schien sich in den Ballons auszudrücken – immerhin sagte Fernsehmoderator Sascha Hingst, nicht alle hätten sich an den Dramaturgieplan gehalten. Was aber ja nicht schlimm sei.

mauerfall

Ich hingegen fand es sogar toll – denn dieses allmähliche Aufsteigen der Ballons erinnerte mich an ein Zitat aus der Ernest Hemingway Geschichte Fiesta, das sehr anschaulich beschreibt wie (gesellschaftlicher) Wandel sich vollzieht: “Gradually, then suddenly“, sei die Veränderung gekommen, antwortet Mike in der Geschichte, die auf englisch „The Sun Also Rises“ heißt.

„Allmählich – und dann plötzlich“ vollziehen sich Veränderungen. Die einzelnen Schritte – wie das Aufsteigen eines singulären Ballons bemerkt man vielleicht gar nicht richtig – aber sie summieren sich. „None of these actions feel urgent“, schreibt der Autor und Berater Steve Dennis in Bezug auf das Zitat. „Until it’s too late.“

Vielleicht ist der Abend des 25sten Jubiläums des Mauerfalls kein guter Anlass über die Digitalisierung nachzudenken, vielleicht zeigt das allmähliche Aufsteigen der Ballons aber, warum wir uns mancherorts so schwer tun, die Folgen dessen abzusehen, was sich da Schritt für Schritt unter unseren Füßen verändert.

* In den Ankündigungen vor dem Wochenende ist stets von rund 8000 Ballons die Rede, die aktuelle Berichterstattung handelt von knapp 7000 Ballons. Ich habe keine Zeit, dies nachzuprüfen, nehme es aber als Zeichen, dass 1000 Ballons im Laufe der Aktion ihren eigenen Protest auslebten – und verschwanden

Wie Journalismus sich verändert (Oktober 2014)

Alles fließt – wer die dieser Tage gestarteten Webauftritte von Wired und Krautreporter anschaut kommt aus der Bewegung gar nicht mehr heraus. Krautreporter ist – nach dem Vorbild angelsächsischer Innovatoren wie i100 vom Independent oder Quartz – zunächst mal ein Schlauch. Kein allgemeinverbindlicher Anfang, keine Abschluss, sondern steter Fluss. Das ist konsequent, modern und flexibel im Layout. Wo früher eine ausführliche Navigation war, stehen heute drei Striche untereinander. Das kennt man von mobilen Ansichten – und genau dafür ist diese reduzierte Form der Navigation gedacht.

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Liquid Design nennt man das, eine Gestaltung, die sich dem Nutzungskontext der Leserinnen und Leser anpasst und je nach Bildschirmgröße skaliert. Und allein wegen dieser flüssigen, steten Bewegung lohnt es sich, Wired und Krautreporter in dieser kleinen Tagebuch-Rubrik festzuhalten, die sich ja eben dieser Bewegung in der Branche widmen will: Denn man vergisst ja wie flink die Digitalisierung durch den Journalismus eilt und nicht nur Gestaltung und Geschäftsmodelle – sondern vor allem auch Gewohnheiten ändert.

Deshalb hält die Oktober-Folge des Journalismus-Tagebuchs kurz inne, blickt auf Deutschlands neue Wochenendzeitung und die damit verbundenen Ausrichtung der Süddeutschen Zeitung (für die ich arbeite) auf Samstag und Sonntag und beobachtet die diese Woche gestarteten Mitglieder-Medien Wired und Krautreporter.

Wer dazu intensiver nachlesen will, was Blogs und Medien melden, sollte (in Bezug auf Krautreporter) Christoph Neuberger, turi2 oder Anne Fromm zuhören – oder bei Christian Jakubetz, Julian Heck oder Karsten Wenzlaff nachlesen. In Sachen Wired sagen Harald Staun, Christian Meier und Andreas Weck ihre Meinung.

Webseiten brauchen Cover!

Ich will mich hier auf die Frage der Übersicht und die Abschaffung der Startseite wie wir sie kennen, konzentrieren. Das alles ist nur konsquent, denn der Innovationsreport der New York Times (über den ich hier mal schrieb), hat durchaus korrekt festgestellt: der Wert der Startseite nimmt ab. Dass diese als Prinzip und Orientierung aber weiterhin einen Wert hat, beweisen Wired und Krautreporter – wenn auch indirekt. Es fehlt auf beiden Seiten an Übersicht – das ist deshalb lustig, weil es auf Krautreporter sogar einen Link namens „Übersicht einblenden“ gibt. Was dann allerdings folgt, ist eine Auflistung nach Autoren und Themen, die eben genau das nicht bringt: Übersicht in Form von Gewichtung.

Wired versucht genau das über „Collections“ zu erreichen. Das ist ebenfalls modern, weil Medium damit arbeitet. Es ist unnötiger Weise englisch (wie die ganze Navigation: Members!?) und bleibt verwirrend. Das ist deshalb merkwürdig, weil Wired ja in hoher Auflage besitzt, was der Website fehlt: Übersicht in Form eines Magazins. Die gedruckte Ausgabe („Collection: „Magazine Articles“) ist in orientierender Weise gerade nicht liquid – sie besitzt in allgemeinverbindlicher Form Anfang und Ende und sie sagt mir: Das hier ist der Redaktion besonders wichtig, deshalb steht es auf dem Cover.

Beides vermisse ich bei Wired (im Netz) und bei Krautreporter. Dabei wäre die Lösung vergleichsweise einfach: Webseiten brauchen Cover! Die Idee einer Magazin-Titelseite darf meiner Meinung nach durchaus Verwendung im Web finden – als Übersichts- aber vor allem als Gewichtungsseite. Ich finde es zu schwierig herauszufinden, was die Redaktionen von Wired und Krautreporter wichtig finden. Mir erschließt sich nicht schnell genug, welche Inhalte sie hervorheben wollen und warum sie sie in dieser Kombination anbieten (Blattmacher). In diesen Metadaten rund um den reinen Inhalt liegt aber ein bedeutsamer Wert für Journalismus der Zukunft. Hier entsteht – wenn man es sehen kann – sowas wie Haltung, Identität und Leserbindung. Und um die geht es Krautreporter wie auch Wired. Man kann sich einloggen und in unterschiedlicher Form teilnehmen (warum eigentlich bei Wired gar nicht kommentieren?), weil beide Seiten erkannt haben, dass in der Bindung zum Leser ein Weg der Zukunft liegen kann.

Ich persönlich bin sehr gespannt, wie sie ihn gehen werden!

Echter Rauch ist besser als doofes Internet

Deutschlands Außenwerbungsflächen werden gerade für eine groß angelegte Kampagne zum Lob des Echten, Wahren und Schönen genutzt. Und das findet sich – daran lassen die unterschiedlichen Motive keinen Zweifel – ausschließlich im Analogen. Es handelt sich um Anzeigen, die darauf hinweisen, dass in diesem modernen „Facebook“ auch das Wort „Buch“ (Facebook) steckt oder in dem englischen „Wireless“ auch das verbindende deutsche „Wir“ (Wireless). Ausgedrückt wird dies durch eine schöne Spielerei, die ich erst durchs Digitale (nämlich in Blogs) kennelernte: die Durchstreichung. Wortteile werden durchgestrichen, sie sind so les- und auf schnellst mögliche Art auf eine zweite Ebene übertragbar. Wenn man bei der Freundeszahl 364 die ersten zwei Ziffern streicht, wird die Botschaft schnell klar: In einer Freundschaft zählt nicht die Anzahl, sondern die Intensität.

luckie4 Alle Motive der Kampagne, die ich bisher gesehen habe, funktionieren nach diesem Muster. Ein schönes Muster. Eine handwerklich gut gemachte Kampagne. Dass ich sie hier erwähne, liegt an zwei Dingen: Zunächst halte ich Werbekampagnen grundsätzlich für einen guten Maßstab für gesellschaftliche Stimmungen. Wer etwas groß auf Plakate schreibt, muss sich sicher sein, damit nicht völlig am Zeitgeist oder dem Lebensgefühl seiner adressierten Konsumentenschar (vulgo: Zielgruppe) vorbeizureden. Zum zweiten – und das habe ich bisher unterschlagen – ist diese Kampagne allein deshalb erstaunlich, weil sie keineswegs von einem der klassischen Akteure des Online/Offline-Streits stammt: Es ist Zigarettenwerbung.

Es lohnt sich also, einen Moment innezuhalten und kurz über die Stimmung in dem Land nachzudenken, das man mit diesen Botschaften zuplakatieren kann. Es ist dies offenbar kein Land, in dem das Digitale besonders viel gilt; kein Land, in dem man große Netzwerke schätzt – weder in der persönlichen Verbindung (vier sind besser als 364) noch institutionell (Buch ist besser als Facebook). Es ist dies vielmehr ein Land, in dem man im Jahr 2014 das Fehlen einer stabilen WLAN-Verbindung als Wert herausstellen kann; ein Land, in dem man eine ganze Kampagne auf dem Gegensatz von On- und Offline aufbauen kann. Mit dem eindeutigen Lob für Offline – als Ausdruck des Guten, Wahren und Schönen.

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Das Echte ist auf diesen Plakaten nicht nur zum Teil des Absenders geworden, es ist vor allem all das, was nichts mit dem Modernen, Neuen, Digitalen zu tun hat. Das Echte soll vielmehr allein das sein, was man schon kennt, was schon früher da war, als man noch überall rauchen durfte, und überhaupt alles besser war. Den Machern der Kampagne ist es geglückt, einen Zeitgeist einzufangen und zu bedienen, der konservativ und zukunftsskeptisch ist. Und sie sind sich seiner Strahlkraft in alle Bereiche der Gesellschaft so sicher, dass sie ihn laut ins Land rausrufen. Sie erreichen damit sowohl die Zukunftsskeptiker älterer Generationen als auch die Jungen, denen eingeredet wird, es sei besser mal wieder ein gutes Buch zu lesen als auf Facebook zu sein. Ich kann nicht letztgültig entscheiden, was besser ist, aber spätestens wenn eine Zigarettenmarke sich an das Buch als Wertvermittler hängt, werde ich skeptisch.

Die Digital-Skepsis scheint in diesem Land plakattauglich zu sein. Sie ist so ausgeprägt, dass sie als Transportmittel für ganz andere Botschaften dient: Was überall mit Abschreckbildern von Raucherbeinen und Lungenkrebs bedacht wird, kann in diesem Land noch als Ausweis des Guten und Wahren gelten – wenn es mit dem Digitalen kontrastiert wird. Es sei besser mit drei Freunden am Strand zu rauchen, will das Plakat mir erklären, als mit 361 anderen auf Facebook abzuhängen. Der mir bekannte Stand der Krebsforschung kommt zu anderen Ergebnissen, aber die treten zurück gegen das Grundgefühl, das die Kampagne bedient: Irgendwie ist das Digitale doch nicht ganz geheuer.

Wenn beim nächsten Mal irgendwer gegen die smarte neue Welt anschreibt, muss man sich das in Erinnerung rufen. Das Digital-Evangelistentum, das damit bekämpft werden soll, gibt es in Deutschland nicht nur fast gar nicht, es wird vor allem überlagert von einer Stimmung, die im Digitalen etwas Unwahres, Unschönes, Unechtes erkennt. Fast muss man der Kampagne dankbar sein, dass sie dies so offen zu Tage fördert. Aber nur fast.

loading: Brafus 2014

Vor vier Jahren reisten Christian Frey und Kai Schächtele zum Wintermärchen 2010 nach Südafrika, jetzt wollen die beiden gemeinsam mit Birte Fuchs nach Brasilien – um Geschichten hinter der Fassade der Fußball-WM zu erzählen. Dafür haben sie eine besondere Form des Crowdfunding auf ihrer Seite brafus2014 gestartet.

Kai Schächtele hat dazu den loading-Fragebogen beantwortet.

brafus

Was macht Ihr?
Wir reisen ab 4. Juni zu dritt durch Brasilien und wollen herausfinden, was die WM mit Brasilien macht und Brasilien mit der WM. Und ein wenig auch, was Brasilien mit uns macht.

Warum macht Ihr es (so)?
Brafus2014 ist die Fortsetzung unseres Blogs wintermaerchen2010.com, das uns vor vier Jahren durch Südafrika geführt hat, damals noch zu zweit. Was wir gemerkt haben, ist zweierlei: Zum einen haben, je länger unsere Reise gedauert hat, immer mehr Leute Lust bekommen, zu lesen, welche Menschen wir getroffen und welche Geschichten hinter der Fassade der WM wir aufgespürt haben. Zum anderen haben wir gemerkt, dass die These, unsere Leser seien nicht bereit, für journalistische Inhalte Geld zu bezahlen, nicht stimmt. Was sie brauchen, ist neben dem Interesse für die Inhalte eine emotionale Verbindung zu den Machern und ein Gespür dafür, wofür das Geld verwandt wird. Dann begreifen sie sich als Teil der Unternehmung und zahlen gern. Wir wollen jetzt herausfinden, ob das auch im größeren Rahmen klappt. Denn die Reise diesmal wird ungleich teurer als die vor vier Jahren.

Wer soll das lesen?
Jeder, der sich dafür interessiert, was hinter der Fassade dieser WM passiert, welchen Transformationsprozessen eine Gesellschaft ausgesetzt ist, die sich von einem Schwellenland zu einer Industrienation verändert, und wie der Alltag in einem Land aussieht, in dem so viele Schichten mit so unterschiedlichen wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen leben. Und jeder, der sich für Geschichten von Menschen interessiert, die genauso von ihrem Alltag erzählen wie von ihren Hoffnungen, Befürchtungen oder vom Trompetespielen (denn wir werden auch mindestens eine Blaskapelle besuchen).

Wie geht es weiter?
Das hängt entscheidend davon ab, ob es uns gelingt, eine Brafus2014-Community aufzubauen. Bislang steht nur etwa ein Viertel des Budgets. Und je nachdem, wie sich einerseits unsere Einnahmen entwickeln und wir andererseits unsere Ausgaben deckeln können, zum Beispiel durch private Übernachtungen, werden wir einen größeren oder kleinen Bewegungsspielraum haben.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dass es im Moment den ernst gemeinten wie ernst zu nehmenden Versuch von Journalisten gibt, die Debatte um die Bezahlkultur für journalistische Inhalte im Netz voranzutreiben. Was uns eint, ist die Überzeugung, dass es genügend Menschen gibt, die unsere Arbeit wertschätzen und bereit sind, dafür Geld auszugeben. Was wir aber brauchen, sind Menschen, die uns dabei helfen, diese Botschaft über die Zirkel der Macher hinauszutragen. Im Moment zirkuliert das Geld noch zu sehr unter uns. Da zahlt Journalist A für Journalist B, Journalist B für Journalist C und Journalist C für Journalist A. Das war gerade am Anfang wichtig, damit sich in unseren Köpfen eine Welt öffnet, in der wir den Mut für Vorhaben entwickeln, die wirklich ins Geld gehen. Aber jetzt ist ein belastbares Signal derer notwendig, für die wir diese Arbeit machen. Journalismus ist kein Selbstzweck, sondern findet erst durch die Interaktion mit seinem Publikum zu seiner Entfaltung.

>>> Hier das Brafus Projekt auf der Paid Wall unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

loading: Pipes Box

Spätestens seit Google in dieser Woche den Smart-Home-Anbieter Nest kaufte, ist das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt: Wie kann das Zuhause so smart werden, wie das Handy es heute schon ist? Eine Antwort auf diese Frage gibt Jan Krog derzeit in dem Crowdfunding-Projekt Pipes Box – das er im loading-Fragebogen vorstellt.

Was machst du?
Wir sind ein Team aus Warnemünde und entwickeln eine Technologie-unabhängige Smart Home Plattform. Entstanden ist das Projekt an der Uni aus der Fragestellung heraus, wie man auf einfache Art und Weise verschiedene Internetdienste, aber auch Smart Home Geräte verschiedener Hersteller miteinander kombinieren kann, ohne Programmieren zu müssen.

Warum machst du es (so)?
Smart Home wird immer populärer, denn die Voraussetzungen sind da: Smartphones und Tablets sind weit verbreitet und Hardware wird immer kostengünstiger.
Ein großes Problem des Marktes sind derzeit noch die vielen unterschiedlichen Standards, die sich nicht miteinander kombinieren lassen, sowie das mangelnde Wissen über die Möglichkeiten und den Nutzen von Smart Home. Dem wollen wir entgegnen mit einem konsequent Technologie-unabhängigen Ansatz und dem Konzept des PipesMarkets. Im PipesMarket kann man herumstöbern und findet für seine vorhandenen Geräte eine passende Anwendung oder man kann sich Inspirationen holen und schauen, was andere Nutzer bei sich umgesetzt haben und kann dies bei sich zu Hause mit seinen Geräte nutzen – mit nur einem Klick.

Wer soll das lesen?
Jeder, bei dem das Smartphone zum Zentrum des digitalen Lebensstils geworden ist und der Interesse am Thema Smart Home und der Erhöhung des Wohnkomforts hat.

Wie geht es weiter?
Bei Erfolg der Crowdfunding Kampagne, die wir derzeit auf Startnext durchführen, werden die ersten Boxen im März verschickt. Im Anschluss erfolgt eine kontinuierliche Weiterentwicklung: es werden neue Technologien eingebunden sowie Apps programmiert. Die Plattform wird für Drittentwickler geöffnet und unsere Open Source Strategie wird fortgesetzt. Wir sehen die PipesBox Software in der Zukunft auf Internet-Routern, Smart TVs oder NAS-Systemen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Smart Home ist viel mehr, als nur Licht per Smartphone an/aus zu schalten oder seine Heizung zu steuern! Es ist ein viel größeres Potential vorhanden, welches derzeit aufgrund der Herstellerabhängigkeit und der geschlossenen Systeme nicht ausgeschöpft werden kann.

>>> Hier kann man Pipes Box auf Startnext unterstützen!

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Zeit für naive Politik

Ich war noch niemals im Kanzleramt. Aber in New York war ich schon mal. Das ist mehr als eine blöde Songreferenz. Beim Besuch eines Flohmarkts in der Lower East Side habe ich nämlich mal ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Yo Ho! Yo Ho! A Pirates Life for me“ erworben. Es war das einzige Kleidungsstück, das ich jemals auf einem Flohmarkt in New York erworben habe. Dass ich es jetzt wieder rauskrame, liegt im weitesten Sinn an Edward Snowden und den von ihm öffentlich gemachten Überwachungen.

Diese unfassbaren Enthüllungen werden ständig gesteigert, rufen aber bei manchen Leuten eine merkwürdige Form der Realpolitik hervor. Exemplarisch für diese Form von abgeklärtem Desinteresse an den Angriffen auf unsere Grundrechte meldete sich vergangene Woche Otto Schily zu Wort und kritisierte das Getöse, das um Snowdens Enthüllungen gemacht werde. Der Mann ist ehemaliger Innenminister und macht allein deshalb mit solchen Aussagen mehr Angst als dass er beruhigt. Und nebenbei liefert er damit die Antwort auf die Frage, warum die Opposition so wenig aus diesem Prism-Skandal und möglichen Verwicklungen der Regierung macht: Sie war auch mal in der Regierung.

Womit wir wieder beim T-Shirtaufdruck und dem Kanzleramt sind. Das Shirt ist weit vor dem Aufkommen der Piratenbewegung gekauft worden, aber sicher ist: Auch die deutsche Piratenpartei war noch nie im Kanzleramt. Ihr fehlt es an gestandenen Realpolitikern, die um die Notwendigkeiten und Zwänge der internationalen Diplomatie wissen. Woran es ihr nicht fehlt: an Menschen, die glaubhaft gegen das Abhören digitaler Kommunikation kämpfen. Der jetzt.de-Kollege Christian Helten hat in der vergangenen Woche Katharina Nocun getroffen und für die morgige Ausgabe der SZ porträtiert. Sie ist Geschäftsführerin der Piratenpartei und wer den Text liest, bemerkt schnell: Katharina Nocun ist der Grund für das, was Otto Schily Getöse nennt. Die Frau ist richtig wütend.

Das mögen die Realpolitiker aus der ehemaligen und aktuellen Regierung für naiv halten. Aber genau diese Naivität, die der Piratenpartei lange als Malus vorgehalten wurde, könnte im Endspurt des Bundestagswahlkampf ihr Alleinstellungsmerkmal werden: Sie könnten völlig naiv an den Wert der Grundrechte erinnern und genauso naiv Maßnahmen fordern, um diese einzuhalten. Grund genug gibt es ja.

loading: Ruhrbarone-Freundeskreis

Kann man Freund eines Mediums sein? Man kann. Die Ruhrbarone haben vor ein paar Tagen offiziell ihren Freundeskreis gestartet. Die Ruhrbarone sind ein lokales Blog im Ruhrgebiet. Das wiederum ist jener Teil des Landes, der unlängst durch Einsparmeldungen in Sachen Journalismus von sich reden machte. Stefan Laurin und sein Team stellen sich dagegen. Er hat unseren loading-Fragebogen beantwortet:

Was macht Ihr?
Wir haben eine Freundeskreis gegründet, damit unsere Leser sich freiwillig an der Finanzierung der Ruhrbarone beteiligen können. Wir wurden immer wieder aufgefordert so etwas zu machen, nun haben wir es getan.

Warum (macht Ihr es so)?
Wir orientieren uns an den Erfahrungen der Prenzlauer-Berg-Nachrichten. Die haben erste, gute Erfahrungen mit einem Freundeskreis gemacht.

Wer soll dabei mitmachen?
Möglichst viele unsere Leser.

Wie geht es weiter?
Der Freundeskreis ist nur einer der Wege, die wir gehen, um die Einnahmen des Blogs zu erhöhen und damit unsere Arbeit zu verbessern. Gleichzeitig haben wir unsere Werbebemühungen verstärkt und denken auch über den Verkauf von E-Books nach.

Was sollten mehr Menschen wissen?
„There ain’t no such thing as a free lunch“ – auch Journalismus muss finanziert werden. Durch Werbung, durch Engagement der Leser und auch durch die Veränderung politischer Rahmenbedingungen. Journalismus sollte als gemeinnützig anerkannt werden.

>>>>> Hier Mitglied im Ruhrbarone-Freundeskreis werden!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Der Tumbler verändert die Welt

Wenn die Rede im Netz auf ein Tumbler kommt, geht es meist um solche, denen ein E fehlt: tumblr. Dieser Trinkbecher hier hat ein E und eine besondere Funktion: Er transportiert nicht nur Wasser, er bringt auch welches. Die Firma MiiR aus Seattle verbindet den Kauf eines Trinkbehälters mit der Unterstützung einer Wasserkampagne. 12 Tage lang läuft das Crowdfunding-Projekt auf Indiegogo noch



>>>> Hier das Tumbler-Wasserprojekt unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren: