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Webdesign-Sommercamp in München

In den Ferien ins Internet: das ist die Ziel des Webdesign-Sommercamps, das Alexander Hoffmann und Philip Frank Anfang September in München anbieten. Das Besondere dabei: die beiden wollen Jugendlichen zwischen 10 und 15 Jahren Wege ins Netz zeigen. Ich habe Alexander dazu ein paar Fragen gestellt.

Zur Zeit sind in Bayern Sommerferien. Ihr bietet trotzdem einen Kurs für Jugendliche von 10 bis 15 Jahre an. Warum?
Der Kurs findet in der letzten Woche der Sommerferien statt, wenn die meisten Jugendlichen wieder aus dem „Urlaub“ zurück sind. Wenn ich mich an die wenigen Tage vor Schulbeginn zurückerinnere, habe ich sie zum Zocken von Computerspielen genutzt.

Wir möchten daher die Zeit nutzen und den Jugendlichen ohne Ablenkungen aus dem Schulalltag ein qualitativ hochwertiges Programm bieten, um einerseits Berührungsängste abzubauen und natürlich um zu zeigen, wie spannend die Welt der Programmierung sein kann.

Das ganze heißt „Webdesign Sommercamp“. Es gibt Leute, die behaupten, dass Jugendliche eh zuviel Zeit im Internet verbringen. Warum sollen sie jetzt auch noch Webdesign lernen?
Gerade deshalb glauben wir daran, dass Jugendliche zumindest die Grundlagen des Internets verstehen sollten, da sie es tagtäglich nutzen: Was passiert eigentlich, wenn man eine Website aufruft? Was sind Cookies, IP-Adressen oder Webserver? Wo liegen eigentlich die Daten, wenn man eine Website im Internet veröffentlichen will? Denn nur wer die Grundlagen versteht, kann sich besser vor Gefahren und Sicherheitsrisiken schützen.
Zudem eignet sich Webdesign hervorragend, um schnelle Erfolgserlebnisse bei der Programmierung zu erzielen und um ein langfristiges Interesse zu wecken. Zwar ist jetzt HTML streng genommen keine Programmiersprache, aber hier bekommen die Jugendlichen bereits ein Gefühl dafür, was es eigentlich bedeutet, wenn sie sich nur in ein paar Zeichen vertippen oder mal ein Zeichen vergessen. Das Ergebnis sehen sie sofort im Browser.

Und was sagst Du denjenigen, die finden, dass Kinder und Jugendliche möglichst wenig Zeit im Netz verbringen sollen?
Theoretisch brauchen die Jugendlichen kein Internet, um Programmieren zu lernen. Wir unterrichten z. B. an einer Schule bei der wir (leider) ohne Wlan auskommen müssen, weil externe Partner keinen Zugriff darauf haben dürfen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Es kommt natürlich immer darauf an, was die Kinder und Jugendlichen im Netz machen. Ich kenne z. B. einen geflüchteten Jugendlichen, der das Internet wortwörtlich aufsaugt und sich Webdesign und Grafikdesign selbst beibringt, weil er dort die Lerninhalte in seiner Sprache findet.
Oder ein anderer Fall: ein 12-Jähriger, der bereits mehrere Open Source Projekte unterstützt hat und damit so viel IT-Wissen angesammelt hat, dass er locker die Prüfung zum IHK Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bestehen könnte. All das mithilfe des Internets.

Kannst Du ein bisschen was zu den Kurs-Inhalten sagen? Was zum Beispiel ist ein Twitter-Bootstrap?
Das ist ein Framework, mit dem man viel schneller und einfacher eine Website umsetzen kann, die sich auch auf mobile Endgeräte anpasst. Also responsive ist.


Ein Punkt heißt „Wie funktioniert das Internet?“…

Du öffnest deinen Browser und besuchst eine Website. Klingt simpel, aber was steckt eigentlich dahinter und woraus besteht dieses weltweite Netzwerk? Wir vermitteln den Jugendlichen einen Überblick über die Technologie, Geschichte und Politik des Internets und wie es uns in Echtzeit mit Menschen auf der ganzen Welt verbindet. Hier erfährst du woraus sich dieses fast schon magische Phänomen in den letzten 25 Jahren entwickelt hat.

Und die anderen Inhalte?
HTML Grundlagen
Die Teilnehmer lernen, wie man Inhalte in einer Website definiert, die Website damit strukturiert und sie von Anfang an suchmaschinenfreundlich gestaltet.

CSS Grundlagen
In dem Abschnitt lernen die Jugendlichen, wie einfach es ist, die Schriftfarben oder Hintergrundbilder auszutauschen oder der Website ein schönes Layout zu verpassen.

JavaScript / Scratch
Die Jugendlichen erlernen hier die typischen Elemente einer Programmiersprache am Beispiel von JavaScript oder Scratch. Das ist besonders interessant für ihre Zukunft, da sich die Programmierkonzepte (Bedingungen, Schleifen, Variablen) in fast allen Programmiersprachen sehr ähneln.
Kennen sie eine Programmiersprache, erlernen sie damit sehr schnell eine weitere. Und sind die Konzepte einmal verinnerlicht, ändert sich auch die Denkweise hinsichtlich der Konzeption und Entwicklung von Algorithmen.
Die Jugendlichen bauen mit den gelernten JavaScript-Grundlagen ihren eigenen Vokabel-Test, um danach noch besser ihre Vokabeln aus der Schule üben zu können und um eigene Gamification-Ansätze auszuprobieren. Z. B. Vokabel-Test auf Zeit, Multiplayer-Modus, usw. Die Jugendlichen können selbst entscheiden, wie sie ihren Vokabel-Test anpassen.

Was ist das übergeordnete Ziel eurer Kurse: Was wollt ihr damit erreichen?
Wir wollen Berührungsängste abbauen und Menschen für IT-Themen begeistern.

Das Webdesign-Sommercamp vom 4. bis 9. September ist kostenlos. Es wird gemeinsam von Alexander Hoffmann, Gründer von COOK and CODE (Programmierkurse) und CHECK24 veranstaltet. Der Kreisjugendring München-Stadt stellt das Café Netzwerk als Location zur Verfügung. Hier kann man sich anmelden!

Mehr zum Thema in den Digitalen Notizen: Ein Interview mit den Machern des Hamburg App Camps

Warum der Spiegel in allen Generationen mehr Smartphone-Gelassenheit üben sollte

Eine ganze Woche ohne Handy?„, fragte die Spiegel-Hausmitteilung in der aktuellen Ausgabe „Schon Erwachsenen würde das schwerfallen, aber Kinder und Heranwachsende sind von ihrem Smartphone noch stärker abhängig – glauben jedenfalls viele Erwachsene.“ Mit diesen Worten wird die aktuelle Ausgabe des Kindermagazins „Dein Spiegel“ angekündigt, in der eine 13jährige Autorin eine Woche lang auf ihr Smartphone verzichtet.

Auf dem Titelbild des Magazins, das gestern erschienen ist, wurde der Kopf eines Karohemd-Trägers durch das Flushed-Face-Emoji ersetzt. Dessen gerötete Wangen beziehen sich laut Emojipedia auf einen Fehler bzw. eine peinliche Situation. Aber nicht die Macher*innen des Heftes schauen wegen der Titelzeile auf diese Weise aus der Wäsche. Die Leser*innen sind gemeint. Ihnen soll ein schlechtes Gewissen gemacht werden: „Bin ich handysüchtig?“ steht über dem Emoji-Kopf.

Und es ist klar welches Ergebnis das als „Der grosse Test“ angekündigte Coverthema zu Tage fördert: Du, junger Leser machst, einen Fehler. Du, junge Leserin musst erröten, „Dein Spiegel“ hat dich bei einem Fehler oder einer peinlichen Situation ertappt. Mal abgesehen davon, dass dies die vermutlich unsympathischste Haltung ist, die ein Magazin seiner Leserschaft gegenüber einnehmen kann: Was soll das?

Im Heft folgt ein gemeinsam mit Klicksafe entwickelter Fragebogen zur Smartphone-Nutzung, den ich gar nicht im Detail kommentieren will.

Was ich aber kommentieren will, ist die wenig konstruktive Panikmache die in dieser Ansprache sichtbar wird. Ein solches Titelbild trägt überhaupt nicht dazu bei, einen im Wortsinn gesunden Umgang mit Smartphones einzuüben. Durch die Verwendung des Suchtbegriffs wird ein Krankheitszusammenhang suggeriert, der mindestens diskutabel ist. Durch die Wahl des Emojis wird ein schlechtes Gewissen ob eines Fehlverhaltens angedeutet. Und in der Gesamtschau fügt sich damit ein rein angstgetriebener Blick auf Smartphones, der keinen Platz lässt für Gestaltungsfreude, Kreativität oder eigene Lösungen.

Dieses Titelbild fügt sich im besten Sinne in die Abhängigkeits-Berichterstattung, die der Spiegel im vergangenen Sommer in seiner Ausgabe für Nicht-Kinder gewählt hat. Beide sind aus zahlreichen Gründen ärgerlich und wecken in mir den Wunsch, den Macher*innen das Emoji „Person Shrugging“ vorzustellen. Denn darin steckt eine Haltung, die weniger angstgetrieben, kulturpragmatisch auf die Welt schaut und Ausdruck einer beim Spiegel in allen Generationen dringend überfälligen Perspektive ist: der Smartphone-Gelassenheit.


Mehr zum Thema:
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>> Fünf Fragen zur angemessenen Smartphone-Nutzung
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>>> Smartphones in die Schule – ein Interview
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>>> Die Idee Kulturpragmatismus
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>>> Das Shruggie-Prinzip

Das könnte ich sein! Warum die lustigen Kinder, die den Vater im Interview stören, eine politische Forderung illustrieren

Es ist über zehn Jahre her, dass der Begriff „Rush Hour des Lebens“ über Fachkreise hinaus bekannt wurde. Im Siebten Familienbericht der Bundesregierung im Jahr 2006 wurde jene Phase im Leben junger Erwachsener so beschrieben, in der sich zahlreiche wichtige Lebensentscheidungen ballen – und gleichzeitig die Anforderungen wachsen, Familie, Partnerschaft und Beruf miteinander in Einklang zu bringen.

Es ist erst wenige Stunden her, da sorgten Marion und James Kelly für die bestmögliche Bebilderung dieser Rush Hour des Lebens. Die beiden vier Jahre und neun Monate alten Kindern des Politik-Wissenschaftlers Robert Kelly sprengten ein Live-Interview, das ihr Vater der BBC gab. Während der Experte für koreanische Politik über die Amtsenthebung der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-hye sprach, tanzte erst Marion in einem leuchtend gelben Pullover ins Bild und wenig später folgte ihr kleiner Bruder. Ihr Auftritt wurde zu einem echten Phänomem!

Ein paar sehr sehr lustige Momente vergehen bis Kellys Frau Jung-a Kim ins Zimmer stürzt und die Kinder hektisch aus dem Home-Office-Raum und damit auch aus dem Bild zerrt. Auch das ist – bei aller Panik in ihrem Gesicht – sehr lustig. Robert Kelly entschuldigt sich und vielleicht muss er auch ein wenig schmunzeln, immerhin hört man im Hintergrund Kinderprotest. Marion und James wären offenbar lieber noch beim Papa geblieben.

Man kann diese Fernseh-Szene als Beweis für das Dilemma des Home-Office genannten Phänomens betrachten, dass immer mehr Menschen dort arbeiten wo sie auch wohnen (ist das vorne rechts eigentlich das Bett der Familie Kelly?). Ich finde aber, dass dieses Viral-Video vor allem die herausragend humorvolle Bebilderung der Situation ist, in der fast alle meine Freunde und Bekannte sind, die laut Familienbericht in der Rush Hour des Lebens stecken: Marion und James Kelly ist heute etwas geglückt, womit sich Parteien und Medien derzeit etwas schwer tun: Sie haben ein Bild geschaffen, mit dem sich eine ganze Generation identifizieren kann.

„Das könnte ich sein“, haben sich Menschen in sehr unterschiedlichen Kontinenten heute offenbar gedacht als sie die Szenen der gestressten Eltern sahen. Und ich habe in meiner Timeline von zahlreichen Bekannten gelesen, dass sie es nicht nur gedacht, sondern auch geschrieben haben.

Das ist einerseits sehr schön, weil die humorvolle Reflektion sicher hilfreich ist, besser mit Stress umzugehen. Es steckt andererseits aber in diesen Bildern und ihrer Timeline-Kommentierung auch eine politische Chance: Gifs können – das hat unlängst erst Barack Obama bewiesen – Politik bestimmen. Und die Gifs und Bilder, die Marion und James heute geliefert haben, sind die Grundlage für die Forderung, an der Situation der gestressten Rush-Hour-Elterngeneration politisch etwas zu ändern.

Denn die Szene ist deshalb so toll, weil keiner der Beteiligten alleine etwas ändern kann. Es ist ein strukturelles Dilemma, das hier illustriert wird (bezeichnenderweise in der als klassisch beschriebenen Geschlechter-Arbeits-Verteilung) – und nur wir als Zuschauer Gesellschaft können eine Lösung erarbeiten: Ich habe keinen einzigen Kommentar im Netz gefunden, der die Kinder als Störung beschrieben hat. In keiner Sprache, die ich verstehe, habe ich einen Vorwurf an die Eltern gelesen. Und nahezu niemand beschwerte sich darüber, dass hier doch die Arbeit (also die politische Kommentierung) nachhaltig Schaden nehme. Alle drei Punkte bekommen Eltern aber zu spüren (und manchmal sogar zu hören), wenn sie in der Rush Hour des Lebens in die wenig modernen Gassen klassischer Arbeitsstruktur einbiegen.

Wenn man die Straßen für die hohen Belastungen des Berufsverkehrs umgestalten will (und das sollte die Forderung sein, die man aus der Metapher ableitet), dann braucht man dafür ein höheres gesellschaftliches Problembewusstsein. Als bei der letzten Bundestagswahl der SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück dazu einen Anlauf unternahm, scheiterte er nicht nur damit. Robert Franken konstatierte Ende vergangenen Jahres:

Eine progressive, gegen alle Widerstände zielorientierte und kämpferische Personalabteilung muss man ebenso mit der Lupe suchen wie einen CEO, der Diversity und Gender Equality zu (seiner) Chefsache erklärt – und zwar jenseits bloßer Lippenbekenntnisse.

Vielleicht geht von den Bildern von Marion und James ja ein Signal für die kommende Bundestagswahl aus!

loading: b-cared

„Das ist die Crowdfunding-Kampagne, die Leben retten wird“, beginnt der Pitchfilm von b-Cared auf Visionbakery. Denn es geht um einen selbsttätigen Notruf für Menschen, die Hilfe brauchen. Gergely Teglasy hat den loading-Fragebogen dazu beantwortet.

Was macht ihr?
Wir haben das Notfall-System b-cared entwickelt, das sich speziell an ältere Menschen und ihre Angehörigen richtet. Der Benutzer braucht dafür nur das, was er ohnehin hat und kennt – sein Handy. Im Unterschied zu anderen Systemen (z.B. Notruf-Armbändern) erkennt b-cared Notfälle und alarmiert ausgewählte Kontakte (z.B. den Nachbarn), Betreuungsorganisationen oder Rettungsdienste selbsttätig. Der Clou dabei ist, dass diese Alarmierung nicht vom Nutzer erolgen muss, sondern bei Ausbleiben einer vorgegebenen Reaktion erfolgt.

Warum macht ihr es so?
Viele ältere Personen finden das Tragen von Hausnotruf-Armbändern und ähnlichen Alarmierungshilfen stigmatisierend und fühlen sich durch fixe Basisstationen in ihrer Mobilität massiv eingeschränkt. Ein Nachteil gängiger Systeme ist zudem, dass die Person selbst in der Lage sein muss, einen Notruf auszulösen. Mit b-cared schaffen wir gemeinsam eine zeitgemäße, die Mobilität nicht einschränkende Alternative zum Hausnotruf und zu Notfall-Armbändern.

Wer soll ich dafür interessieren?
Unsere Hauptzielgruppen sind allein lebende, ältere Menschen bzw. ihre Angehörigen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es bereits mehr als 16 Millionen Menschen über 65 Jahren, die alleine leben. Diese leben beständig in der Gefahr, dass ein Notfall nicht oder viel zu spät von möglichen Helfern wahrgenommen wird. Wir alle kennen Fälle, in denen jemand tagelang hilflos in seiner Wohnung lag und zu spät entdeckt wurde. Mit b-cared wollen wir hier eine Lösung anbieten. Im Rahmen der aktuellen Crowdfunding-Kampagne arbeiten wir zudem mit Sozialvereinen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen, die 100 Jahres-Abos erhalten, WENN wir die Zielsumme erreichen.

Wie geht es weiter?
Wir haben bereits einen stabilen funktionierenden Prototyp entwickelt und ausführliche Usertests erfolgreich abgeschlossen. All das haben wir bisher zu zweit finanziert und wir arbeiten mit voller Kraft daran, dass b-cared immer besser wird. Was uns noch fehlt ist die serverseitige Implementierung. Mit dieser können die Helfer (Kinder, Enkel, Nachbarn, Rettungsdienste u. a.) auf aktuelle Notfalldaten (wie z. B. die letzte bekannte Position etc.) zugreifen, um rasch helfen zu können.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Erhält das Projekt bis zum 02.08.2015 14:35 mindestens 28.800,00 € wird es finanziert. Nur wenn das Crowdfunding-Ziel erreicht wird, wird es b-cared geben. Und kann vielen Menschen in Notsituationen helfen, sogar Leben retten.

>>> b-cared hier unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

loading: One Earth Kids

Ein Magnet-Spielbuch im XXL-Format wollen die Macher des Projekts One Earth Kids herausbringen. Dafür haben die Salzburger eine Crowdfunding-Projekt auf Startnext begonnen. Reingard Meiche hat den loading-Fragebogen beantwortet

Was macht Ihr?
eoVision ist ein Salzburger Unternehmen, das eigentlich Satellitenbilder & Geo-Information bereitstellt. Da wir aber alle einfach fasziniert von den wunderschönen Bildern der Erde sind, haben wir irgendwann begonnen auch Bildbände herauszugeben. Bisher sind es drei: one earth, Human Footprint und Untouched Nature.
Seit ca drei Jahren ist der Wunsch da, diese tollen Bilder auch Kindern zu zeigen.
Judith Grubinger-Preiner, meine Kollegin hier und die hauptverantwortliche des Projekts, hatte die Idee eine Art Kinder-Atlas zu machen.
one earth kids ist eine riesengroße, magnetische und faltbare Karte mit Satellitenbildern der Erde und über 150 Magneten mit denen die Kinder die Welt spielerisch entdecken können.

Wo wachsen Bananen? Wo werden unsere Jeans genäht? Wo gibt es Tiger? Welche Sprache wird in Kanada gesprochen?
one earth kids soll Kindern nicht nur die Erde bzw. Geographie näher bringen sondern ihnen die Möglichkeit geben, globale Zusammenhänge spielerisch verstehen zu lernen.
Mit den Magneten aus unterschiedlichen Themenbereichen kann das ganze Buch bespielt werden: die Kinder können überlegen was sie gerade in der Hand halten und selbst platzieren, wo es hin gehört. So wird vernetztes Denken gefördert und das Interesse dafür geweckt, was alles auf der Welt passiert.
Das Buch ist auf beidseitig bedruckt: mit einem Satellitenbild der Erde und auf der anderen Seite mit einem großen Satellitenbild von Europa inklusive Landesgrenzen.

one earth kids wird mit 150 Magneten aus 7 Themenbereichen geliefert: Tiere, Geographie, Natur, Bauten & Sehenswürdigkeiten, Pflanzen & Landwirtschaft, Globalisierung, Mensch & Kultur.
Weitere Magnete können jederzeit nachbestellt werden und die Sets zu den einzelnen Themen erweitert werden – etwa mehr Tiere, mehr exotische Pflanzen, etc. So passt sich das Buch dem Lernfortschritt und Wissen der Kinder an.

Warum macht Ihr das (so)?
Kinder wollen selber machen, selber ausprobieren, selber herausfinden, wie etwas funktioniert. Leider neigen wir dazu, Kindern (und anderen) alles fix und fertig vorzusetzen. Hirnforscher schreiben, dass Erwachsene mit ihrem überschäumenden Wissen die Neugierde und Begeisterung der Kinder geradezu ersticken.
Wir sollten die Kinder eigentlich eher inspirieren und zum Forschen motivieren, als ihnen Komplettlösungen zu servieren. Lasst eure Kinder raten, schickt sie einfach mal zum Bücherregal um ihre Neugierde zu stillen, lasst sie ausprobieren – das ist regelrechtes Kraftfutter für kleine Entdecker.
Dieses „entdeckende Lernen“ anstelle des veralteten, „vorgekauten“ Wissens unterstützt die individuelle Entwicklung der Kinder. Sie lernen dadurch intensiver und mehr. Allerdings bestimmen sie dabei in hohem Maße selbst, was sie wann und wie tatsächlich aufnehmen.
Ein solches Buch zu produzieren ist sehr kostspielig. Um die Idee one earth kids dennoch umsetzen zu können, haben wir uns dazu entschieden eine Crowdfunding Kampagne zu starten. Dies bedeutet, dass jeder, der die Idee toll findet mit helfen kann, dass das Buch tatsächlich produziert wird. Vereinfacht ausgedrückt: Sie können Ihr one earth kids bereits vorbestellen und dadurch die Produktion überhaupt erst ermöglichen.

Wer soll das anschauen?
Wir glauben, dass jeder der Kinder, Enkel, Nichten & Neffen hat, sich für das Buch interessieren kann. Ebenso Pädagogen für das Kindergarten- Vor- und Volksschulalter.

Wie geht es weiter?
Derzeit haben wir neue Materialen usw. bekommen und haben uns endlich für einen Lieferanten entschieden und gestern einen Dummy „gebastelt“. Derzeit arbeiten wir mit einer Grafikerin & Illustratorin am Cover und dem Design für das Beiheft. Wir diskutieren gerade die einzelnen Symbole für die 150 Magnete, was können wir aufnehmen, was muss draußen bleiben, welche Symbole drücken am besten die Themen aus, die wir suchen…
Am 15. Juli ist das Crowdfunding zu Ende, wenn alles gut geht soll Ende Juli das Buch in Produktion gehen und im Herbst im Handel und online bei uns erhältlich sein.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Es ist nicht so, dass wir das buzz-word „Nachhaltigkeit“ riesengroß auf dieses Projekt schreiben wollen, doch wir sind überzeugt davon, dass es ein sehr wichtiges Thema ist und wir möchten die Sinne der Kinder dafür schärfen. One earth kids soll zeigen wie groß, wunderschön und vielfältig die Welt ist, was jeden Tag rund um den Globus passiert – es gibt so viel Wunderbares zu entdecken und die Kinder sind begeistert davon, wie alles zusammenhängt. Aber eben auch, dass es negative Seiten gibt und wir vorsichtig sein müssen, wie wir mit der Erde umgehen. Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und fair trade können Kinder nur verstehen wenn wir ihnen erzählen wie die Dinge zusammen hängen. Solche Sachen kennen zu lernen, macht natürlich viel mehr Spaß, wenn es mit spielen und entdecken verbunden ist.

>>> Hier kann man das Magnetbuch auf Startnext kaufen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

Die journalistische Familie

In den vergangenen Tagen ist viel über Journalisten und ihre Rolle gesprochen worden. Diese Woche nun erschien im Spiegel ein Text, den man früher (als das ahnungslose Abwerten von Blogs noch üblicher war) vielleicht als Blog bezeichnet hätte. Im Spiegel läuft er unter der Kategorie „Homestory“ und der Spiegel-Autor Ralf Hoppe erzählt darin von daheim. Er steigert sozusagen den Ansatz von Laura Himmelreich: hier ist nicht mehr der Journalist allein wichtigster Beleg seiner Thesen, hier dient die Familie als Bezugsrahmen, konkret der Sohn von Ralf Hoppe. Dieser ist offenbar der einzige oder zumindest der mit dem geringsten Aufwand zu recherchierende Vertreter einer fremden Generation, über die Hoppe schreiben möchte. Im Untertitel des „Volksreporter“ überschriebenen Textes wird diese Generation unter Verwendung eines merkwürdigen „uns“ und mit grammatikalisch falscher Tempus-Setzung so beschrieben: „Wie sich das Leben verändern wird, wenn unsere Kinder keine Zeitung mehr lesen.“

Was dann folgt ist ein Text, der sehr gegenwärtig beschreibt, dass der Sohn des Autors bereits heute keine Zeitung (auf Papier) liest.

Dabei verfällt der Text dem klassischen Fehler, Zeitung nicht über den Wert des darin produzierten Journalismus, sondern einzig mit dem Verbreitungsweg Papier zu definieren (ich hatte dazu hier bereits ausführlich geschrieben). Wenn dieses Papier verschwindet, so die These des Blog-Textes im Spiegel, wird es nur noch Blogs geben. Darin zeigt sich eine verquere Logik, denn diese Blogs, so der Blog-Text, seien per se schlechter. Was man ja an Island sehen kann. Wer jetzt erwartet, dass Ralf Hoppes Sohn wenigstens einen Bezug zu Island habe … aber egal. (Alexander Svensson hat sich die Mühe gemacht, den Text in dieser Sache detaillierter zu analysieren)

Ich will viel lieber über einen anderen Aspekt in dem online nicht verfügbaren Text sprechen: über die Rolle des Journalisten. Darum scheint es dem Autor nämlich auch zu gehen. Er benennt die Demokratisierung des Berufs sehr konkret mit einem plötzlichen Perspektiv-Wechsel auf ein vorher nicht erwähntes Wir, das den folgenden Satz einleitet:

Wir sind alle unsere eigenen Volksreporter : Das ist das Konzept, das hinter dieser Nachrichtenverbreitung steckt. Der Beruf, den ich mal vor langer Zeit ergriffen habe, nicht zuletzt, weil ich ihn für interessant (aber auch für krisensicher) hielt, sah einen Journalisten vor, der eine Ausbildung besitzt, eine Aufgabe hat, eine Mission, wie immer die auch aussieht. Dieser Journalist kommt in der neuen Art der Informationsübermittlung nicht vor.

Das muss er so schreiben, weil er vorher behauptet hatte, die Informationen im digitalen Nachrichtenstrom, an dem sein Sohn teilhat, seien sozusagen ohne Quelle, ohne medialen Bezug:

Nachrichten im sozialen Netz haben keinen Anfang, keinen Ursprung. Sie sind einfach plötzlich da. Erklärungslos, dafür meinungslastig, emotional.

Diese Behauptung ist einfach da, erklärungslos, meinungslastig, emotional. Sie deckt sich kaum mit dem, was Studien über die Verlinkung klassicher Medien im digitalen Raum zu Tage födern und noch viel weniger mit dem, was ich im sozialen Netz erlebe. Ich sehe dort Journalisten im angelsächsichen Raum, die sehr gebildet (und ausgebildet) ihre Quellen offenlegen, Bezüge herstellen, sachlich und zurückhaltend erklären.

Ich kann verstehen, dass es Journalisten gibt, die dieses Form der Autoritätsbegründung und Berufsausübung nicht mögen. Aber deshalb muss man sie ja nicht negieren. Wer den Datenstrom der sozialen Netze mit einer italienischen Piazza vergleicht, sollte schon anerkennen, dass dort sehr wohl auch professionelle Journalisten herumspazieren und den Dialog mit ihren Nutzern suchen. Von einem Artikel, der weniger „erklärungslos, meinungslastig und emotional“ ein Thema bearbeitet, würde ich mir sogar erwarten, dass er diese Fakten in eine Analyse einfließen lässt. Denn hier liegt meiner Einschätzung nach der Hebel für eine digitale Ausgestaltung des Journalistenberufs einerseits und für Antworten auf die Frage, wie qualitativ hochwertiger Journalismus auch im digitalen Zeitalter funktionieren kann: in dem man seinen Wert benennt und nicht seinen Vertriebsweg. In dem man analysiert, wo er Menschen erreichen kann. In dem man nachschaut, wo er heute bereits praktiziert wird und nachfragt, warum das so ist.

Wer stattdessen lediglich seine Distanz und Verwunderung über die Digitalisierung festhält, beschreibt damit mehr die Entfernung von einer Lösung als die Suche danach. Ein Text, der sich aus dieser Ich-Perspektive der eigenen Familie bemächtigt, um daraus Schlüsse zu ziehen, ist viel weniger Zeitung als dem Autor vermutlich lieb ist. Ein solcher Text ist ein schlechtes Blog auf Papier, ohne dessen digitale Möglichkeiten auch nur zu erfragen.

Rückwärts geboren sein

Soll man seine Kinder fotografieren und der Netzöffentlichkeit präsentieren? Menschen tun das. Emily Cleaver tut das auch – in ihrem Fall aber in einem besonderen Kontext. Ihre Website heißt Studio Arthur und ist nach ihrem Sohn benannt.

Dort präsentiert Emily ihren Sohn auf Fotos, die bekannten Filmen nachempfunden sind (oben American Beauty). Seinen Anfang nahm das Projekt mit einer Alien-Anspielung und hat seit dem an Qualität gewonnen.

Natürlich erinnert die Website an die Form des Schwedens, die Michel Gondry 2008 in Deutschland mit Abgedreht bekannt machte (auf englisch Be Kind Rewind). Ich musste aber als ich Arthurs Kino-Kinderbilder sah, vor allem an Jonathan Lethem denken, der in seinem wunderbaren Essay The ecstasy of influence: A plagiarism die Formulierung des „Rückwärts geboren seins“ verwendet, um zu beschreiben, wie wir unsere Position in der Kultur der Referenz und Bezüge finden. Er schreibt:

Beim Aufwachsen wurde ich überschwemmt mit den Parodien auf Originale, die mir unbekannt und geheimnisvoll waren – ich kannte die Monkees früher als die Beatles und Belmondo früher als Bogart. Ich stehe nicht allein damit, dass ich rückwärts geboren bin, hinein in ein chaotisches Reich der Texte, Produkte und Bilder – in eine Kommerz- und Kultur-Umwelt, die unsere natürliche Umwelt zugleich ergänzt und auslöscht. Sie gehören mir genauso wenig wie die Gehsteige oder die Wälder der Welt, dennoch wohne ich darin.

Arthur liefert eine erstaunliche Bebilderung für Lethems These.